Thursday, December 29, 2022

Nicht ohne meine Chilischoten - Mezcla

 Im Spanischen bedeutet "Mezcla" Mix oder Mischung, und das ist im gleichnamigen Buch von Ixta Belfrage gleich in mehrfacher Hinsicht das Motto: Die Autorin, die zum Team des bekannten Kochs Yotam Ottolenghi gehört, stellt mit ihren Rezepten Fusionsküche vor. Und auch sie selbst ist durch familiäre Herkunft und ihr Leben in verschiedenen Ländern kulinarisch buchstäblich grenzüberschreitend geprägt. Vor allem Italien, Brasilien und Mexiko prägten ihre Geschmacksnerven und auch für Belfrages Buch gilt in zahlreichen Rezepten: Nicht ohne meine Chilischoten!

Wer es nicht so scharf mag, muss aber keine Angst haben: In fast allen Rezepten stellt die Autorin mildere Varianten oder Zutaten-Alternativen vor, mit denen ebenfalls gekocht werden kann. Ebenso gibt es immer wieder Tipps, wie ein Gericht vegan gestaltet werden kann.

Die Aufteilung von "Mezcla" macht allerdings schnell klar: Vegetarisch ist, ähnlich wie in der Ottolenghi-Küche, Trumpf. Die einzelnen Buchabschnitte heißen "Für jeden Tag", "Entertaining" und "Zu guter Letzt". Dabei sind die ersten beiden noch einmal aufgeteilt in Vegetarisch, Fisch und Fleisch, wobei die vegetarischen Gericht klar in der Mehrzahl sind.  Während die "für jeden Tag" Gerichte meist ohne großen Aufwand zuzubereiten sind, dauert es bei "Entertaining" schon etwas länger. "Zu guter Letzt" trumpft mit Desserts, die ebenfalls nach Zeitaufwand und Komplizierheit sortiert sind.

Röstaromen und Salsas, leckere Marinaden und Öle - Mezcla spricht die Gaumennerven an. Mich haben ganz besonders die Rezepte für den Alltag begeistert. Es handelte sich zwar nicht unbedingt immer um schnelle Küche, die Zubereitung war aber in der Regel eher unkompliziert und auch die Zutaten überwiegend in jedem gut sortierten Supermarkt erhältlich. Lediglich die Kochbananen stellten eine etwas größere Herausforderung dar. Tomaten, Paprika und viele verschiedene Chilies bringen in Belfrages Rezepten Farbe und Geschmack auf den Tisch. Manchens, wie etwa die Piri-Piri-Sauce, die Teil eines Auflaufs mit Tofu und Orzo ist, hat mich so begeistert, dass ich sie jetzt schon mehrfach in anderen Gerichten verwendet habe. Und auch die gratinierten Ofen-Paprika mit salsa roja waren so ganz nach meinem Geschmack, ebenso das Süßkartoffel-Curry, Ragu aus getrockneten Steinpilzen und viele andere der Fusionsgerichte.

Besonders gefällt mir an Belfrages Zusammenstellung, dass sie immer wieder zum Ausprobieren und Variationen ermutigt. So bleibt die Fusionsküche spontan und wandelbar - das kommt meiner eigenen Küchenphilosophie sehr entgegen. Zwar hat mir auch so manches Fisch- oder Fleischgericht aus "Mezcla" zugesagt, aber vor allem war das Buch für mich eine Bestätigung, dass auch Vegetarisches vielseitig, spannend und voller Geschmack sein kann. Mit dem Durch-Kochen nach dem Lesen bin ich trotz zahlreicher bereits ausprobierter Gerichte nicht am Ende, aber bisher wurde ich kein einziges Mal enttäuscht - und "Mezcla" hat einen Stammplatz in meiner Küche gefunden.


Ixhta Belfrage, Mezcla

DK 2022

288 Seiten, 26,95 Euro

ISBN 978-3-8310-4445-0   

Wednesday, November 30, 2022

Nicht nur zur Sommerzeit

 Von wegen, im Frühjahr angrillen! Mit "Webers Wintergrillbibel" zeigt Manuel Weyer Möglichkeiten und Rezepte auf, die nicht nur für laue Sommerabende gedacht sind- Carnovoren, die auch bei Minusgraden am Kohle- oder Gasgrill ausharren, die womöglich überm Lagerfeuer den Schwenkgrill aufbauen, sie werden hier fündig werden. Und auch wenn Grillspaß meist mit Fleischgenuss gleichgesetzt wird, gibt es auch durchaus vegetarischhe oder sogar vegane Alternativen - den scharfen Kartoffeöstampf etwa oder den überbackenen Rosenkohl mit Cheddar. Mal ganz zu schweigen von Glutkohl, dem in der Glut gegarten Rotkohl. Das verspricht neue Geschmaksaromen.

Typisch winterliche Muschelgerichte oder Karpfen und Flammlachs sind in der Auswahl ebenso vertreten wie Ente oder Wild. Dabei wird keinesweg nur Fleisch auf den Grill geschmissen, es geht durchaus komplex  und vielseitig zu,  etwa beim geräucherten Zimtkaninchen mit Maronen. Wintergemüse wie Kürbis oder Wirsing fehlen ebenfalls nicht und selbst Sauerbraten vom Grill wird hier aufgeführt. Eintöpfe und Suppen für die kalte Jahreszeit sind ebenfalls vertreten.

Angesichts dieser Vielfalt versteht sich fast schon von selbst: für den klappbaren Holzkohlegrill meiner Kindheit und Jugend ist das alles eher nichts. Hier ist schon der yeararound Grill gefragt, der eher einer Außenküche gleichkommt. Also nicht gerade ein Standardzubehör, vor allem nicht für Großstadtmieter, die weder Balkon noch Terasse oder Garten haben oder gar im großzügig bemessenen Wintergarten am (Grill-)herd stehen. 

Ich denke allerdings, dass viele der vorgestellten Gerichte auch ohne grilltypische Aromen aus der Indooküche ein Genuss und nachkochenswert sind. Für diejenigen, die sich dank des nötigen Equipments auch ein Wintergrillvergnügen leisten können, gibt es Tipps zu Räucherhölzern und -methoden.zu Grilltechniken und Pflege-Basics. Der Kombination von Feuer und Eis steht damit nichts mehr entgegen.


Manuel Weyer, Webers Wintergrillbibel

GU 2022

360 Seiten, 29,99

 978-3-8338-8627-0


Sunday, October 23, 2022

Japanisch ist mehr als nur Sushi

 "Alles außer Sushi" verspricht "Tohrus Japan", das gleichermaßen Kochbiographie und Rezeptsammlung ist. Tohru Nakamuru war mir bis dahin völlig unbekannt, vermutlich weil ich zum einen wenig Sterneköche kenne und zum anderen  bei japanischer Küche tatsächlich eher gen Sushi schiele. Ganz puristisch geht es auch in diesem Buch nicht zu, was allerdings mit der persönlichen Geschichte des Autors zusammenhängt. Denn als Kind einer Deutschen und eines Japaners wuchs er mit beiden (Ess-)Kulturen auf, mit bayrischen Schmankerln ebenso wie mit der Originalküche der Großeltern in Japan, zu denen es jedes Jahr in den Sommerferien ging.Viele der Rezepte des Buches enthalten daher Fusionselemente.

Da gibt es etwa Schololaden-Cookies, die auf den ersten Blick völlig herkömmlich erscheinen, aber nicht nur weiße Schokolade und Walnuss, sondern auch Kombu-Alge enthalten. Oder die Miso-Bayerische Creme ist ein anderes süßes Crossover. Selbst so etwas deutsch-Bodenständiges wie Spätzle erhält mit Tofu eine neue Note.

Nicht alle Rezepte lassen japanische Elemente erkennen, so rätselte ich etwa bei der Entenbrust mit Chicoree, Kaki und Pinienkernen, wo die speziell japanische Handschrift des Rezeptes zu finden sei. Bei einem Gemüsegericht mit Möhren und Kohlrabi ist es dann wieder die Sauce sowie die Gemüsemarinade, die japanisches Flair in das Gericht bringt.

Einen Vorteil hat das alles - die Zutatenliste scheint nicht überirdisch schwer zu beschaffen, auch wenn ich mich bei einigen Algensorten etc schon frage, ob ich die im durchschnittlichen Asialaden finde. Denn dort kann ich zwar zuverlässig  viel für thailändische, vietnamesische und chinesische Küche einkaufen, bei speziell japanischem Zubehör könnte es aber bereits schwieriger aussehen.

Die Fotos im Buch haben teilweise "Sterne-Ästhetik" - da lese ich dann eher aus Neugier und Interesse, nicht aber mit dem Anspruch, so etwas selbst auf den Tisch zaubern zu können. Interessant ist es allemal zu sehen, was ein Profi aus den Zutaten herausholen kann.

Nicht zuletzt verrät der Autor auch ein bißchen über seine eigene Kochphilosophie. Im Glossar gibt es ein umfangreiches Verzeichnis von Zutaten, die in der japanischen Küche eine Rolle spielen. Wieder einiges dazugelernt!


Tohru Nakamura, Tohrus Japan

GU 2022

216 Seiten, 29,90

 978-3-8338-7986-9

Friday, October 21, 2022

Italienische Momente in goldenem Buchmantel

Anschaulichkeit und apettitmachende Food-Photography gehören zu den Kennzeichen der GU-Rezeptreihen, auf die sich Leser verlassen können - in der Regel auch auf eine Rezeptmischung, in der für jeden etwas dabei sein dürfte. Manche Bände sind eher schmale Übersichten, andere, wie die "Goldene Reihe" ein thematischer Rundumschlag - ob nun vegan, Low Carb, Pasta etc. Mit "Italien" kommen  nun auch italienische Kochmomente zwischen die umfangreichen goldenen Buchdeckel.

Dass italienische Küche weitaus mehr ist als nur Pasta und Pizza, ist ja klar. Beides fehlt auch hier nicht und das eine oder andere habe ich schon mit Genuss ausprobiert. Gegliedert ist das Buch in die Kapitel Pane (wobei zu Brot auch Bruschetta, Crostini und Pizza gehören), Antipasti, Pasta... In jedem Kapitel ist den "Lieblingsklassikern" eine Extra-Seite gewidmet.

Bei den "Secundi"darf dann Vielfalt über Scaloppini und Saltimbocca hinaus gezeigt werden,  etwa Rotbarbe auf Spargel-Zitrone-Salat, Thunfisch mit Balsamico-Zwiebeln, Geschnetzeltes vom Rind mit Radicchio oder Lammtopf aus dem Ofen. Im Gemüseteil gibt es  nicht nur Rezepte, sondern auch Anleitung zur Zubereitung einer frischen Artischocke. Neben dem immer leckeren italienischen Brotsalat hat mich hier besonders der Linsensalat mit Löwenzahl und Ziegenkäse überzeugt. In die aktuelle Jahreszeit passend und gleich erfolgreich ausprobiert ist das Kürbisgemüse aus dem Ofen.

Klar, dass in einem Italien-Kochbuch die Dolci nicht fehlen dürfen, neben dem Klassiker Tiramisu kommen auch Semifreddo, Zabaione, Pana-Cotta und italienisches selbstgemachtes  Gebäck zum Espresso nicht zu kurz. Das ist alles bellissime und dürfte keine  Wünsche von Italien-Fans offen lassen. Nur Veganer kommen vermutlich weniger auf ihre Kosten.

Adriane Andreas (Hrdg), Italien! Das Goldene von GU

GU 2022

352 Seiten, 25 Euro

ISBN 978-3-8338-8728-4

Saturday, October 15, 2022

Von Süß bis Herzhaft, für Anfänger und Fortgeschritten

 Es kann sich lohnen, Atbewährtes noch einmal genau anzuschauen und an neue Entwicklungen anzupassen. Das zeigt sich bei "Ich helf dir backen" von Hedwig Maria Stuber. Denn zum einen ist das Buch in seiner Neuausgabe ein "Klassiker" für Erfahrene und Anfänger, gut erklärt und mit einem Ratgeberteilüber Zutaten, Backhelfer und Grundtechniken. Zugleich gibt es Informationen über "Tauschprodukte" und wie sie den Teig verändern können, etwa wenn aufgrund einer Gluten- oder Laktoseunverträglichkeit die üblichen Zutaten nicht verwendet werden können. Außerdem gibt es in der Neuauflage mehr als 50 neue Rezepte, mit denen auf neue Trends wie vegane Ernährung eingegangen wird. Der klassische Sandkuchen, Gugelhupf oder Käsekuchen gehören immer noch dazu - 

Wichtig für alle, die den eigenen Backkünsten nicht so recht trauen: Es gibt auch eine Pannenhilfe für Kuchen, der nicht aus der Form geht, gebrochene Teigböden, zu klebrigen Teig und andere größere oder kleinere gefühlte Katastrophen. Die verschiedenen Grundteigarten, ihre Besonderheiten und Zubereitung wird ausführlich in Wort und Bild erklärt, ehe es an den eigentlichen Rezeptteil geht.

Kuchen, Stollen und Zöpfe - das dürfte der Teil sein, der den meisten Gelegneheitsbäckern vertraut ist: Sandkuchen, Hefezopf, Blechkuchen, und verschiedene Käsekuchen, aber auch ein Kartoffel-Nuss-Kuchen, der zu den Neuerungen gehören dürfte. Auch kleinen Kuchen für Single-Haushalte wird ein Extra-Teil gewidmet.

Kuchenteilchen wie Plunder, Muffins, Cupcakes oder Waffeln, aber auch Winsbeutel oder Spritzgebäck erhalten ebenfalls ein eigenes Kapitel. Auch Obstkuchen und -torten  dürfen natürlich nicht fehlen.Wer sich traut, kann im nächsten Kapitel die große Kür planen  - da geht es dann um Torten. Hier gibt es einen weiteren eingeschobenen Erklärteil über Güsse, Glasuren und Dekorationen, die das besondere Backwerk endgültig zum eyecatcher machen. Eine italienisch anhehauchte Tiramisu-Torte oder eine marmorierte Mangotorte gehören hier zu den Besonderheiten, die wohl neu aufgenommen wurden

Rouladen und Schnitten, Dessertkuchen und Tartes erhalten ebenfalls eigene Kapitel, unter ihnen sind etwa Apfelschmarrn und Calfoutis, eine weiße Schoko-Ingwer-Tarte oder italienischer Reiskuchen.

Auch die jahreszeitlichen Besonderheiten wie Weihnachtsgebäck dürfen natürlich nicht fehlen, ehe es mit dem Kapitel "Brot nd Brötchen" herzhaft weitergeht. Herzhaft ist auch das Kapitel "Pizzs, Quiche und Fingerfood", in dem ich mir die Käsewähe schon mal für einen winterlichen Abend mit Freunden vorgemerkt habe. Und auch die Kräutermuffins und Lachs-Cupcakes dürften nicht lange auf Umsetzung warten müssen.

Fazit: In diesen mehr als 400 Rezeoten findet jede*r was. Ein Backklassiker, der an neue Trends und angepasst wurde und doch seiner Tradition treu bleibt.

Hedwig Maria Stuber, Ich helf dir backen

BLV 2022

312 Seiten, 26 Euro

9783967470994


Thursday, October 13, 2022

Vegane Rezepte, definitiv anfängergeeignet

 Auch als Flexitarierin habe ich Interesse an veganen Gerichten und Rezepten, also halte ich immer die Augen offen nach neuen Büchern zu dem Thema. "Rosa kocht vegan" von Rosa Roderigo war  mit dem farbenfrohen Cover zumindest schon mal ein Eyecatcher. Die Autorin hingegen war mir unbekannt - was vermutlich daran liegt, dass mich das Thema Influencer*innen gänzlich kalt lässt und mich auf sozialen Medien mehr Inhalte und weniger people-Berichterstattung interessieren.

Daher hat das Buch für mich gleich eine Schwäche - es geht halt auch hier immer wieder um die offenbar prominente Autorin und ihre Lebensphilosophien und Einsichten, in Szene gesetzt von einer Fotografin, die spezialisiert ist auf people photography...

Obendrein bin ich als über 30-jähriger Mensch vielleicht einfach weniger empfänglich für Superlative und atemlose Aufgeregtheit, die ich mit "Generation Snowflake" verbinde. War das jetzt zu gemein? Aber wenn alles traumhaft, zaugeil, grandios und abgefahren oder schmatzfatzo ist, ist mir das einfch ein bißchen over the top, da setzt dann gleich meine berufsbedingte Skepsis ein. und auch denglische Begriffe sind in meinen Augen keine Garantie für innovative Inhalte. Soll vielleicht jugendlich wirken, aber permanente Selbstinszenierung beim Lesen eines Buches durchstehen zu müssen, ist echt nicht mein Ding.

Jetzt aber genug gemeckert, denn Rezepte und damit Inhalte gibt es ja auch, und die sind überwiegend so einfach gestaltet, dass auch ein Sensibelchen an Herd oder Ofen nicht vor lauter komplizierten Anweisungen einen emotionalem Meltdown befürchten muss. Manches ein bißchen sehr simpel, wie die Heidelbeer-Blätterteigteilchen, anderes zumindest schön bunt wie der Konfetti-Schokokuchen. Schokolade geht schließlich immer, ob in veganer oder sonstiger Form. Für den nächsten Frühsommer habe ich mir auch schon den Erdbeer-Rhabarber-Crumble markiert.

Ob vegane Köttbullar, vegane Pide und Bifteki oder sogar Königsberger Klopse - für viele regionale oder internationale Grichte gibt es hier vegane Abwandlungen auf Soja- und Tofubasis.  Alles in allem nett, aber nicht gerade eine vegane Offenbarung, eher durchaus schon bekannte Rezepte auf niedrigem Schwierigkeitsgrad. Insofern ist dieses Buch für mich kein "must have" und wird auf meinem Regal eher inen Platz im Hintergrund einnehmen. Fans sehen das wahrscheinlich anders.


Rosa Roderigo, Rosa kocht vergan,

GU, 2022

192 Seiten, 24 Euro

978-3-8338-8402-3

Monday, September 26, 2022

Bäckermeister nimmt Einstiegsängste

 Motivierend und Mut machend: So kommt Bäckermeister und Autor Axel Schmitt schon im Vorwort von "Das einfachste Brot der Welt" rüber: "Keine Vorkenntnisse, keine Ahnung, kein Equipment? Wunderbar!" Er habe die Rezepte so kreiert, dass sie immer funktionieren, verspricht Schmitt. Und mit Broten kennt er sich aus, schließlich kommt er aus einer Familie, in der er für die vierte Generation von Bäckern steht. Hier schreibt einer, der gewissermaßen in der Backstube aufgewachsen ist!

Dass Schmitt, langjähriger Hobby-Schlagzeuger, mit Heavy Metal noch eine zweite Leidenschaft hat, kam es mit "sonic sourdough", einem beschallten Sauerteig, zu einem crossover Produkt.  Aber welche Art Musik beim Backen gehört wird oder ob man dem Teig lieber gut zureden will, kann ja jede*r selbst entscheiden.

Ohne ein bißchen Theorie kommt auch Schmitt nicht aus. Da geht es um die verschiedenen Mehl- und Getreidesorten, auch alte wie Emmer oder relative Neuheiten in der europäischen Backstube wie Amaranth oder Quinoa, um Hefe, Sauerteig, Saaten und Gewürze. Dann die erste Herausforderung: Natursauerteig selbst herstellen. Bilder von Tag 2 bis 5 zeigen, wie es aussehen sollte. Dann kann es ja losgehen - dafür gibt es auch gleich eine Einweisung in die Techniken, um Zutaten zu verkneten, Teig zu stretchen und zu falten (wie war das noch mal mit garantiert einfach?) und den Techniken für die perfekte Teigkugel.

Das titelgebende einfachste Brot der Welt, das auch am Anfang der Rezepte steht, hat übrigens nur fünf Zutaten und benötigt einen Tontopf. Pech gehabt! So was besitze ich nicht. Muß mir wohl doch eine nicht ganz so einfache Alternative suchen. Ein Hafer-Dinkel-Brot im Einmachglas klingt aber auch für Backidioten machbar. Der schnelle Apfelkuchen aus der Tasse lässt sich wiederum sogar in der Mikrowelle anfertigen. Schneller kann Backerei nun wirklich nicht gehen.

Tribut zollt Schmitt der fränkischen Heimat mit seinen "Obazda-Schiffchen" - für eine zünftige Brotzeit oder einen Bierabend klingt das ziemlich verlockend. Und nicht nur in der Mikrowelle, sondern auch mit eher unorthodoxen Ofen-Alternativen wird gebacken - als Beispiel sei das Lavatörtchen vom Bügeleisen genannt. Beim Stockbrot am Feuer werden wiederum Kindheitserinnerungen wach, Und auch die Blitzbrötchen aus der Pfanne (gut für Langschläfer und Back-Faulpelze geeignet, die keine lange Vorbereitungs und Teigruhezeit wollen) lassen mich beim Lesen beifällig nicken. Doch, basstscho, wie der Franke sagt. Auch wenn das Produkt bei mir vermutlich weniger profihaft-perfekt aussehen wird wie bei der stylishen Foodfotografie im Buch..

Eine Besonderheit und ganz besonders nachhaltig ist das "zero waste" Kapitel - angefangen vom Bierretter-Brot über den essbaren Baguetteteller bis hin zum Phönix-Brot, für das angetrocknetes Brot und alte Brotscheiben zum Einsatz kommen.

Fazit: Hier schreibt ganz offensichtlich einer, der mit Liebe und Leidenschaft backt. Ein paar eher exzentrische Brote sind dabei ein echter Hingucker. Auch sonst ist für Freunde von Süßem und Herzhaften eine Menge dabei.


Axel Schmitt, Das einfachste Brot der Welt,

GU 2022

192 Seiten, 27 Euro

 978-3-8338-8594-5

Sunday, September 25, 2022

Kulinarische Biografie - Rezepte eines (Koch-)Lebens

 Wenn Johann Lafer auf sein Leben zurückblickt, dann ist klar: Es geht auch um Essen und Trinken, um das Verhältnis zu gutem Essen, um prägende Jahre in Restaurants und Kochshows. Die von Jan Hofer erzählte kulinarische Biografie "Ein Leben für den guten Geschmack" enthält denn auch Rezepte eines Lebens, angefangen mit der Kindheit in der Steiermark, wo ein Faible für Mehlspeisen entstand und karges Leben erforderte, möglichst alles zu verwerten - die "Rahmsuppe mit Geflügelklein" etwa ist so ein prägendes Familienrezept, das Eingang in das Buch fand.

Aller Anfang ist schwer - und so waren wohl auch die Lehrjahre in einer Grazer Brauereigaststätte nicht ganz einfach für den ehrgeizigen Nachwuchskoch, den seine Mit-Azubis als Streber betitelten. Bei der Chefin dagegen kamen die Ambitionen gut an, und der Nachwuchskoch durfte schon als Lehrling eigene Berichte zubereiten, heißt es in dem Buch. Einige Paradegerichte des Hauses, wie die Kürbiscremesuppe oder das Saftgulasch haben einen Platz im Buch gefunden. Sie lassen sich auch noch gut nachkochen, sowohl was die Herausforderung an Kochkenntnisse wie auch an die Haushaltskasse angeht.

Mit dem Kapitel Wanderjahre können Leser dann allerdings vor allem schauen und staunen. Die Perlhuhessen mit Trüffel unter der Blätterteighaube oder die Geflügelleberpraline im Kürbiskernmantel auf Gewürztraminergelee etwa wären denn doch ziemlich aufwändig. Ganz abgesehen von der Präsentation und Optik der Gerichte, was auch für die Torten und Desserts aus Lafers Zeit als Chef der Patisserie gilt.

Immerhin, in den Jahren als Fernsehkoch kommen dann publikumswirksame Gerichte hinzu, die auch nicht-Sterneköche wieder bewältigen können,  die Currywurst "La Ola" zum Beispiel. Auch das Einfach-Bodenständige kann schließlich lecker sein.

Raffiniert sind dann wieder die Rezepte, die als Beispiele der Spitzengastronomie stehen, garniert mit Anekdoten zu besonders prominenten oder herausfordernden Gästen. Präsentiert wird etwa die Vanille-Creme Brulee mit Bratapfelsorbet, die auch schon für George W. Bush beim Staatsbesuch gekocht wurde. Als dann die Bunsenbrenner zum Flambieren gezückt wurde, gab es den Erinnerungen zufolge Ärger mit dem FBI. Erst mit einem Security-Mann für jeden Mitarbeiter konnte das Dessert demnach vollendet werden. Dem US-Präsidenten habe es übrigens geschmeckt.

Fazit: Als Buch zum Nachkochen nur bedingt geeignet, außer für ambitionierte Hobbyköche, die sich auch hohen Ansprüchen stellen. Aber es ist allemal interessant, in die Töpfe der Spitzengastronomie zu gucken. Für Fans des Promi-Kochs ohnehin eine Notwendigkeit.

Johann Lafer, ein Leben für den guten Geschmack

GU 2022

192 Seiten, 26 Euro

 978-3-8338-8282-1

Wednesday, September 14, 2022

Mehr Promifaktor als Kochgenuss?

 Das Buch "Wenn ich das kann, kannst du das auch!" von Ex-Tagesschau-Sprecherin Linda Zervakis mit ihrer "persönlichen Rezeptesammlung" lässt mich reichlich zwiegespalten zurück. Einerseits ist es ein niedrigschwelliges Angebot für Kochmuffel und -neulinge mit passendem Storytelling: Zervakis konnte nicht kochen. Dann kam Corona. Immer nur Lieferdienst war auch kein Vergnügen. Sie probierte, kochte mit Freunden und Voila - am Ende steht ein Kochbuch!

Dem Storytelling und Promifaktor folgt das Buch denn auch durchgehend. Es gibt launige Anekdoten und Bilder, besonders oft mit Zervakis. Mal trägt sie mit Selfie-Flunsch eine Wasserelone, mal herzt sie die Mama, mal feiert und kocht sie mit Freunden. Das mag ja ganz nett sein für Leute, die bekannten Leuten in den Kochtopf blicken wollen, ist aber nicht so wirklich zielführend, wenn es darum geht, neue Rezepte kennen zu lernen. Und dort, wo es dann tatsächlich inhaltlich wird, ist die Lage eher überschaubar, nach meinem Epfinden zu überschaubar für ein fast 20 Euro teures Buch. 

Immerhin, so bin ich an ein lecker klingendes Rezept für einen Dattel-Dip gekommen, auch das Omelette Greek Style übereugt und für Mezze-Fans wie mich sind das Muhamarra-Rezept einer syrischen Freundin der Moderatorin und der persische Auberginendip, der von einer weiteren Freundin beigesteuert wurde, auf jeden Fall lohnenswert.  Auch die Brioche mit Orangenmarmelade sehen sehr ansprechend aus  und werden sicherlich nachgebacken.

Mehr Selbstbespiegelung, mehr Content, das wäre hier wirklich gut gewesen. Zervakis-Fans werden mit der Aufteilung vermutlich trotzdem zufrieden sein, aber mit hat das definitiv nicht gereicht  - Datteldip hin, Muhamarra her.


Linda Zervakis, Wenn ich das kann, kannst du das auch!

Gräfe und Unzer, 2022

148  Seiten, 19,99 Euro

978-3-8338-8232-6

Tuesday, September 13, 2022

Brasilianisch-italienisch mit Profi-Tipps

 Als jemand, dessen Fernsehkonsum sich hauptsächlich auf Nachrichten, Reportagen und Spielfilme konzentriert, habe ich offensichtlich Defizite (die mir allerdings nichts ausmachen): Es gibt so viele Promis oder Reality-Stars, sogenannte Influencer sowieso, von denen ich noch nichts gehört habe. Oder von denen ich zwar gehört habe (es dürfte schwierig sein, durchs westeuropäische/nordamerikanische Leben zu gehen und nicht irgendwann mit dem Namen Kardashian konfrontiert zu werden), aber das war´s dann auch schon.

Im Fall von Jana Ina Zarella geht es mir mal wieder so: Die Dame scheint einen gewissen Bekanntheitsgrad zu haben, aber ich habe keinerlei Ahnung, warum. Ist aber auch egal. Es geht ums Essen. A la Casa. Und im Fall der Zarella-Familie ist das ein spannender Mix, nämlich brasilianisch (sie) und italienisch (er).  Da ich bei südamerikanischem Essen vor allem an Fleischberge denke, war es interessant zu lesen, dass Jana Zarella und ihr Mann vor allem vegetarisch leben, die Kinder aber bislang noch Carnivoren sind. Dass in einer Familie unterschiedliche Ernährungsvorlieben eine ziemliche Herausforderung für das gerade kochende Familienmitglied sind, ist klar. Ich war also gespannt.

Vom Frühstück über Salate, kleine Gerichte und Hauptmahlzeiten gibt es ein buntes und aus gesund klingendes Angebot, der Dinkelporridge mit Beeren dürfte bei mir jedenfalls demnächst mal die Haferflocken ablösen - ich bin gespannt, wie der Geschmacksunterschied ausfällt. Smoothie-Rezepte kann ich ohnehin nie genug haben.

Was jetzt mit dem beginnenden Herbst besonders gut schmeckt, sind meiner Meinung nach Ofengerichte, Suppen und Aufläufe. Das Ofengemüse mit dreierlei Dips (inklusive grüner Soße, in einmal unfrankfurerischer Kombination), Gemüsereis aus dem Backofen, die Süßkartoffel-Kokos-Suppe, die Gnocci mit Kürbis oder das cremige Pilzrisotte mit Petersilie passen da genau. Und was die Zitronenennudeln mit Lachs angeht, die ich schon ausprobiert habe, sage ich nur: lecker!

nicht zuletzt dürfen dolci natürlich nicht fehlen. Vegan und vielversprechend habe ich hier gleich das Bananenbrot mit Walnüssen und Schokolade auf meine to do-Liste gesetzt, denn das klingt nach einer wunderbaren Aromenkombination mit crunch.

Doch es gibt nicht nur Zarella-Familienküche, denn mit Johann Lafer hat auch ein gestandener Profi sen Know-how beigesteuert - im Rezeptteil mit Geling-Tipps, im "theoretischen Überbau" mit "Küchenhelden" die nicht fehlen dürften, Gewürze etwa, Butter und Olivenöl, frische Beeren oder Zitrone. Er plaudert aus dem Nähkästchen oder vielmehr aus der Vorratskammer, wie sich blitzschnell aus dem Vorhandenen etwas zubereiten lässt das allen schmeckt. Auch auf das Thema Zeitmanagement in der Küche wird eingegangen.

Mein Fazit: Übersichtlich, anschaulich mit Profi-Tipps und Rezepten, die nicht nur für Familienhaushalte taugen.

Jana Ina Zarrella, Johan Lafer,  Casa Zarella Mit Liebe gekocht für die ganze Familie

Gräfe und Unzer, 2022

192 Seiten, 26 Euro

978-3-8338-8588-4

Omas Küchengeheimnisse treffen vegane Küche

 Vermutlich haben wir alle Kindheitserinnerungen an Gerichte, die selbst die Mutter nicht so ghut hingekriegt hat wie die Oma. Mahlzeiten, die ein Wohlfühlgefühl hinterließen, mit denen wir Erinnerungen an Verwöhntwerden, viel Liebe und eben an die Oma verbinden. An die leckersten Bratkartoffeln der Welt oder den Lieblingskuchen, den nur sie so hinbekam.

Angelique Vochezer geht es ähnlich. Allerdings ernährt sie sich seit ein paar Jahren vegan. Was tun, um die leckeren Kindheitserinnerungen nicht ins Reich von "es war einmal...." zu versetzen? Glück für die Autorin: Ihre Oma reagierte nicht mit einem verständnislosen "Kind, wie kannst du nur....?!". Die beiden tüfelten an den Tradtionsrezepten nach Hausmacherart, bis es für geschmackliche Alternativen reichte.

In "Omi, ich bin jetzt vegan" präsentieren Vochezer und ihre Oma Ingeborg Tessmann insgesamt 74 Traditionsgerichte, umgesetzt für Veganer. Ob Käsespätzle oder gefüllte Paprikachoten, Frikadellen oder Kaiserschmarrn - zumindest auf den Fotos sehen die Gerichte so aus wie die Vorbilder mit Ei, Käse oder Fleisch. Da hilft es sicherlich, dass es mittlerweile viele vegane Produkte gibt, die dem Originalvorbild seh ähnlich sehen. Und manches, wie Kartoffelsalat, ist ja zum Glück von vornherein sowohl für Veganer wie für alle anderen denkbar.

Neben deftigen Gerichten gibt es auch Süßes, etwa für die Kaffee- und Kuchenrunde oder Plätzchen für die Weihnachtsbäckerei. 

Da ich Flexitarierin bin, werde ich mich sicherlich bei solchen Traditionsgerichten nicht nach veganen Alternativen umsehen, es sei denn, ich habe Veganer zu Besuch. und dann würde ich vermutlich eher nicht deutsch-traditionell kochen. Für alle Veganer mit sehnsüchtigen Erinnerungen an die Hausmannskost ihrer Mütter und Großmütter dürfte dieses Buch allerdings die Gewissheit bringen, dass ihre Ernährung nicht den ewigen Verzicht auf kulinarische Kindheitserinnerungen bedeuten muss.


Angelique Vochezer, Ingeborg Teßmann, Omi, ich bin jetzt vegan

Allegria, 2022

192 S. 22,99

9783793424451

Thursday, September 8, 2022

Von Gärkörbchen und Vorteigen

 Eines vorneweg: Wenn es ums Brotbacken geht, erstarre ich immer ert mal in Ehrfurcht. Zu kompliziert! Zu aufwändig! will ich protestieren. Meine Schwester, die im Gegensatz zu mir bereits eine Menge wohlgeratener Brote zustande gebracht hat, winkt dann immer lässig ab, aber es hilft alles nichts: Mein Backwerk beschränkt sich in der Regel auf Muffins oder Waffeln. Schnell, unkompliziert und ich muss mir keine Fragen stellen wie: Ist der Sauerteig schon gefüttert worden?

Jetzt also ein neuer Versuch, mich dem Thema zumindest schon mal theoretisch zu nähern. Christina Bauers großes Brotbackbuch verspricht 120 Rezepte, Schritt für Schritt erklärt. Glich am Anfang steht ein Erklärteil über den Umgang mit Hefe und Sauerteig, Teigansatz und die benötigten Zutaten. Ein Glossar gibt es auch, habe ich festgestellt. Da wird dann nicht nur Gärkörbchen und Vorteig erklärt, sondern auch noch mal Begriffe erläutert, von denen ich nie gehört habe, wie etwa Ausmahlunggrad. Oder theoretisches zu Teigbeschaffenheit und dem Umgang mit verschiedenen  Teigen. Drauflos kneten ist offenbar nicht die Antwort. Ist das der Grund, warum mir die angeblich supereinfachen Frühstücksbrötchen so gründlich daneben geraten sind?

Last not least, es gibt auch ein paar Übersetzungshilfen vom österreichischen Deutsch ins Standard-Hochdeutsch. Jetzt weiß ich auch, dass Germ Hefe ist. Und gar nicht hoch genug zu bewerten ist Cristina Bauers Ratgeberteil nach dem Motto: "Dein Brot will nicht so, wie du es willst?". Da können dann manche Pannen doch noch aisgeräumt werden. Keine Frage, da hilft die Erfahrung, nicht nur übers Backen zu bloggen, sondern auch Brotbackkurse zu geben und zu sehen, was bei nicht ganz so begnadeten BäckerInnen alles schief gehen kann.

Im Rezeptteil selbst geht es dann nicht ausschließlich um Brot, sondern auch um manches Gebäck, dass auch auf der Kaffeetafel oder beim Feierabendbier gut passt. Beim Hefezopf in verschiedenen Varianten werden sogar Flechtmuster vorgestellt und erklärt.. Das Brot ist mal herzhaft und körnerreich, mal fluffig, mit oder ohne Sauerteig, mit verschiedenen Aromen und auf den Fotos von geradezu beängstigend professioneller Perfektion. Da kann ich nur lesen und staunen, während mir das Wasser im Munde zusammenläuft.

Für südlich-sommerliches Brotgefühl sorgt dagegen Focacia oder Kräuter-Fladenbrot (das mich traurigerweise an meinen Fehlversuch mit Manakeesh erinnert. Aber vielleicht habe ich ja nur noch nicht das richtige Rezept ausprobiert). Zupfbrot, Knäckebrot und Flammkuchen als würzige oder pikante Snacks sind ebenfalls vertreten.

Doch auch süßes und Kleingebäck für den Alltag und besondere Gelegenheiten werden vorgestellt, verschiedene Brötchensorten etwa aber auch Apfel-Nuss.Kipferl, die ausgesprochen lecker klingen oder Franzbrötchen. Einige werden zwar als Mitbringsel vorgeschlagen, die könnte man sich aber auch gut selbst gönnen.

Und noch eine Besonderheit dieses Buches. Bauer verrät auch Rezepte zur Verwertung von Brot, das eigentlichlich schon altbacken ist, aber als Auflauf, Knödel etc doch noch zu einer Mahlzeit aufgemotzt werden kann. Wenn das nicht nachhaltig ist! die Kapressknödel etwa klingen ganz wunderbar für kalte Tage. 


Christina Bauer, Das große Brotbackbuch

Löwenzahn, 2022

352 Seiten, 39,90

978-3-7066-2970-6

Saturday, September 3, 2022

Kurz, knackig, vegan

 Die Inflation steigt, die Energiekosten ebenfalls - beim Einkaufen wird stärker überlegt, was denn nun wirklich alles nötig ist. Eine gute Zeit also für ein Kochbuch, das verspricht, mit nur fünf Zutaten eine Mahlzeit zuzubereiten - und im Fall von Leba Merz´"Happy vegan mit 5 Zutaten" obendrein ohne tierische Produkte. Wie bei der GU-Reihe üblich, handelt es sich um ein eher schlankes Buch mit gerade mal 64 Seiten. Aufgeteilt ist es in die Bereiche kleine Gerichte, Hauptgerichte sowie süßes und Gebäck. Hinzu kommen vegange Küchentipps und -hacks von der Vorrathaltung bis zu schnellen Würzvariationen.

Die Rezeptauswahl mag übersichtlich sein, macht aber einen leckeren Eindruck und ist ansprechend bebildert.  Dabei gibt es teilweise vegane Abwandlungen von Gerichten, die andernfalls häufig fleischlastig sind, etwa Mangold Börek oder Auberginen Pide oder Zucchini mit Falafel-Füllung.  Die bunten Pommes mit Limetten Mayo könnten sich nicht-Veganer auch gut zu einem Stück Fleisch schmecken lassen. Der Fenchelsalat mit Kichererbsen verlängert mit Aromen aus dem Süden den Sommer. Schon herbstlich und daher sicher demnächst auf meinem Speiseplan ist das Hirsotto mit Rotkohl, das auch farblich sehr schmuck daherkommt.

Bei den süßen Rezepten lockten mich vor allem die Schokomousse mit Orange, die Brownie Bites und der Kirschkuchen mit Streuseln - ein Rezept, das gerade zum richtigen Zeitpunkt auftauchte. Schließlich hatte die vegane Lieblingskollegin gerade Geburtstag und ist immer aufgeschlossen für was Süßes.


Lena Merz, Happy vegan mit 5 Zutaten

GU 2022

64 Seiten , 9,99 Euro

978-3-8338-8293-7

Friday, August 12, 2022

Viva la Pasta!

 Die "goldene" GU-Reihe ist wie eine Enzyklopädie dessen, was Koch- und Rezeptefans in den Taschenbüchern der Reihe jeweils für ein Teilgebiet lesen und nachkochen können. Nachdem mich vor ein paar Jahren das Vegan-Kochbuch aus der Reihe auch als Flexitarierin sehr begeistert hat, war das Interesse an "Nudeln und Pasta" natürlich sofort groß.

Wie üblich geht es mit den Basics los und dann weiter zu den verschiedenen Sparten. Wer bei Nudeln und Pasta auf do it yourself setzt und nicht so wie ich ins Supermarktregal greift, findet nicht nur ein Einmaleins für die Nudelküche, sondern auch  ein Grundrezept für Eiernudeln und Spätzle sowie für verschiedene Füllungen für Ravioli, Tortellini oder Maultaschen. Wobei die sicher auch mit fertigen Nudelplatten aus dem Kühlregal schmecken.

Suppen und Salate auch zum Mitnehmen - das Kapitel ist sowohl fürs nächste Picknick als auch für den to go-Lunch gelandet. Oder als ironisches Party-Mitbringel, gewissermaßen als Reminiszenz an die Zeiten, als es ohne Nudelsalat kaum eine Feier gab. Da ich gerne eine asiatische Note beim Essen habe, gefallen mir hier besonders die verschiedenen Glasnudelsalate und die Kokossuppe mit Mie-Nudeln. Neben der klassisch-deutschen Rindfleisch-Nudelsuppe lockt aber beispielsweise auch eine Tortellini-Bouillabaise oder eine Lasagne Suppe - Bekanntes mal etwas anders eben.

Die "blitzschnelle Nudelküche" enthält neben Pasta-Klassikern auch Pesto- und Soßenrezepte - für exotischere Geschmacksnoten sorgen etwa das Fenchel-Orangen-Pesto oder das Koriander-Cashew-Pesto. Es gibt auch mehrere vegane Rezepte sowie Spätzle-Geichte. 

Nach Schnellem oder Deftigen  gibt es Pasta für Genießer - wenn es die klassischen Spaghetti arrabiata oder Bolognese nicht mehr tun, kann vielleicht Pasta mit Grapefruitschaum den gelangweilten Gaumen verwöhnen. Oder, schon mal für den Herbst einzuplanen: Kastaniennudeln mit Pilzsauce. Die Blutwurst Maultaschen mit Apfelkompott sind dann sicher auch eine Frage des jeweiligen persönlichen Geschmacks, aber auf jeden Fall eine Kombination, auf die ich nicht gekommen wäre.

Immer wieder lecker und  obendrein entspannede für die Kochenden sind Aufläufe oder Gratins - während sie der Vollendung entgegenbrutzeln, lässt sich schon mal anderes erledigen. In diesem Buch ist ihnen ein eigenes Kapitel gewidmet. Klar, dass Lasagne in  mehreren Variationen  oder der klassische Nudelauflauf nicht fehlen dürfen. Spaghetti-Pizza oder Nudelmuffins setzen dann wieder neue Akzente.

Ein eigenes Kapitel ist am Ende noch einmal den Nudelspezialitäten der asiatischen Küche gewidmet. Pad Thai und Pho, Ramen-Burger und Teigtaschen, auch hier gibt es Bekanntes wie auch Neues, etwa Rotkohlsalat mit Soba-Nudeln. Diese Crossover-Rezepte machen für mich einen besonderen Reiz dieses Buches aus, dass gewissermaßen eine Reise durch die Nudelwelt in dutzenden und ansprechend fotografierten Gerichten bietet.


Stefanie Gronau (Herausgeberin) - Nudeln und Pasta. Das Goldene von GU

GU, 2022, 

352 Seiten, 25 Euro

9783833883187


Saturday, August 6, 2022

Kochen - Rezepte für Pausenbrote, to-go Lunch und Feierabendbier

 Viele Köche verderben den Brei? in "Kochen" von Cornelia Schinharl, Martin Kintrup und Nicole Just ist bei dreien keiner zu viel. Vielmehr haben alle ihre eigenen Vorlieben und Kochstile in das Buch im GU Verlag eingebracht: Während sich Cornelia Schinharl zur mediterranen Küche bekennt und  als ihre fünf Vorrats-Tops Granatapfelkerne, Sardellenfilets, Bio-Zitronen, tiefgekühltes Hack und Chili vorstellt, kocht Martin Kintrup gern vegetarisch und "immer am Puls der Zeti". Seine Top 5 sind neben Zwiebeln und Knoblauch auch Butter, Tomaten, Senf und Parmesan oder Pecorino. Nicole Just, die sicg seit Jahren vegan ernährt,  steuert Rezepte auch ohne Ersatzprodukte bei, etwa mit Linsen und Kichererbsen. Klar, dass unter ihren Top 5 Hülsenfrüchte sind, aber auch Cashew- und Mandelmus, Pflanzendrinks und Hirse.

Die unterschiedlichen Geschmäcker und Inputs werden besonders bei den im Buch vorgestellten Rezept-Triologien sichtar, ob jetzt Bowls, Curries, Gulasch oder Pfannkuchen. Dabei gibt es sogar eine Variante von Pfannkuchen mit Sauerkraut.

Was mir - nebem der gewohnt ansprechenden Gliederung und Bebliderung der Rezepte besonders gefällt: Hier wurde mit Blick auf berufstätige Menschen geschrieben, die dem Kantinenessen gerne den Rücken kehren würden. Mittagessen to go ist ein eigenes Kapitel gewidmet, ebenso Stullen und Pausenbrote oder Snacks.

So mitten im Hochsommer habe ich mich gerne vom Wassermelonen-Garnelen Salat in dem Buch überzeugen lassen. Auch eines der zahlreichen crossover-Gerichte wie der Asia-Wustsalat mit Kräutern ist an einem heißen Sommerabend mit Ingwer, Koriander und Limettensagt eine Alternative zur gewohnten Biergarten-Version. Leicht für heiße Tage und warm oder kalt lecker ist die Spinat-Frittata mit Tomaten.

Aber auch die kühlee Jahreszeit kann kommen: Die Maultaschenpfanne mit Pilzen oder die Kürbiscarbonara mit spicy Blumenkohl werden dann sicher ausprobiert. Als Falafel-Alternative locken Couscous-Puffer mit Rotkohlsalat und die scharfe Gemüsesuppe passt eigentlich immer.  Als low carb grüßt das Hirschragout auf Blumenkohlpüree und der Klassiker Backfisch bekommt mit Wasabi Creme Fraiche eine asiatische Note.

Unter den Leckereien zu Wein und Bier sind mir die Mini-Pfannebrote mit Cashewdip und die gefüllten Minipaprikas besonders angenehm aufgefallen. Aber der Mix der Rezepte ist angesichts der ganz unterschiedlichen Geschmäcker der Autor*innen so geraten, dass mit Sicherheit für jeden etwas dabei ist. Als rote Beete-Hasserin etwa werde ich einige Rezepte ignorieren, bin aber sicher, dass sie bei allen, die die rote Rübe als hippes Gemüse ansehen, auf Gegenliebe stoßen.

Zutaten und Zubereitung sind so ausgewählt, dass das Kochen nach einem langen Arbeitstag nicht stundenlange Zeit an Herd oder Ofen oder langwierige Suche nach exotischen und schwer zu beschaffenden Zutaten erfordert. Alles, was hier benötigt wird, ist in gut sortierten Supermärktem und größtenteils auch beim Discounter zu finden.

Cornelia Schinharl, Martin Kintrup, Nicole Just, Kochen

GU 2022, 25 Euro

9783833882722















Von klassisch bis vegan - Backen

Zugegeben: Da aktuell eine Hitzewelle die nächste jagt, ist bei mir in der Küche Minimalismus angesagt. Hauptsache schnell, leicht und kühl. Gazpacho punktet über allem, wofür ich womöglich gar den Backofen in der überhitzten Wohnung einschalten muss. Das Buch "Backen" von Christa Schmedes, Ann-Kathrin Weber, Corinna Schober und Sandra Schumann habe ich deshalb zwar gerne und mit Interesse gelesen, aber noch keines der Rezepte ausprobiert.

Allerdings fällt gleich auf, dass das Buch mit dem punktet, was man bei den GU Kochbüchern gewohnt ist: Erklärteile, Übersichten, gute Gliederung und Food-Fotos, die Lust machen, nachzubacken. Jednefalls, wenn es erst mal ein paar Grad kühler ist.

Meist bin ich bei meinen eigenen Backversuchen ja nicht über Rührteig hinausgekommen. Blätterteig und Quiche gab es aus dem Tiefkühlfach. Vorsichtige Versuche mit Hefeteig waren eher wenig überzeugend. Aber mit diesem Buch wage ich vielleicht doch einen neuen Versuch. Und dann sind da ja auch noch die Rezepte, wo als Teigbasis zerkrümelte Kekse vorhanden sind - wenn das nicht machbar ist!

Nach einer Einführung in die verschiedenen Teige und Tipps für eine optimale und Arbeit erleichternde Organisation folgt der Rezeptteil, der von traditionell bis neuen Ernährungstrends reicht. Zu den heiß geliebten Klassikern etwa gehören Frankfurter Kranz, gedeckter Apfelkuchen, Schwarzwälder Kirsch- oder Sachertorte. Es gibt aber auch Rezepte für Singlehaushalte, die nicht eine ganze Kaffeetafel verorgen müssen. Waffeln, Muffins, Cupcakes oder sonstiges Kleingebäck lässt sich schließlich auch einfrieren. Und so sehr ich alles mit Schokolade liebe, es müssen gar nicht immer nur Brownies sein: Die Blondies mit Kirschen jedenfalls machen einen sehr leckeren Eindruck.

Nicht nur für die Weihnachtszeit, sondern auch für Ostern oder Halloween gibt es Rezepte für "Besonderes zum Fest". Die Elchtorte mit Zimtcreme ist dabei ein echter Hingucker und ein buchstäblich süßes Geschenk. Deko-Tipps und hacks sorgen dafür, dass auch Back-Amateure optisch Eindruck schinden können.

Wer es nicht so süß mag, wird im Teil für Brot und herzhaftes Gebäck fündig. Nun habe ich mit Brotbacken zwar null Erfahrung und bin auch ein wenig eingeschüchtert durch Begriffe wie Vorteig, Gärkörbchen usw - das aromatische Brot lässt aber Erinnerungen an die Brote meiner Oma aufkommen und Ciabatta mit Walnuss und Feige klingt super mit einem leichten mediterranen Salat oder Aufstrich. Der Flammkuchen mit Ziegenkäse würde auch in die heiße Sommerzeit passen. Und das Bagel-Rezept muss ich unbedingt ausprobieren.

Im letzten Teil des Buches gehen die Autorinnen auf die Herausforderungen des veganen Backens ein und erklären, welche Alternativen es etwa zu Eiern gibt. Nach diesen Basics folgen Rezepte, die auch für nicht-Veganer eine Option sind. Avocado-Kirsch-Brownies etwa, Himbeer Chia-Kipferl oder die Acai-Beeren-Torte jedenfalls haben meine Aufmerksamkeit gefunden - nicht nur wegen der apettitanregenden Begleitfotos.

Buchstäblich anschaulich, übersichtlich und ein guter Mix von traditionellem und modernen Backen, reiht sich auch dieses Buch gelungen in das GU-Konzept ein und erfüllt vollstens die Erwartungen, die ich an es hatte.

 Christa Schmedes, Ann-Kathrin Weber, Corinna Schober,Sandra Schumann, Backen. Für jeden Anlass das perfekte Rezept

GU 2022, 25 Euro

9783833882876