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Tuesday, July 21, 2026

Beim Kochen der Leber Gutes tun - kulinarisches Detox

 Nicht nur die Liebe geht durch den Magen, sondern auch die Gesundheit. Dass die Ernährung an sich großen Einfluss auf den allgemeinen Gesundheitszustand haben kann, ist ja nicht neu. In der Medical Cuisine-Reihe bei G+U stellt der Sportmediziner Matthias Riedl aber immer wieder diese Zusammenhänge ganz gezielt für bestimmte Körperbereiche her, sei es nun Darmgesundheit, Arthrose, Diabetes usw. Sein neues Buch, "Meine 80 besten Rezepte für eine gesunde Leber", schließt daran an und nimmt das größte Bauchorgan in den Mittelpunkt, das beim Stoffwechsel eine besonders wichtige Rolle spielt.

Fettleber ist heutzutage fast schon eine Zivilisationskrankheit und längst nicht nur auf Alkoholmissbrauch zurückzuführen. In einer Zeit, in der viele Menschen hochverarbeitete Lebensmittel mit vielen Zusatzstoffen zu sich nehmen oder auf Fertiggerichte, Restaurants usw setzen statt selbst mit frischen Zutaten zu kochen, vermutlich kein Wunder - man hat dabei nicht mehr die Kontrolle, was in Topf und Pfanne kommt und später in den eigenen Magen.

Wie auch in seinen früheren Büchern stellt Riedl einen "Theorieteil" voran, in dem es um die Bedeutung der Leber für den menschlichen Organismus geht, ihre Aufgabe bei der Steuerung des Stoffwechsels und das besondere Problem der "leise leidenden" Leber - Veränderungen und Erkrankung machen sich nicht gleich durch Schmerzen bemerkbar.

Dass Bitterstoffe gut für die Lebergesundheit sind, haben viele vermutlich schon einmal gelesen. Unter den "Top ten zur Stärkung unserer Leber" listet Riedl aber unter anderem auch Kichererbsen, Hüttenkäse, Pilze und Kurkuma auf.

Der anschließende Rezeptteil beginnt mit süßen und herzhaften Gerichten für einen Start in den Tag - Granola-Cups mit Himbeerjoghurt zum Beispiel oder deftiger Porridge mit pochiertem Ei. Die Möhren-Hafter-Ecken dürften dabei auch als Snack zwischendurch oder leichtes Mittagessen überzeugen. Hinzu kommen mehrere Smoothie- und Aufstrichrezepte. 

Mehrere kalte Hauptgerichte, insbesondere proteinreiche Salate mit ordentlich Gemüse dazu dürften gerade jetzt im Sommer gut passen. Unter den warmen Hauptgerichten sind mehrere Suppen und Eintöpfe, aber auch Auflauf, Gratins und Ofengerichte. Teils deftig, teils mit mediterranen oder asiatischen Anklängen, aber allesamt recht schnell und ohne größeren Aufwand machbar - die Ausrede "Ich habe aber gar keine Zeit zum Kochen" steht dem kulinarischen Detox also nicht im Weg. Unter den 80 Rezepten ist sogar noch Platz für Nachtisch - wobei "Schokomuffins mit roter Beete" zumindest für mich nicht unbedingt die größte Verlockung sind. Aber Protein-Brownies mit Hüttenkäse oder Zimtschneckenkuchen mit Apfel sind sicherlich einen Versuch wert. Und das beste: Die Erläuterungen und vorgestellten Rezepte laden zu eigenen Kombinationen ein, die der Leber auch jenseits der vorgestellten Rezepte gut tun dürften.


Matthias Riedl, Meine 80 besten Rezepte für eine gesunde Leber

GU 2026

30 Euro

9783833899423

Saturday, January 17, 2026

Ernährung für ein langes Leben

 Den Ansatz der "Medical Cuisine" Bücher von Matthias Riedl und Johann Lafer finde ich großartig: Einerseits der Blick des Mediziners und Ernähungswissenschaftlers, andererseits der Koch, der ja schon von Berufs wegen Essen als etwas geradezu Sinnliches erlebt. In der Vergangenheit hat sich das Autorenteam unter anderem mit Arthrose, Leber- und Darmgesundheit auseinandergesetzt und ich habe die Bücher auch ohne Beschwerden in der einen oder anderen Richtung gerne und mit Interesse gelesen. Man kann die Rezepte schließlich auch als Prävention ausprobieren, und Alterserscheinungen kommen früher oder später sowieso.

Das neueste Buch von Riedl und Lafer befasst sich mit Longevity, also wie die richtige Ernährung zu einem langen - und dabei auch möglichst wenig eingeschränktem - Leben führen kann. 

Der Aufbau ist in bewährter Weise aufgeteilt in einen theoretischen Teil und einen Rezeptteil. Im theoretischen Teil geht es erst einmal darum, wie der Alterungsprozess etwa auf Zellebene des Organismus überhaupt verläuft, welche Erkrankungsrisiken mit fortschreitendem Alter drohen sowie das Potential einer "artgerechten" Ernährung. Wer bereits Bücher der Medical Cuisine-Reihe gelesen hat, wird schon ahnen: Es wird Wert auf Eiweiss vor allem auf pflanzlicher Basis, auf Ballaststoffe und die Förderung der gesunden Darmbakterien gelegt. Zucker und Kohlenhydrate sollen zurückgefahren werden und auch Fleisch - vor allem rotes Fleisch - von Speiseplan deutlich zurückgedrängt werden.

Als Superfoods, die zu einem langen vitalen Leben beitragen können, werden unter anderem Pilze, Olivenöl, dunkle Beeren, Blattgemüse, Hafer, Sauermilchprodukte und Nüsse empfohlen. Eine Tabelle zeigt außerdem, welche Lebensmittel besonders als Prävention gegen Demenz, Schlaganfall, Diabetes und Krebs empfohlen werden.

Eigentlich wenig überraschend: Die Autoren empfehlen, öfter selbst, mit frischen und wenig verarbeiteten Zutaten zu kochen. Und natürlich werden auch Bewegung und sportliche Aktivität empfohlen.

Der Rezeptteil gliedert sich in süße und herzhafte Frühstücksgerichte, etwa Smoothies, Porridges, overnight bowls und selbstgemachtes Granola. Die Salate und Bowls kombinieren verschiedene Gemüse und Sprossen, zum Teil mit Couscous oder Buchweizen  auch noch etwas sättigender als ein reiner Salat. Unter den Suppen reizt mich besonders ein grüner Gazpacho und die türkische Linsensuppe. Ein eigenes Kapitel ist vegetarischen Mahlzeiten gewidmet, etwa gebratene Auberginen mit Linsen-Tomaten-sugo, gefüllter Ofenkürbis mit Gewürzcouscous und Feta oder Möhren Falafel.

Bei den Hauptmahlzeiten mit Fleisch und Fisch dominiert wenig überraschend Geflügel sowie Fisch und Meeresfrüchte. Süßes wird nicht völlig verbannt: Es gibt eines Dessertteil mit teilweise veganen Rezepten wie veganes Walnuss-Schoko-Eis oder vegane Blaubeertarte mit Kokoscrumble. Die Autoren empfehlen, zwei bis dreimal in der Woche ein Rezept aus dem Buch auszuprobieren, um die angestrebte Wirkung zu erzielen. Anregungen gibt es jedenfalls reichlich, und die Bilder zu den vorgestellten Rezepten sind appetitanregend.. Gesundes muss nun wirklich nicht langweilig sein - klare Probier-Empfehlung.


Matthias Riedl, Johann Lafer

Das große Longevity Buch

GU 2025, 32 Euro

9783833899515


Friday, October 17, 2025

Es ist nie zu spät - Muskeltraining für die Gruppe 55+

 Ein Blick ins typische Fitnessstudio zeigt - es sind gerade junge Leute, die dort an Selbstoptimierung arbeiten. Da mag ein gutes Stück Hedonismus involviert sein - doch das körperliche Aktivität wichtig ist für die Gesundheit, ist allgemein bekannt. Sportmediziner Ingo Froböse wendet sich mit seinem Buch "Das 5x5-Prinzip" an die Zielgruppe der über 55-jährigen. Sein Credo: Altersbedingter Muskelabbau sei eines der größten unbeachteten Gesundheitsprobleme unserer Zeit.

Dass der Körper buchstäblich abbaut - und das schon lange vor dem Seniorenalter - ist hinlänglich bekannt. Doch mit zunehmendem Alter geht es schneller - und die Auswirkungen können dramatischer sein, wenn etwa auch Flexibilität und Balance abnehmen und Stürze schwere Folgen haben können. Denn der Muskelabbau im Alter sei nicht zwangsläufig, so Froböse. Und es sei nie zu spät, mit Muskeltraining (wieder) anzufangen. Klar, am besten ist es, ein Leben lang aktiv zu bleiben.

Im 5x%-Prinzip gibt es Übungen für Bein- und Gesäßmuskulatur, für den Rücken, Hüfte und Oberschenkel, Schultern sowie für den ganzen Körper. Das Prinzip bedeutet, an mindestens fünf Tagen in der Woche jeweils fünf Übungen mit fünf Serien zu machen. Die Intensität ist von ganz einfach bis knackig-fordernd.

Alle Übungen werden mit Beschreibungen und Fotos vorgestellt, wobei die Fitnessmodelle sympathischerweise auch 50+ sein dürften und dadurch mehr Identifikationswert schaffen als die typischen Fitnessmodels und Influencer, die in sozialen Medien und Fitnessmagazinen einen sportlichen Lebensstil verkörpern. Ergänzt werden die Übungen durch Erläuterungen, warum Übungen für bestimmte Muskelgruppen wichtig für den Alltag sind, aber auch wie mehr Muskeln den Stoffwechsel ankurbeln. Dabei geht es auch um ein gesundes Körpergewicht und eine Anpassung von Ernährungsgewohnheiten.

Ein Kapitel mit Rezepten ergänzt das Trainingsprogramm mit ausgewogener Mischung von Protei, wertvollen Kohlehydraten und gesunden Fetten. Das Programm ist auch acht Wochen angelegt - dann ist das Training hoffentlich gern integrierter Teil des Alltags. 

Ein Buch für alle, die den inneren Schweinehund überwinden und wieder aktiv werden wollen.


Ingo Froböse, Das 5x5 Prinzip

GU 2025

26 Euro

9783833896873

Monday, July 21, 2025

Beim Kochen Proteine trumpfen lassen

 Nicht nur Sportler wissen: Proteine sind wichtig. Sie sind vielleicht nicht solche Sattmacher wie die von manchen verteufelten Kohlenhydrate - aber für den Aufbau von Muskeln sind sie wichtig. Der Ernährungsmediziner Matthias Riedl befasst sich denn in seinem neuen Buch ganz mit dem "Gamechanger Proteine" und räumt dabei mit einigen Fehlannahmen auf - nämlich dass Sportler Unmengen an Proteinen und extra angereicherte Pülverchen zu sich nehmen müssen. Wer nicht gerade im Olympuatraining ist - und wie viele der sportlich ambitionierten Menschen sind das schon? - kann also getrost darauf verzichten.

Und natürlich: Es braucht kein (rotes) Fleisch, um Proteinbedarf zu decken, sorry, ihr Carnivoren! Vegetarisch und vergan lebende Menschen wissen ja schon länger, dass Hülsenfrüchte, Nüsse und Saaten, Hüttenkäse, Haferflocken oder Hirse, Buchweizen und Co ordentlich Proteine liefern. Dass auch Kohl und Pilze unter den von Riedl empfohlenen Eiweißbomben sind, hat mich allerdings überrascht.

Im Rezeptteil wird denn auch besonders auf Kombinationen mit Gemüse gesetzt, etwa beim Linsenaufstrich mit Paprika, einer Quinoa-Gemüsebowl mit Avocado-Feta-Dip oder Fenchel-Artischocken-Schakschuka.

Bekanntes wird abgewandelt und aufgepeppt - etwa overnight oats auf orientalische Art (mit Tahin, Lardamon und Zimt, überhaupt gibt es eine Reihe von mediterran inspirierten Rezepten. Wenn Fleisch, dann wird meist Geflügel eingesetzt und auch dies insgesamt eher sparsam. Wer abnehmen will oder sich kalorienärmer ernähren möchte, ohne dass statt des Körperfetts die Muskeln schmelzen, dürfte hier ebenfalls gut bedient sein.

Die Kombination aus Gesundheit und Ernährung ist einmal mehr gelungen


Matthias Riedl, Gamechanger Protein

GU 2025

27 Euro

9783833897740

Saturday, July 5, 2025

Biohacking gegen das Altern

 Alt werden - klar, das wollen wir alle. Die Alterserscheinungen dagegen, ob äußerlich oder verbunden mit Gesundheitsbeschwerden, sind weniger erstrebenswert. Was also tun? In ihrem Buch "Dein Verjüngungscode" gibt Ernährungdoc Meike Diessner (das Buch ist ausschließlich an Frauen gerichtet und am weiblichen Organismus ausgerichtet)Tipps für das Biohacking gegen das Alter.

Die Autorin will ihren Leserinnen Verständnis dafür mitgeben, wie ihr Körper "tickt" und wie sich die gesunde Lebensspanne so weit wie möglich verlängern lässt. Denn die körperliche Leistungsfähigkeit lässt bekanntlich schon vor dem 30. Lebensjahr nach - also lange vor einem Zeitpunkt, den wir mit Altern in Verbindung bringen.

Diessner klärt dabei gründlich auf, über die Bausteine des Körpers, die Mechanismen der Zellalterung, aber auch die Erneuerungsmechanismen, des Körpers, über Entzündungsprozesse und wie sie Erkrankungen und Beschwerden buchstäblich befeuern.

Die Biohacking-Strategie setzt an verschiedenen Schaltstellen an - zum einen, wenig überraschend, bei der Ernährung, aber auch Stressvermeidung, Bewegung, ausreichend Licht und Schlaf sowie Vermeidung toxischer Beziehungen. Außerdem informiert sie zur Frage Nahrungsergänzungsmittel ja oder nein? Auch welche Art von Bewegung, gerade in zunehmendem Alter, angebracht ist, verdeutlicht sie. Gelenkschonend soll es etwa sein, also lieber Gehen oder Walken statt Ballsportarten, deren plötzliche Bewegungen und Belastungen für ein schon etwas angejahrtes Knie nicht so optimal ist.

Eine Reihe von Rezepten - mit Betonung von Gemüse und komplexen Kohlehydraten, dabei wenig Fleisch - soll bei der Ernährungsumstellung helfen. Ein griechischer Tomaten-Feta-Auflauf etwa oder Ofengemüse mit Bohnenmus sorgt für Proteine und Vitamine. Auch die indischen Kartoffeln mit Ingwerspinat oder Fenchelsalat mit Kichererbsen werde ich mir gerne schmecken lassen.

Ergänzt wird der "Verjüngungscode" mit Experteninterviews zu Ernährung, Gesundheit und Beauty. Deutlich wird dabei - es gibt nicht die magische Pille, sondern hängt von der Einzelnen ab, Gesundheit und Wohlbefinden in Angriff zu nehmen.


Meike Diessner, Dein Verjüngungscode

GU 2025

24,99

9783833897436

Wednesday, June 18, 2025

Mit Yoga den Vagusnerv stimulieren

 Zugegeben, den Begriff Vagusnerv habe ich in den letzten Jahren öfter gehäuft im Newsfeed auftauchen sehen auf sozialen Medien, mich aber bisher nicht eingehend damit beschäftigt. In ihrem Buch "Vagus Yoga" stellt Ellen Fischer diesen Nerv in den Mittelpunkt - und da ich grundsätzlich Interesse an den verschiedenen Yoga-Arten habe, wurde meine Neugier geweckt.

Für alle, die ebenso unwissend wie ich sind, hat die Autorin einen längeren Überblick über den Nerv und seine Funktionen verfasst, und das ist in der Tat interessant. Denn der Vagusnerv ist der längste der sogenannten Hirnnerven, die Verbindung von Hirn und Darm (aha, dachte ich, so kommt es also zum sogenannten Bauchgefühl?) und zahlreichen inneren Organen. Er steuert fast alle unbewusst ablaufenden Körperfunktionen. Also durchaus ein Grund, sich genauer mit ihm zu beschäftigen. Stresslevel lassen sich über diesen Nerv bzw seine Stimulation beeinflussen, heißt es. Seine Aktivierung fördere Entspannung und Regeneration - und das geschieht in diesem Fall eben über Yoga.

Die Autorin stellt eine Reihe von Yoga-Übungen vor, die den meisten, die sich bereits damit befasst haben, bekannt sein dürften. Sie wendet sich mit ihrem Buch aber insbesondere auch an Menschen, deren Körper etwa durch Diabetes oder Übergewicht aus dem Gleichgewicht geraten ist und die sich bisher nicht beweglich genug für Yoga gefühlt haben. Dabei räumt sie zugleich mit der Vorstellung auf, dass es nur extreme Balance- und Beweglichkeitspositionen seien, die Effekte erzielen. Yoga ist eben immer ein Weg - und dabei sollten gertenschlanke, elfenähnliche Übungsleiterinnen, die Studios und Youtube bevölkern, nicht gleich entmutigen, nach dem Motto - das schaffe ich nie.

"Vagus Yoga" zeigt modifizierte Übungen, die auch für Menschen geeignet sind, die sich erstmals an Yoga herantasten und womöglich ein paar Berührungsängste haben.  Die Autorin ist motivierend und ermutigend, etwa mit dem Hinweis, dass nur relativ wenige Menschen von ihrer körperlichen Veranlagung überhaupt zum vollständigen Spagat in der Lage sind. Schön für sie, aber kein Grund für alle anderen, auf Hüftöffnungsübungen zu verzichten, sondern sie eben im Rahmen der eigenen Möglichkeiten durchzuführen. Sympathisch ist auch, dass im bebilderten Übungsteil ein normalgewichtigen Model gezeigt wird.

Ellen Fischer, Vagus-Yoga

GU, 2025

18,99 Eur0

9783833895883



Saturday, May 31, 2025

Beweglichkeit als Jungbrunnen

 Der Titel von Thorsten Tschirners Buch klingt auf den ersten Blick ein wenig zu optimistisch: "Mit 50 beweglicher als mit 30". Denn dass der Körper altert, der Stoffwechsel langsamer wird, der Muskelanteil zurückgeht und leider, leider, der Fettanteil zunimmt mit dem Fortschritt der Jahre, ist nun einmal eine Tatsache. Das Gewicht - und vor allem die Figur - zu halten wird eindeutig schwieriger, je näher der 50. Geburtstag rückt beziehungsweise wenn er überschritten ist. Aber, und darauf kommt es dem Autor an, sehr viel hängt davon ab, ob man physisch aktiv bleibt oder aber den Dingen ihren Lauf lässt.

In vielen Büchern, in denen es um das Aufhalten der weniger schönen Alterserscheinungen geht, geht es um Ernährung und Diät, um Kraft- und Ausdauertraining für Herz und Muskeln. Tschirner legt in seinem Buch Wert auf Beweglichkeit, verspricht eine Verjüngungskur für Faszien, Muskeln und Gelenke, insbesondere den Skelettapparat, der nach Jahrzehnten am Schreibtisch womöglich unter Fehlhaltungen leidet. Rückenschmerzen sind bekanntlich eine Volkskrankheit.

Nach einem theoretischen Teil, in dem es um die Bedeutung der Beweglichkeit für Haltung und Bewegungsabläufe geht, die ja tatsächlich Menschen älter oder alt wirken lassen können, wenn ihren Bewegungen die Geschmeidigkeit früherer Jahre fehlt, gibt es einen Übungsteil. Hierbei gibt es sowohl punktuelle Übungsvorschläge für einzelne Körperteile wie Schultern, Rücken oder Hüfte, teils kombinierte Übungsprogramme, die in ihrer Abfolge den ganzen Körper erfassen. 

Tschirners Programm dürfte sich insbesondere an Bewegungsmuffel richten, die wieder einen Einstieg brauchen oder wollen. Sie sind nicht zeitaufwändig und lassen sich leicht in den Alltag integrieren - eine Viertelstunde passt schließlich immer, und vielleicht eine zweite Einheit zu einem späteren Zeitpunkt. Manche Bewegung für Hals oder Arme, das Kreisen von Hand- oder Fußgelenken sind jederzeit und so gut wie überall möglich. 

Abgesehen vielleicht von Burpees und tiefer Hocke können auch Menschen, die viele Jahre nicht an ihrem Körper gearbeitet haben, die Übungen durchführen. Viele Übungen sind aus Dehnungsprogrammen, Yoga oder Pilates bekannt - wer auf diesem Gebiet aktiv ist, halt also schon viel für das eigene Verjüngungsprogramm getan. Für alle anderen gibt das Buch einen niederschwelligen Einstieg und Motivation, besser spät als nie etwas zu tun, was sie beweglicher und agiler hält.

Thorsten Tschirner, Mit 50 beweglicher als mit 30

GU 2025

17,99

9783833896804

Friday, May 23, 2025

Rücken-Wellness auf die Schnelle

 Dass Rückenbeschwerden mittlerweile eine Volkskrankheit sind, ist nichts Neues. Ebenso wenig, dass sitzende Tätigkeit am Computer ebenso wie stundenlanges Stehen der Wirbelsäule nicht gut tut. Der bekannte Sportmediziner Ingo Froböse hat mit seinem Buch "Rücken Express für Vielsitzer" einen Ratgeber geschrieben, der gewissermaßen Erste Hilfe im Alltag bietet. Denn "60 Sekunden Rituale" oder "fünf Minuten Programme" lassen sich nun wirklich in jeden Tag integrieren. Da kann es keine Ausrede geben.

Wer sich regelmäßig bewegt, vielleicht auch schon Yoga oder Pilates gemacht hat, findet Bekanntes: Klassische Dehn- und Streckübungen, die Flexibilität und Entspannung für Wirbelsäule, Nacken und Schultern bieten, Dehnungen für die verschiedenen Abschnitte der Wirbelsäule, je nach vorhandenen Beschwerden. Und natürlich - keine Überraschung im Buch eines Sportmediziners! - der Appell zur Bewegung, selbst in kleinsten Dosen wie den vorgestellten Mini-Programmen. Es handelt sich um Übungen, die am Büroschreibtisch ebenso schnelle Linderung schaffen können wie auf dem Autobahnrastplatz nach einer langen Fahrt. 

Ob der dauerhaft schmerzfreie Rücken mit dem Expressprogramm möglich ist, wenn die Beschwerden  bereits chronisch sind, wage ich mal zu bezweifeln - da braucht es dann vermutlich doch einiges mehr. Als schnelle Rücken-Wellness und Anregung, mehr Bewegung in den Alltag zu integrieren, bietet Froböses Buch auf jeden Fall einen niederschwelligen Einstieg für Bewegungsmuffel.

Ingo Froböse, Rücken Express für Vielsitzer

GU 2025

15,99

9783833896286

Thursday, February 6, 2025

Vier Wochen lang die Nährstoffspeicher füllen

 Statt in der Apotheke oder in der Drogerie Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel zu kaufen, kann man eben diese Nährstoffe üblicherweise in ausreichender Menge aus der Ernährung gewinnen - vorausgesetzt, man ernährt sich richtig. Wie das geht, das vermittelt der Ernährungsmedizinier Matthias Riedl in seinem "28 Tage-Power-Nährstoffkur" Danach sollte dann erst mal alles im Gleichgewicht sein. Dazu sollen gut 80 Rezepte beitragen, die Riedl und sein Team erstellt haben.

Zunächst aber gibt es den theoretischen Überbau, für mehr Wissen über Nährstoffe und wo sie enthalten sind. Dabei geht es zwar überwiegend pflanzenbasiert, aber nicht vegan zu. Einige Nährstoffe kommen schließlich ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vor, etwa das Vitamin B12. Neben Erörteurungen zu Sinn oder Unsinn von Nahrungsergänzungsmitteln gibt es unter anderem die Top ten der gesündesten Gemüse - spoiler alert: Brunnenkresse toppt alles!

Aufklärung über die eigene Nährstoffversorgung erhalten die Leser*innen in einem kleinen Test vor dem Rezeptteil. Eingestreut zwischen die Rezpte sind knappe theoretische Kapitel, etwa über Mikronährstoffe

Die Rezepte liefern einerseits Protein, Kohlenhydrate, Vitamine usw, andererseits auch durchaus Nährstoffe, die vielleicht in der Alltagsküche vernachlässigt werden. So pusht die Linsensuppe mit Nori-Algen etwa den Jodspiegel ein bißchen nach oben. Schupfnudeln aus Broccoliteig - eine Kombination, auf die man erst mal kommen muss, sind reich an Folsäure und Selen, ein Hirseporridge mit Beeren liefert eine Extraportion Eisen und Magnesium. Ein rustikaler Kartoffelauflauf mit Linsen wiederum ist besonders reich an Vitamin D.

Zuletzt gibt es noch ein paar allgemeine Tips zu "health habits", die nicht unbedingt überraschen - viel Gemüse, und das abwechslungsrecih, Vollkorn statt WEißmehl, ausreichend trinken (natürlich ungezuckert), möglichst wenig hochverarbeitete Lebensmittel und Alkohol meiden.


Matthias Ridl, die 28 Tage Power-Nährstoffkur

GU 2024

29,99

9783833895845


Tuesday, September 17, 2024

Besseres Essen - gesündere Psyche?

 Den Ansatz von Medical Cuisine - also Lebensmitteln, die begleitend bei Gesundheitsproblemen eingesetzt werden, finde ich grundsätzlich spannend. Sozusagen niederschwellige Gesundheitsvorsorge ohne Pillen, Pulver oder oder Supplemente. Ernährungsmediziner Matthias Riedl hat nun sein jüngstes Buch dieser Art veröffentlicht: Iss deine Psyche gesund. Das erste, was mir in dem Zusammenhang eingefallen ist, war Schokolade oder ein heißer Kakao als Stimmungsaufheller in der kalten,  dunklen Jahreszeit. Wobei eine schöne Suppe bei mir genauso funktioniert.

Tatsächlich gibt es Botenstoffe, die in manchen Lebensmitteln enthalten sind, die zur Bildung von Dopamin oder anderen Stoffen beitragen, die die Stimmung ins Gleichgewicht bringen, so die Erläuterung im theoretischen Teil des Buches. Wobei das Essen für gesunde Psyche vor allem bei Angstzuständen oder Depressionen einen Beitrag leisten könne. Zugleich steuern die vorgestellten Rezepte und Lebensmittel Entzündungsprozessen im Körper entgegen, was ja ohnehin eine gute Sache ist.

Was mich an diesem Buch  ein bißchen stört: Riedl schlägtz wiederholt einen Bogen von Depressionen und Übergewicht, beruft sich auf Studien, wonach übergewichtige Menschen öfter depressiv sind als normalgewichtige. Das kommt mir ein bißchen kurz gegriffen vor. Sind dicke Menscchen wegen ihres Gewichts depressiv, oder vielleicht wegen Bodyshaming, hämischer Blicke und Kommentare? Schließlich gibt es genügend Fälle gerade von jungen Menschen, die aufgrund unrealistischer, gefilterter Schönheitsideale in sozialen Medien psychisch krank werden. Die Gleichung dick gleich nicht nur undiszipliniert und unästhetisch - die ja gerne in mancher öffentlichen Diskussion aufgestellt wird - dann noch mit traurig und depressiv gleich psychisch krank zu ergänzen - da würde ich mir gerade von einem Arzt mehr Empathie und Reflektion wünschen.

Es ist klar, dass Übergewicht Gelenke, Kreislauf usw belastet und nicht unbedingt gesund ist. In einem Buch über Ernährung und psychische Gesundheit aber einseitig übergewichtige Menschen als Kandidaten auszugucken, denen dieses Buch vielleicht helfen kann, kommt mir allerdings einseitig und wenig konstruktiv vor. Psychische Erkrankungen sind meiner Meinung nach nicht von BMI und den Kilos auf der Waage abhängig. Dazu habe ich schon zu viele ausgeglichene und glückliche Dicke wie auch depressive Leistungssportler oder Normalgewichtige mit Angstzuständen kennengelernt.

Matthias Riedl, Iss deine Psyche gesund

GU 2024

192 Seiten, 29,99 Euro

9783833892509

 

Sunday, April 28, 2024

Ganzheitlich für mehr Gesundheit

Bewegung, Ernährung, Achtsamkeit - mit einem ganzheitlichen Konzept  gehen die "Bewegungs-Docs" Melanie Hümmelgen, Helge Riepenhof und Christian Sturm ihren Ratgeber an. Die drei Mediziner kommen aus verschiedenen Disziplinen - Kardiologie, Internistik, Orthopädie und haben also nicht nur Herz und Kreislauf, sondern auch Stoffwechsel, Muskulatur und Gelenke im Blick.

Der Ratgeber gibt  zahlreiche Erläuterungen, wie etwa Muskulatur oder ausreichend Schlaf und Stressvermeidung ganz konkrete Auswirkungen auf die organische Gesundheit, das Wohlempfinden und nicht zuletzt die Lebenserwartung haben. Er unterstützt zugleich beim Reboot, um wieder mobil und fit zu werden, erklärt die Unterschiede von Kraft- und Ausdauertraining und welche Auswirkungen sie jeweils für den Organismus haben. 

Ein drei-Wochen-Programm bietet mit kurzen und machbaren Übungen den Übergang in ein beweglicheres, gesünderes Leben: Von der Basis-Fitness über eine Feel-Good-Woche, in der Achtsamkeit, Atmen, Stretching größere Bedeutung zukommt und der Turbo-Fitness. Daneben gibt es kurze Übungsprogramme für bestimmte Krankheitsbilder, etwa Bluthochdruck, Diabetes, aber auch Knieschmerzen oder Hüftarthrose. Auch ein Selbsthilfeprogramm gegen Kopfschmerzen ist dabei. Klar stellen die Bewegungsdocs aber auch: wer eine schwerere Vorerkrankung hat, sollte vor der Aufnahme eines Trainings auf jeden Fall erst mal mit Arzt oder Ärztin reden.

Damit auch beim Thema Ernährung auf leichte und gesunde Kost gesetzt wird, gibt es auch einen kurzen Rezeptteil. Der Schwerpunkt des Ratgebers mit zahlreichen erläuternden Grafiken liegt aber eindeutig beim Thema Bewegung. Dabei sind die Autoren motivierend und zeigen anschaulich, wie unabhängig vom Lebensalter es nie zu spät ist, vom Sofa hochzukommen und die Muskeln wieder zu üben. Für überzeugte Fitnessaktive sicher zu niedrigschwellig, aber Couch Potatoes mit dem willen zur Veränderung finden hier einen sanften Einstieg, um wieder aktiv zu werden.

Melanie Hümmelgen, Helge Riepenhof, Christian Sturm, Die Bewegungsdocs. Die Formel für mehr Gesundheit und Leichtigkeit
GU 2024
208 Seiten, 26 Euro
 9783833893629

Thursday, April 4, 2024

Ein Ende adipösen Leidens?

 Für "Nie wieder dick mit Abnehmspritze" bin ich nicht die wirklich richtige Zielgruppe - zum einen habe ich keinen BMI von 30 oder mehr, zum anderen habe ich eine starke Aversion gegen Medikamente, wenn sie nicht absolut behandlungsnotwendig sind. Eine Spritze als Zaubermittel gegen adipöses Leid  - da bin ich von vornherein skeptisch, wenn ich auch verstehe, dass Menschen, die mit allerlei Diäten nicht zum Ziel gekommen sind und unter ihrem Körpergewicht leiden (das bei einem so hohen BMI ja auch zu gesundheitlichen Risiken führt) Und der Autor des Buches, Matthias Riedl, ist mir in Büchern zu Medical Cuisine positiv aufgefallen. Gegen ernährungswissenschaftliche Tipps spricht sowie nie etwas. Ich mag nicht adipös sein, aber Hüftgold und Speckröllchen sind mir auch nicht völlig unbekannt.

Zunächst gibt es einige Theorie über die Spritze, über die seit einiger Zeit als Wundermittel und letzte Hoffnung vieler Menschen mit hohem Übergewicht geredet wurde. Wenig überraschende Stellungnahme von einem Ernährungsmediziner: Mit artgerechter Ernährung könne man genauso viel abnehmen wie mit der Spritze. 

Riedl setzt auf die Kombo, die Eigenverantwortung mit bewusster Ernährung, bei der die Spritze lediglich Motivationshilfe sein soll. Wie bereits in anderen Büchern zu Ernährungsumstellung, in denen es vor allem um Fettverbrennung und Ankurbelung des Stoffwechsels geht, wird erst mal erklrt, was es mit Proteinen, Fetten und Kohlehydraten auf sich hat, wie es um Ballaststoffe und Fruchtzucker steht. Mit Hilfe von Beispielen verschiedener Lebensmittel wird zudem aufgelistet, welche Stoffe in welchen Lebensmitteln besonders stark vertreten sind.

Die folgende Sammlung der Genussrezepte bietet dann so einiges, was ich mir auch ohne Abnehmspritze und BMI-Probleme in meinen Speiseplan integrieren will, denn sie klingen einfach lecker, auch ohne Diätambitionen. Aber dass sie obendrein leicht und gesund sind, ist natürlich ein zusätzlicher Anreiz - etwa für das Ricotta-Spinat-Omelett, das zwar unter den Frühstücksrezepten ist, aber (ich bin mehr der Typ für schwarzen Kaffee am Morgen) auch als leichtes Mittags- oder Abendessen schmecken dürfte. Gleiches gilt für die Linsen-Pancakes mit gebratenen Pilzen und Avocado, eine ugewöhnliche Kombination, die mich gleich geflasht hat. Auch der gegrillte Chicoree mit Bohnen-Feta-Salat macht nicht nur optisch was her und die Pistaziensuppe mit Orientwürze ist ein Gericht, das mich sofort aufmerksam macht. Richtig klasse für Leber und Stoffwechsel dürfte mit all den Bitterstoffen das Risotto mit Radicchio und Walnusskernen sein, während die GemüsePancakes mit Räucherlachs auch beim Brunch eine bella figura machen dürften. Ein echter Canelloni-Ersatz sind die Zucchini-Röllchen mit Tofu-Gemüse Ragout. Kurzum: Es gibt hier so einiges, was auch deutlich unterhalb eines BMI 30 für dieses Buch spricht.


Matthias Riedl, Nie wieder dick mit der Abnehmspritze

GU 2024

160 Seiten, 19,99

 9783833894206

Friday, March 1, 2024

Arthrose heilen?

 Arthrose, das habe ich eigentlich immer für eine Verschleißkrankheit gehalten - dank unserer gestiegenen Lebenserwartung kriegen wir Zivilisationsmenschen so einiges an Gesundheitsbeschwerden ab, die unsere früher sterenden Vorfahren eher nicht kannten. Wenn etwa Knorpel durch lebenslange Belastung und Reibungsverluste so dünn geworden sind, dass Knochen an Knochen reibt. Oder die Berweglichkeit an Händen und Fingern plötzlich nicht mehr so ist wie ein paar Jahrzehnte zuvor.

Mit "Arthrose endlich heilen" stellen Wolfram Feil und Tobias Homburg ihre Thesen zur Knorpelregeneration vor, ganz ohne Operation, die ja gerade an den Gelenken auch immer mit Risiken verbunden ist. Wunschdenken oder tatsächlich möglich? Da ich selbst keine Arthrosepatientin bin, kann ich das - hoffentlich noch lange - nicht selbst erkunden.

Hauptthese ist, dass Arthrose eine heilbare Entzündungserkrankung ist - und Entzüdungen im Körper kann man etwa durch entzündungshemmende Lebensmittel vermeiden oder auch bekämpfen, Vorgeschlagen wird ein vier Säulen-Prinzip: entzündungssenkende Ernährung, ergänzende Nährstoffe für Knorpelregeneration, psychische Stärkung und gezielte körperliche Aktivitiät. Letzteres klingt schon mal überzeugend, kann doch gezielter Muskelaufbau auch Gelenke entlasten helfen.

Das Buch hat einen theoretischen Schwerpunkt, dort wo etwa Nährstoffe und ihre Wirkweisen vorgestellt werden. Bei der Auflistung entzündungshemmender Lebensmittel geht es unter anderem um Reduzierung von Zucker und Stärke, Bio-Lebensmitteln wird klarer Vorrang eingeräumt, überhaupt Lebensmitteln, die Antioxidanten liefern, nach dem Motto: Broccoli ist mein Freund. Mit Sprossen, Kräutern und Gewürzen geht es auch um die richtige Beimischung. Ein eigener Abschnitt ist den Fettsäuren und "fettschlauer Ernährung" gewidmet.

Die sportlichen Übungen, darunter auch Dehn- und Beweglichkeitsübungen, erfordern keine Superfitness, sondern dürften für Menschen aller Altersgruppen und auch mit gesundheitlichen Einschränkungen gut machbar sein.  

sehr knapp gehalten  ist der Rezeptteil - dabei hätte ich gerade hier mehr zu entzündungshemmenden Gerichten nach dem theoretischen Teil erwartet.


Wolfram Feil, Tobias Homburg, Arthrose endlich heilen

GU 2024

208 Seiten, 26 Euro

9783833891847

Monday, January 8, 2024

Mehr Achtsamkeit für die Leber

 Bei der Diagnose Fettleber denkt man eigentlich als erstes an Alkoholmissbrauch. Es gibt aber auch die sogenannte nichtalkoholische Fettleber - und die entwickelt sich allmählich in westlichen Gesellschaften zu einer Volkskrankheit. Da die Leber das wichtigste Stoffwechselorgan des Körpers ist, ist klar, warum man ihr Aufmerksamkeit schenken sollte. Nur, auch das eine gängige Weisheit: Die Leber leidet leise. Beschwerden sind zunächst einmal eher unspezifisch.  In dem Buch "Die revolutionäre 9 Tage-Leberkur" von Kurt Mosetter und Rainer Mosetter sollen Wege aufgezeigt werden, dem größten Körperorgan nicht nur mehr Aufmerksamkeit zu schenken, sondern ihm auch Gutes zu tun. 

Am Anfang steht die Theorie, sprich Erläuterungen zur Funktion der Leber für den Stoffwechsel, die Interaktion mit anderen Organen, metabolisches Syndrom und Auswirkungen bestimmter Lebensmittel auf den Leberstoffwechsel, gepaart mit einem Rückblick auf menschliche Entwicklungs- und Ernährungsgeschichte. Klar: Im Unterschied zu unseren jagenden und sammelnden Steinzeitvorfahren sitzen wir zu viel, bewegen und zu wenig und haben ein Überangebot an Nahrungsmitteln zur Verfügung. Bequem, aber nicht unbedingt gesund.

Der Ansatz der Autoren ist ganzheitlich und legt Wert auf Achtsamkeit: Zwar geht es in der neun Tage-Kur darum, die Leber zu reinigen, ihre Selbstheilungskräfte zu aktivieren und zu stärken, die Stoffwechselfunktionen durch Nahrungsmittel wie Ingwer, Zimt, oder Kurkuma anzuregen. Zucker und Alkohol sind tabu, auch bei den Kohlehydraten gibt es klare Einschränkungen. Zugleich wird Wert auf Bewegung und Dehn- und Atemübungen gelegt, auf ausreichend Schlaf und ein zur Ruhe kommen, dass Stress vermeidet.

Eine lange Einkaufsliste vor Beginn der Leberkur erscheint erst mal etwas überzogen, zumal einige Bestandteile der Liste nur ein einziges Mal zur Anwendung kommen. Da würde ich eher mal variieren. Von der Zubereitung sind die Gerichte nicht zu aufwändig, ohne Standmixer oder Pürierstab wird es allerdings bei einer Reihe der Rezepte nicht gehen. Egal, ob man die neun Tage-Kur durchziehen will oder nach Anregungen sucht, der Leber immer wieder mal einen prophylaktischen Boost zu geben, das Buch ist informativ und anschaulich.


Kurt Mosetter, Rainer Mosetter, Die revolutionäre 9 Tage-Leberkur

G+U 2023

176 Seiten, 24 Euro

:978-3-8338-9092-5 


Wednesday, December 20, 2023

Wenn der Stoffwechsel schwächelt

 Die meisten von uns ab einem gewissen Alter kennen das Problem spätestens nach dem 40. oder 50. Geburtstag - auch wenn Ernährungs- und sonstige Gewohnheiten sich nicht sonderlich verändert haben, lassen sich nach und nach unerwünschte Pfunde an Bauch, Schenkeln und Hüften nieder. Und es fällt deutlich schwerer als in jüngeren Jahren, sie wieder loszuwerden. Der Stoffwechsel ist leider nicht mehr das, was er war, ja, es gibt sogar gesundheitliche Beeinträchtigungen wie etwa das metabolische System.

Handlungsoptionen für Betroffene zeigen Michael Despeghel und Karsten Krüger in ihrem Buch "Der Stoffwechsel-Trick. Warum uns der Bauch am Abnehmen hindert und was die Blockade löst".  Im  theoretischen Teil des Buches geht es zunächst einmal um Medizinisches, etwa die "stillen Entzündungsprozesse" im Körper und was sie bedeuten, auch Blutwerte und ihr Aussagewert für Stoffwechselstörungen werden erläutert, auch die Zusammenhänge von Bluthochdruck und Krankheitsrisiken. Für den nächsten ärztlichen Check-Up ist dieses Kapitel schon mal Gold wert, hilft es doch, die Laborwerte zu verstehen und einzuordnen, für die in der Sprechstunde nicht immer genug Zeit ist.

Ich vermute, dass die Autoren vor allem Menschen im Blick haben, bei denen der schwächelnde Stoffwechsel schon negative Auswirkungen wie Diabetes oder adipöse Gewichtszunahme hatte, denn im Bewegungsteil des acht-Wochen-Programms werden anfangs sehr bescheidene Anforderungen an das Bewegungsverhalten gelegt, etwa 2000 Schritte pro Tag, die dann auf 6000 und mehr zu steigern sind. Das Know-How des Buches ist aber auch für alle anderen nützlich, deren Stoffwechsel nicht mehr ist, was er in jüngeren Jahren mal war. Und je früher man sich den allmählichen Veränderungen zu widersetzen versucht, desto besser.

Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass die Autorenfotos auf Leser, die wirklich schon gravierende Gewichtsprobleme haben, eher frustrierende Wirkung haben, sehen die beiden doch enorm fit aus und als ob sie, wenn schon nicht Marathon-, dann zumindest Langstreckenläufer sind.

Dem schon erwähnten medizinisch-theoretischen Teil des Buches schließt sich ein acht Wochen-Programm an, um den Stoffwechsel wieder in den Griff zu kriegen - wobei die Autoren Wert darauf legen, dass es damit nicht getan ist. Es müsse schon eine dauerhafte Änderung der Ernährungs- und Bewegungsmuster erfolgen, um langfristig Veränderungen herbeizuführen. Das acht Wochen-Programm ist nur der Einstieg, um wieder in die Spur zu kommen und beispielsweise ein Kaloriendefizit zu erzeugen, um das Abnehmen zu erleichter. Und natürlich zu einem gesünderen Ernährungsverhalten zu kommen.

Bei den vorgestellten Rezepten sollte für jeden etwas dabei sei, nur wer sich sein Leben partout nicht ohne rotes Fleisch und hochverarbeitete Lebensmittel vorstellen kann, dürfte hier hadern, Generell wird vor allem auf deutlich kleine Fleischportionen - meist Geflügel - Wert gelegt, mancher muss sich hier womöglich an neue Portionierungen gewöhnen.


Michael Despeghel, Karsten Krüger, Der Stoffwechsel Trick. Warum uns der Bauch am Abnehmen hindert und was die Blockade löst

G+U 2023

192 Seiten, 24 Euro

9783833890420

Sunday, October 29, 2023

Wenn der Rücken zwickt

 Das "Bandscheiben Akut-Training" von Ingo Froböse  ließ mich sofort aufhorchen: Dass der Rücken mal zwackt, ist schließlich eine Zivilisationskrankheit.  Und wer viel am Schreibtisch arbeitet, weiß, dass es da schnell mal zu Verspannungen und Fehlhaltungen kommen kann. Im HomeOffice, wo die meisten von uns wohl eher keinen ergonomisch korrekten Arbeitsplatz haben dürften, gilt das erst recht. Und jünger wird ja keiner von uns. Also eine gehäufte Wahrscheinlichkeit, dass man stöhnt: "Ich hab Rücken"!

In seinem Buch mit zahlreichen Übungen setzt Froböse sowohl auf Linderung akuter Beschwerden wie auch auf Prävention, damit es gar nicht erst zu schmerzhaften Rückenproblemen kommt. Beim Lesen klopfte ich mir selbst auf die Schulter - Die Ausgleichsübungen, die ich bei Rückenbeschwerden mache, um die Muskulatur zu dehnen und zu lockern, stellten sich als genau die Methoden aus, die auch der Autor empfahl. Also instinktiv vieles richtig gemach. Das beruhigt.

So manche Übung dürfte vielen aus Yoga und Pilates bekannt vorkommen, mitunter leicht abgewandelt, aber allesamt alltagstauglich und vor allem auch für Menschen machbar, die vielleicht nicht super beweglich sind, auch weil sie wegen ihrer Rückenbeschwerden viele Bewegungen vermeiden oder sich nicht zutrauen. Froböse macht gewissermaßen ein niederschwelliges Angebot.  Dabei gefällt mir besonders gut, dass am Ende Übungseinheiten zusammengestellt sind, etwa speziell für "Schreibtischtäter*innen" oder für bestimmte Rückenbereiche. 

Alle Übungen sind in ihrem Ablauf und in ihrer Wirkung gut erklärt und durch Abbildungen vorgestellt. Daneben gibt es Alltagstipps, die zwar eigentlich selbstverständlich sein sollten - etwa öfter Bewegungsabläufe in den Tag zu bringen, beim Telefonieren zu stehen oder zu gehen - aber es vielleicht nicht für alle sind.

Ingo Froböse, Bandscheiben Akut Training

Gräfe und Unzer 2023

128 Seiten, 15,99

9783833889103

Saturday, January 21, 2023

Stoffwechselprozesse, anschaulich erklärt

 Irgendwann nach dem 40. Geburtstag ging es bei mir los:  Der Zeiger der Waage zeigte weiter als früher, und es dauerte länger und wurde mühsamer, das alte Gewicht wiederherzustellen. Und auch bewusste und möglichst gesunde Ernährung ändert nichts daran, dass meine Figur als 30-jährige mittlerweile eine traurige Erinnerung ist. Es ist eine Erfahrung, mit der ich nicht alleine dastehe (was immerhin ein bißchen tröstlich ist), und es braucht keine Schokolade- und Chipsorgien: Mit zunehmendem Alter wird der Stoffwechsel langsamer.

Was sich hinter den Stoffwechselprozessen im menschlichen Körper verbirgt und wie sie sich im Alter verändert, erläutert  Ingo Froböse anschaulich in seinem Buch "Der Stoffwechsel Kompass". Wer jetzt einen Diät- oder Ernährungsratgeber sucht,  dürfte enttäuscht sein, denn hier geht es erst einmal um das Grundverständnis dessen, was im Körper abläuft. Dazu gehört auch die Erläuterung, dass es nicht "den" Stoffwechsel gibt. Froböse erläutert Prozesse von der Nahrungsaufnahme bis zur Ausscheidung, die biochemischen Prozesse im Körper, die Verstoffwechslung von Kohlehydraten, Fett und Eiweiß, aber auch die Sonderabläufe etwa in Muskeln oder im Gehirn.

Dieser theoretische Überbau lässt die Pfunde zwar nicht wegschmelzen, doch er zeigt, was Körper und Organen gut tut, die Vitalität und Gesundheit erhält oder stabilisiert. Dass Froböse für diejenigen mit Wunsch nach Gewichtsverlust Verzicht auf gezuckerte Getränke fordert und auf Ausdauersport und Krafttraining setzt, ist wenig überraschend. Schließlich wissen wohl die meisten Menschen, dass mehr Muskeln auch mehr Kalorienverbrennung bedeuten. Dumm, dass mit zunehmendem Alter - genauer gesagt spätestens ab dem 30. Lebensjahr - die Muskelmasse Jahr für Jahr zurückgeht. Die Folgen sehen viele der ü40ff täglich im Spiegel.

Froböse verspricht in der Hinsicht keine Wunder. Aber gesund alt zu werden, ist ja auch schon mal was. Die gute Nachricht des Professors: Es ist nie zu spät, anzufangen.

Ingo Froböse,  Der Stoffwechsel Kompass

Ullstein 2022

304 Seiten, 19,99

9783864931536

Thursday, May 6, 2021

Alles dosha? Heilsame Ernährung mit Ayurveda

 Beim Kochen und Essen gehe ich zwar oft und gerne Experimente ein aber ganz ehrlich, bei den Begriffen ayurvedisch und heilsam bin ich dann doch erst mal zurückgezuckt. Da dachte ich erst mal an Berichte von Kolleginnen über Detox-Kuren, bei denen der Tag mit Zungenschaben und Darmspülung begann. Klang irgendwie nicht so wie Urlaub, den ich meine.

Andererseits: ich liebe asiatische Küche und bin überzeugt, dass der ganzheitliche Ansatz traditioneller chinesischer Medizin, von Yoga  und ähnlichen Traditionen auf lange und erfolgreiche Erfahrung zurückblicken können. Und Gesundheit spielt für mich bei der Ernährung eine ganz wesentliche Rolle.

In "Heilsam kochen mit Ayurveda" haben sich mit dem Mediziner Dietrich Grönemeyer und dem Ernährungsberater Volker Mehl zwei Autoren zusammengetan, die auf Ganzheitlichkeit setzen. Zunächst einmal gibt es ordentlich Theorie: Die Doshas im Lauf der Jaheszeiten, die Bioprinzipien des Ayurveda, wo der Tag in sechs Zeitabschnitte eingeteilt wird, das Gleichgewicht von Vata, Pitta und Kapha im menschlichen Körper. Klingt erst mal kompliziert, ist aber durchaus nachvollziehbar. Dass je nach Tages- und Jahreszeit Allgemeinbefinden und Stoffwechsel ganz unterschiedlich sein können, hat schließlich jeder von uns schon gemerkt.

Die Auflistung verschiedener Lebensmittel nach ihren jeweiligen Vitalstoffen und ihrer Bedeutung für den Körper ist sicherlich allen vertraut, die sich schon mal mit "Superfoods" auseinandergesetzt haben oder der Frage, welche Lebensmittel etwa bei einer Ernährungsumstellung besonders gut für den Organismus sind. Überraschung: Auch unter ayurvedischen Gesichtspunkten kommt man bei Fenchel oder Heidelbeere, Hirse oder Spinat zu ähnlichen Ergebnissen.

Kohlenhydrate sind in diesem Buch kein no-go wie in manch anderem Ernährungsratgeber, Hirse, Dinkel, oder Gerste sind im Rezeptteil sowohl in süßer wie herzhafter Form vertreten. Einen Satz wie: Wir möchten Sie animieren, mit vielen Gewürzen zu experimentieren muss man mir auch nicht zweimal sagen. Geschmacksnerven zum Leuchten bringen? Aber hallo, da bin ich doch gerne dabei. Ungewohnt ist dagegen die Vorstellung, dass die erste Mahlzeit des Tages warm und leicht verdaulich sein soll. der Becher schwarzen Kaffees, an dem ich morgens nippe, ist damit offenbar nicht gemeint. Wobei die Aprikosen Kokos-Graupen mit gerösteten Graupen, das herzhafte Hirse-Kichererbsen Frühstück oder die Dattelpfannkuchen mit Birnen-Kokos-Kompott zwar deutlich aufwändiger klingen als alles, was ich mir so zum Frühstück mache, aber auch ausgesprochen lecker . Schon allein die Bilder der Gerichte machen Lust aufs Kochen und Schmecken.

Werde ich künftig ayurvedisch in den Tag starten? Der Morgenmuffel in mir ist da ein bißchen skeptisch. Aber die Gerichte, die ich schon ausprobiert habe, haben mich wirklich überzeugt. Die leichten Mittagessen sind auf jeden Fall etwas für mich, wie etwa der kross gebratene Blumenkohl mit karamelisierten Zwiebeln und Kräuterquark  - seeehr lecker! und auch das Curry-Zuckerschoten-Risotto trifft ganz meine Geschmackslinie. Oder, um ein Beispiel des leichten ayurvedischen Abendessens zu nehmen: Süßkartoffelstampf mit Spinat, Ziegenfeta, Radieschen und Pinienkernen.

Ich kann wirklich sagen, dass es kaum ein Rezept in diesem Buch gibt, bei dem ich keine Lust zum ausprobieren habe, mal abgesehen vom rote Bete-Süppchen usw. Sonst aber bin ich von den Möglichkeiten begeistert, für die auch nicht erst ein shopping-trip in ein Spezialitäten-Lebensmittelgeschäft nötig ist. Für mich steht fest, dass so manches davon auch bei mir auf den Tisch kommt. Möglicherweise nicht immer zu den Zeiten, die das Ayurvedaprinzip dafür vorsieht.


Dietrich Grönemeyer, Volker Mehl, Heilsam kochen mit Ayurveda

G+U, 2021

240 Seiten, 29,99

978-3-8338-7315-7

Wednesday, January 6, 2021

Gesünder ohne Zwänge - Essen gut, alles gut

 Der Buchtitel klingt versöhnlich in einer Zeit, in der Festtage und Weihnachtsplätzchen leicht für zusätzliches Hüftgold sorgen: Essen gut, alles gut. Nun ist, wie die Ernährungswissenschaftlerin und Autorin Heike Niemeier natürlich weiß und in ihrem Buch erklärt, nicht jedes Essen gleich gut oder gesund für uns. Trotzdem bringt sie es fertig, in ihrem launig geschriebenen Ernährungsratgeber Tipps und Ratschläge zu einer Ernährungsweise an den Mann und an die Frau zu bringen, die nicht durch Zwänge oder fanatische Verbote geprägt sind. Der freie Wille, er zählt auch beim Kampf gegen Pfunde, Fettleber oder metabolisches Syndrom. 

Mit ihrem Buch gibt Niemeier dem Leser einen Leitfaden an die Hand, wie man es angehen kann- wichtig ist, was mit dem eigenen Lebensrythmus, Essensvorlieben, Arbeitstag usw  vereinbar und machbar ist. Insgesamt eine motivierende und informative Lektüre für alle, die nicht nur mit Beginn des neuen Jahres ihren Ernährungs-Lifestyle angehen wollen.

Vielleicht trägt zu ja dem relativ verbotsfreien Ton des Buches bei, dass Niemeier nach eigenen Angaben eine "gute Esserin"ist. Allerdings auch ausgesprochen sportlich, Marathonläuferin im Ruhestand - da dürften sich Fettpölsterchen schwer festsetzen. Angenehm ist auch die Bemühung, auf body positivity oder neutrality zu setzen. Sprich: Mit der Ernährungsumstellung sollte es vor allem darum gehen, der eigenen Gesundheit etwas Gutes zu tun und den Körper fit gegen Krankheiten zu halten. Es geht nicht darum, einem bestimmten Schönheitsideal nachzujagen - das könnte eher zu Dauerfrust führen, denn wir haben nun mal nicht alle die Konstitution und die Gene  eines Fitnessmodels. Und überhaupt, Schönheit gibt es in vielerlei Formen, nicht nur im xxs-Kleiderformat.

Die Zahl von Rezepten ist in "Essen gut, alles gut" überschaubar gehalten. Vor allem wird in kurzen Kapiteln bausatzmäßig und mit Verweis auf andere Abschnitte erklärt, welche Bestandteile der Nahrung wie auf Körper und Stoffwechsel wirken, welche Stoffe unbedingt gebraucht werden, welche sparsam zugeführt werden sollten. Niemeier setzt dabei auf low carb, vermeidet aber das Wort Diät und will Kohlenhydrate auch nicht grundsätzlich verteufeln. Es kommt eben aufs Detail an, bzw auf die gesamte Zusammensetzung des Essens.

Mitunter dachte ich beim Lesen, hier hat die Autorin gegenüber dem zögernden Moppel vielleicht doch ein bißchen zu sehr den Schongang eingelegt. Von wegen, Kalorien zählen ist eher kontraproduktiv? Ist ja eigentlich klar, dass man nicht abnimmt, wenn man nicht weniger zu sich nimmt beziehungsweise mehr verbrennt als üblich. Auch wenn es natürlich schon ein schöner Gedanke ist, allein mit einem anderen Ernährungsmix den Stoffwechsel wieder mehr auf Trab zu bringen und die Fettzellen schrumpfen zu lassen. 

Auch mit einigen Ernährungsmythen räumt Niemeier aus ernährungswissenschaftlicher Sicht aus - etwa, dass Eier den Cholesterinspiegel in die Höhe treiben, ja dass Cholesterin insgesamt zu verteufeln sei. Allerdings sind ihrer Darstellung auch Smoothies nicht so gesund, wie gedacht, sondern ziemliche Zuckerfallen. Und der große Teller Pasta sollte vielleicht wirklich nur die Belohnung nach einer intensiven Sporteinheit sein. Genuss will eben verdient werden. Dann gilt auch: Essen gut, alles gut,


Heike Niemeier, Essen gut, alles gut

Kiepenheuer und Witsch, 2020

368 Seiten, 16 Euro

978-3-462-05432-3

Tuesday, August 11, 2020

Arnika, Kamille oder Ingwer statt chemischer Keule

Was tun bei Schmerzen? Man kann schnell zu einer Tablette greifen - oder man kann erst mal versuchen, auf "natürliche" Weise mit dem Problem fertig zu werden. Ich gebe zu, ich gehöre zu der zweiten Gruppe, und deshalb habe ich mich über das Erscheinen von Aruna Siewerts Buch "Natürliche Schmerzkiller" gefreut.  Wie beim G+U Verlag üblich, ist es ein eher schmales Bändchen, dabei aber informativ, übersichtlich gestaltet und illustriert.

So manches kannte ich schon - Ingwer gegen Reisekrankheit,  Arnika gegen Entzündungsschmerzen, Capsicin als wärmende Hilfe bei verspannten Wirbeln und natürlich Kamille oder Pfefferminze als bewährte Hausmittel. Siewert erläutert aber detailiert die Anwendung und Wirkung und erweitert so auch das Wissen, warum die Kräuter, Tees und Wickel, die meine Omas von ihren Müttern und Großmüttern kannten, funktionieren.

Ein bißchen "Überbau" gibt es auch über Schmerzen, warum sie auch ein wichtiges Signal des Körpers sein können, über Schmerzgedächtnis und letztlich ja auch Achtsamkeit im Umgang mit dem eigenen Körper. Schulmedizin wird nicht per se verteufelt, sondern ebenfalls in ihrem Ansatz mit Schmerzproblemen beschrieben.

Dabei macht Siewert auch die Grenzen der natürlichen Schmerzkiller und Heilmittel deutlich. Denn die mögen im einen Fall ganz alleine ausreichen, in einem anderen womöglich in begleitender Kombination, etwa um die Dosierung pharmazeutischer Schmerzmittel zu senken, die chemische Keule gewissermaßen etwas leichter zu gestalten. Es gebe aber auch Fälle, könnten die pflanzlichen Heilmittel einfach nicht genug ausrichten und daher auch nicht empfohlen werden.

Aruna M. Siewert, Natürliche Schmerzkiller
G+U, 2020
128 Seiten, 14,99
978-3-8338-7312-6