Monday, December 27, 2021

Die Geschichte der Pasta

 Dass Luca Cesari mit seinem italienischen Erbe auch Liebe zur Pasta quasi in die Wiege gelegt wurde, versteht sich eigentlich von selbst. Dass er Pasta-Gerichte schätzt, ist jedenfalls zwischen den Zeilen seines Buchs klar zu erkennen. Doch "Die Geschichte der Pasta in zehn Gerichten" ist nicht das klassische Rezeptbuch und auch nicht das mit Familienanekdoten gespickte Kochbuch, mit dem viele Autoren ihre Bücher garnieren. Nein, Cesari nimmt die Herkunft der Pasta, der Saucen und der Zubereitungsformen ernst. Als Food-Historiker widmet er sich seinem Thema akribisch,

Ganz ehrlich: Ich hatte erwartet, dass es hier Pasta-Varationen mit ein bißchen historischem Hintergrund gibt, aber weit gefehlt! Cesari hat offensichtlich ganz genau nachgeforscht. Er folgt den historischen Spuren von Tagliatelle und Gnocci, von Pasta Bolognese und der einzig wahren Carbonara-Sauce durch die Jahrhunderte. So viele Variationen, doch welches ist das Original. Kulinarische Detektivarbeit wurde hier geleistet - wo liegen die Ursprünge eines Rezepts gibt es ein Ur-Rezept, und warum gibt es welche Abandlungen?

Nein, hier gibt es keine kunstvolle Food-Fotografie, hier stößt der Autor zu den Wurzeln vor. Das ist womöglich nur etwas für Koch- un Pasta-Aficionados, aber durchaus interessant zu lesen. Persönlich geht es mir beim Essen ja eher darum, dass es schmeckt, ich brauche da keine Meta-Ebene oder ideologisch-historischen Überbau. Es ist aber durchaus faszinierend, dass Cesari derart von seinem Thema begeistert ist, um sich in solchem Ausmaß über Nudeln auszulassen. Ach ja: Rezepte gibt es auch zu den zehn Gerichten. Das muss einfach sein.

Luca Cesari, Die Geschichte der Pasta in zehn Gerichten

Harper Collins, 2021

296 Seiten, 20 Euro

 9783749951345

Monday, July 12, 2021

Das Gemüse lebt - Magic Fermentation

 Seit Kimchi ein It-Gericht ist haben auch die Hipster Uromas Methoden des Einweckens und Fermentierens wieder entdeckt. Klares Beispiel dafür - neben gefühlt unzähligen Blogs zum gleichen Thema - ist "Magic Fermentation" von Marcel Kruse und Geru Pulsinger. Die beiden entsprechen nicht nur dem Hipster-Klischee (Bart - check, Tatttoos - check, Klamotten - check - social media-affine Präsentation - check). Auch Kimchi spielt eine tragende Rolle. In vielerlei Gestalt. Etwa farblich akzentuiert mit roter Beete (noch so ein It-Gemüse, dem ich leider gar nichts abgewinnen kann, aller gesundheitlichen Argumente und polnischer Gene zum Trotz) und Kurkuma. Golden Chi! das wird der It-Faktor quasi multipliziert!

Und natürlich wird nicht nur einfach nur eingelegt, eingekocht usw, nein, die Fermentista-Ninjas sind am Werk.  Will auch ich zum Gärgemüse-Flüsterer werden, wie es das Buch verspricht? Immerhin, meinen Joghurt mache ich schon sellbst. Das Buch will mich in die Lage versetzen, mich auch zu den Höhen von selbstgemachtem Frischkäse und Mozarella aufzuschwingen. Da bin ich schon mal sehr dafür.

Auch Kefir und selbstgemachter Essig sind dabei, Kimchi sowieso und jede Menge Obst und Gemüse, von dem ich bisher gar nicht wusste, dass man es fermentieren kann. Die Autoren lassen teilhaben an ihren Experimenten  - und verschweigen dabei auch nicht ihre Misserfolge, das ist sympathisch. Denn es kann so einiges schief gehen bnei falschen Temperaturen oder mangelnder Hygiene, wenn Schimmelbefall die propmte Strafe für das arme Fermentiergemüpse ist, das ja gar nichts dazu kann. 

Mit mehr als 150 Rezepten müsste eigentlich für jeden was dabei sein. Allerdings - der Platzmangel in Küche und Wohung dürfte meinem Weg zur Fermentier-Ninja im Wege stehen. Dabei macht sauer doch bekanntlich lustig! 

Für Leser mit entsprechend großer Küche hingegen gibnt es die Theorie, die Basics, die Exoten und Rezeptvorschläge. Also schnippeln, kneten, einlegen und warten, bis die Milchbakterien und Co ihren Job erledigt haben!


Marcel Kruse, Geru Pulsinger. Magic Fermentation

Löwenzahn Verlag, 2021

304 Seiten, 29 Euro

978-3-7066-2686-6

Thursday, June 24, 2021

Die Apotheke in Wald und Wiese

 Waldmeister kann mehr als Bowle und Brombeeren tun nicht nur als Marmelade gut - das ist eine, aber bei weitem nicht die einzige Einsicht nach der Lektüre von Katrin und Heinze Heckers Buch "Naturverbunden". Der Untertitel verrät, worum es geht: Entdecke Pflanzen, die die gut tun. Klar, einige Hausmittel mit Kräutern und Wildpflanzen kennt wohl jeder aus den Rezepten der Oma. Kamille bei Entzündungen oder angeschlagenem Magen, Arnika bei Prellungen, Pfefferminze bei Kopfschmerzen. Die beiden Autoren stellen Pflanzen aus Wald, Wiesen und Gewässern vor, reich bebildert und mit Fotos (es handelt sich schließlich um Naturfotografen), die dem Laien helfen, in der Natur auf Suche nach den nachwachsenden Rohstoffen der grünen Apotheke zu gehen. 

Es gibt Hinweise zu Tinkturen,  Tees und Ölen, zu Wirkstoffen und Anwendung und - ganz wichtig - wo man die jeweilige Pflanze am besten findet. Und auch Hinweise zum richtigen Sammeln gibt es. Zumeinen: Nur das Sammeln, was man kennt, um Verwechslungen mit womöglich giftigen Doppelgängern auszuschließen. Das sollte man nicht nur beim Pilzsammeln berücksichtigen. In Fällen, wo es bei einer Verwechslung zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen kann, gibt es auch weitere Hinweise und Vergleichsbilder.

Klar sollte auch sein: Kräutersammeln darf nicht zu Kahlschlag führen. Dass Strecken, auf denen auch Hunde Gassi geführt werden, tunlichst gemieden werden sollten, versteht sich ja wohl von selbst. Holundertee gegen Kälte, Johanniskraut für die Nerven oder Löwenzahn für den Stoffwechsel - das Wohlbefinden und die Gesundheit können auf buchstäblich natürliche Weise gestärkt werden.

Nützlich, informativ und verständlich geschrieben wird dieses Buch jetzt sicher öfter bei mir zur Anwendung kommen und bei der nächsten Wandertour kann es gut sein, dass ich das angelesene Wissen demnächst in die Praxis umsetze. Mit 40 beschriebenen Pflanzen ist das Buch zudem übersichtlich und überfrachtet beim Erkennen von Wild- und Heilpflanzen nicht. Die Oma würde beifällig nicken.


Katrin und Frank Hecker, Naturverbunden. Entdecke die Pflanzen, die dir gut tun

Kosmos 2021

ca 160 Seiten, 20 Euro

978-3-440-16876-9

Tuesday, May 11, 2021

Einmal Döner vegan...?

 Für überzeugte Carnivoren bricht bei der Vorstellung wohl eine der letzten Bastionen: Döner jetzt auch vegan? Zusammen mit veganer Currywurst ist das für sie dann wohl der endgültige Zusammenbruch der Fast-Food-Kultur. Mit ihrem Buch "Orient trifft vegan" zeigt die Foodbloggerin und Autorin Serayi vegane Alternativen zur Küche des nahen Ostens und des östlichen Mittelmeerraums, wobei sie keine Grenzen zwischen libanesisch, türkisch, israelisch-palästinensisch, persisch usw zieht.

Die Autorin hat nach eigenen Angaben den Schritt zum veganen Leben vollzogen und seitdem fleißig experimentiert, um Geschmack auch ohne totes Tier zu ermöglichen. Nun ist der Vorteil der orientalischen Küche ja, dass es gerade im Bereich Mezze viele leckere Gerichte gibt, für die kein Tier sein Leben lassen musste. Statt dessen: Gemüse, Linsen, Kichererbsen - beste Voraussetzungen für Veganer. Beim veganen Döner, Börek oder Lahmacun natürlich gelten andere Herausforderungen.... Immerhin, mit Lahmacun mit Lauchpaste, Börek mit Linsen und Köfte auf Bulgurbasis gibt es eine Reihe von Alternativen, die auf dem Foto lecker und "original" aussehen. Im übrigen gilt bei der orientalichen Küche ja die Macht der Gewürze!

Klar, dass Falafel und Hummus in einem orientalischen Kochbuch nicht fehlen dürfen und auch ein buntes Couscous-Rezept in der Sammlung enthalten ist. Die Optik macht Lust aufs Ausprobieren, die Bilder der hennaverzierten Autorin in dekorativer Pose sind wohl der Tatsache geschuldet, dass sie auf Instagram startete, ehe sie unter die Kochbuchautorinnen ging.

Nachtisch, nun ja - der ist mir in der orientalischen Küche fast immer zu süß. Begeistert bin ich allerdings über das Rezept der Elmali pastane kurabiyesi, gefüllter Apfelhörnchen. Zwar warnt die Beschreibung, sie seien "schwer", aber aus der türkischen Bäckerei meines Vertrauens kenne ich die Apel-Nuss-Füllung innerhalb einer Teigkugel - das ist dann vielleicht einfacher als in Hörnchenform.

Da ich selbst zwar überwiegend vegetarisch lebe, Käse und Eier in meiner Küche aber nicht missen möchte, bin ich angesichts von "Schafskäse" auf Tofubasis naturgemäß ein bißchen skeptisch. Macht ja auch nichts - im Alltag werde ich sicherlich weiterhin an Schafskäse festhalten. Aber ich finde es toll, meiner veganen Kollegin nun auch die volle vegane Version anbieten zu können. Dieses Kochbuch wird bestimmt reichlich Anwendung finden!

Serayi, Orient trifft vegan

Grüner Sinn Verlag, 2021

204 Siten 24,99

978-3-946625-40-7

Thursday, May 6, 2021

Alles dosha? Heilsame Ernährung mit Ayurveda

 Beim Kochen und Essen gehe ich zwar oft und gerne Experimente ein aber ganz ehrlich, bei den Begriffen ayurvedisch und heilsam bin ich dann doch erst mal zurückgezuckt. Da dachte ich erst mal an Berichte von Kolleginnen über Detox-Kuren, bei denen der Tag mit Zungenschaben und Darmspülung begann. Klang irgendwie nicht so wie Urlaub, den ich meine.

Andererseits: ich liebe asiatische Küche und bin überzeugt, dass der ganzheitliche Ansatz traditioneller chinesischer Medizin, von Yoga  und ähnlichen Traditionen auf lange und erfolgreiche Erfahrung zurückblicken können. Und Gesundheit spielt für mich bei der Ernährung eine ganz wesentliche Rolle.

In "Heilsam kochen mit Ayurveda" haben sich mit dem Mediziner Dietrich Grönemeyer und dem Ernährungsberater Volker Mehl zwei Autoren zusammengetan, die auf Ganzheitlichkeit setzen. Zunächst einmal gibt es ordentlich Theorie: Die Doshas im Lauf der Jaheszeiten, die Bioprinzipien des Ayurveda, wo der Tag in sechs Zeitabschnitte eingeteilt wird, das Gleichgewicht von Vata, Pitta und Kapha im menschlichen Körper. Klingt erst mal kompliziert, ist aber durchaus nachvollziehbar. Dass je nach Tages- und Jahreszeit Allgemeinbefinden und Stoffwechsel ganz unterschiedlich sein können, hat schließlich jeder von uns schon gemerkt.

Die Auflistung verschiedener Lebensmittel nach ihren jeweiligen Vitalstoffen und ihrer Bedeutung für den Körper ist sicherlich allen vertraut, die sich schon mal mit "Superfoods" auseinandergesetzt haben oder der Frage, welche Lebensmittel etwa bei einer Ernährungsumstellung besonders gut für den Organismus sind. Überraschung: Auch unter ayurvedischen Gesichtspunkten kommt man bei Fenchel oder Heidelbeere, Hirse oder Spinat zu ähnlichen Ergebnissen.

Kohlenhydrate sind in diesem Buch kein no-go wie in manch anderem Ernährungsratgeber, Hirse, Dinkel, oder Gerste sind im Rezeptteil sowohl in süßer wie herzhafter Form vertreten. Einen Satz wie: Wir möchten Sie animieren, mit vielen Gewürzen zu experimentieren muss man mir auch nicht zweimal sagen. Geschmacksnerven zum Leuchten bringen? Aber hallo, da bin ich doch gerne dabei. Ungewohnt ist dagegen die Vorstellung, dass die erste Mahlzeit des Tages warm und leicht verdaulich sein soll. der Becher schwarzen Kaffees, an dem ich morgens nippe, ist damit offenbar nicht gemeint. Wobei die Aprikosen Kokos-Graupen mit gerösteten Graupen, das herzhafte Hirse-Kichererbsen Frühstück oder die Dattelpfannkuchen mit Birnen-Kokos-Kompott zwar deutlich aufwändiger klingen als alles, was ich mir so zum Frühstück mache, aber auch ausgesprochen lecker . Schon allein die Bilder der Gerichte machen Lust aufs Kochen und Schmecken.

Werde ich künftig ayurvedisch in den Tag starten? Der Morgenmuffel in mir ist da ein bißchen skeptisch. Aber die Gerichte, die ich schon ausprobiert habe, haben mich wirklich überzeugt. Die leichten Mittagessen sind auf jeden Fall etwas für mich, wie etwa der kross gebratene Blumenkohl mit karamelisierten Zwiebeln und Kräuterquark  - seeehr lecker! und auch das Curry-Zuckerschoten-Risotto trifft ganz meine Geschmackslinie. Oder, um ein Beispiel des leichten ayurvedischen Abendessens zu nehmen: Süßkartoffelstampf mit Spinat, Ziegenfeta, Radieschen und Pinienkernen.

Ich kann wirklich sagen, dass es kaum ein Rezept in diesem Buch gibt, bei dem ich keine Lust zum ausprobieren habe, mal abgesehen vom rote Bete-Süppchen usw. Sonst aber bin ich von den Möglichkeiten begeistert, für die auch nicht erst ein shopping-trip in ein Spezialitäten-Lebensmittelgeschäft nötig ist. Für mich steht fest, dass so manches davon auch bei mir auf den Tisch kommt. Möglicherweise nicht immer zu den Zeiten, die das Ayurvedaprinzip dafür vorsieht.


Dietrich Grönemeyer, Volker Mehl, Heilsam kochen mit Ayurveda

G+U, 2021

240 Seiten, 29,99

978-3-8338-7315-7

Wednesday, March 17, 2021

Der nächste Level - vegan backen

 Zugegeben, vegan war für mich lange Zeit kein Thema.  Ich bin Flexitarierin, koche die meiste Zeit fleischlos und vermisse da auch nichts. Aber Verzicht auf Eier und Käse? Auf Yoghurt und Quark? da habe  ich bei meinen persönlichen Ernährungsgewohnheiten stets die Reißleine gezogen. Pflanzenmilch habe ich zwar probiert, soviel Aufgeschlossenheit für Alternativen sollte schließlich sein - aber sie hat mich nicht überzeugt. Und ich hatte auch nicht das Gefühl, mit weniger hochverarbeiteten Lebensmitteln zu tun zu haben. Es gibt tolle Rezepte, die sind nicht nur vegetarisch, sondern auch vegan - aber ich hatte nicht das Gefühl, ich muss jetzt auf den veganen Hype aufspringen.

Aber was tun, wenn die Lieblingskollegin vegan lebt und obendrein eine Laktoseunverträglichkeit hat, mit mir allerdings die Lust auf Süßes teilt? Immer nur Reiswaffeln über den Schreibtisch zu reichen, ist ja auch nicht die Dauerlösung. Mit "Vegan backen" hoffte ich, Antworten auf die Fragen zu bekommen, wie ich auch ohne Eier was leckeres zum Geburtstag backen kann. Geht das überhaupt, oder erinnert das Ergebnis an die traurig aussehenden Resultate der Vollwertbäcker der 70-er Jahre?

Foodbloggerin Corinna Schober versichert: Es gibt heute so viele vegane Alternativen, da sei es gar nicht mehr problematisch,  "klassische" Kuchen und Kekse in veganer Version vorzubereiten. Das G+U Rezeptbüchlein ist mit 35 Rzepten eher übersichtlich - aber für jemanden wie mich auf der Suche nach einem Einstieg in die vegane Backstube ist das völlig ausreichend. Im Gegensatz, bei manchem Cupcake-Rezept dachte ich mir eher, ob das denn nicht viel zu süß und kalorienlastig sein dürfte.

Wie gewohnt mit apettitanregenden Fotos illustriert, gibt es vegane Varianten von Klassikern wie Marmorkuchen, Apfelkuchen oder Kipferl - damit kommt man schon mal durchs Back-Jahr. Kleine Küchlein für alle Gelegenheiten, wie Mango-Muffins, ein seeeehr lecker klingender Beeren-Rhabarber-Kuchen und etwas aufwändigere Kreationen wie eine Mango-Capucchino-Torte oder Kokos-Limetten-Torte sollten helfen, das Wiedersehen mit der Kollegin zu versüßen, wenn wir erst mal wieder die Homeoffice-Zeit beenden. Bis dahin heißt es ausprobieren und verkosten.  Und dank Corinna Schobers Warenkunde und Erläuterungen zu veganen Alternativen wage ich mich vielleicht im Laufe der Zeit an eigene Kreationen heran. Als Einstieg in den nächsten veganen Level jedenfalls sehr gut geeignet.


Corinna Schober, Vegan Backen

G+U, 2021

64  Seiten, 11,99 Euro

978-3-8338-7813-8

Saturday, February 27, 2021

Vorbereitung ist alles: Meal Prep

 "Be prepared" lautet ja schon das Motto der Pfadfinder (und der jungen Pioniere). In der Küche ist das auch von Vorteil, wie Listen führende Hausfrauen wissen, die schon am Wochenende die Mahlzeiten für die nächste Woche durchgeplant haben. Wer es nicht ganz so durchorganisiert braucht, kann in Lena Merz´Buch "Meal Prep" immerhin ein paar Alltagshacks erlernen, die morgens ein paar Minuten mehr Schlaf erlauben, weil das Frühstück schon weitgehend vorbereitet ist. Oder mittags eine Mini-Sporteinheit oder einen Spaziergang einlegen zu können, weil die Mahlzeit gleich griffbereit oder "to go" ist - das ist doch eine win-win-situation. Vor allem, da es hier heißt: einmal zubereiten, vier mal essen. Also dreimal die Zeit fürs Kochen anders nutzen - doch, das hat was.

Darunter sind in dem bei G+U erschienenen Buch Klassiker wie overnight oats oder ein Overnight Bircher Müsli - das habe ich tatsächlich schon ab und an in meinen Alltag integriert, auch wenn ich mehr der "Morgens brauch ich einen schwarzen Kaffee"-Typ bin. Aber manchmal zeichnet sich halt doch ab, dass es ein langer Tag ohne (Essens)-Pause wird - und dann tut eine Unterlage gut. Nicht nur morgens, sondern auch als Snack oder Zwischenmahlzeit dürfte das Maisbrot mit Feta schmecken. Und auch Falafel mit Couscoussalat sind sowohl im Home Office als auch unterwegs ein leckerer Lunch. Neugierig bin ich auch schon auf die Rotokohl-Quesadillas mit Tomatensalsa - das klingt ganz nach einer Mahlzeit, die jetzt im Frühjahr den Winterpfunden zu Leibe rücken könnte.

Einige der Rezepte überraschen mit Kombinantionen, auf die ich nicht gleich gekommen wäre - ein Paprikadip mit weißen Bohnen etwa oder Wirsinglasagne mit Garnelen. Wie üblich, steigt auch angesichts der Fotos der Appetit und die Lust, hier mal was Neues auszuprobieren - und in der durch  Vorratsvorbereitung gewonnenden Zeit lässt sich schon wieder in der Rezeptsammlung schmökern.


Lena Merz, Prep Meal

G+U, 2021

64 Seiten, 11.99 

Saturday, February 13, 2021

Es wird ja auch wieder wärmer: Campingküche mit fünf Zutaten

 Camping???? Bei den derzeitigen Frostgraden kein besonders einladender Gedanke. Aber wir sind ja nur noch gut zwei Wochen vom meteorologischen Frühlingsanfang entfernt. Und da niemand sagen kann, wie lange Reisebeschränkungen, geschlossene Hotels oder gar Grenzschließungen noch zu unserer Realität gehören, ist Camping eine gute Sache - autark unterwegs, mit Abstand. Für alle, die bei der Verpflegung andere Ansprüche haben als eine Dose Ravioli zu öffnen oder ein paar Würstchen auf den Grill zu schmeißen, hat Somja Stötzel "Campingküche mit fünf Zutaten" geschrieben.

Ob mit Zelt unterwegs oder im Glamping-Wohnmobil - Platz ist beim Camping bekanntlich immer ein wichtiges Argument, bzw der Mangel an Platz. Dem kommt nicht nur das kompakte Buch mit übersichtlichen 64 Seiten entgegen, sondern auch die Beschränkung auf fünf Zutaten und Rezepte, die auch auf der Gasflamme des Campingkochers gelingen.

Aufgeteilt ist das wie üblich appetitanregend fotografierte Buch in die Kapitel kalte Gerichte, Kochen mit Flamme sowie Snacks und Süßes, ergänzt mit einigen Tipps und Hacks zur Campingküche und dem platzsparenden Verpacken von Gewürzen und anderen Essentials - sicher gerade für Neucamper nützlich.

Dass es auch auf dem Campingplatz nicht einfachst zugehen muss (wie eben mit den kalt gelöffelten Ravioli),dafür stehen beispielsweise ein lauwarmer Möhrensalat oder der orientalisch anmutende Kichererbsen-Tomatensalat. Ziemlich exotische Variante mit womöglich selbst gesammeltem Speiseanteil: Bulgursalat mit Heidelbeeren. Zwischen Rucola und Mais, angemacht mit Olivenöl, hätte ich die blauen Beeren jetzt erst mal nicht vermutet. Das Bauernbrot mit Ziegenfrischkäse und Feige klingt auch für indoors-Aufenthalte super lecker.

Durchaus mediterran lässt sich auch auf der Flamme kochen - Spinat Risotto etwa. Pfannen-Flammkuchen stehen für die Kunst der Improvisation. Und bei der Kartoffelpfanne kann nur Cowboy- und Präriestimmung aufkommen, vor allem wenn man ums Lagerfeuer kauert und direkt aus der Pfanne isst (und nebenher den Abwasch klein hält!)

Sonja Stötzel, Campingküche mit fünf Zutaten,

G+U, 2021

64 Seiten, 9,99

978-3-8338-7847-3

Friday, February 12, 2021

Wenig Zutaten, wenig Aufwand - vegetarisch mit fünf Zutaten

 Mal ganz ehrlich: Nicht immer hat man Zeit und Lust, aufwändig zu kochen. Oder es hat einfach nicht mit dem Einkauf geklappt, weil mal wieder irgendwas dazwischen kam. Was steht noch im Vorratsschrank? Für solche Situationen mit wenig Zeit und überschaubaren Zutaten hat Martina Kittler wohl auch  "Vegetarisch kochen mit fünf Zutaten" geschrieben.

Der Kochratgeber von G+U kann mit der bewährten Mischung aus klarer Rezept-Ansage und appetitanregenden Fotos trumpfen. Mit 64 Seiten handelt es sich um ein eher schmales Büchlein, das ich deshalb auch mehr als Rat in Krisenfällen sehen würde, wenn es wirklich schnell und mit eher wenig gehen soll. 

Unterteilt sind die Kapitel in Kleine Gericht, one pot meals (noch mehr Ersparnis, diesmal beim Abwasch - da bin ich immer dafür!), Gerichte aus dem Ofen sowie Süßes.

Gleich am Anfang bin ich auf zwei Salate gestoßen, die bestimmt in nächster Zeit ausprobiert werden (bei den momentanen Temperaturen   sollte es schon was Warmes sein) - den Fenchel-Orangen-Salat und den Pilz-Feldsalat mit Paprika, die zeigen, es braucht gar nicht so viel, um trotzdem für interessante Geschmackskontraste zu sorgen. Für Kohlrabi, die ich gerne als Gemüse oder Rohkost verputze, gibt es hier ein Suppenrezept - da kam auch gleich auf die to do-Liste.

Sicherlich auch familienfreundlich ist die scharfe Paprika-Pasta und auch die Gemüsepfanne mit Mozarella verspricht, ein wenig mediterrane Aromen in den kalten deutschen Winter zu bringen. Eine Kombination von Süden und Herbst wäre hingegen der Ofen-Feta auf Kürbisgemüse. Und kommt erst mal die Spargelsaison, ist es sicherlich Zeit für das Spargelgratin mit Walnüssen.

Für Süßmäuler ist meine persönliche Empfehlung der Sauerkirsch-Mohn-Crumble. Nur fünf Zutaten? Passt schon!

Martina Kittler, Vegetarisch kochen mit fünf Zutaten

G+U, 2021

64 Seiten, 9,99 Euro


 

 

Friday, February 5, 2021

Fettstoffwechsel ankurbeln - aber wie?

 Diesmal nicht (ausschließlich) Rezepte, sondern vor allem Gesundheit und Ernährungswissenschaft: Mit "Die geheime Kraft des Fettstoffwechsels" hat die Medizinerin Marion Kiechle mit ihrer Co-Autorin Julie Gorkow ein Thema in den Mittelpunkt gerückt, mit dem sich wohl viele beschäftigen, wenn mit zunehmendem Lebensalter der Zeiger der Waage unerbittlich weiter nach oben schnellt. Es ist ja auch so unfair! Mittlerweile älter und vernünftiger geworden, hat man Junk Food schon lange eine Absage erteilt, ernährt sich bewusst und möglichst gesund - und trotzdem sind sie da, die ungeliebten Polster an Bauch oder Hüften. Der Stoffwechsel wird mit zunehmendem Alter eben langsamer, der Grundumsatz sinkt. Warum das so ist, wird auch in diesem Buch geschildert, das sich mit Gesundheitsmythen befasst, mit den Bestandteilen von Ernährung und ihrer jeweiligen Wirkung für den Köper.

Wunder können auch die Autorinnen nicht versprechen, und vor Crash-Diäten warnen sie, jedenfalls, wenn das Ziel eine andauernde körperliche Veränderung ist.   Ist ja auch logisch: Man muss schon an einigen Stellschrauben drehen, um nicht nur kurzfristig, sondern dauerhaft den Stoffwechsel anzukurbeln. Und dass regelmäßige Bewegung nicht nur Kalorien verbrennt, sondern auch der allgemeinen Gesundheit und dem Herz-Kreislauf-System gut tut, dürfte ebenfalls klar sein. Dass der Weg zu einer besseren Ernährung nicht notwendigerweise auch der Weg zur Traumfigur oder der einstigen Kleidergröße ist, das lässt sich vor allem für diejenigen Leserinnen erahnen, die schon jenseits der Wechseljahre sind. Dass das plötzlich durch die hormonellen Veränderungen und den langsameren Stoffwechsel an den Problemzonen angewachsene Fett sehr hartnäckig ist, will schließlich keine gerne lesen. Ansonsten: der Weg ist das Ziel.

Mit teils vegetarischen, teils auch veganen Rezepten führen die Autorinnen  nach dem theoretischen Teil in zwei Booster-Wochen, die den Anfang zum Stoffwechselturbo nicht nur leicht, sondern auch lecker machen sollen. Ofengemüse mit Basilikumquark etwa oder Auberginen-Lasagne mit Tomaten-Linsen. Das klingt definitiv ausprobierenswert, ebenso die Quinoa-Bowl mit Frischkäse und Lupinen - so was schmeckt nicht nur im Home-Office, sondern kann auch gut als tragbarer Lunch ins Büro mitgenommen werden, wenn das erst mal wieder möglich ist.

Wer es lieber süß mag - Apfelquark mit Walnuss verspricht einen guten Start in den Tag, ebenso Quark-Pancakes mit Heidelbeeren, die ich jetzt so bald wie möglich ausprobieren will. Sogar süße Desserts gibt es in den Booster-Wochen. Es geht also auch ohne übermäßigen Verzicht.


Marion Kiechle, Julie Gorkow, Die geheime Kraft des Fettstoffwechsels,

G+U, 2021,

240 Seiten, 26 Euro

978-3-8338-7811-4

Wednesday, January 6, 2021

Gesünder ohne Zwänge - Essen gut, alles gut

 Der Buchtitel klingt versöhnlich in einer Zeit, in der Festtage und Weihnachtsplätzchen leicht für zusätzliches Hüftgold sorgen: Essen gut, alles gut. Nun ist, wie die Ernährungswissenschaftlerin und Autorin Heike Niemeier natürlich weiß und in ihrem Buch erklärt, nicht jedes Essen gleich gut oder gesund für uns. Trotzdem bringt sie es fertig, in ihrem launig geschriebenen Ernährungsratgeber Tipps und Ratschläge zu einer Ernährungsweise an den Mann und an die Frau zu bringen, die nicht durch Zwänge oder fanatische Verbote geprägt sind. Der freie Wille, er zählt auch beim Kampf gegen Pfunde, Fettleber oder metabolisches Syndrom. 

Mit ihrem Buch gibt Niemeier dem Leser einen Leitfaden an die Hand, wie man es angehen kann- wichtig ist, was mit dem eigenen Lebensrythmus, Essensvorlieben, Arbeitstag usw  vereinbar und machbar ist. Insgesamt eine motivierende und informative Lektüre für alle, die nicht nur mit Beginn des neuen Jahres ihren Ernährungs-Lifestyle angehen wollen.

Vielleicht trägt zu ja dem relativ verbotsfreien Ton des Buches bei, dass Niemeier nach eigenen Angaben eine "gute Esserin"ist. Allerdings auch ausgesprochen sportlich, Marathonläuferin im Ruhestand - da dürften sich Fettpölsterchen schwer festsetzen. Angenehm ist auch die Bemühung, auf body positivity oder neutrality zu setzen. Sprich: Mit der Ernährungsumstellung sollte es vor allem darum gehen, der eigenen Gesundheit etwas Gutes zu tun und den Körper fit gegen Krankheiten zu halten. Es geht nicht darum, einem bestimmten Schönheitsideal nachzujagen - das könnte eher zu Dauerfrust führen, denn wir haben nun mal nicht alle die Konstitution und die Gene  eines Fitnessmodels. Und überhaupt, Schönheit gibt es in vielerlei Formen, nicht nur im xxs-Kleiderformat.

Die Zahl von Rezepten ist in "Essen gut, alles gut" überschaubar gehalten. Vor allem wird in kurzen Kapiteln bausatzmäßig und mit Verweis auf andere Abschnitte erklärt, welche Bestandteile der Nahrung wie auf Körper und Stoffwechsel wirken, welche Stoffe unbedingt gebraucht werden, welche sparsam zugeführt werden sollten. Niemeier setzt dabei auf low carb, vermeidet aber das Wort Diät und will Kohlenhydrate auch nicht grundsätzlich verteufeln. Es kommt eben aufs Detail an, bzw auf die gesamte Zusammensetzung des Essens.

Mitunter dachte ich beim Lesen, hier hat die Autorin gegenüber dem zögernden Moppel vielleicht doch ein bißchen zu sehr den Schongang eingelegt. Von wegen, Kalorien zählen ist eher kontraproduktiv? Ist ja eigentlich klar, dass man nicht abnimmt, wenn man nicht weniger zu sich nimmt beziehungsweise mehr verbrennt als üblich. Auch wenn es natürlich schon ein schöner Gedanke ist, allein mit einem anderen Ernährungsmix den Stoffwechsel wieder mehr auf Trab zu bringen und die Fettzellen schrumpfen zu lassen. 

Auch mit einigen Ernährungsmythen räumt Niemeier aus ernährungswissenschaftlicher Sicht aus - etwa, dass Eier den Cholesterinspiegel in die Höhe treiben, ja dass Cholesterin insgesamt zu verteufeln sei. Allerdings sind ihrer Darstellung auch Smoothies nicht so gesund, wie gedacht, sondern ziemliche Zuckerfallen. Und der große Teller Pasta sollte vielleicht wirklich nur die Belohnung nach einer intensiven Sporteinheit sein. Genuss will eben verdient werden. Dann gilt auch: Essen gut, alles gut,


Heike Niemeier, Essen gut, alles gut

Kiepenheuer und Witsch, 2020

368 Seiten, 16 Euro

978-3-462-05432-3