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Sunday, August 18, 2024

Gärtnern und kochen

 "Wir gärtnern schon immer", verraten Pascale Amez und Melissa Knüsel, die Autorinnen von "Liebes Gemüse". Wie der Titel schon ahnen lässt, ist das Buch eine Liebeserklärung an regionales und saisonales Gemüse mit all seinen Möglichkeiten, an alte Sorten und Samenvielfalt. Auch Hobbygärtner können die eine oder andere Anregung von den Autorinnen erhalten. Zugleich ist das Buch ein Plädoyer für auch optische Vielfalt, krumm gewachsene oder ungenormte 

Produkte.Amez und Knüsel geben ihren Leser*innen eine Art Baukastenprinzip zur Hand - sei es für Tauschmöglichkeiten für vegane oder nicht-vegane Küche, selbstgemachte Aufstriche aus Gemüse oder saisonale Gemüsesäfte, -pfannen oder -salate in wechselnden Variationen.

Im zweiten Teil des Buches werden in Einzelkapiteln Gemüse vorgestellt - botanisch, nährwerttechnisch, mit Anekdoten, Hinweise zu Zucht und Ernte, Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Gemüsen  und natürlich Rezepten, ob nun Spinat, Erbsen, Radieschen, Tomaten oder Möhren. Dabei gibt es auch einige überraschende  Zubereitungsarten, sei es Rettichchips, Erbsen-Gnocchi, Gurken-Cheesecake, Baba Ganoush aus Zucchini oder Rotkohlrouladen mit Maronen- oder Süßkartoffelfüllung.

Vor allem für Veganer gibt es hier viele Rezepte, sie können allerdings wie schon erwähnt auch abgewandelt werden mit Kuhmilch, Joghurt usw. In der Hinsicht sind die Autorinnen erfreulich undogmatisch. 

Pascale Amez, Melissa Knüsel, Liebes Gemüse

GU 2024

240 Seiten, 39,90 Euro

9783833890307

Thursday, October 13, 2022

Vegane Rezepte, definitiv anfängergeeignet

 Auch als Flexitarierin habe ich Interesse an veganen Gerichten und Rezepten, also halte ich immer die Augen offen nach neuen Büchern zu dem Thema. "Rosa kocht vegan" von Rosa Roderigo war  mit dem farbenfrohen Cover zumindest schon mal ein Eyecatcher. Die Autorin hingegen war mir unbekannt - was vermutlich daran liegt, dass mich das Thema Influencer*innen gänzlich kalt lässt und mich auf sozialen Medien mehr Inhalte und weniger people-Berichterstattung interessieren.

Daher hat das Buch für mich gleich eine Schwäche - es geht halt auch hier immer wieder um die offenbar prominente Autorin und ihre Lebensphilosophien und Einsichten, in Szene gesetzt von einer Fotografin, die spezialisiert ist auf people photography...

Obendrein bin ich als über 30-jähriger Mensch vielleicht einfach weniger empfänglich für Superlative und atemlose Aufgeregtheit, die ich mit "Generation Snowflake" verbinde. War das jetzt zu gemein? Aber wenn alles traumhaft, zaugeil, grandios und abgefahren oder schmatzfatzo ist, ist mir das einfch ein bißchen over the top, da setzt dann gleich meine berufsbedingte Skepsis ein. und auch denglische Begriffe sind in meinen Augen keine Garantie für innovative Inhalte. Soll vielleicht jugendlich wirken, aber permanente Selbstinszenierung beim Lesen eines Buches durchstehen zu müssen, ist echt nicht mein Ding.

Jetzt aber genug gemeckert, denn Rezepte und damit Inhalte gibt es ja auch, und die sind überwiegend so einfach gestaltet, dass auch ein Sensibelchen an Herd oder Ofen nicht vor lauter komplizierten Anweisungen einen emotionalem Meltdown befürchten muss. Manches ein bißchen sehr simpel, wie die Heidelbeer-Blätterteigteilchen, anderes zumindest schön bunt wie der Konfetti-Schokokuchen. Schokolade geht schließlich immer, ob in veganer oder sonstiger Form. Für den nächsten Frühsommer habe ich mir auch schon den Erdbeer-Rhabarber-Crumble markiert.

Ob vegane Köttbullar, vegane Pide und Bifteki oder sogar Königsberger Klopse - für viele regionale oder internationale Grichte gibt es hier vegane Abwandlungen auf Soja- und Tofubasis.  Alles in allem nett, aber nicht gerade eine vegane Offenbarung, eher durchaus schon bekannte Rezepte auf niedrigem Schwierigkeitsgrad. Insofern ist dieses Buch für mich kein "must have" und wird auf meinem Regal eher inen Platz im Hintergrund einnehmen. Fans sehen das wahrscheinlich anders.


Rosa Roderigo, Rosa kocht vergan,

GU, 2022

192 Seiten, 24 Euro

978-3-8338-8402-3

Tuesday, September 13, 2022

Omas Küchengeheimnisse treffen vegane Küche

 Vermutlich haben wir alle Kindheitserinnerungen an Gerichte, die selbst die Mutter nicht so ghut hingekriegt hat wie die Oma. Mahlzeiten, die ein Wohlfühlgefühl hinterließen, mit denen wir Erinnerungen an Verwöhntwerden, viel Liebe und eben an die Oma verbinden. An die leckersten Bratkartoffeln der Welt oder den Lieblingskuchen, den nur sie so hinbekam.

Angelique Vochezer geht es ähnlich. Allerdings ernährt sie sich seit ein paar Jahren vegan. Was tun, um die leckeren Kindheitserinnerungen nicht ins Reich von "es war einmal...." zu versetzen? Glück für die Autorin: Ihre Oma reagierte nicht mit einem verständnislosen "Kind, wie kannst du nur....?!". Die beiden tüfelten an den Tradtionsrezepten nach Hausmacherart, bis es für geschmackliche Alternativen reichte.

In "Omi, ich bin jetzt vegan" präsentieren Vochezer und ihre Oma Ingeborg Tessmann insgesamt 74 Traditionsgerichte, umgesetzt für Veganer. Ob Käsespätzle oder gefüllte Paprikachoten, Frikadellen oder Kaiserschmarrn - zumindest auf den Fotos sehen die Gerichte so aus wie die Vorbilder mit Ei, Käse oder Fleisch. Da hilft es sicherlich, dass es mittlerweile viele vegane Produkte gibt, die dem Originalvorbild seh ähnlich sehen. Und manches, wie Kartoffelsalat, ist ja zum Glück von vornherein sowohl für Veganer wie für alle anderen denkbar.

Neben deftigen Gerichten gibt es auch Süßes, etwa für die Kaffee- und Kuchenrunde oder Plätzchen für die Weihnachtsbäckerei. 

Da ich Flexitarierin bin, werde ich mich sicherlich bei solchen Traditionsgerichten nicht nach veganen Alternativen umsehen, es sei denn, ich habe Veganer zu Besuch. und dann würde ich vermutlich eher nicht deutsch-traditionell kochen. Für alle Veganer mit sehnsüchtigen Erinnerungen an die Hausmannskost ihrer Mütter und Großmütter dürfte dieses Buch allerdings die Gewissheit bringen, dass ihre Ernährung nicht den ewigen Verzicht auf kulinarische Kindheitserinnerungen bedeuten muss.


Angelique Vochezer, Ingeborg Teßmann, Omi, ich bin jetzt vegan

Allegria, 2022

192 S. 22,99

9783793424451

Saturday, September 3, 2022

Kurz, knackig, vegan

 Die Inflation steigt, die Energiekosten ebenfalls - beim Einkaufen wird stärker überlegt, was denn nun wirklich alles nötig ist. Eine gute Zeit also für ein Kochbuch, das verspricht, mit nur fünf Zutaten eine Mahlzeit zuzubereiten - und im Fall von Leba Merz´"Happy vegan mit 5 Zutaten" obendrein ohne tierische Produkte. Wie bei der GU-Reihe üblich, handelt es sich um ein eher schlankes Buch mit gerade mal 64 Seiten. Aufgeteilt ist es in die Bereiche kleine Gerichte, Hauptgerichte sowie süßes und Gebäck. Hinzu kommen vegange Küchentipps und -hacks von der Vorrathaltung bis zu schnellen Würzvariationen.

Die Rezeptauswahl mag übersichtlich sein, macht aber einen leckeren Eindruck und ist ansprechend bebildert.  Dabei gibt es teilweise vegane Abwandlungen von Gerichten, die andernfalls häufig fleischlastig sind, etwa Mangold Börek oder Auberginen Pide oder Zucchini mit Falafel-Füllung.  Die bunten Pommes mit Limetten Mayo könnten sich nicht-Veganer auch gut zu einem Stück Fleisch schmecken lassen. Der Fenchelsalat mit Kichererbsen verlängert mit Aromen aus dem Süden den Sommer. Schon herbstlich und daher sicher demnächst auf meinem Speiseplan ist das Hirsotto mit Rotkohl, das auch farblich sehr schmuck daherkommt.

Bei den süßen Rezepten lockten mich vor allem die Schokomousse mit Orange, die Brownie Bites und der Kirschkuchen mit Streuseln - ein Rezept, das gerade zum richtigen Zeitpunkt auftauchte. Schließlich hatte die vegane Lieblingskollegin gerade Geburtstag und ist immer aufgeschlossen für was Süßes.


Lena Merz, Happy vegan mit 5 Zutaten

GU 2022

64 Seiten , 9,99 Euro

978-3-8338-8293-7

Tuesday, May 11, 2021

Einmal Döner vegan...?

 Für überzeugte Carnivoren bricht bei der Vorstellung wohl eine der letzten Bastionen: Döner jetzt auch vegan? Zusammen mit veganer Currywurst ist das für sie dann wohl der endgültige Zusammenbruch der Fast-Food-Kultur. Mit ihrem Buch "Orient trifft vegan" zeigt die Foodbloggerin und Autorin Serayi vegane Alternativen zur Küche des nahen Ostens und des östlichen Mittelmeerraums, wobei sie keine Grenzen zwischen libanesisch, türkisch, israelisch-palästinensisch, persisch usw zieht.

Die Autorin hat nach eigenen Angaben den Schritt zum veganen Leben vollzogen und seitdem fleißig experimentiert, um Geschmack auch ohne totes Tier zu ermöglichen. Nun ist der Vorteil der orientalischen Küche ja, dass es gerade im Bereich Mezze viele leckere Gerichte gibt, für die kein Tier sein Leben lassen musste. Statt dessen: Gemüse, Linsen, Kichererbsen - beste Voraussetzungen für Veganer. Beim veganen Döner, Börek oder Lahmacun natürlich gelten andere Herausforderungen.... Immerhin, mit Lahmacun mit Lauchpaste, Börek mit Linsen und Köfte auf Bulgurbasis gibt es eine Reihe von Alternativen, die auf dem Foto lecker und "original" aussehen. Im übrigen gilt bei der orientalichen Küche ja die Macht der Gewürze!

Klar, dass Falafel und Hummus in einem orientalischen Kochbuch nicht fehlen dürfen und auch ein buntes Couscous-Rezept in der Sammlung enthalten ist. Die Optik macht Lust aufs Ausprobieren, die Bilder der hennaverzierten Autorin in dekorativer Pose sind wohl der Tatsache geschuldet, dass sie auf Instagram startete, ehe sie unter die Kochbuchautorinnen ging.

Nachtisch, nun ja - der ist mir in der orientalischen Küche fast immer zu süß. Begeistert bin ich allerdings über das Rezept der Elmali pastane kurabiyesi, gefüllter Apfelhörnchen. Zwar warnt die Beschreibung, sie seien "schwer", aber aus der türkischen Bäckerei meines Vertrauens kenne ich die Apel-Nuss-Füllung innerhalb einer Teigkugel - das ist dann vielleicht einfacher als in Hörnchenform.

Da ich selbst zwar überwiegend vegetarisch lebe, Käse und Eier in meiner Küche aber nicht missen möchte, bin ich angesichts von "Schafskäse" auf Tofubasis naturgemäß ein bißchen skeptisch. Macht ja auch nichts - im Alltag werde ich sicherlich weiterhin an Schafskäse festhalten. Aber ich finde es toll, meiner veganen Kollegin nun auch die volle vegane Version anbieten zu können. Dieses Kochbuch wird bestimmt reichlich Anwendung finden!

Serayi, Orient trifft vegan

Grüner Sinn Verlag, 2021

204 Siten 24,99

978-3-946625-40-7

Wednesday, March 17, 2021

Der nächste Level - vegan backen

 Zugegeben, vegan war für mich lange Zeit kein Thema.  Ich bin Flexitarierin, koche die meiste Zeit fleischlos und vermisse da auch nichts. Aber Verzicht auf Eier und Käse? Auf Yoghurt und Quark? da habe  ich bei meinen persönlichen Ernährungsgewohnheiten stets die Reißleine gezogen. Pflanzenmilch habe ich zwar probiert, soviel Aufgeschlossenheit für Alternativen sollte schließlich sein - aber sie hat mich nicht überzeugt. Und ich hatte auch nicht das Gefühl, mit weniger hochverarbeiteten Lebensmitteln zu tun zu haben. Es gibt tolle Rezepte, die sind nicht nur vegetarisch, sondern auch vegan - aber ich hatte nicht das Gefühl, ich muss jetzt auf den veganen Hype aufspringen.

Aber was tun, wenn die Lieblingskollegin vegan lebt und obendrein eine Laktoseunverträglichkeit hat, mit mir allerdings die Lust auf Süßes teilt? Immer nur Reiswaffeln über den Schreibtisch zu reichen, ist ja auch nicht die Dauerlösung. Mit "Vegan backen" hoffte ich, Antworten auf die Fragen zu bekommen, wie ich auch ohne Eier was leckeres zum Geburtstag backen kann. Geht das überhaupt, oder erinnert das Ergebnis an die traurig aussehenden Resultate der Vollwertbäcker der 70-er Jahre?

Foodbloggerin Corinna Schober versichert: Es gibt heute so viele vegane Alternativen, da sei es gar nicht mehr problematisch,  "klassische" Kuchen und Kekse in veganer Version vorzubereiten. Das G+U Rezeptbüchlein ist mit 35 Rzepten eher übersichtlich - aber für jemanden wie mich auf der Suche nach einem Einstieg in die vegane Backstube ist das völlig ausreichend. Im Gegensatz, bei manchem Cupcake-Rezept dachte ich mir eher, ob das denn nicht viel zu süß und kalorienlastig sein dürfte.

Wie gewohnt mit apettitanregenden Fotos illustriert, gibt es vegane Varianten von Klassikern wie Marmorkuchen, Apfelkuchen oder Kipferl - damit kommt man schon mal durchs Back-Jahr. Kleine Küchlein für alle Gelegenheiten, wie Mango-Muffins, ein seeeehr lecker klingender Beeren-Rhabarber-Kuchen und etwas aufwändigere Kreationen wie eine Mango-Capucchino-Torte oder Kokos-Limetten-Torte sollten helfen, das Wiedersehen mit der Kollegin zu versüßen, wenn wir erst mal wieder die Homeoffice-Zeit beenden. Bis dahin heißt es ausprobieren und verkosten.  Und dank Corinna Schobers Warenkunde und Erläuterungen zu veganen Alternativen wage ich mich vielleicht im Laufe der Zeit an eigene Kreationen heran. Als Einstieg in den nächsten veganen Level jedenfalls sehr gut geeignet.


Corinna Schober, Vegan Backen

G+U, 2021

64  Seiten, 11,99 Euro

978-3-8338-7813-8

Friday, September 11, 2020

Fusion rules! Veggie kann auch anders

Mit "Veggie kann auch anders" hat sich Kochbuchautorin Anne-Katrin Weber vorgenommen, nicht das x-te Rezept für Linsenbolognese zu präsentieren, sondern bekannte Gerichte in ungewöhnlichen Kombinationen aufzupeppen. Bei der Durchsicht der Rezepte finde ich: das ist ihr gut gelungen! In dieser Rezeptsammlung haben Fusion und crossover kochen klar die Nase vorn. Das gilt sowohl für die Verbindung von mediterranen und südostasiatischen Geschmacksrichtungen wie auch für ungewöhnliche Zutatenkombinationen.

Eine Art "Mauerfall im Kochtopf" strebte die Autorin an: "Traditionelle Rezepte aus den unterschiedlichsten Kulturen werden zerlegt, neu gemischt oder anders kombiniert. Die Zutaten und Aromen der Welt verschmelzen zu ganz neuen Gerichten. Und: Experimente sind nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht."

Und gerade mit frischen Kräutern wird aufgetrumpft. Zum Beispiel beim Puy-Linsensalat mit Pimentos de Padrón, in dem außer den spanischen Pimentos Koriander und Sesam Akzente setzen. Oder: Zitrusfrischer Rosenkohlsalat mit Nussdressing - das verspricht ein ganz neues Geschmackserlebnis. Das gilt auch für den Quinoa-Röstgemüsesalat, in dem Zitronengras und Kakonibs eine unerwartete Verbindung eingehen. Die scharfe Ofentomatensuppe mit Harissa ist ganz klar eine Kandidatin für kalte Herbst- und Winterabende, auch das Zitronenrisotto mit Kardamon-Möhren oder die Backofen-Kürbisfritten mit Chermoula-Mayo sind meine heißen Kandidaten aus dieser Rezeptsammlung für kühlere Tage. Der Herbst kann kommen!

Die 75 Gerichte in diesem Buch machen nicht nur neugierig, sie regen auch die eigene Experimentierbereitschaft an. Langweilig kocht anders.

Anne-Katrin Weber,  Veggie kann auch anders
G + U, 2020
192 Seiten,  19,99
 978-3-8338-7571-7

Saturday, July 11, 2020

Vegan muss nicht eintönig sein!

Es ist ziemlich schwer, in der GU-Reihe ein Kochbuch zu finden, mit dem ich so gar nichts anfangen kann. Höchstens, wenn es sich um ein Geschenk handelt mit einer Küchenrichtung, die so gar nicht meine ist. Der einzige Kritikpunkt ist meist, dass es sich um eher schmale, übersichtliche Bändchen handelt. Appetithappen von einem Kochbuch gewissermaßen, während sich der hungrige Leser/Hobbykoch einen Nachschlag gewünscht hätte.

Bei "Vegan! Das Goldene" ist das ganz und gar nicht so. Mit einem Umfang von 400 Seiten bleibt hier keiner hungrig und ohne Anregungen. Auch wenn die Zielgruppe offensichtlich vegan lebt, kocht und isst, finden auch Vegetarier und Flexitarier viele leckere Gerichte - und die leidenschaftlichen Carnivoren könnten zumindest mal ins Nachdenken geraten, ob sie sich nicht für das eine oder andere Gericht erwärmen könnten. Zumal es sehr viel gibt, was schon mal lecker in den Tag hilft - ob Müsli oder selbstgemachte Energieriegel, Smoothies oder Brot, Dips und Aufstriche, die schon beim Lesen das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Golden Mango Milk (mit Kurkuma) oder Schoko-Pflaumen-Smoothie etwa haben mich sofort überzeugt.

Sehr viele Rezepte dürften der Tatsache geschuldet sein, dass Veganer in Kantinen meist nur ein sehr sparsames Angebot finden, denn es gibt viele Snacks und "to go"-Rezepte, die als Lunch im Glas oder aus der Box für den kleinen Hunger zwischendurch gedacht sind und neue Energie liefern. Der Bulgursalat mit scharfen Möhren etwa hatte es mir sofort angetan. Zudem sind so viele Geschmacksrichtungen vertreten, dass wirklich für jeden etwas dabei ist, zu meiner Freude auch vieles, was orientalisch, mediterran oder asiatisch ist. Dass auch viele Currys enthalten sind, dürfte niemanden wundern, der die indische Küche kennt - so ein leckeres Dhal etwa ist schließlich in vielen Variationen möglich.

Aus meiner ganz persönlichen Sicht überflüssig sind die Gerichte, die nach Fleisch aussehen, angeblich auch so schmecken, aber trotzdem vegane Schnitzel, Burger oder "Currywürste" sind. Aber das ist vermutlich meine flexitarische Ignoranz, die nicht einsieht, warum jemand, der vegan lebt, dennoch etwas essen will, was nach Fleisch aussieht. Auf den wie immer in der Buchreihe liebevoll fotografierten und anregend angerichteten Beispielbildern wirkt der vegane Fleischlook jedenfalls überzeugend.

Zugegeben: Ich werde nie eine echte Veganerin - dazu esse ich viel zu gerne Käse. Und vermutlich werde ich bei so manchem Gericht auch mal schummeln und Milch oder Joghurt statt die pflanzlichen Alternativen benutzen, schon allein deswegen, weil ich sie nicht vorrätig habe. Aber auf diesen 400 Seiten habe ich vieles entdeckt, was in den nächsten Wochen und Monaten bei mir auf den Teller kommen dürfte.   Und auf die "goldene Reihe" bin ich jetzt auch aufmerksam geworden.

Adriane Andreas, Vegan! Das Goldene
Gräfe und Unzer, 2020
400 Seiten, 20 Euro
 978-3-8338-7570-0