Wednesday, November 20, 2024

(Überwiegend) veganes Seelenfutter

 Soulfood, also Hipster-Sprech für Seelenfutter, tut gerade in der kalten, grauen Jahreszeit gut. Pflanzlich mag ich eh. Klar, dass ich neugierig war auf Ken Müllers "Plant based Soulfood". Müller will zeigen, dass auch mit gesunden Zutaten funktioniert, was die Geschmacksnerven glücklich macht und meist fettig, süss oder salzig ist. Ob Hefeflocken oder Miso, mit veganen Zutaten sollen gesündere Alternativen geboten werden.

Einige Basics für Aufstriche und Saucen können vielfach kombiniert werden, auch mit Pasta, Hülsenfrüchten oder Getreide gibt es eine Reihe von Rezepten, etwa das Kürbiss-Steak mit Linsensalat, eine Auberginenlasagne oder scharf-saure Zucchini. Misozwiebeln pder Umami-Bratpaprika klingen jedenfalls nicht unspannend.

Während ich die Rezepte interessant und nachkochenswert fand, hat mich der Stil des Autors eher genervt. Er ist Youtuber, und entsprechend wird berufsjugendlicher Jargon und Hipster-Denglisch verwendet. Vielleicht wendet sich Müller damit an eine andere Zielgruppe, der ich halt nicht angehöre. Aber Formulierungen wie "Du suchst nach einem krassen Proteinlieferanten, der deine Darmflora zum Abtanzen bringt"? haben für mich null Informationsgehalt und wirken einfach nur bemüht locker-flockig. 


Ken Müller, Plant based Soulfood. Koch deine Gesch,acksknospen glücklich

GU 2024

192 Seiten, 26,99

978-3-8338-9531-9

 

Monday, November 18, 2024

That´s Amore - Pasta geht immer

 Auch wenn manche Menschen Carbs verteufeln: auf Pasta verzichten? Für mich persönlich nicht vorstellbar. Cornelia Poletto hält es ähnlich mit ihrem Kochbuch "Polettos Pasta Passione" mit  Klassikern, aber auch mit Rezepten zum Nudeln selbermachen. Und auch Sugos und Pestos dürfen in dieser Zusammenstellung natürlich nicht fehlen. 

Die meisten Gerichte für Tagliatelle und Penne, für Spaghetti und Farfalle sind gute alte Bekannte wie Pasta Carbonara, Puttanesca, aglio e olio, um nur einige zu nennen. Aber natürlich ist es immer spannend zu sehen, wie sich die Rezepte der Profi-Köchin vom eigenen Traditionsrezept unterscheiden. Mal ganz abgesehen davon, dass Poletto auch mit einigen Pasta-Mythen wie dem kalt abschrecken der Nudeln nach dem Kochen aufräumt und Tipps gibt, welche Art Pasta am besten mit welcher Art Sauce kombiniert wird.

Musikalisch wird es auch, denn im Kapitel "Pasta Party" gibt es nicht nur Rezepte, sondern  auch einen QR-Code, der auf einen passenden Spotify-Link führt, Etwa "born in the USA" für Polettos Mac n Cheese-Rezept, dass mit dem pampigen Fertiggericht aus US-Supermärkten so gar nichts mehr gemein hat.

Am Ende gibt es Polettos eigene Pasta-Kreationen, die teils recht aufwändig ausfallen. Da gibt es dann auch mal Kaviar on top oder Tortellini mit Ossbuco-Füllung. Für Rhein-Main-Einwohner gibt es sogar eine Verbindung von Pasta und heimischer Tradition: Linguine alla erbe di Francoforte, inspiriert von der Frankfurter grünen Sauce.

Cornelia Poletto, Polettos Pasta Passione

GU 2024

26,99

9783833896040

Saturday, November 16, 2024

Liebe zum Essen und zu bella Italia

 Wer nicht nur italienische Küche liebt, sondern auch Land und Leute, sich in der dunklen Jahreszeit nach mediterranem Licht und den Gerüchen des Südens sehnt, kann mit "Italien" von "Neni"-Chefin Haya Molcho und ihren Söhnen gar nichts verkehrt machen. Dieses Buch ist mit seinen vielen Bildern nicht nur von Gerichten, sondern auch von italienischen Regionen und den Gesprächspartnerm der Autoren, mit seinen Markt- und Alltagsszenen etwas für Augenmenschen. Ich habe das "Italien" als e-book gelesen, und es gehört zu der Art von Büchern, die ich am liebsten analog lesen würde, die Haptik eines gedruckten Buchs macht das Durchstöbern und Lese-Reisen noch schöner.

Die Molchos haben sich auf den Weg gemacht, von Triest bis nach Sizilien, und Menschen getroffen und porträtiert, deren Leidenschaft gutes Essen und die Bewahrung lokaler Produkte ist. Ob Käsereien oder Bäcker mit dem Rückgriff auf alte Getreidesorten, ob Hotelier oder Köche - es geht hier nicht nur um Rezepte, sondern um Menschen und ihre Food-Philosophie. Dabei verraten auch einige ihre Lieblingsrezepte. Um diese umzusetzen, muss mitunter wohl improvisiert und variiert werden, denn wenn der Focus auf regionalen Zutaten liegt, dürfte diese in Deutschland nicht ganz einfach zu beschaffen sein.

Der zweite Teil des Buches besteht aus Haya Molchos Rezepten - einerseits klassisch italienisch, immer wieder aber auch mit der levantinischen Küche kombiniert, wenn etwa Zhug oder Tahina zum Einsatz kommen. Die Verbindung von Rezepten mit Ursprüngen auf beiden Seiten des Mittelmeers klingt ausgesprochen reizvoll und ist klassisch italienisch aufgegliedert in die Kapitel Antipasti und Suppen, primi piatti, secondi piatti und dolci. Da wird dann ciabatta auch einmal süß interpretiert.

Hilfreich sind auch die abschließenden essentials mit Grundrezepten für verschiedene Pestos, Focacchia, Zhug und Harissa, um nur einige zu nennen.

Ich habe die Molchos jedenfalls gerne auf ihrer Italienreise begleitet und bin begeistert von der Mischung aus Menschen, Geschichten und Gerichten.


Haya Molcho und Söhne, Italien

Brandstätter Verlag 2024

240 Seiten, 36 Euro

978-3-7106-0814-8

Sunday, November 10, 2024

Der Meister teilt kulinarische Leidenschaft

 Wenn jemand mehrere Jahrzehnte als Meisterkoch vorweisen kann, hat er viel Wissen, Tricks und Küchengeheimnisse weiter zu geben. In "L wie Lafer" stellt Johann Lafer eine Zusammenstellung von 100 seiner Lieblingsrezepte vor. Die Mischung ist bunt: Regionale Spezialitäten und Kochinspirationen aus aller Welt, einige eher einfach klingende Rezepte, andere, die schon beim Lesen Raffinesse versprechen, auch Variationen bekannter Gerichte. Da wird etwa eine Frikadelle durch Wildfleisch veredelt.

Manche der vorgestellten Rezepte sind alltagsgeeignet, etwa der lauwarme Salat von Schinkenknödeln, der mich an den Semmelknödelsalat meiner Oma erinnert - Restverwertung und so lecker! Oder der steirische Kartoffel-Gurkensalat, genau das Richtige für einen Sommertag. Deftig sind Rheinischer Sauerbraten und Szegediner Gulasch, aber auch der asiatische Schweinebauch oder Elsässer Sauerkraut. Und auch ein Rösti a la Lafer schmeckt jederzeit. 

Andere Rezepte klingen aufwändiger oder aufgrund der Zutaten eher für einen besonderen Anlass, etwa Parmesan Mousse mit Bittersalat und Wachtelei. Auch die Hummerklöße auf Blattspinat sind nicht gerade für jeden Tag. Auch die Petit Fours aus dem Dessertkapitel sind deutlich zeitaufwändiger als beispielsweise der ebenfalls vorgestellte Mohnschmarrn

International sind etwa vietnamesische Reisröllchen, Ceviche, Pad Thai, ein sehr lecker klingendes kreolisches Fischragout, Tajine mit Hähnchen oder Schweinefleisch süßsauer. Daneben gibt es international inspirierte Fusionsgerichte,  beispielsweise Garnelen-Cevapcici mit Mangoreissalat oder Vindaloo mit Riesengarnelen und Ananas, Fischragout Stroganoff oder gebratener Tofu auf Curryspätzle oder ein süßes Wasabi-Kürbiskern-Parfait - auf diese Geschmackskombination muss man erst mal kommen.

Die einzelnen Kapitel sind aufgegliedert in die Themenbereiche  Suppen, Kleine Gerichte, Fisch, Fleisch, vegetarische Gerichte und Desserts, das Buch ist reichlich bebildert und am Ende vieler Gerichte steht noch ein Meister-Tipp. Geschmacklich dürfte für jeden etwas dabei sein. Ich freue mich jedenfalls schon aufs Nachkochen.

Johann Lafer, L wie Lafer

GU 2024

288 Seiten, 40 Euro

9783833895715

Saturday, November 9, 2024

Selbstheilungskräfte und Experten

 Ich habe Rücken! Das stöhnt wohl jeder mal - sei es, weil bei der Arbeit im Handel viel Zeit im Stehen verbracht wird, auf dem Bau Lasten gehoben und körperlich anstrengende Arbeit geleistet wird oder stundenlange Computerarbeit zu Nacken- und Schulterentspannungen führt. Mit "Den Rücken selbst heilen" stellt Martin Marianowicz ein drei Stufen-Programm vor, das unter anderem auf die Selbstheilungskräfte des Patienten oder der Patientin setzt.

Dem Autor geht es insbesondere um die sogenannten unspezifischen Rückenschmerzen, die oft für jahrelanges Leiden sorgen und die Betroffenen zu einem regelrechten Ärztemarathon führen. Von Operationen hält er wenig, auch  zu viel Röntgen stößt auf Skepsis. Marianowicz empfiehlt einen ganzheitlichen Ansatz mit Experten verschiedener Art, vom Orthopäden über den Neurologen zum Physiotherapeuten. Und auch ein Psychotherapeut kann nicht schaden, denn wenn ein seeliisches Problem drückt, kann das buchstäblich auch auf den Rücken gehen.

Wie das Schmerzgedächtnis überlistet werden kann und alltagstaugliche Übungen versteifte Muskeln und Wirbel wieder in Bewegung bringen, erläutert Marianowicz nach einem ausführlichen theoretischen Teil, in dem die Wirbelsäule, Bandscheiben und Rückenmuskulatur beschrieben werden. Die Übungen, teils im Stehen, teils auf der Matte oder dem Gymnastikball, sind sanfter Art, wer Stretching oder einfache Yoga- und Pilatesübungen kennt, wird hier Vertrautes wiederfinden. Ein volles Sportprogramm ist das nicht, eher Bewegung für Sportmuffel. Denn Bewegungsarmut ist überhaupt erst an vielen Problemen schuld, so der Autor, der angesichts des Handy- und Tabletkonsums von Kindern und Jugendlichen übles für die Rücken immer jüngerer Patientinnen und Patienten befürchtet.

Last not least gibt es auch ein paar Ernährungstipps mit Lebensmitteln und Rezepten, die Muskeln und Knochen stärken.


Martin Marianowicz, Den Rücken selbst heilen

GU 2024

21,99 Euro

 9783833895395

Friday, November 8, 2024

Kulinarisches Fernweh

 Mit "Taste of Thailand" macht der gelernte Koch und Food-Fotograf Jan Wischnewski nicht nur Apettit, sondern auch Fernweh. Denn sein Buch ist durchaus als Liebeserklärung an Thailand und seine Küche zu verstehen, mit Bildern von Märkten und Garküchen, Tempeln und Straßenszenen, mit Geschichten über Menschen, aber natürlich auch über Aromen, Schärfe und geschmackliche Vielfalt. Auch mit Tipps spart der Autor nicht, sei es für die Beschaffung der Würzsaucen, wenn mal nicht mal eben vor Ort in Thaliand shoppen kann und vor Ort vielleicht keinen spezialisierten Asialaden hat, sei es mit Varianten für Veganer, etwa eine "no Fish"-Sauce.

Bei den Rezepten setzt Wischnewski unter anderem auf Street Food und Gerichte auch jenseits der bekannten Curry-Klassiker, Pad Thai oder Tom Yum-Suppe, wie etwa im Fall der frittierten Knoblauch Dumlings oder knusprigen Reissalat mit fermentierter Wurst. Aber auch die Klassiker mit Fleisch oder Meeresfrüchten sind zu finden, aufgeteilt in die verschiedenen Regionen des südostasiatischen Landes. Und auch wenn es thailändische Currypasten mittlerweile in jedem gut sortierten Supermarkt gibt, gibt es Rezepte, um selbst zu mörsern und zu rühren. Da nicht alle Zutaten überall gleich leicht zu beschaffen sein dürften, macht der Autor auch Vorschläge zu alternativen Zutaten.

Trotz der no-fish-sauce gibt es eher wenige rein vegetarische oder gar vegane Gerichte. Ein wenig zeitaufwändig dürften die Rezepte teilweise schon sein. Doch dafür kann man sich im deutschen Winter dann auch tropische Geschmackserlebnisse auf den Tisch zaubern.

Jan Wischnewski, Taste of Thailand

GU 2024

33,99

 978-3-8338-9519-7

Thursday, November 7, 2024

Gemütlich bei Tisch brutzeln

 Der Winter steht vor der Tür, es wird kälter und ungemütlicher - da trifft man sich mit Freunden lieber drinnen zum gemütlichen Beisammensein. Passend zur Jahreszeit ist bei Gräfe und Unzer die Rezeptsammlung "Raclette und Fondue" erschienen. Denn während ein edles Fondue für viele zu Weihnachten oder Silvester gehört, muss es beim Kochen und Brutzeln am Tisch nicht immer aufwändig oder teuer sein. Gleichzeitig ist die Möglichkeit der Kombinationen von Rustikal über Exotisch oder auch mal Fleischlos nahezu unendlich. Wichtig ist die gute Vorbereitung und viel Zeit für gemeinsame Stunden um Fonduetopf oder Raclettegrill.

Das Buch gibt einige neue Geschmacksvorschläge zu den bekannten Klassikern. Da darf es dann auch mal fruchtig sein wie beim Pfeffer-Apfel. Oder eine Kombination unterschiedlicher Aromen, etwa bei den Korianderpilzen mit Schafkäsecreme, Fischpies mit Cheddar oder Curryhähnchen mit Aprikosen, um nur bei den Raclette-Rezepten zu bleiben.

Auch das Fondue-Kapitel punktet mit Vielfalt und apettitanregenden Bildern. Das klassische Fleischfondue in Brühe oder Fett bekommt Konkurrenz - etwa durch das indische Fondue mit einer Hühner-Kokosbrühe, mit asiatischen Brühen, vegetarischen Fonduevarianten oder einem Frischkäse- oder Chesterfondue als Alternative zum klassischen Käsefondue.

Ein eigenes Kapitel ist Brot- und Diprezepten gewidmet, die dem gebrutzelten noch extra Pep verleihen und für viele mindestens ebenso wichtig sind wie der Inhalt des Topfes. Neben Klassikern wie Aioli, Eiersauce oder Barbecuesauce werden verschiedene Salsas vorgestellt, aber auch mehrere Wintersalate, die auch ganz ohne Fondue- oder Racletteabend Anklang finden dürften. Der schwarze Linsensalat mit Paprika etwa dürfte auch als Abend- oder Mittagessen zum Einsatz kommen.

Gräfe und Unzer, Raclette und Fondue

GU 2024

19,99 Euro

9783833895692

 

Eine Wand findet sich immer

 Dass Pilates gerade für Menschen "mit Rücken" eine sanfte und zugleich effektive Sportart ist, ist keine ganz neue Erkenntnis. In manchen Pilatesstudios gibt es Gerätschaften, die ein wenig an mittelalterliche Folter erinnern. Seit einiger Zeit gibt es aber auch einen Gegentrend, ganz minimalistisch, sogar ohne Matte: Wandpilates. Ob das nun die radikal verjüngende und figurformende Methode ist, als die Wandpilates auf verschiedenen Social Media Kanälen beworben wird, sei dahingestellt. Tatsache ist: Eine Wand findet sich immer. Also Schluss mit der Ausrede, es sei nun mal kein Studio in der Nähe oder was immer der innere Schweinehund an Konterargumenten anbringt, um das Übungsprogramm zu torpedieren.

Mit ihrem Buch "Wandpilates" gibt Natalia Cichos-Terrero eine knackig-kurze Einführung in das Thema mit ebenso knackig-kurzen Übungseinheiten - Workouts von acht Minuten, da dürfte doch auch der innere Schweinehund schwanzwedelnd verstummen.

Zwar ist anzunehmen, dass sich die Käufer*innen des Buches schon mal mit Pilates auseinandergesetzt haben, aber dennoch beantwortet die Autorin am Anfang zunächst einige Fragen zu Wirkung und grundsätzlichem von Pilates und den Nutzen von Wandpilates im Vergleich zu den klassischen Übungen im Stehen oder auf der Matte - etwa der feste Widerstand, gegen den man an der Wand anarbeitet, aber auch zusätzliche Stabilität bei der Ausrichtung der Haltung. Um die korrekte Körperhaltung und Ausrichtung geht es auch im ersten Kapitel.

Die Übungen gliedern sich dann in ein Warm Up, in dem zugleich die Core-Aktivierung geübt wird, Rückenübungen, Übungen für Nacken und Schultern, Übungen mit Kleinhanteln für die Arme, Balanceübungen und ein Ganzkörperworkout. Einiges ist erst mal ein bißchen gewöhnungsbedürftig, zugleich aber auch vertraut, wenn man schon die Stand- und Mattenübungen von Pilates kennt. Zahlreiche Abbildungen erläutern Neulingen die Bewegungsabläufe. Zudem weist die Autorin darauf hin, dass Pilates ein Prozess ist, den man genießen sollte. Alles andere kommt dann schon. 


Natalia Cichos-Terrero, Wandpilates,

GU 2024

17,99

978-3-8338-9574-6

Tuesday, November 5, 2024

Mehr als pierogi und kopytki

 Die polnische Küche hat, nicht ganz zu Unrecht, den Ruf, ziemlich (kalorien-)schwer und fleischlastig zu sein. Wobei sie andererseits viel Regionales von Wald und Feld verwendet - ich sage nur Sauerampfersuppe, reichlich Pilze und die unvermeidliche rote Beete. Und wer in Warschau und anderen polnischen Städten unterwegs ist, wird festgestellt haben, dass es mittlerweile ein vegetarisches und veganes Restaurantangebot gibt.

Mit vegetarischen Klassikern wie pierogi ruski oder pierogi z grzybami i kapusta hat "Frisch aus Polen" von Michal Korkosz allerdings nur am Rand zu tun. Zum einen, weil es sich hier bei aller Liebe zur Tradition um Fusionsküche mit spannenden neuen Kombinationen handelt. Zum anderen, weil es doch ein ganzes Stück ambitionierter ist als die traditionelle Hausmannskost, die zwar ordentlich satt macht, aber nicht unbedingt als raffiniert beschrieben werden kann.

Ziegenkäsepierogi mit Majoran etwa verbinden einen polnischen Klassikern mit einem neuen Geschmackserlebnis,  ebenso das Bigos mit Butternusskürbis, Steinpilzen und Trauben. Die Buchweizengrütze Kasza geht auch als Dessert: mit Schokohaselnuss-Creme und Himbeeren nämlich. Neue Kombinationen für die Geschmacksnerven bieten auch die Kopytki mit weißen Bohnen, Rosenkohl und polnischem Zaatar. Gleich mehrfach kreirt der Autor Rezepte mit verkohltem Mais. Kohl bekommt mit Röstaromen, Harissa und Kurkumaöl einen neuen Akzent und auch die schlesischen Klösse haben dank Blumenkohl-Orangencreme einen überraschenden Effekt.

Daneben gibt es Dips, Pasten, Suppen und Ofengerichte, Fermentiertes und Frittiertes, das auf den ersten Blick nicht unbedingt polnische Ursprünge offenbart, aber ausgesprochen lecker klingt. Die Balance zwischen Tradition und Innovativem pendelt zwar mehr zur Innovation, aber das  ist schließlich kein Nachteil, sondern verspricht so manches Geschmacks-Aha-Erlebnis.

Michal Korkosz, Frisch aus Polen

Stiebner 2024

248 Seiten, 28 Euro

9783830710806