Wednesday, December 20, 2023

Wenn der Stoffwechsel schwächelt

 Die meisten von uns ab einem gewissen Alter kennen das Problem spätestens nach dem 40. oder 50. Geburtstag - auch wenn Ernährungs- und sonstige Gewohnheiten sich nicht sonderlich verändert haben, lassen sich nach und nach unerwünschte Pfunde an Bauch, Schenkeln und Hüften nieder. Und es fällt deutlich schwerer als in jüngeren Jahren, sie wieder loszuwerden. Der Stoffwechsel ist leider nicht mehr das, was er war, ja, es gibt sogar gesundheitliche Beeinträchtigungen wie etwa das metabolische System.

Handlungsoptionen für Betroffene zeigen Michael Despeghel und Karsten Krüger in ihrem Buch "Der Stoffwechsel-Trick. Warum uns der Bauch am Abnehmen hindert und was die Blockade löst".  Im  theoretischen Teil des Buches geht es zunächst einmal um Medizinisches, etwa die "stillen Entzündungsprozesse" im Körper und was sie bedeuten, auch Blutwerte und ihr Aussagewert für Stoffwechselstörungen werden erläutert, auch die Zusammenhänge von Bluthochdruck und Krankheitsrisiken. Für den nächsten ärztlichen Check-Up ist dieses Kapitel schon mal Gold wert, hilft es doch, die Laborwerte zu verstehen und einzuordnen, für die in der Sprechstunde nicht immer genug Zeit ist.

Ich vermute, dass die Autoren vor allem Menschen im Blick haben, bei denen der schwächelnde Stoffwechsel schon negative Auswirkungen wie Diabetes oder adipöse Gewichtszunahme hatte, denn im Bewegungsteil des acht-Wochen-Programms werden anfangs sehr bescheidene Anforderungen an das Bewegungsverhalten gelegt, etwa 2000 Schritte pro Tag, die dann auf 6000 und mehr zu steigern sind. Das Know-How des Buches ist aber auch für alle anderen nützlich, deren Stoffwechsel nicht mehr ist, was er in jüngeren Jahren mal war. Und je früher man sich den allmählichen Veränderungen zu widersetzen versucht, desto besser.

Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass die Autorenfotos auf Leser, die wirklich schon gravierende Gewichtsprobleme haben, eher frustrierende Wirkung haben, sehen die beiden doch enorm fit aus und als ob sie, wenn schon nicht Marathon-, dann zumindest Langstreckenläufer sind.

Dem schon erwähnten medizinisch-theoretischen Teil des Buches schließt sich ein acht Wochen-Programm an, um den Stoffwechsel wieder in den Griff zu kriegen - wobei die Autoren Wert darauf legen, dass es damit nicht getan ist. Es müsse schon eine dauerhafte Änderung der Ernährungs- und Bewegungsmuster erfolgen, um langfristig Veränderungen herbeizuführen. Das acht Wochen-Programm ist nur der Einstieg, um wieder in die Spur zu kommen und beispielsweise ein Kaloriendefizit zu erzeugen, um das Abnehmen zu erleichter. Und natürlich zu einem gesünderen Ernährungsverhalten zu kommen.

Bei den vorgestellten Rezepten sollte für jeden etwas dabei sei, nur wer sich sein Leben partout nicht ohne rotes Fleisch und hochverarbeitete Lebensmittel vorstellen kann, dürfte hier hadern, Generell wird vor allem auf deutlich kleine Fleischportionen - meist Geflügel - Wert gelegt, mancher muss sich hier womöglich an neue Portionierungen gewöhnen.


Michael Despeghel, Karsten Krüger, Der Stoffwechsel Trick. Warum uns der Bauch am Abnehmen hindert und was die Blockade löst

G+U 2023

192 Seiten, 24 Euro

9783833890420

Thursday, December 14, 2023

Auf einfachstem Weg zum perfekten Ziel?

 Auf dem einfachsten Weg zum perfekten Ziel kommen - das definiert TV-Koch und Buchautor Steffen Henssler als seinen Anspruch in "100 Klassiker". Diesmal geht es nicht um Schnelligkeit, um Grillkunst, sondern, wie der Name schon sagt, um Küchenklassiker. Es soll schmecken wie bei Oma - ohne dass man wie einst Oma Stunden in der Küche verbringen muss. Nach dem Motto: Man kann Klassiker nicht besser machen, aber einfacher. Klappt das?

Zunächst einmal spart Henssler in jedem seiner Kapitel nicht mit fachmännischem Rat und Tipps, etwa zum salzen von Fleisch, Umgang mit Fleischthermometer oder dem richtigen Schnitt. Dann kann es losgehen, mit deftiger und klassischer Hausmannskost, von Rouladen über Gulasch bis Frikadellen oder Krustenbraten. Wiener Schnitzel und Kasseler mit Sauerkraut dürfen ebenfalls nicht fehlen. Ob die Rezepte jetzt wirklich so sehr anders sind als im Kochbuch meiner Oma, weiß ich nicht - aber auf jeden Fall handelt es sich um Rezepte, die ich eher nicht in meiner Kochbuchsammlung habe und ich werde mich bestimmt an das eine oder andere von ihnen ranwagen.

Im Fischkapitel gibt es außer dem gewöhnungsbedürftigen Hamburger Traditionsgericht Labskaus und Schollen Finkenwerder Art auch selbstgemachte Fischstäbchen als Alternative zur Tiefkühlkost - die stehen bei mir schon auf der Merkliste. Auch Backfisch mit Remoulade und Matjes Hausfrauenart dürften immer wieder erfreuen.

Klassisch heißt allerdings nicht nur deutsche Hausmannskost, auch Pilzrisotto oder Spaghetti Carbonara sind hier zusammen mit anderen Pasta- und Reisgerichten in einem eigenen Kapitel aufgelistet. Deftig geht es dann wieder im Kartoffelkapitel zu - vom Bauernfrühstück über Kartoffelpuffer und Bratkartoffeln. Auch die Eintöpfe und Suppen sind vor allem wärmend und sättigend, ohne viel Chichi, wie auch die Schmankerln und Salate. Für Süßmäuler schließt sich ein Dessert- und Kuchenkapitel an, in dem auch der Klassiker Milchreis nicht fehlt. Mich lacht hier allerdings vor allem der Birnen Crumble mit Streusseln an. Die dazugehörigen Food-Bilder machen Appetit.

Als klassische Kochbuchsammelung empfehlenswert. Lediglich Veganer kommen hier vermutlich weniger auf ihre Kosten.

Steffen Henssler, 100 Klassiker

G+U, 2023

264 Seiten, 29,90 Euro

 9783833890789

Thursday, November 30, 2023

Say cheese!

 Bei aller Offenheit und allem Interesse: Ich werde mit Sicherheit nie hundertprozentig zur veganen Ernährung umschwenken, aus einem ganz klaren Grund: Käse! Den möchte ich nämlich ebenso wenig missen wie Joghurt, Quark oder Skyr. Klar, es gibt Alternativprodukte - aber die haben mich geschmacklich nicht überzeugt. Sorry, vegan friends!

In der Vergangenheit habe ich schon selbst Joghurt zubereitet und war von den Ergebnissen ganz angetan. Alles weitere, so bislang meine Überzeugung, ist zu kompliziert, für die Single-Küche eh zu aufwändig, und kriegt man überhaupt die Zutaten? Sennerin Marlene Kelnreiter hat mich mit ihrem Buch "Käseglück" allerdings ins Nachdenken gebracht. Nicht nur auf der Almhütte sollen sie funktionieren, ihre rund 40 Käserezepte, für Mozarella und Blauschimmelkäse, für Tilsiter und Feta. Und dann auch noch je nach Zeitaufwand schnelle oder langsame Rezepte etwa für Hüttenkäse!

Eine Anleitung mit vielen Bildern, die durch die einzelnen Arbeitsschritte führen, eine halbwegs überschaubare Anzahl an Gerätschaften, nicht zuletzt ein Troubleshooting für alle möglichen Käsekrisen - ich bin neugierig geworden, keine Frage. Noch habe ich mir nicht Lab, Käseformen und -Tücher besorgt, aber die Gedanken gehen schon stark in Richtung Käseprojekte an langen Winterabenden. 

Ergänzt wird das Buch von Eindrücken von der Alm, wobei das Leben mit Kühen, Ziegen und frühem Aufstehen gewiss sehr viel anstrengender ist, als ein Großstadtmensch beim Gedanken an Bergromantik und Kuhglocken sich vorstellen kann. Die Faszination dieser dennoch entschleunigten Lebensweise kommt in dem Buch allerdings gut rüber.

Kurz, für alle, die Käse mögen, gibt es wissenswertes zur Entstehung, und für alle, die die Käserei auch selbst ausprobieren wollen, gibt es nach der anschaulichen Einführung genug Rezepte, um ganz bestimmt den eigenen Geschmack zu treffen - vegane Varianten eingeschlossen.

Marlene Kelnreitrer, Käseglück

Löwenzahn Verlag 2023

168 Seiten, 29,90 Euro

9783706629782


Friday, November 24, 2023

Liebeserklärung an das tägliche Brot

 Mit "Unsere Brotbibel" haben Johann Lafer und Bernd Kütscher nicht nur eine Liebeserklärung an das tägliche Brot geschrieben, sondern auch  die Lieblingsrezepte erfolgreicher und preisgekrönter Bäcker aus dem deutschsprachigen Raum ergattert.  Brot ist ein Kulturgut, betont Lafer schon im Vorwort, und dass der Duft frischbebackenen Brotes unwiderstehlich sein kann, haben sicher viele schon erfahren.

Neben einigem historischen zur Kulturgeschichte des Brotes gibt es allerlei Fakten, etwa zur Klimabilanz des Brotes, zu Getreidearten, Mehltypen und dem eigentlichen Prozess des Brotbackens. Das ist anschaulich geschrieben und so illustriert, dass auch Anfänger in der heimischen Backstube die einzelnen Arbeitsschritte gut nachvollziehen können. Für die etwas Ambitionierteren werden mehrere Sauerteigs vorgestellt (angeblich nicht so schwer), bis es dann zum eigentlichen highlight kommt, nämlich zahlreichen Bäckern (und Brotsommeliers), die das Rezept ihres Lieblingsbrotes verraten.

Hier wird dann wieder deutlich: Brot hat auch etwas mit Regionalität zu tun,  ob hannoversches Gersterbrot, westfälische Pumpernickel, Bamberger Rauchbierbrot oder rheinisches Schwarzbrot. Es kann fein sein oder rustikal, schlicht oder raffiniert. Ein Sepia Cranberry Baguette  gehört zu den eher ungewöhnlichen Beispielen, andere Brote sind  mediterran inspiriert. Dieses Buch gibt nicht nur zahlreiche Backanregungen, es zeigt auch wie vielfältig das tägliche Brot sein kann. Für Hobbybäcker wie auch für Brotliebhaber wärmstens zu empfehlen.

Johann Lafer, Bernd Kütscher, Unsere Brotbibel

Gräfe und Unzer, 2023

240 Seiten, 29,90 Euro

9783833891441


Sunday, October 29, 2023

Wenn der Rücken zwickt

 Das "Bandscheiben Akut-Training" von Ingo Froböse  ließ mich sofort aufhorchen: Dass der Rücken mal zwackt, ist schließlich eine Zivilisationskrankheit.  Und wer viel am Schreibtisch arbeitet, weiß, dass es da schnell mal zu Verspannungen und Fehlhaltungen kommen kann. Im HomeOffice, wo die meisten von uns wohl eher keinen ergonomisch korrekten Arbeitsplatz haben dürften, gilt das erst recht. Und jünger wird ja keiner von uns. Also eine gehäufte Wahrscheinlichkeit, dass man stöhnt: "Ich hab Rücken"!

In seinem Buch mit zahlreichen Übungen setzt Froböse sowohl auf Linderung akuter Beschwerden wie auch auf Prävention, damit es gar nicht erst zu schmerzhaften Rückenproblemen kommt. Beim Lesen klopfte ich mir selbst auf die Schulter - Die Ausgleichsübungen, die ich bei Rückenbeschwerden mache, um die Muskulatur zu dehnen und zu lockern, stellten sich als genau die Methoden aus, die auch der Autor empfahl. Also instinktiv vieles richtig gemach. Das beruhigt.

So manche Übung dürfte vielen aus Yoga und Pilates bekannt vorkommen, mitunter leicht abgewandelt, aber allesamt alltagstauglich und vor allem auch für Menschen machbar, die vielleicht nicht super beweglich sind, auch weil sie wegen ihrer Rückenbeschwerden viele Bewegungen vermeiden oder sich nicht zutrauen. Froböse macht gewissermaßen ein niederschwelliges Angebot.  Dabei gefällt mir besonders gut, dass am Ende Übungseinheiten zusammengestellt sind, etwa speziell für "Schreibtischtäter*innen" oder für bestimmte Rückenbereiche. 

Alle Übungen sind in ihrem Ablauf und in ihrer Wirkung gut erklärt und durch Abbildungen vorgestellt. Daneben gibt es Alltagstipps, die zwar eigentlich selbstverständlich sein sollten - etwa öfter Bewegungsabläufe in den Tag zu bringen, beim Telefonieren zu stehen oder zu gehen - aber es vielleicht nicht für alle sind.

Ingo Froböse, Bandscheiben Akut Training

Gräfe und Unzer 2023

128 Seiten, 15,99

9783833889103

Auf die Schnelle - aber lecker und gesund

 Als "kleines Kochbuch unter Freundinnen" bezeichnet Prof-Köchin Sarah Wiener ihr neues Buch "Sarahs kleine Küche" und hat dabei Frauen im Blick, die nach einem oft langen Arbeitstag nun auch noch fix was auf den Tisch zaubern müssen. Convenience Food muss es nicht sein,  vermitteln diese Rezepten - es kann auch schnell, lecker und gesund sein. Reste können die Vorbereitungszeit gering halten. Und mit ein paar Improvisationen lässt sich das Ergebnis zudem ordentlich aufpeppen.

Improvisation - das gefällt mir ganz besonders an diesem Buch. Denn Wiener schlägt Alternativen vor, gibt Würztipps "für Mutige", rät dazu, nach eigenem Geschmack und nach Lust und Laune abzuwandeln. Fast alles kann, muss aber nicht. Küche ohne Ketten gewissermaßen. "Keine fancy Küche, sondern etwas Gutes, Ehrliches, mit wenig Aufwand", beschreibt Wiener die Philosophie hinter ihrem Buch - und ich finde, das ist ihr gut gelungen.

In der Auflistung des Basis-Vorratsschrankes dürfte so ziemlich alles enthalten sein, was auch in jedem Amateurhaushalt steht. Und auch der "kleine, feine Vorratsschrank" zum Verfeinern und Würzen überfordert weder die Haushaltskasse noch handelt es sich um so exotische Zutaten, dass dem Kauf eine langwierige Recherche vorangestellt werden muss.

Von schneller Küche mit Dips und Eoerspeisen - mich begeistert vor allem das persische Omelett mit Zucchini - gibt es nahrhafte, wärmende, tröstende Suppen und Eintopfgerichte, die obendrein den Abwasch überschaubar halten. Hülsenfrüchte und Nudeln dominieren hier, während es im Folgekapitel auch durchaus fleischreich zugehen darf, etwa mit mediterranen Hackbällchen oder Lammfilets auf Karottenzaziki.

Vegetarier werden sich über Fenchel- oder Kohlrabicarpaccio freuen, für den Sommer werden kalte Suppen vorgestellt, während der Rosmarinkürbis aus dem Ofen gleich jetzt im Herbst zur Anwendung kommt.

Wenn es dann mal doch etwas aufwändiger oder ein sonntägliches Familienessen sein soll, kann es durchaus deftig sein - ein Schweinbratenrezept ist ebenso in diesem Teil des Buches enthaöten woe Tafelspitz oder Gulasch, aber auch eine sehr lecker klingende Kräutertarte. Auch Süßes darf nicht fehlen, Wiener ist schließlich Österreicherin und da müssen Topfen und Palatschinken auf den Tisch. Wer da auf sprachliche Herausforderungen stößt findet am Ende noch eine Vokabelliste mit Übersetzung der wichtigsten Begriffe ins Hochdeutsche.

Mein Fazit: ein alltagsorientiertes Kochbuch ohne viel Chichi, das zeigt, dass auch mit geringem Aufwand und unter Zeitdruck Leckeres auf den Tisch kommen kann. 


Sarah Wiener,  Sarahs kleine Küche

Gräfe und Unzer 2023

192  Seiten, 26 Euro

9783833888373

Thursday, October 5, 2023

Für Feste, Freunde und Familie

 Ob es einen festlichen Anlass gibt oder ob alle in der WG-Küche essend und redend zusammen sitzen wollen - In der Rezeptesammlung "Gemeinsam essen" ist Gemeinschaft Trumpf. Das Buch des Herausgebers "Meine Familie und ich" bietet dabei ein breites Angebot von Tradition wie damals aus Omas Küche bis vegan/vegetarisch. Selbstgemachtes Müsli ist ebenso im (Frühstücks)-Angebot wie selbstgemachte Konfitüre.

Rouladen und Gulasch sind ebensowenig verpönt wie fleischlos-Leichtes. Bekanntes bekommt einen neuen Touch, etwa bei der Levante-Lasagne. Oder Corn pancakes mit Avocado Und auch Ratschläge und Tipps für ein bißchen mehr Nachhaltigkeit kommen nicht zum Kurz. Das gilt etwa für Abschnitte wie "gesundes Kochen" oder "Saisonkalender". Selbst Energie (und Kochzeit) sparen lässt sich mit Hinweisen, doch gleich die doppelte Portion Reis, Nudeln oder Kartoffeln zu kochen und am nächsten Tag zu Auflauf, Salat oder Pfannengericht zu verarbeiten.

Apropos Pfanne: Auch mit den One Pot Gerichten aus Pfanne, Topf oder vom Backblech lässt sich Energie sparen - und es gibt nicht so viel abzuwaschen. 

Auch an die Kaffeetafel wird gedacht. Kuchen im Glas und kleine Törtchen fürs Büffet sind ebenso vertreten wie der Klassiker Käsekuchen. Dich auch Deftiges ist im Angebot, etwa Katoffel-Zupfbrot oder Spinat-Tarte, die sich für ein Abendessen mit Salat ebenso eignen dürften wie für ein sommerliches Picknick. 

Ein eigener Abschnitt ist Ostern und Weihnachten gewidmet. Da isst das Auge auf jeden Fall mit, etwa wenn es um die dekorativen Eier-Küken oder Kokos-Küken geht.

Die meisten Gerichte sind für vier Portionen, gelegentlich mal mehr berechnet. Angesichts der bunten Auswahl dürfte für jeden Geschmack etwas dabei sein. Nicht zuletzt vor Festen dürften auch die Tipps zu entspanntem Werkeln in der Küche und optimaler Vorbereitung gelegen kommen.

Diverse, Zusammen essen. Rezepte, die alle Generationen glücklich machen

G+U 2023

240 Seiten, 28 Euro

9783833890604

Sunday, September 24, 2023

Sternekoch mit Rezepten "hart am Alltag"

 Wenn ein Michelin-Sternekoch ein Kochbuch schreibt, denkt man gewöhnlich nicht als erstes an Begriffe wie "einfach" und "schnell", sondern: Ist das überhaupt für mich als Amateur ohne Profuküche machbar? Ein Blick un Mario Kotaskas "Kochen hart am Alltag" lässt mich allerdings schnell erleichtert aufseufzen. Denn Kotaska hat zumindest für das wochentagstaugliche Kochprogramm versprochen, dass die Kocherei in 20 Minuten machbar ist. Da hat sich der TV-Koch doch wirklich amateurfreundlich gezeigt!

Ob Nudel-Frittata oder Rote Beete Carpacchio, Rouladen a la Oma oder selbstgemachtes Granola - vom Start in den Tag is zum Sonntagsessen, vom schnellen Gericht nach Feierabend bis zum Weihnachtsdessert sind Rezepte vertretet - auch für Veganer und Vegetarier.

In den Ratgeberabschnitten seiner Kapitel tritt der Autor gewissermaßen als Coach auf, um den Kochalltag zeitsparender und stressfreier zu gestalten. Etwa mit Tipps, wie sich der Lebensmitteleinkauf optimieren lässt. Oder wie statt eines Fertiggerichts mit Resten oder Lebensmitteln, die man eigentlich ständig auf Vorrat hat, kreativ gezaubert werden kann. Das ist überzeugend und zeigt Alternativen zu "Mac´n ´cheese" auf, die nur noch in einen Topf mit heißem Wasser geschüttet werden müssen. Kindertauglich dürfte das Rezept auf jeden Fall sein. Und auch die Gerichte zum Mitnehmen, ob Wraps , Hummus  oder "Stulle de Luxe" können eine Alternative zu Mikrowellenessen oder Schnellimbiss sein.

Zugegeben: Die Rezepte für Wochenende und Feiertage sind dann schon ein bißchen zeitaudwändiger. Machbar sind aber auch sie. Und ohne den Stress der Arbeitswoche verbringt man ja auch gerne ein bißchen mehr Zeit in der Küche für was Besonderes.  Überwiegend finden sich hier klassische deutsche Gerichte, etwa Rouladen oder Gulasch. Aber auch Fischgerichte und mediterrrane Anklänge kommen nicht zu kurz. Der geröstete Blumenkohl mit Minz-Koriander-Raita hat sich bei mir schon bewährt.  Und auch Resteverwertung wie der Brotauflauf mit Pilzen oder der easy fried rice überzeugen durch ihre Alltagstauglichkeit. Die Fotos, die  nicht nur appetitliches auf dem Teller, sondern auch einen sichtlich gechillten Koch zeigen, tragen dazu bei, zu überzeugen: Alles keine Hexerei, sondern sehr machbar. 


Mario Kotaska, Kochen hart am Alltag

G+U 2023

160 Seiten, 24 Euro

978-3-8338-8823-6

Friday, August 18, 2023

Yoga mit Body Positivity

 Schon beim Blick auf das Titel von Every Body Yoga von Jessamyn Stanley wird klar, dass es nicht nbedingt um anfängertaugliche Asanas für jedermann geht. Denn die Frau, die sich da in Dreiecksposition durchstreckt entspricht so gar nicht den Frauen, die die Titelbilder von yogazeitschriften schmücken oder als Fitness-Influencerinnen auf ihren Youtube Kanälen den Sonnengruß üben. Sprich: Hier steht keine ätherische Blondine in Pastell, sondern eine schwarze Frau, die politisch korrekt als plus size curvy beschrieben wird, selbst aber kein Blatt vor den Mund nimmt und sagt: ich bin fett.

Schon mit ihrem schnoddrigen Stil, ihrer gnadenlosen Ehrlichkeit und klaren Ansprache ist die Autorin sympathisch. Und es ist großartig, dass sie den elephant in the room, oder eher im Yogastudio anspricht: Es ist nun mal nicht jede*r eine ätherische Blondine. Oder hat einen präpubertären Körper mit kaum vorhandenen Hüften. Nichte jede, die sich zum herabschauenden Hund beugt, blickt auf einen brettflachen Bauch. Und auch das Yogatraining verwandelt nicht unbedingt in eine Frau mit Tänzerinnenfigur, siehe Jessamyn. Tut trotzdem gut und sollte Spaß machen - aber bitte ohne kritische Seitenblicke und hämische Bemerkungen über die Dicken im Fitnessstudio!

Jessamyn Stanley hat ihr Buch für diejenigen geschrieben, die nicht weiß oder jung oder mit perfekter Figur gesegnet sind. Ihr Appell für mehr Body-Positivity ist auch eine Beschreibung des eigenen Lernwegs vom dicken kleinen Mädchen, das so gerne eine Cheerleaderin mit Ballerina-Figur gewesen wäre. Der Weg zur selbstbewussten Power-Frau war harte Arbeit, das wird beim Lesen deutlich.

Um Yoga geht es natürlich auch, wobei die Autorin sowohl verschiedene Yogaarten vorstellt als auch mit Abbildungen der Abläufe verschiedene Yoga-Flows etwa für Gelassenheit, für innere Stärke oder fürs Gleichgewicht vorstellt. Wer noch nie Yoga gemacht hat, dürfte auch angesichts der wenig elfenhaften Modelle Mut fassen, es einmal auszuprobieren. Und wer Yoga bereits kennt und selbst auch keine Size Zero Typ ist, kann nur sagen: danke, Jessamyn! 


Jessamyn Stanley, Every Body Yoga

Löwenzahn Verlag 2023

216 Seiten, 29,90 Euro

9783706629805

Sunday, April 23, 2023

Geschichte, Anbau, Zubereitung: Wissen für Kaffeeliebhaber

 Edel schon  mit dem Umschlag, voll mit Detailwissen und reich bebildert: "Der Kaffee Atlas" von James Hoffmann mag eine Enttäuschung für jene Leser sein, die sich fancy Rezepte mit hippen Zutaten erhofft haben. Für Kaffee-Liebhaber, die sich für facts und Hintergründe interessieren, bietet dieses Buch eine Fundgrube von Wissen zu Geschichte, Anbau und Zubereitung von Kaffee, puristisch, ohne irgendwelche Sirups und andere Spielereien. Hier zählt der Geschmack der Bohne, der je nach Herkunft, Röstung und Zubereitung so vielfältige Möglichkeiten hat.

Hoffmann nimmt die Spitzenkaffees unter die Lupe, beschreibt Anbau und Ernte, Sorten, die viel vielfältiger sind als einfach nur Arabica und Robusta, nimmt die Leser mit auf eine Reise von den Anbaugebieten bis hin zu dem Kaffee in der Tasse, ob Espresso oder Cortado, Capucchino oder Americano. Auch Kaffeehandel, Röstung und die Vor- und Nachteile der verschiedenen Arten des Kaffeekochens werden beschrieben.

Besonders viel Platz nimmt die Beschreibung der Anbaugebiete ein, mit Bildern vom Kaffeeanbau in Afrika, Lateinamerika und Asien, Geschmacksprofilen und Informationen über eine Rückverfolgbarkeit. Während mit Ruanda eines meiner Lieblingskaffee-Herkunftsländer vorgestellt wurde, habe ich vor allem bei den asiatischen Herkunftsländern gestaunt: Auch in China und Indien, zwei Ländern, bei denen ich zuallererst an Tee denke, wird Kaffee angebaut. Bei Nicaragua wiederum kommen Erinnerungen an "Sandinos Dröhnung" auf und den solidarisch getrunkenen Kaffee, der seinerzeit ziemlich auf den Magen schlug und mittlerweile deutlich professionalisiert wurde. Ein glossar ergänzt diese Enzyklopädie des Kaffees.

Der Kaffee-Atlas ist kein Buch, das man in einem Stück durchliest, in dem ich aber gerne stöbere, gerne bei einer Tasse Kaffee. Die einzelnen Kapitel sind kurz, prägnant und bieten einen Einblick in den Anbau und die Einfüsse von Boden und Klima, die letztlich das Aroma der Kaffeebohnen beeinflussen. Hier wird Wissen für Genuss anschaulich vermittelt.


James Hoffmann, Der Kaffee Atlas. Von der Bohne bis in die Tasse.

ZS Verlag, 2023

272 Seiten, 34,99

 978-3-96584-297-7

Monday, March 20, 2023

Gesundheitsbewußt kochen mit den "big five"

 Die "Big Five" kennt man ja eher von Safaris - jene fünf Tierarten nämlich, die Safaritouristen unbedingt vor die Foto-Linse bekommen wollen. Bei "Big five for Health" von Stephan Lück und Andi Schweiger dagegen geht es um Lebensmittelgruppen, die zum Wohle der Gesundheit möglichst täglich in irgendeiner Kombination auf den Tisch kommen sollen.

Die gute Nachricht vorweg: Komplizierte Nahrungsergänzungsmittel oder überteuertes Superfood kommt hier nicht vor. Den Autoren liegt auch Nachhaltigkeit am Herzen - und das bedeutet eben auch, regional und saisonal zu kochen. Da ist es nur konsequent, dass der Rezeptteil in Jahreszeiten gegliedert ist mit Zutaten, die dann jeweils ohne lange Lieferwege erhätlich sind.

Auch für die Haushaltskasse sind die "big five" ausgesprochen entspannend, handelt es sich doch um Hülsenfrüchte, Körner, Kohlgemüse, Zwiebelgemüse und Wurzelgemüse. Als Begleiter gibt es ebenfalls fünf Zutatengrupen - Kräuter und Gewürte, Samen, Nüsse und deren Öle, Frucht- Blatt- und Stielgemüse, Obst, Milch, Milchprodukte und Eier.

Bei der Vorstellung dieser Gruppen und ihrer Wirksamkeit für die Gesundheit konnte ich mich zufrieden zurücklehnen - da bin ich offenbar schon ganz ohne vorangegangene Lektüre auf dem richtigen Weg unterwegs, denn all das gehört schon seit langer Zeit regelmäßig zu meinen Zutaten.

Es schadet allerdings nie, neue Gerichte kennenzulernen, ich stöberte mich also durch den Rezeptteil, der sehr ansprechend, aber auch eher für die Feinschmecktertafel fotografiert war. So ein Foodstyling muss man eher mal hinkriegen. Aber da zeigt sich eben das Profi-Händchen des TV-Spitzenkochs. 

Zudem haben viele der vorgestellten Gerichte eine lange Vor- und/oder Zubereitungszeit. Nicht so optimal für Vollzeitarbeitende, auf die nach Feierabend die Extraschicht im Haushalt wartet. Bei mir zumindest muss es schnell gehen, optimal so, dass nach gebührender Pause auch noch eine Einheit Sport und Bewegung drin ist. Realistisch ist für mich die Umsetzung der Rezepte daher höchstens am Wochenende und wenn Besuch kommt, damit sich der Aufwand auch lohnt.

Dennoch wurde ich bei einigen Rezepten fündig, die ich sicher ausprobieren werde, etwa das Tomatencarpaccio  mit Ofenzwiebel, Fenchel und Pesto oder die fruchtig-pikante Summerbowl. Auch der Ofenkürbis mit Pfiffrerlingen und Sesamsauce ist schon für den nächsten Herbst vorgemerkt und die Dinkelbaguette mit Rotkohl Skyr und Bratsardinen gehört mit 20-minütiger Zubereitungszeit (plus 25 Minuten Warten) gewissermaßen zu den Blitzrezepten des Buches. Die Hirse-Linsenbowl mit gebeizter Lachsforelle und die Kohl-Karoffel Quiche haben mich ebenfalls überzeugt, dass es sich lohnen kann, manchmal etwas mehr Zeit in der Küche zu verbringen. 

Hinweis für Leckermäuler: Es gibt auch gesunde Dessertvrschläge. Mein persönlicher Favorit ist dabei der Pastinakenkuchen mit Winterfrüchten und Schokomousse.

Mein Fazit: Angesichts der oft längeren Vor- und Zubereitungszeit kein Kochbuch für jeden Tag, jedenfalls nicht für Berufstätige. Auf jeden Fall aber eine tolle Vorlage, um vertraute Zutaten aufzupeppen und abzuwandeln - die vorgestellten Gerichte lassen sich schließlich auch alltagstauglich vereinfachen, selbst wenn das vielleicht nicht so ganz im Sinne der Verfasser ist.

Stephan Lück, Andi Schweiger, Big Five for Health

GU 2023

216 Seiten, 28 Euro

978-3-8338-8595-2


Sunday, March 19, 2023

Die Grillsaison kann kommen

 Auf  Kochbücher von Dr Oetker haben schon meine Mutter und meine Oma gebaut - und auch bei "Einfach lecker Grillen" werde ich als Leserin nicht enttäuscht. Das Buch verspricht Gelinggarantie und in der Tat sind die hier vorgestellten Rezepte allesamt machbar ohne Spezialgrill und Zubehör, dass erst aus dem Internet oder in spezialisierten Geschäften besorgt werden muss. Die meisten können notfalls auch am Herd oder im Ofen zubereitet werden - schließlich verfügt nicht jeder über die Möglichkeiten, rund ums Jahr auf der Außenterasse den Grill anschmeißen zu können.

Hier ist jedenfalls für jeden Geschmack etwas dabei, vom Carnivoren zur Veganerin, von deftig bis mediterran oder orientalisch. Spießchen, Burger und Steaks, Saucen und Rubs, Salate und Beilagen einschließlich selbstgebackenen Brotes - das ist gewissermaßen obe book fits all.

Einige Rezepte haben mich hier ganz besonders angelacht, etwa die mediterrane Hähnchenbrust oder Portobellos mit Chorizo, Folienkartoffel mit Ziegenkäse oder Pfännchen mit Gemüse und Schafskäse, die nicht nur vom Grill leckere Aromen versprechen.

Ein Rub, eine Sauce oder ein Dressing geben bekannten Gerichten neuen Pfiff, etwa den Süßkartoffeln mit Honig-senf-Dressing. Ansprechend und vielseitig ist auch schon das Titelbild des Buches, dessen Hardcover-Umschlag auch beim Außeneinsatz am Grill gelegentliche Fettspritzer oder plötzliche Regentropfen verzeihen dürfte.

Für Süßmäuler gibt es im letzten Kapitel auch noch eine Reihe süßer Gerichte vom Grill, die wie die Apfelrosen vom Grill auch optisch etwas hermachen. Weniger aufwändig, aber sicherlich nicht weniger beliebt dürfte die Schokobanane in Folie sein. Die geht auch noch nach herzhaften Schmankerln - so viel ist sicher!

Für alle Grill-Neulinge gibt es gleich am Anfang des Buches eien kurzen, aber anschaulichen Ratgeberteil über Grillarten und -techniken, Garzeiten und Zubehör. Danach dürfte dem Grillvergnügen nichts mehr im Wege stehen außer gegebenenfall das Wetter.

Einfach lecker grillen

Dr Oetker-Verlag 2023

185 Seiten, 19,99

IBN 978-3-7670-1879-2

Saturday, January 21, 2023

Stoffwechselprozesse, anschaulich erklärt

 Irgendwann nach dem 40. Geburtstag ging es bei mir los:  Der Zeiger der Waage zeigte weiter als früher, und es dauerte länger und wurde mühsamer, das alte Gewicht wiederherzustellen. Und auch bewusste und möglichst gesunde Ernährung ändert nichts daran, dass meine Figur als 30-jährige mittlerweile eine traurige Erinnerung ist. Es ist eine Erfahrung, mit der ich nicht alleine dastehe (was immerhin ein bißchen tröstlich ist), und es braucht keine Schokolade- und Chipsorgien: Mit zunehmendem Alter wird der Stoffwechsel langsamer.

Was sich hinter den Stoffwechselprozessen im menschlichen Körper verbirgt und wie sie sich im Alter verändert, erläutert  Ingo Froböse anschaulich in seinem Buch "Der Stoffwechsel Kompass". Wer jetzt einen Diät- oder Ernährungsratgeber sucht,  dürfte enttäuscht sein, denn hier geht es erst einmal um das Grundverständnis dessen, was im Körper abläuft. Dazu gehört auch die Erläuterung, dass es nicht "den" Stoffwechsel gibt. Froböse erläutert Prozesse von der Nahrungsaufnahme bis zur Ausscheidung, die biochemischen Prozesse im Körper, die Verstoffwechslung von Kohlehydraten, Fett und Eiweiß, aber auch die Sonderabläufe etwa in Muskeln oder im Gehirn.

Dieser theoretische Überbau lässt die Pfunde zwar nicht wegschmelzen, doch er zeigt, was Körper und Organen gut tut, die Vitalität und Gesundheit erhält oder stabilisiert. Dass Froböse für diejenigen mit Wunsch nach Gewichtsverlust Verzicht auf gezuckerte Getränke fordert und auf Ausdauersport und Krafttraining setzt, ist wenig überraschend. Schließlich wissen wohl die meisten Menschen, dass mehr Muskeln auch mehr Kalorienverbrennung bedeuten. Dumm, dass mit zunehmendem Alter - genauer gesagt spätestens ab dem 30. Lebensjahr - die Muskelmasse Jahr für Jahr zurückgeht. Die Folgen sehen viele der ü40ff täglich im Spiegel.

Froböse verspricht in der Hinsicht keine Wunder. Aber gesund alt zu werden, ist ja auch schon mal was. Die gute Nachricht des Professors: Es ist nie zu spät, anzufangen.

Ingo Froböse,  Der Stoffwechsel Kompass

Ullstein 2022

304 Seiten, 19,99

9783864931536

Sunday, January 15, 2023

Nicht nur Porridge und Granola: Gesundmacher Hafer

 "Gesundmacher Hafer" von Doris Frtizsche und Martina Kittler erschien für mich genau zum richtigen Zeitpunkt: Seit ein paar Wochen experimentiere ich mit Hafer, neue Rezepte kamen also höchst gelegen. Dass Hafer gesund ist, ist ja durchaus bekannt, allein in Verbindung mit schmackhaften Gerichten hatte ich das Getreide nicht so auf dem Schirm. Eher mit dem Haferschleimsüppchen, dass ich in meiner Kindheit bei verdorbenem Magen vorgesetzt bekam, umd das schmeckte ähnlich apettitanregend, wie der Name klingt. Auch Porridge, etwa bei befreundeten Engländern, ließ so jeden Anreiz vermissen.

Aber nun wollte ich dem Hafer eine neue Chance geben - mit Zimt, mit ein paar untergemischten Nüssen oder Saaten, mit Beeren oder Troclenfrüchten schmeckte es schon nicht mehr ganz so blah.  "Gesundmacher Hafer" sorgte dann für weitere Ideen, aber erst mal für den theoretischen Überbau, nämlich mit der Erläuterung der Inhaltsstoffe, die Hafer oder Haferkleie eben so wertvoll für den Organismus machen: Hafer sättigt und hält ordentlich vor, man kommt also nicht so leicht in Versuchung, in einem Heißhungeranfall Süßes oder Fettiges in sich hineinzustopfen. Das im Hafer enthaltene Beta-Glucan hilft auch bei der Regulierung von Blutzuckerwerten und kann sogar den Cholesterinspiegel senken.

Mit beidem hatte ich in der Vergangenheit zwar keine größeren Probleme, aber dass mein Hafermüsli ein guter Sattmacher war und mich spürbar mit Energie versorgte, das hatte ich nach einigen Wochen selbst schon festgestellt. Die bioorganischen Prozesse erläutern die Autorinnen in ihrem Buch nachvollziehbar, sogar eine Haferkur wird vorgestellt.

Während Hafer für mich bisher vor allem ein Frühstücksbestandteil war, werden in dem Buch aber auch herzhafte Gerichte vorgestellt, Haferrisotto etwa oder Haferbrei mit orientalischem Flair und mit Gemüse. Ich hatte beim Lesen jedenfalls gleich Ideen zum Improvisierten und neuen Kombinationen, zumal ich nicht zu denen gehöre, die carbs rigoros ablehnen oder als Dickmacher verteufeln.

Klar, dass auch das Backwerk nicht fehlt, vom Haferkeks, über Brot und Brötchen, aber auch Kuchen mit Haferkruste als Boden. Auch wenn ich seit Beginn meiner Haferfrühstücke schon ahnte, dass Hafer nicht langweilig schmecken muss, habe ich in diesem Buch viel gefunden, was nicht nur meine Frühstücksgewohnheiten bereichern word. 


Doris Fritzsche, Martina Kittler, Gesundmacher Hafer

GU 2023

160 Seiten, 17,99

:978-3-8338-8718-5

Saturday, January 14, 2023

Ayurveda-Kur für Zuhause

Ich will ehrlich sein: Der Begriff Panchakarma-Kur hat mir bisher nichts gesagt. Vor ein paar Jahren hat mich das Buch "Heilsam kochen mitAyurveda" allerdings voll überzeugt, ja begeistert. Also war ich sofort neugierig, "Ayurveda" von Andrea Kathrin Loewig näher kennenzulernen. 

Der Anspruch - es ist ja ein Buch über eine Kur und kein reines Rezeptbuch - ist ganzheitlich: Meditation, Yoga und eben Ernährung. Wobei der Gedanke, mit meinem Dickdarm oder meiner Leber zu sprechen, für mich dann doch arg gewöhnungsbedürftig ist. Der Detox-Gedanke hat mir schon gut gefallen, gerade in dieser Zeit des Jahresbeginngs und der damit verbundenen guten Vorsätze. Ganz zu schweigen davon, dass es um Weihnachten herum mit der Ernährung nicht immer so gesund zugeht, wie ich das eigentlich will...

Die Autorin hat die Kur in einem Retreat kennengelernt, dessen Betreiberin und Arzt viel Gelegenheit zur (Selbst-)Darstellung bekamen, insofern hat mich die indirekte Werbung eher negativ berührt. 

Die Sieben Tage-Kur, die in diesem Buch vorgestellt wird, ist für mich in meinem Alltag nicht umsetzbar. Und offen gestanden ist mir meine Urlaubszeit zu kostbar für Abführtage und Gespräche mit meinem Darm. Dann lieber raus in die Natur und Glückshormone bei einer schönen, gerne auch anstrengenden Wanderung ausschütten. Tut dem Organisms auch gut. Und für Yoga bin ich ohnehin immer zu haben - da waren mir die Übungen in diesem Buch zu knapp und übersichtlich, um den angestrebten Energie- oder Entspannungsschub  zu erreichen.

Gut fand ich im Rezeptteil, dass immer auch die Wirkungen angegeben wurden, beispielsweise blutdrzucksenkend, kreislaufstärkend usw. Auch den Ayurveda-Energiedrink mochte ich, der passt auch ohne Kur immer mal zwischendurch. 

Insgesamt glaube ich aber, ich war einfach die falsche Leserin für dieses Buch. Es hat mir deshalb auch nicht sonderlich viel gegeben, auch wenn  ich sicherlich das eine oder andere ayurvedische Süppchen zur sanften Entgiftung zwischendurch kochen werde. Trotzdem keine enttäuschende Erfahrung.

Andrea Kathrin Loewig, Ayurveda
GU 2023
204 Seiten, 20,99
:978-3-8338-8244-9

Vegan ohne viel Klimbim

 Mit "schnell mal vegan" hat Katharina Seiser ein Kochbuch geschrieben, dass gerade für Menschen mit wenig Zeit und möglicherweise auch wenig Kocherfahrung geschrieben ist: Die Mehrheit der Rezepte ist in 30 Minuten umzusetzen, die Zutatenliste ist unkompliziert und dank der Gliederung der Rezepte in die Jahreszeiten ist es einfach, sich saisonal und überwiegend auch regional zu ernähren. Das meiste, was hier verarbeitet wird, ist in jedem Supermarkt zu bekommen und erfordert keine Expedition in Spezialitätenshops.

Zugleich ist hier ein "back to the basics" zu erkennen: Hier wird nicht versucht, mit veganen Mitteln Fleisch-Look zu erzielen (etwas, wwas mich bei plant-based Burgern, Würsten, Schnitzeln usw immer wieder verwundert, vor allem, da die Produkte dann womöglich durch eine ganze Reige von Verarbeitungsschritten gegangen sind, statt einfach auf pure pflanzliche Zutaten zu setzen, die auch nach Pflanze aussehen dürfen). Hülsenfrüchte, aber auch Reis und Brot spielen eine wichtige Rolle, für Carb-Verächter ist das Buch also womöglich weniger geeignet. 

Vielleicht wenig überraschend: Vieles ist von türkischen, sonstig mediterranen und asiatischen Gerichten inspiriert, es gibt aber auch Herzhaftes - im aktuellen Winterkapitel lockte mich etwa gleich die Pilzsuppe, ein wärmender Eintopf, der gut in die Jahreszeit passt. Mit reichlich Suppen und Salaten geht es nicht nur schnell, sondern auch leicht zu, das gilt besonders für die Frühjar- und Sommerrezepte, die bei heißen Temperaturen gerne so ausfallen fürfen, dass der Verdauungsprozess nicht für zusätzliche Schlappheit sorgt.

"Schnell mal vegan" überzeugt durch Alltagstauglichkeit und ist schnell und unkompliziert umzusetzen. Da die Autorin Österreicherin ist, hatte ich nur ab und an Verständnisprobleme, etwa als ich mich fragte: Was ist eigentlich Stängelkohl? (es handelt sich offenbar um Broccoli)

An dem Buch überzeugt mich zudem, dass es weder missionarisch noch dogmatisch ist. Ich denke, damit ist es auch ein niedrigschwelliges Angebot an alle diejenigen, die gerne mal vegane Küche ausprobieren wollen, ohne deshalb den gesamten Inhalt ihres Vorratsschranks auf den Prüfstand stellen zu müssen. Wer ohnehin wie ich aus der überwiegend vegetarischen, im übrige flexitarischen Ecke kommt, fühlt sich gut abgeholt.

Katharina Seiser, Schnell mal vegan

Brandstätter Verlag, 2022

176 Seiten , 32 Euro

978-3-7106-0686-1