Eigentlich müsste man beim Lesen eine Fado-CD einlegen. Zum einen natürlich, weil "Kochen wie in Portugal" Erinnerungen an Saudade, gekachelte Häuser, Korkeichen und Atlantikstrände weckt. Zum anderen, weil es außer den Fotos der Gerichte auch eine ganze Reihe von Bildern gibt, die Erinnerungen und Fernweh wecken. Also in Corona-Zeiten eigentlich genau die melancholische Stimmung, die auch Fado ausdrückt. Kochen mit "Saudade" - wobei es schwer fällt, bei diesen Rezepten traurig aufzuseufzen.
Autor Antonio Bras ist eigentlich Medienkünstler - aber mit Essen und Trinken kann er sich offenbar begeistern. Das darf auch gerne scharf sein - Piri-Piri-Sauce ist nicht nur in einer Reihe von Rezepten vertreten, es gibt auch ein eigenes Rezept dafür. Und klar, dass in einem Portugal-Kochbuch Kabeljau - natürlich auch als Stockfisch - nicht fehlen darf.
Auch sonst spielen Zutaten aus dem Meer eine wichtige Rolle. Garnelen im pikanten Weißweinsud etwa - damit lassen sich sowohl Gäste bewirten als auch ein romantischer Abend einleiten. Auch der Oktopussalat klingt ausgesprochen lecker. Ehrensache, das Sardinen nicht fehlen dürfen - hier gebraten mit einer Kräuter-Öl-Sauce. Und Fisch satt verspricht der Lissabonner Fischtopf.
Eher an eine Salsa als an eine Suppe erinnert das portugiesische Gazpacho "Arjamolho" - da kann der nächste Sommer gar nicht schnell genug kommen. Vegetarier/Veganer dürften auch bei Bohnenklößchen in Tomaten-Kokos-Süppchen auf ihre Kosten kommen, bei der ganz offensichtlich das portugiesische Kolonialerbe kulinarisch eine Rolle spielt - doch ob die Einflüsse aus Brasilien oder beispielsweise Mocambique kommen, wird nicht verraten.
Wer sich schon einmal durch portugiesische Bäckereien gefuttert hat, weiß: Süße Teigteilchen werden in Portugal sehr ernst genommen, und jede Region hat ihre Spezialitäten. Für süße Nachtische gibt es daher ein Extra-Kapitel, bei dem auch die berühmten pasteis de nata nicht fehlen dürfen. Ob der Selbstversuch wohl jemals an die Blätterteigtörtchen heranreicht, für die die Menschen vor der berühmten Konditorei in Belem so unermüdlich Schlange stehen?
Antonio Bras, Kochen wie in Portugal
G + U, 2020
144 seiten, 17,99
978-3-8338-7597-7
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