Thursday, November 12, 2020

Weihnachtsbäckerei mal ohne Zucker

 Plätzchen gehören zur Weihnachtszeit wie Adventskranz und Tannenbaum. Allerdings hat die süße Versuchung schon vor den Feiertagen im Zweifelsfall Auswirkungen auf die Zahl auf der Waage. Mit "Weihnachtsplätzchen zuckerfrei" dürfte sich mit etwas besserem Gewissen naschen lassen. Die Autorinnen und Böoggerinnen Lena Merz und Annina Schäflein jedenfalls versprechen,dass auch mit Obst und Trockenfrüchen sowie den Alternativen Dattelsüße, Kokosblütenzucker und Reissirup der Blutzuckerspiegel weniger in die Höhe getrieben wird.

In dem G+U Buch, wie gewohnt schön und apettitanregend fotografiert, wird zwischen traditionellen und modernen Plätzchen unterschieden. Dabei wird auch durchaus mal eine Alternative bei der Größe angeboten. Die Mini-Stollen haben mich jedenfalls gleich gereizt, sie bei nächster Gelegenheit auszuprobieren. Mit veganen Lebkuchenschnittem habe ich auch gleich schon ein kleines Adventsgeschenk für eine Kollegin.

Bei den modernen Plätzchen gibt es orientalische Noten, die ja durchaus zu den Zimt-, Nelken- und Kardamongerüchen der Weihnachts-Backstube passen, etwa Tahin-Cookies oder Sesam-Pekannuss-Konfekt. Lecker in der herbstlich-kühlen Jahreszeit auch ohne Weihnachtsbezug klingen die Apfelhörnchen, die knusprigen Zimtkracher oder Spekulatius-Rauten. Übrgens, nicht nur Zucker wird weggelassen, auch Dinkelmehl oder Haferflocken werden oft statt Weizenmehl verwendet. 

In einem weiteren Abschnitt des Buches gibt es Geschenke, die sicher nicht nur zur Wichtel-Zeit Freude bereiten, zum Beispiel Bananenbrot im Glas oder eine Mandel-Dattel-Creme. Mit Weihnachts-Granola und Glühwein-Apfel-Fruchtgummisternen dürfte für jeden Geschmack etwas dabei sein. Allerdings - mit all der Butter und den Nüssen sind die Leckereien zwar im Zweifelsfall gesünder, aber Kalorien addieren sich auch hier zusammen....


Lena Merz, Annina Schäflein, Weihnachtsplätzchen zuckerfrei

G+U ,2020

64 Seiten, 9,99

ISBN  978-3-8338-7578-6

Sunday, October 25, 2020

Scharf geht immer - Kochen wie in Thailand

 Eine Liebhaberin der südostasiatischen Küche, vor allem aus Thailand und Vietnam, bin ich schon seit dem ersten Backpacking-Trip in die Region, verbunden mit viel Schlemmerei in örtlichen Garküchen. Frische Zutaten, scharfe und zitronige Geschmacksnoten, Koriander und Chilischoten - da ist der Genuss manchmal vielleicht schweißtreibend, aber eigentlich immer garantiert. Klar, dass mich da ein Titel wie "Kochen wie in Thailand" aus der G+U-Länderküchen-Reihe gleich interessiert.

Wie aus der Serie gewohnt, überzeugt auch diesmal wieder die Optik der vorgestellten Gerichte, ergänzt um Land- und Leute-Hinweise und Tipss für die "Must see"-Plätze in Thailand (na ja, wenn das erst mal wieder möglich ist). Autorin Meo Kross, die auch gelernte Ernährungsberaterin ist und seit mehr als 20 Jahren in Deutschland ist, weiß aus ihrer Erfahrung nicht nur, welches authentische Gericht an die Gegebenheiten in Deutschland womöglich wie abgewandelt werden kann, sondern auch, wann ein Warnhinweis zur Schärfe angebracht sein könnte.

Die etwa 70 Gerichte, die in dem Buch vorgestellt werden, sind aufgeteilt in die Kapitel Snacks und Salate, Suppen und Curries, Hauptspeisen sowie Süßes. Klar, dass da Rezepte für Currypasten nicht fehlen dürfen. Vielleicht wage ich ja doch noch mal den authentischen Anlauf, statt auf Vorproduziertes aus dem Asia-Laden zurück zu greifen, denn machbar klingen die Rezepte eigentlich schon. Unter den Rezepten sind Garküchen-Klassiker wie Som Tom, Frühlingsrollen und Satay. Richtig lecker und buchstäblich scharf klingt der Calamari-Salat auf thailändische Art. Mit Tintenfisch in Pfeffer-Knoblauch Sauce gibt es im Hauptspeisen-Kapitel ein passendes Follow-Up.

Klebreis und Co ist eigentlich nicht so mein Ding, und überhaupt sind mir viele Desserts aus der asiatischen oder auch aus der arabischen Küche deutlich zu süß - aber Obstsalat mit Mango-Kokos-Dressing klingt ausgesprochen lecker.

Die Arbeitsschritte sind gut erklärt, die Hintergrundinformationen zu Nährwert/Kalorien sind ein nettes Extra und auch die Zutaten sind nicht so extravagant, dass es fast unmöglich ist, die Rezepte nachzukochen. Schon beim Durchblättern wird der Apettit angeregt - und jetzt, in der kalten, dunklen Jahreszeit, ist es doch tröstlich, wenigstens ein bißchen exotische Fernwehstimmung auf den Tisch zaubern zu können.


Meo Kross, Kochen wie in Thailand

G+U, 2020



Thursday, October 15, 2020

Fisch und noch mehr - Uri Buris Küchenphilosophie

 Ich muss gestehen, ich hatte vorher noch nie von Uri Buri gehört, der eigentlich mit bürgerlichem Namen Uri Jeremias heißt und DER Koch für Fisch und Meeresfrüchte in Israel sein soll.  Eine kurze Internetrecherche ergab jedenfalls überschwängliches Lob für den Mann, der mit seinem wallenden weißen Bart ein wenig an einen rundlich geratenen Gandalf erinnert. Mit einem silberglänzenden Fisch in den Händen wird der Mann mit den schelmischen Augen auch auf der  Titelseite von "Uri Buri - meine Küche" porträtiert.

Klar, dass es auf den fast 290 Seiten viel um Fisch geht - worauf man beim Kauf achten muss,wie man ihn optimal frisch hält, wie man ihn zubereitet und natürlich viele Rezepte. Zuerst aber steht der Menschen Uni im Vordergrund, seine Philosophie, sein Umgang mit Mitarbeitern und Gästen, seine Lebensfreude und sein positives Interesse an Menschen. Und schon einmal das macht dieses Buch zu einem Gewinn, denn - da kommt wieder die Parallele zu Gandalf - Uri strahlt Lebensweisheit aus. Die vielen Bilder von seinem Restaurant in Akko, von einer israelisch-arabischen Welt, die nicht von Konflikten, sondern von Nachbarschaft bestimmt wird zeigt jedenfalls: so kann es sein. 

Der zweite Buchteil befasst sich dann weniger mit den inneren Werten als mit dem kulinarischen Talent, der Küchenphilosophie und dem, was der bärtige Koch auf den Tisch bringt.  Ob gegrillt, gebacken, gedünstet - Fischrezepte sond natürlich reichtlich vertreten, zugleich wird dem Leser die Angst genommen, dass Fisch vielleicht doch ein bißchen heikel und kompliziert ist, jedenfalls, solange nicht einfach Fischstäbchen in eine Pfanne geknallt werden.

Nächste Überraschung: Das Buch enthält eine ganze Reihe spannend klingender Gerichte, die überhaupt keinen Fisch enthalten, sondern israelische oder mediterrane Klassiker sind, aber auch aus der aschkenasischen Tradition stammen. Auch wenn so manches nach Meer schmeckt, ist ein vielseitiger Mix von Rezepten zu finden, obendrein wunderschön und appettitanregend fotografiert. Da kommt einfach Lust zum ausprobieren und Nachkochen auf.


Uri Buri, Meine Küche

G + U, 2020

288 Seiten, 29 Euro

978-3-8338-7580-9

Saturday, October 10, 2020

Shalom und Hummus - Kochen wie in Israel

 Auch wenn beim Gedanken an die Restaurants von Tel Aviv sicherlich erst einmal Shakshuka, Hummus und Falafel auf der mentalen Speisekarte auftauchen - DIE israelische Küche ist schwet abzustecken angesichts der Vielzahl kulinarischer Traditionen. Denn Israel liegt zwar am Mittelmeer und teilt so manche kulinarische Vorliebe mit den Nachbarn - Hummus und Falafel mögen eines der einigenden Elemente über alle Teilungen undFeindschaften des Nahost-Konflikts hinweg sein - aber 2000 Jahre jüdischen Lebens in der Diaspora haben ihre Spuren hinterlassen, auch wenn es um die überlieferten Rezepte geht. 

Klar, die sephardische Tradition aus Nordafrika und der spanischen Halbinsel hat viele Gemeinsamkeiten mit der Mittelmeerküche und den Rezepten der Levante. Aber die aschkenasische Kochtraditon - Rugelach! Babka! Latkes! - ist geprägt vom Leben in Mittel- und Osteuropa, mit seinem anderen Klima, seinen anderen Lebensmitteln. Und auch wenn bei weitem nicht jeder Israeli koscher lebt und sich an die religiösen Speisege- und verbote hält, dürfte die Trennung von "milchig" und "fleischig" in der Kochtradition weiter eine gewisse Rolle spielen - und sei es nur mit vegetarischen Gerichten, die ja jenseits aller Religion voll im Trend liegen.

Mit "Kochen wie in Israel" hat die in Berlin lebende Israelin Stav Cohen einen Teil der Rezepte ihrer Oma aufgegriffen, stellt aber -zusammen mit Besuchtipps und mus-see-Orten in Israel die Trends der Food-Szene zwischen Tel Aviv und Jerusalem vor.

Gleich am Anfang kommt das, was für mich zum besten der Küche in der Region gehört, nämlich Mezze. Hummus darf da natürlich nicht fehlen, Gurke-Minze-Yoghurt, wie man ihn auch aus der türkisch-griechischen Küche kennt, Harissa wie aus Tunesien, Paprikacreme und Muhammara. All die leckern Dips und kleinen Salate eben, die sich mit einem Stück Pita-Brot (für das es ebenfalls ein Rezept gibt) so gut stippen lassen.

Und auch bei den Hauptgerichten muss Hummus nicht fehlen - etwa warmer Hummus mit Lamm. Dass es nicht immer nur Taboule sein muss, beweisen der Thunfisch mit Quinoa-Salat  oder der Röst-Couscous mit Garnelen. Und auch die vegetarischen Gerichte können sich sehen lassen, das satt machende Soul Food Mejadra oder die Latkes-Variante mit Petersilienwurzel - es muss eben nicht immer (nur) Kartoffel sein. Auch der Ofenkürbis mit Koriandersoße als herbstliche Bereicherung des Küchenplans klingt vielversprechend..

Abgerundet wird "Kochen wie in Israel" mit Desserts, bei denen mich vor allem die Mohn-Babka lockt. Das klingt doch wie von einer Galitzyaner oder Litvak-Bubbe übernommen und erinnert mich an ähnlich liebevoll gehütete polnische Familienrezept. 


Stav Cohen, Kochen wie in Israel

G+U, 2020

144 Seiten, 17,99

  978-3-8338-7082-8

Wednesday, October 7, 2020

Zeit für Kurkuma und Masala - "Kochen wie in Indien"

 Meine erste Begegnung mit der indischen Küche fand nicht an den Stränden von Goa, im Gewusel von Mumbai oder im Schatten des Taj Mahal statt. Im "Balti triangle"des englischen Birmingham dürfte sie aber ebenso authentisch gewesen sein, mit unspektakulären aber leckeren Restaurants zwischen Läden, die Saris und Stoffe, Ghee und damals noch sehr exotische Früchte verkauften und die meisten Menschen in den Restaurants hatten indische oder pakistanische Wurzeln. 

Es war kulinarische Liebe auf den ersten Biss, und deshalb freue ich mich immer, ein neues Kochbuch kennen zu lernen, dass mir neue Variationen der vielfältigen indischen Küche näher bringt. "Kochen wie in  Indien" von Robi Banerjee und Indrani Roychoudhury ist so ein Buch. Wie bei ähnlichen Büchern der von G+U publizierten Reihe darf ein bißchen Landeskunde nicht fehlen - die Top-five-Zutaten ebensowenig wie das, was man in Indien unbedingt sehen und erleben sollte. Klar, dass Kurkuma und Masala nicht fehlen dürfen.

Einige basics wie Chutney, Raita oder Naan zum Selbermachen werden vorgestellt, und auch sonst sind die Rezepte so zusammengestellt, dass die Zutatensuche zur zeitraubenden Recherche wird. Nicht nur in Großstädten mit internationaler Zusammensetzung sind Supermärkte hier ja mittlerweile gut aufgestellt, auch bei Gewürzen, die in der deutschen Küche eher nicht eingesetzt werden. 

In der kalten Jahreszeit tut scharfes Essen ja besonders gut, wärmt es doch nicht nur den Magen auf. Das Garnelen-Masala klingt da sehr vielversprechend für Gäste oder einen Verwöhn-Abend. Das im Backofen vor sich hin garende Auberginencurry dürfte ein gutes Gericht sein, wenn vor dem Essen noch einiges andere zu erledigen ist und auch das würzige Auberginenpüree als südasiatische Antwort auf mein geliebtes Baba ganoush wird demnächst sicher ausprobiert. Ein bißchen Crossover ist auch vertreten - etwa Kürbiscurry und Kidneybohnencurry, die ich beide nicht in einem indischen Kochbuch erwartet hätte. Oder, es muss schließlich nicht immer Reis sein, ein Hirse-Pilao, das ein etwas anderes Geschmachserlebnis verspricht.

Ergänzt ist auch dieses Buch mit farbenfrohen indischen Straßenszenen. Die dazugehörige Garküche muss man sich am heimischen Herd einfach dazu denken. Namaste!


 Robi Banerjee , Indrani Roychoudhury, Kochen wie in Indien

G+U, 2020

144 s. 14,99 Euro

 9783833876042


 

Monday, October 5, 2020

Runde Sache für den Herbst: Kürbis

"Kürbis" von Tanja Dusy ist mit 127 Seiten ein vergleichsweise schmaler Kochbuchband aus der G+U-Reihe, aber  es geht ja auch überwiegend um Variationen eines Gemüsethemas. Das Buch ist keine Neuerscheinung, aber mir neulich beim Stöbern in der Online-Bibliothek vor die Augen gekommen, also gerade passend zur Jahreszeit. Wer denkt da nicht an Halloween, an Linus aus den "Peanuts" und sein sehnsüchtiges Warten auf den großen Kürbis?

Auch ich warte, wenn es kühler wird und die Tage kürzer, auf die Ankunft von Butternut, Hokkaido und Co, die ein bißchen warme Farbe in den Herbst bringen. Wie der Zufall es wollte, köchelte gerade eine Kürbissuppe mit Ingwer, Baharat und Curry auf meinem Herd, als ich mich an die Lektüre machte. Klar habe ich wie wohl jede´r mein Kürbissuppen Stammrezept, oder setze gerne auf mediterran marinierte Kürbisspalten mit Röstaromen aus dem Ofen - aber das heißt natürlich nicht, nich offen für neues zu sein.

Gleich bei Aufschlagen der Rezeptsammlung etwa gibt es eine Anregung, die ich bisher nur bei Auberginen kannte: Butternut-Kürbis halbieren, rautenförmig einritzen, mit Konblauchstiften spicken, Rosmarin-Zweig auf und ab in den Ofen - später kann er dann aus der Schale gelöffelt werden. Das wird balmöglichst ausprobiert!

Überhaupt haben es mir in dieser Sammlung vor allem die vegetarischen Vorschläge angetan - ob nun Kürbis-Hummus oder Kürbismus mit Ingwer, ob Kürbis-Gorgonzola-Risotto oder das herbstlich-deftige Kürbis-Rosenkohl-Gratin. Flammkuchen, Pizza und natürlich Suppen und Chutney gehören zur Kürbis-Vielfalt. Wer es süß mag, kann mit Kürbis-Zitrus Mousse oder Kürbis-Pfannkuchen auch Dessert- und Frühstücksideen umsetzen.


Tanja Dusy, Kürbis,

G+U, 2018

127 Seiten, 9,99

978-3-8338-6727-9



Friday, October 2, 2020

Atlantik auf dem Tisch - kochen mit saudade

 Eigentlich müsste man beim Lesen eine Fado-CD einlegen. Zum einen natürlich, weil "Kochen wie in Portugal" Erinnerungen an Saudade, gekachelte Häuser, Korkeichen und Atlantikstrände weckt. Zum anderen, weil es außer den Fotos der Gerichte auch eine ganze Reihe von Bildern gibt, die Erinnerungen und Fernweh wecken. Also in Corona-Zeiten eigentlich genau die melancholische Stimmung,  die auch Fado ausdrückt. Kochen mit "Saudade" - wobei es schwer fällt, bei diesen Rezepten traurig aufzuseufzen.

Autor Antonio Bras ist eigentlich Medienkünstler - aber mit Essen und Trinken kann er sich offenbar begeistern. Das darf auch gerne scharf sein - Piri-Piri-Sauce ist nicht nur in einer Reihe von Rezepten vertreten, es gibt auch ein eigenes Rezept dafür. Und klar, dass in einem Portugal-Kochbuch Kabeljau - natürlich auch als Stockfisch - nicht fehlen darf.

Auch sonst spielen Zutaten aus dem Meer eine wichtige Rolle. Garnelen im pikanten Weißweinsud etwa - damit lassen sich sowohl Gäste bewirten als auch ein romantischer Abend einleiten. Auch der Oktopussalat klingt ausgesprochen lecker. Ehrensache, das Sardinen nicht fehlen dürfen - hier gebraten  mit einer Kräuter-Öl-Sauce. Und Fisch satt verspricht der Lissabonner Fischtopf.

Eher an eine Salsa als an eine Suppe erinnert das portugiesische Gazpacho "Arjamolho" - da kann der nächste Sommer gar nicht schnell genug kommen.  Vegetarier/Veganer dürften auch bei Bohnenklößchen in Tomaten-Kokos-Süppchen auf ihre Kosten kommen, bei der ganz offensichtlich das portugiesische Kolonialerbe kulinarisch eine Rolle spielt - doch ob die Einflüsse aus Brasilien oder beispielsweise Mocambique kommen, wird nicht verraten. 

Wer sich schon einmal durch portugiesische Bäckereien gefuttert hat, weiß: Süße Teigteilchen werden in Portugal sehr ernst genommen, und jede Region hat ihre Spezialitäten. Für süße Nachtische gibt es daher ein Extra-Kapitel, bei dem auch die berühmten pasteis de nata nicht fehlen dürfen. Ob der Selbstversuch wohl jemals an die Blätterteigtörtchen heranreicht, für die die Menschen vor der berühmten Konditorei in Belem so unermüdlich Schlange stehen?


Antonio Bras, Kochen wie in Portugal

G + U, 2020

144 seiten, 17,99

978-3-8338-7597-7

Thursday, September 17, 2020

Ein Hauch von Orient - Veggie-Fusion inklusive

 Zugegeben, wenn Promis Bücher schreiben, bin ich immer erst mal verhalten - egal, ob es nun um Fitness, Ernährung oder whatever geht. Ein bekannter Name mag ein Zugpferd sein, und der Inhalt ist dann nicht in allen Fälle so berauschend. Allerdings liebe ich die Küche des Nahen Ostens, und mit türkischen Rezepten bin ich noch nicht so gut bestückt.

Sympathisch ist auf jeden Fall, wie die Autorin von ihrem eigenen deutsch-türkischen (kulinarischen) Aufwachsen erzählt. Auch die Tatsache, dass die Rezepte so zusammengestellt sind, dass Frauen mit wenig Zeit nicht stundenlang in der Küche stehen müssen, fand ich gut. Angenehm überrascht haben mich auch die Gemüse-Variationen einiger nun doch sehr fleischreicher türkischer Gerichte wie Gemüse Köfte und Veggie Döner. 

Auch sonst fand ich einige Fusionsrezepte, die ich nicht unbedingt in einem türkischen Rezeptbuch erwartet hätte und teilweise schon ausprobiert habe, etwa die scharfe Möhren-Orangensuppe  und den Ofenkürbis mit Schafskäsecreme. Variationen wie Baklava Style pancakes (die klassische Baklava ist mir persönlich einfach viel zu süß) klingen auch total lecker. Mit Möhren-Cacic und dem Bauernsalat mit Avocado gibt es ebenfalls ein paar lecker klingende leichte Gerichte, die jetzt bei mir auf Umsetzung warten.   Dass es auch noch ein "love dinner" mit eigenem Rezeptteil gibt,  ist ein nettes Extra nicht nur zum Valentinstag.  Die meisten Rezepte klingen leicht umsetzbar, die Zutatenliste dürfte ebenfalls kein Problem sein - eine gelungene Sammlung jenseits des klassischen Döner und Lahmacun.

Sila Sahin, Silas Orientküche

G+U, 2020

160 Seiten, 19,99 Euro

978-3-8338-7584-7


Friday, September 11, 2020

Fusion rules! Veggie kann auch anders

Mit "Veggie kann auch anders" hat sich Kochbuchautorin Anne-Katrin Weber vorgenommen, nicht das x-te Rezept für Linsenbolognese zu präsentieren, sondern bekannte Gerichte in ungewöhnlichen Kombinationen aufzupeppen. Bei der Durchsicht der Rezepte finde ich: das ist ihr gut gelungen! In dieser Rezeptsammlung haben Fusion und crossover kochen klar die Nase vorn. Das gilt sowohl für die Verbindung von mediterranen und südostasiatischen Geschmacksrichtungen wie auch für ungewöhnliche Zutatenkombinationen.

Eine Art "Mauerfall im Kochtopf" strebte die Autorin an: "Traditionelle Rezepte aus den unterschiedlichsten Kulturen werden zerlegt, neu gemischt oder anders kombiniert. Die Zutaten und Aromen der Welt verschmelzen zu ganz neuen Gerichten. Und: Experimente sind nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht."

Und gerade mit frischen Kräutern wird aufgetrumpft. Zum Beispiel beim Puy-Linsensalat mit Pimentos de Padrón, in dem außer den spanischen Pimentos Koriander und Sesam Akzente setzen. Oder: Zitrusfrischer Rosenkohlsalat mit Nussdressing - das verspricht ein ganz neues Geschmackserlebnis. Das gilt auch für den Quinoa-Röstgemüsesalat, in dem Zitronengras und Kakonibs eine unerwartete Verbindung eingehen. Die scharfe Ofentomatensuppe mit Harissa ist ganz klar eine Kandidatin für kalte Herbst- und Winterabende, auch das Zitronenrisotto mit Kardamon-Möhren oder die Backofen-Kürbisfritten mit Chermoula-Mayo sind meine heißen Kandidaten aus dieser Rezeptsammlung für kühlere Tage. Der Herbst kann kommen!

Die 75 Gerichte in diesem Buch machen nicht nur neugierig, sie regen auch die eigene Experimentierbereitschaft an. Langweilig kocht anders.

Anne-Katrin Weber,  Veggie kann auch anders
G + U, 2020
192 Seiten,  19,99
 978-3-8338-7571-7

Wednesday, September 2, 2020

Vegetarisch in den Feierabend

Wer geschafft von einem langen Arbeitstag nach Hause kommt (oder in Corona-Zeiten irgendwann im Homeoffice den Rechner runterfährt), will meist nicht mehr viel Zeit mit Essensvorbereitungen verbringen. Der Feierabend wartet, der Magen knurrt, und es gibt schöneren Zeitvertreib als aufwändiges Kochen - sei es ein gemütlicher Fernsehabend oder eine Lesestunde. Und wer vorher noch eine Sporteinheit eingelegt haben sollte, will erst recht was essen.

Für diejenigen, die dabei nicht an ein Wurst- oder Schinkenbrot denken, hat Susanne Bodensteiner das Buch "Feierabendfood vegetarisch" geschrieben. Verglichen mit anderen der G+U-Reihe ist es mit 70 Rezepten eher überschaubar (vielleicht erscheint mir das auch doppelt, da derzeit "Vegan" aus der Goldenen Reihe des Verlags einen gewichtigen Teil meiner Food-Lektüre stellt). 

Dennoch ist es nicht so, dass man hier nicht fündig wird. Ob Salate, Suppen oder (mein persönliches Lieblinskapitel) Soulfood für  den Feierabend - die Rezepte versprechen Abwechslung, leichte Kost und schnelle Zubereitung mit Zutaten, die nicht aufwändig zu besorgen sind. Pilzgulasch mit Schupfnudeln ist zum Beispiel ein Gericht aus dem Souldfood-Kapitel, das mich mit Gedanken an einen nasskalten Herbstabend anlacht. Oder Kürbis-Paprika-Curry, mit den der saisonale Herbstklassiker mal etwas anders aufgepeppt wird. Deftig, aber fleischlos ist der Linsensalat  mit Paprika sicher ein Gericht, der sicher auch als Mitnahme-Lunch gut geeignet ist, wenn Reste übrig bleiben. Überhaupt sind die Gerichte variabel  - der Frühstücksklassiker Shakshuka etwa wird auch als Abendessen vorgeschlagen. und die Kichererbsensuppe mit Harissa-Öl dürfte zu jeder Tages- und Nachtzeit wärmen!

Wie üblich, gibt es in den Zwischenkapiteln nützliche Tipps, manche schon aus anderen Büchern bekannt, aber es gibt ja stets Erstleser. Etwa wenn es darum geht, was an Vorräten vorhanden sein sollte, um schnell was auf den Tisch zu zaubern, wie sich leicht variieren lässt - in diesem Fall auch, wie sich aus einem vegetarischen ein verganes Gericht machen lässt.

Da es am Feierabend nicht nur um Essen und Relaxen gehen soll, gibt es auch gesunde Snack-Vorschläge und Ideen, auch ohne Fitness-Studio während des Feierabends beweglichzu bleiben und in Bewegung.

Susanne Bodensteiner, Feierabendfood vegetarisch. 70 Rezepte zum Runterkommen
G+U, 2020
160 Seiten. 19,99
 978-3-8338-7556-4

Tuesday, August 11, 2020

Arnika, Kamille oder Ingwer statt chemischer Keule

Was tun bei Schmerzen? Man kann schnell zu einer Tablette greifen - oder man kann erst mal versuchen, auf "natürliche" Weise mit dem Problem fertig zu werden. Ich gebe zu, ich gehöre zu der zweiten Gruppe, und deshalb habe ich mich über das Erscheinen von Aruna Siewerts Buch "Natürliche Schmerzkiller" gefreut.  Wie beim G+U Verlag üblich, ist es ein eher schmales Bändchen, dabei aber informativ, übersichtlich gestaltet und illustriert.

So manches kannte ich schon - Ingwer gegen Reisekrankheit,  Arnika gegen Entzündungsschmerzen, Capsicin als wärmende Hilfe bei verspannten Wirbeln und natürlich Kamille oder Pfefferminze als bewährte Hausmittel. Siewert erläutert aber detailiert die Anwendung und Wirkung und erweitert so auch das Wissen, warum die Kräuter, Tees und Wickel, die meine Omas von ihren Müttern und Großmüttern kannten, funktionieren.

Ein bißchen "Überbau" gibt es auch über Schmerzen, warum sie auch ein wichtiges Signal des Körpers sein können, über Schmerzgedächtnis und letztlich ja auch Achtsamkeit im Umgang mit dem eigenen Körper. Schulmedizin wird nicht per se verteufelt, sondern ebenfalls in ihrem Ansatz mit Schmerzproblemen beschrieben.

Dabei macht Siewert auch die Grenzen der natürlichen Schmerzkiller und Heilmittel deutlich. Denn die mögen im einen Fall ganz alleine ausreichen, in einem anderen womöglich in begleitender Kombination, etwa um die Dosierung pharmazeutischer Schmerzmittel zu senken, die chemische Keule gewissermaßen etwas leichter zu gestalten. Es gebe aber auch Fälle, könnten die pflanzlichen Heilmittel einfach nicht genug ausrichten und daher auch nicht empfohlen werden.

Aruna M. Siewert, Natürliche Schmerzkiller
G+U, 2020
128 Seiten, 14,99
978-3-8338-7312-6 

Saturday, July 11, 2020

Vegan muss nicht eintönig sein!

Es ist ziemlich schwer, in der GU-Reihe ein Kochbuch zu finden, mit dem ich so gar nichts anfangen kann. Höchstens, wenn es sich um ein Geschenk handelt mit einer Küchenrichtung, die so gar nicht meine ist. Der einzige Kritikpunkt ist meist, dass es sich um eher schmale, übersichtliche Bändchen handelt. Appetithappen von einem Kochbuch gewissermaßen, während sich der hungrige Leser/Hobbykoch einen Nachschlag gewünscht hätte.

Bei "Vegan! Das Goldene" ist das ganz und gar nicht so. Mit einem Umfang von 400 Seiten bleibt hier keiner hungrig und ohne Anregungen. Auch wenn die Zielgruppe offensichtlich vegan lebt, kocht und isst, finden auch Vegetarier und Flexitarier viele leckere Gerichte - und die leidenschaftlichen Carnivoren könnten zumindest mal ins Nachdenken geraten, ob sie sich nicht für das eine oder andere Gericht erwärmen könnten. Zumal es sehr viel gibt, was schon mal lecker in den Tag hilft - ob Müsli oder selbstgemachte Energieriegel, Smoothies oder Brot, Dips und Aufstriche, die schon beim Lesen das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Golden Mango Milk (mit Kurkuma) oder Schoko-Pflaumen-Smoothie etwa haben mich sofort überzeugt.

Sehr viele Rezepte dürften der Tatsache geschuldet sein, dass Veganer in Kantinen meist nur ein sehr sparsames Angebot finden, denn es gibt viele Snacks und "to go"-Rezepte, die als Lunch im Glas oder aus der Box für den kleinen Hunger zwischendurch gedacht sind und neue Energie liefern. Der Bulgursalat mit scharfen Möhren etwa hatte es mir sofort angetan. Zudem sind so viele Geschmacksrichtungen vertreten, dass wirklich für jeden etwas dabei ist, zu meiner Freude auch vieles, was orientalisch, mediterran oder asiatisch ist. Dass auch viele Currys enthalten sind, dürfte niemanden wundern, der die indische Küche kennt - so ein leckeres Dhal etwa ist schließlich in vielen Variationen möglich.

Aus meiner ganz persönlichen Sicht überflüssig sind die Gerichte, die nach Fleisch aussehen, angeblich auch so schmecken, aber trotzdem vegane Schnitzel, Burger oder "Currywürste" sind. Aber das ist vermutlich meine flexitarische Ignoranz, die nicht einsieht, warum jemand, der vegan lebt, dennoch etwas essen will, was nach Fleisch aussieht. Auf den wie immer in der Buchreihe liebevoll fotografierten und anregend angerichteten Beispielbildern wirkt der vegane Fleischlook jedenfalls überzeugend.

Zugegeben: Ich werde nie eine echte Veganerin - dazu esse ich viel zu gerne Käse. Und vermutlich werde ich bei so manchem Gericht auch mal schummeln und Milch oder Joghurt statt die pflanzlichen Alternativen benutzen, schon allein deswegen, weil ich sie nicht vorrätig habe. Aber auf diesen 400 Seiten habe ich vieles entdeckt, was in den nächsten Wochen und Monaten bei mir auf den Teller kommen dürfte.   Und auf die "goldene Reihe" bin ich jetzt auch aufmerksam geworden.

Adriane Andreas, Vegan! Das Goldene
Gräfe und Unzer, 2020
400 Seiten, 20 Euro
 978-3-8338-7570-0

Friday, June 26, 2020

Pest und Corona - von Pandemien der Vergangenheit lernen

Kein Zweifel: Die Covid-19 Pandemie hat unser Leben verändert. Ob Reise- und Bewegungsfreiheit, Warenflüsse und Handelswege, die Organisation des Arbeitsalltags oder das soziale Miteinander - all dies erlebt derzeit eine Zäsur. Es gibt die Zeit vor Corona und diese neue, seltsame Realität mit Maskenzwang, sozialer Distanz, Abstandsregeln und einer ganz neuen Wertschätzung von Hygiene. 

"Die Pest" von Camus erlebt eine literarische Neuentdeckung durch eine neue Lesergeneration, Mund-Nase-Masken gehören zum Styling des Frühjahrs/Sommer 2020 - und wer weiß, wie lange sie uns noch begleiten. Lässt sich aus Pandemien der Vergangenheit etwas für unsere Corona-Wirklichkeit und möglicherweise für die Zukunft lernen? Die beiden Medizinhistoriker Heiner Fangerau und Alfons Labisch ziehen in ihrem Buch "Pest und Corona" Vergleuche, auch zum Umgang mit Krankheiten.

In den Wirtschaftswunderjahren etwa seien Gripppetote noch eher hingenommen worden,  mittlerweile würden vorzeitige Tode nicht mehr hingenommen. An die Stelle eines gewissen Fatalismus sei die Forderung getreten, dass jedes Leben gerettet werden solle.

Die Methoden im Umgang mit Pandemien ähneln sich, auch wenn sich die Einstellung zu Kranken geändert hat, seit Pestkranke vom Rest der Gesellschaft regelrecht geächtet und ihrem Schicksal überlassen  wurden. Kontaktbeschränkungen etwa seien schon während der Spanischen Grippe angewandt worden.

Die Mobilität der Menschen im 21. Jahrhundert, das weltweite Reisen, Massenveranstaltungen und Eventkultur bilden allerdings eine besondere Herausforderung in Zeiten von Pandemien. Um so wichtiger, so die Schlussfolgerung der Autoren, Erreger  neuer Pandemien schnell und frühzeitig einzugrenzen - am besten schon dort, wo sie entstehen. Eine Schlüsselrolle spielten dabei die Flughäfen - angesichts der modernen internationalen Drehkreuze, wo in der Zeit vor Corona Menschen aus aller Welt und mit allen möglichen Zielen im Transitbereich, am Gepäckband oder an der Sicherheitskontrolle ihre Wege kreuzten (und womöglich Viren weiter reichten) - eine naheliegende Schlussfolgerung,

Allerdings zeige die Vergangenheit, dass nach einer Epidemie zwar fleißig analysiert und geplant werde. Dann aber geschehe wenig, um die nächste Pandemie zu stoppen oder gar zu verhindern, so die eher desillusionierte Erkenntnis der Analyse.

Heiner Fangerau Alfons Labisch, Pest und Corona. Pandemien in Geschichte, Gegenwart und Zukunft
Herder 2020, 18 Euro, 
ISBN 978-3451388798

Sunday, June 7, 2020

Nicht nur Sushi und Teriyaki - Kochen wie in Japan

Zugegeben: Ich habe eine Schwäche für Sushi. Selbst habe ich mich allerdings noch nie an die kleinen Röllchen gemacht - und in die Tiefe der japanischen Küche bin ich bislang auch nicht eingetaucht. Das könnte sich jetzt allerdings ändern, denn mit ihrem Buch "Kochen wie in Japan" beschreibt Kaoru Iriyama nicht nur rund 60 Rezepte, die mit apettitanregenden Fotos ergänzt sind, sondern erklärt auch ein Stück weit die japanische Esskultur und Tradition. Neben typischen und traditionellen Gerichten gibt es auch neue Kreationen und solche, die angepasst sind an das, was auch hierzulande problemlos an Zutaten beschafft werden kann.

Klar, Sushi oder Misosuppe dürfen nicht fehlen. Ramen-Nudeln gibt es hier nicht in der Instant-Variante, sondern mit frischen Zutaten. Wer es süß liebt, kann auch japanische Süßigkeiten und Desserts ausprobieren. Demnächst einmal Matcha-Torte mit dem dazupassenden Tee? Als bekennende Kaffeinsüchtige sehe ich das für mich selbst erst einmal nicht, aber dank der Schritt- für-Schritt-Anleitungen wird der Leser/Koch quasi bei der Hand genommen - was ja gerade bei einer Esskultur, die sich deutlich von der eigenen unterscheidet, schon eine große Hilfe ist.

Mindestens ebenso nützlich und interessant ist, dass die Autorin das Konzept - gewissermaßen die Philosophie - der japanischen Küche beschreibt. Das endet nicht mit der Zubereitung eines Gerichts, sondern auch Anrichten und Präsentation spielen eine Rolle.

Kaoru Iriyama, Kochen wie in Japan
GU 2020
144 Seiten , 17,99

978-3-8338-7304-1

Friday, March 13, 2020

Plädoyer für Achtsamkeit - die Barbara Becker-Formel

Man sieht es ihr auf den Bildern zwar nicht an, aber auch Barbara Becker wird älter und ist schließlich mittlerweile die Mutter zweier erwachsener Söhne. Ob die Tatsache, dass der Alterungsprozess an ihr, mal rein optisch gesprochen, sehr viel günstiger vorangeschritten ist als bei ihrem Ex nun eine Sache des genetischen Glücks oder des Lebensstils ist - das ist natürlich nicht bekannt. In ihrem Buch "Die Barbara Becker Formel" versucht sie jedenfalls, anderen Frauen in gewissem Alter Mut zu machen, zu sich selbst zu stehen und auf Selbst-Achtsamkeit zu achten.

Schon in den vergangenen Jahren hat Barbara Becker Videos etwa zu Pilates-Workouts veröffentlicht und auch in ihrem Buch für die reifere Frau spielt sanfte Fitness eine Rolle, zusammen mit gesunde, regionaler, saisonaler Ernährung. Gleichtzeitig sagt sie Diätwahn den Kampf an und plädiert für Selbstakzeptanz. Falten und Pfunde machen nicht die Definition von Schönheit aus, so Becker.

Das ist vermutlich kein Problem für eine Frau, die den Bildern nach zu urteilen wenig mit dem verlangsamten Stiffwechsel während oder nach den Wechseljahren zu kämpfen hat. Und die vermutlich auch in einer etwas anderen Situation ist als Frauen, die nicht über die gleichen materiellen oder zeitlichen Ressourcen verfügen. Aber hier geht es schließlich ums Prinzip, ud da spricht Becker ein paar ganz wchtige Punkte an: Etwa, dass Frauen sich nicht verunsichern lassen sollten durch gesellschaftliche Erwartungen, Schönheitsideale usw, sondern lieber  sich und ihr Leben genießen sollten,

Die (wenigen) Faszienübungen, die dabei vorgestellt werden, sind sicherlich weniger das Rezept zur Traumfigur, aber gleichzeitig sollten sie in der Lage sein, den Einstieg für Flexibilität und sanftes Training auch für solche Frauen vorzustellen, die etliche Kleidergrößen von Frau Becker entfernt sind. Anders als in der GU-Reihe üblich, gibt es nur wenige Rezeptvorschläge. Zu den Einsichten den Buches führt letztlich auch der gesunde Menschenverstand, insofern ist der Lerbwert eher begrenzt. Aber wenn einige der Plädoyers von Barbara Becker zu Verhaltensänderungen von Konsumentinnen führen, ist es das sicherlich wert. Etwa die Einsicht: Wenn man ein Fertiggericht aus den angegebenen Zutaten ebensogut selbst zubereiten könnte, dann sollte man das doch wirklich tun.

Barbara Becker, Die Barbara Becker Formel
GU 2020
176 Seiten, 19.99 Euro
3833873752