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Wednesday, March 18, 2026

Mehr Rezepte für den Airfryer

 Vielseitiges aus der Heißluftfritteuse - das finde ich immer spannend, auch wenn ich weniger davon überzeugt bin, dass der Airfryer eine hundertprozentige Alternative zum Herd für eine komplette Mahlzeit ist. Da bräuchte es, wenn nicht gerade one pot, vermutlich noch ein Zweitgerät.

Aber von diesen Zweifeln abgesehen, bin ich immer interessiert am Entdecken neuer Airfryer-Rezepte und war entsprechend neugierig auf Inga Pfannebeckers "Lieblingsrezepte aus deinem Airfryer - High Protein". Einiges sah recht vertraut aus und erinnerte an die Vorgängerbände der Reihe, für manches würde ich nicht unbedingt den Airfryer auf die Küchenplatte hieven, etwa für ein Sandwich oder Pannini. Trotzdem gab es auch hier wieder nette Anregungen, unterteilt in die Kategorien kleine Gerichte, Fleischiges, Fisch und Meeresfrüchte, Vegetarisches und Süßes.

Eine ganze Reihe der vorgestellten Gerichte lassen sich ebensogut in der Pfanne oder im Ofen zubereiten, etwa die Frittata mit Chorizo oder Summer Rolls mit Kokoshähnchen. Aber am Airfryer schätze ich dann doch sehr, dass Fettspritzer und Geruch deutlich geringer bleiben.

Unter den Hauptmahlzeiten des Buchs lockten mich unter anderem Tandoori-Chicken mit Blumenkohl und Spinat-Lachs-Pfannkuchen, bei den vegetarischen Gerichten die Ratatouille-Shakshuka und Spitzkohl mit Halloumistreuseln. Unter den Nachtisch-Vorschlägen werde ich mir gerne Skyr mit Gewürzpflaumen oder Beeren Crumble schmecken lassen. Insgesamt eine solide, wenn auch nicht sonderlich raffinierte Sammlung.


Inga Pfannebecker, Lieblingsrezepte aus deinem Airfryer

GU 2026

25 Euro

9783833899836

Tuesday, May 11, 2021

Einmal Döner vegan...?

 Für überzeugte Carnivoren bricht bei der Vorstellung wohl eine der letzten Bastionen: Döner jetzt auch vegan? Zusammen mit veganer Currywurst ist das für sie dann wohl der endgültige Zusammenbruch der Fast-Food-Kultur. Mit ihrem Buch "Orient trifft vegan" zeigt die Foodbloggerin und Autorin Serayi vegane Alternativen zur Küche des nahen Ostens und des östlichen Mittelmeerraums, wobei sie keine Grenzen zwischen libanesisch, türkisch, israelisch-palästinensisch, persisch usw zieht.

Die Autorin hat nach eigenen Angaben den Schritt zum veganen Leben vollzogen und seitdem fleißig experimentiert, um Geschmack auch ohne totes Tier zu ermöglichen. Nun ist der Vorteil der orientalischen Küche ja, dass es gerade im Bereich Mezze viele leckere Gerichte gibt, für die kein Tier sein Leben lassen musste. Statt dessen: Gemüse, Linsen, Kichererbsen - beste Voraussetzungen für Veganer. Beim veganen Döner, Börek oder Lahmacun natürlich gelten andere Herausforderungen.... Immerhin, mit Lahmacun mit Lauchpaste, Börek mit Linsen und Köfte auf Bulgurbasis gibt es eine Reihe von Alternativen, die auf dem Foto lecker und "original" aussehen. Im übrigen gilt bei der orientalichen Küche ja die Macht der Gewürze!

Klar, dass Falafel und Hummus in einem orientalischen Kochbuch nicht fehlen dürfen und auch ein buntes Couscous-Rezept in der Sammlung enthalten ist. Die Optik macht Lust aufs Ausprobieren, die Bilder der hennaverzierten Autorin in dekorativer Pose sind wohl der Tatsache geschuldet, dass sie auf Instagram startete, ehe sie unter die Kochbuchautorinnen ging.

Nachtisch, nun ja - der ist mir in der orientalischen Küche fast immer zu süß. Begeistert bin ich allerdings über das Rezept der Elmali pastane kurabiyesi, gefüllter Apfelhörnchen. Zwar warnt die Beschreibung, sie seien "schwer", aber aus der türkischen Bäckerei meines Vertrauens kenne ich die Apel-Nuss-Füllung innerhalb einer Teigkugel - das ist dann vielleicht einfacher als in Hörnchenform.

Da ich selbst zwar überwiegend vegetarisch lebe, Käse und Eier in meiner Küche aber nicht missen möchte, bin ich angesichts von "Schafskäse" auf Tofubasis naturgemäß ein bißchen skeptisch. Macht ja auch nichts - im Alltag werde ich sicherlich weiterhin an Schafskäse festhalten. Aber ich finde es toll, meiner veganen Kollegin nun auch die volle vegane Version anbieten zu können. Dieses Kochbuch wird bestimmt reichlich Anwendung finden!

Serayi, Orient trifft vegan

Grüner Sinn Verlag, 2021

204 Siten 24,99

978-3-946625-40-7

Saturday, February 27, 2021

Vorbereitung ist alles: Meal Prep

 "Be prepared" lautet ja schon das Motto der Pfadfinder (und der jungen Pioniere). In der Küche ist das auch von Vorteil, wie Listen führende Hausfrauen wissen, die schon am Wochenende die Mahlzeiten für die nächste Woche durchgeplant haben. Wer es nicht ganz so durchorganisiert braucht, kann in Lena Merz´Buch "Meal Prep" immerhin ein paar Alltagshacks erlernen, die morgens ein paar Minuten mehr Schlaf erlauben, weil das Frühstück schon weitgehend vorbereitet ist. Oder mittags eine Mini-Sporteinheit oder einen Spaziergang einlegen zu können, weil die Mahlzeit gleich griffbereit oder "to go" ist - das ist doch eine win-win-situation. Vor allem, da es hier heißt: einmal zubereiten, vier mal essen. Also dreimal die Zeit fürs Kochen anders nutzen - doch, das hat was.

Darunter sind in dem bei G+U erschienenen Buch Klassiker wie overnight oats oder ein Overnight Bircher Müsli - das habe ich tatsächlich schon ab und an in meinen Alltag integriert, auch wenn ich mehr der "Morgens brauch ich einen schwarzen Kaffee"-Typ bin. Aber manchmal zeichnet sich halt doch ab, dass es ein langer Tag ohne (Essens)-Pause wird - und dann tut eine Unterlage gut. Nicht nur morgens, sondern auch als Snack oder Zwischenmahlzeit dürfte das Maisbrot mit Feta schmecken. Und auch Falafel mit Couscoussalat sind sowohl im Home Office als auch unterwegs ein leckerer Lunch. Neugierig bin ich auch schon auf die Rotokohl-Quesadillas mit Tomatensalsa - das klingt ganz nach einer Mahlzeit, die jetzt im Frühjahr den Winterpfunden zu Leibe rücken könnte.

Einige der Rezepte überraschen mit Kombinantionen, auf die ich nicht gleich gekommen wäre - ein Paprikadip mit weißen Bohnen etwa oder Wirsinglasagne mit Garnelen. Wie üblich, steigt auch angesichts der Fotos der Appetit und die Lust, hier mal was Neues auszuprobieren - und in der durch  Vorratsvorbereitung gewonnenden Zeit lässt sich schon wieder in der Rezeptsammlung schmökern.


Lena Merz, Prep Meal

G+U, 2021

64 Seiten, 11.99 

Saturday, February 13, 2021

Es wird ja auch wieder wärmer: Campingküche mit fünf Zutaten

 Camping???? Bei den derzeitigen Frostgraden kein besonders einladender Gedanke. Aber wir sind ja nur noch gut zwei Wochen vom meteorologischen Frühlingsanfang entfernt. Und da niemand sagen kann, wie lange Reisebeschränkungen, geschlossene Hotels oder gar Grenzschließungen noch zu unserer Realität gehören, ist Camping eine gute Sache - autark unterwegs, mit Abstand. Für alle, die bei der Verpflegung andere Ansprüche haben als eine Dose Ravioli zu öffnen oder ein paar Würstchen auf den Grill zu schmeißen, hat Somja Stötzel "Campingküche mit fünf Zutaten" geschrieben.

Ob mit Zelt unterwegs oder im Glamping-Wohnmobil - Platz ist beim Camping bekanntlich immer ein wichtiges Argument, bzw der Mangel an Platz. Dem kommt nicht nur das kompakte Buch mit übersichtlichen 64 Seiten entgegen, sondern auch die Beschränkung auf fünf Zutaten und Rezepte, die auch auf der Gasflamme des Campingkochers gelingen.

Aufgeteilt ist das wie üblich appetitanregend fotografierte Buch in die Kapitel kalte Gerichte, Kochen mit Flamme sowie Snacks und Süßes, ergänzt mit einigen Tipps und Hacks zur Campingküche und dem platzsparenden Verpacken von Gewürzen und anderen Essentials - sicher gerade für Neucamper nützlich.

Dass es auch auf dem Campingplatz nicht einfachst zugehen muss (wie eben mit den kalt gelöffelten Ravioli),dafür stehen beispielsweise ein lauwarmer Möhrensalat oder der orientalisch anmutende Kichererbsen-Tomatensalat. Ziemlich exotische Variante mit womöglich selbst gesammeltem Speiseanteil: Bulgursalat mit Heidelbeeren. Zwischen Rucola und Mais, angemacht mit Olivenöl, hätte ich die blauen Beeren jetzt erst mal nicht vermutet. Das Bauernbrot mit Ziegenfrischkäse und Feige klingt auch für indoors-Aufenthalte super lecker.

Durchaus mediterran lässt sich auch auf der Flamme kochen - Spinat Risotto etwa. Pfannen-Flammkuchen stehen für die Kunst der Improvisation. Und bei der Kartoffelpfanne kann nur Cowboy- und Präriestimmung aufkommen, vor allem wenn man ums Lagerfeuer kauert und direkt aus der Pfanne isst (und nebenher den Abwasch klein hält!)

Sonja Stötzel, Campingküche mit fünf Zutaten,

G+U, 2021

64 Seiten, 9,99

978-3-8338-7847-3

Friday, February 12, 2021

Wenig Zutaten, wenig Aufwand - vegetarisch mit fünf Zutaten

 Mal ganz ehrlich: Nicht immer hat man Zeit und Lust, aufwändig zu kochen. Oder es hat einfach nicht mit dem Einkauf geklappt, weil mal wieder irgendwas dazwischen kam. Was steht noch im Vorratsschrank? Für solche Situationen mit wenig Zeit und überschaubaren Zutaten hat Martina Kittler wohl auch  "Vegetarisch kochen mit fünf Zutaten" geschrieben.

Der Kochratgeber von G+U kann mit der bewährten Mischung aus klarer Rezept-Ansage und appetitanregenden Fotos trumpfen. Mit 64 Seiten handelt es sich um ein eher schmales Büchlein, das ich deshalb auch mehr als Rat in Krisenfällen sehen würde, wenn es wirklich schnell und mit eher wenig gehen soll. 

Unterteilt sind die Kapitel in Kleine Gericht, one pot meals (noch mehr Ersparnis, diesmal beim Abwasch - da bin ich immer dafür!), Gerichte aus dem Ofen sowie Süßes.

Gleich am Anfang bin ich auf zwei Salate gestoßen, die bestimmt in nächster Zeit ausprobiert werden (bei den momentanen Temperaturen   sollte es schon was Warmes sein) - den Fenchel-Orangen-Salat und den Pilz-Feldsalat mit Paprika, die zeigen, es braucht gar nicht so viel, um trotzdem für interessante Geschmackskontraste zu sorgen. Für Kohlrabi, die ich gerne als Gemüse oder Rohkost verputze, gibt es hier ein Suppenrezept - da kam auch gleich auf die to do-Liste.

Sicherlich auch familienfreundlich ist die scharfe Paprika-Pasta und auch die Gemüsepfanne mit Mozarella verspricht, ein wenig mediterrane Aromen in den kalten deutschen Winter zu bringen. Eine Kombination von Süden und Herbst wäre hingegen der Ofen-Feta auf Kürbisgemüse. Und kommt erst mal die Spargelsaison, ist es sicherlich Zeit für das Spargelgratin mit Walnüssen.

Für Süßmäuler ist meine persönliche Empfehlung der Sauerkirsch-Mohn-Crumble. Nur fünf Zutaten? Passt schon!

Martina Kittler, Vegetarisch kochen mit fünf Zutaten

G+U, 2021

64 Seiten, 9,99 Euro


 

 

Thursday, October 15, 2020

Fisch und noch mehr - Uri Buris Küchenphilosophie

 Ich muss gestehen, ich hatte vorher noch nie von Uri Buri gehört, der eigentlich mit bürgerlichem Namen Uri Jeremias heißt und DER Koch für Fisch und Meeresfrüchte in Israel sein soll.  Eine kurze Internetrecherche ergab jedenfalls überschwängliches Lob für den Mann, der mit seinem wallenden weißen Bart ein wenig an einen rundlich geratenen Gandalf erinnert. Mit einem silberglänzenden Fisch in den Händen wird der Mann mit den schelmischen Augen auch auf der  Titelseite von "Uri Buri - meine Küche" porträtiert.

Klar, dass es auf den fast 290 Seiten viel um Fisch geht - worauf man beim Kauf achten muss,wie man ihn optimal frisch hält, wie man ihn zubereitet und natürlich viele Rezepte. Zuerst aber steht der Menschen Uni im Vordergrund, seine Philosophie, sein Umgang mit Mitarbeitern und Gästen, seine Lebensfreude und sein positives Interesse an Menschen. Und schon einmal das macht dieses Buch zu einem Gewinn, denn - da kommt wieder die Parallele zu Gandalf - Uri strahlt Lebensweisheit aus. Die vielen Bilder von seinem Restaurant in Akko, von einer israelisch-arabischen Welt, die nicht von Konflikten, sondern von Nachbarschaft bestimmt wird zeigt jedenfalls: so kann es sein. 

Der zweite Buchteil befasst sich dann weniger mit den inneren Werten als mit dem kulinarischen Talent, der Küchenphilosophie und dem, was der bärtige Koch auf den Tisch bringt.  Ob gegrillt, gebacken, gedünstet - Fischrezepte sond natürlich reichtlich vertreten, zugleich wird dem Leser die Angst genommen, dass Fisch vielleicht doch ein bißchen heikel und kompliziert ist, jedenfalls, solange nicht einfach Fischstäbchen in eine Pfanne geknallt werden.

Nächste Überraschung: Das Buch enthält eine ganze Reihe spannend klingender Gerichte, die überhaupt keinen Fisch enthalten, sondern israelische oder mediterrane Klassiker sind, aber auch aus der aschkenasischen Tradition stammen. Auch wenn so manches nach Meer schmeckt, ist ein vielseitiger Mix von Rezepten zu finden, obendrein wunderschön und appettitanregend fotografiert. Da kommt einfach Lust zum ausprobieren und Nachkochen auf.


Uri Buri, Meine Küche

G + U, 2020

288 Seiten, 29 Euro

978-3-8338-7580-9

Saturday, October 10, 2020

Shalom und Hummus - Kochen wie in Israel

 Auch wenn beim Gedanken an die Restaurants von Tel Aviv sicherlich erst einmal Shakshuka, Hummus und Falafel auf der mentalen Speisekarte auftauchen - DIE israelische Küche ist schwet abzustecken angesichts der Vielzahl kulinarischer Traditionen. Denn Israel liegt zwar am Mittelmeer und teilt so manche kulinarische Vorliebe mit den Nachbarn - Hummus und Falafel mögen eines der einigenden Elemente über alle Teilungen undFeindschaften des Nahost-Konflikts hinweg sein - aber 2000 Jahre jüdischen Lebens in der Diaspora haben ihre Spuren hinterlassen, auch wenn es um die überlieferten Rezepte geht. 

Klar, die sephardische Tradition aus Nordafrika und der spanischen Halbinsel hat viele Gemeinsamkeiten mit der Mittelmeerküche und den Rezepten der Levante. Aber die aschkenasische Kochtraditon - Rugelach! Babka! Latkes! - ist geprägt vom Leben in Mittel- und Osteuropa, mit seinem anderen Klima, seinen anderen Lebensmitteln. Und auch wenn bei weitem nicht jeder Israeli koscher lebt und sich an die religiösen Speisege- und verbote hält, dürfte die Trennung von "milchig" und "fleischig" in der Kochtradition weiter eine gewisse Rolle spielen - und sei es nur mit vegetarischen Gerichten, die ja jenseits aller Religion voll im Trend liegen.

Mit "Kochen wie in Israel" hat die in Berlin lebende Israelin Stav Cohen einen Teil der Rezepte ihrer Oma aufgegriffen, stellt aber -zusammen mit Besuchtipps und mus-see-Orten in Israel die Trends der Food-Szene zwischen Tel Aviv und Jerusalem vor.

Gleich am Anfang kommt das, was für mich zum besten der Küche in der Region gehört, nämlich Mezze. Hummus darf da natürlich nicht fehlen, Gurke-Minze-Yoghurt, wie man ihn auch aus der türkisch-griechischen Küche kennt, Harissa wie aus Tunesien, Paprikacreme und Muhammara. All die leckern Dips und kleinen Salate eben, die sich mit einem Stück Pita-Brot (für das es ebenfalls ein Rezept gibt) so gut stippen lassen.

Und auch bei den Hauptgerichten muss Hummus nicht fehlen - etwa warmer Hummus mit Lamm. Dass es nicht immer nur Taboule sein muss, beweisen der Thunfisch mit Quinoa-Salat  oder der Röst-Couscous mit Garnelen. Und auch die vegetarischen Gerichte können sich sehen lassen, das satt machende Soul Food Mejadra oder die Latkes-Variante mit Petersilienwurzel - es muss eben nicht immer (nur) Kartoffel sein. Auch der Ofenkürbis mit Koriandersoße als herbstliche Bereicherung des Küchenplans klingt vielversprechend..

Abgerundet wird "Kochen wie in Israel" mit Desserts, bei denen mich vor allem die Mohn-Babka lockt. Das klingt doch wie von einer Galitzyaner oder Litvak-Bubbe übernommen und erinnert mich an ähnlich liebevoll gehütete polnische Familienrezept. 


Stav Cohen, Kochen wie in Israel

G+U, 2020

144 Seiten, 17,99

  978-3-8338-7082-8

Wednesday, October 7, 2020

Zeit für Kurkuma und Masala - "Kochen wie in Indien"

 Meine erste Begegnung mit der indischen Küche fand nicht an den Stränden von Goa, im Gewusel von Mumbai oder im Schatten des Taj Mahal statt. Im "Balti triangle"des englischen Birmingham dürfte sie aber ebenso authentisch gewesen sein, mit unspektakulären aber leckeren Restaurants zwischen Läden, die Saris und Stoffe, Ghee und damals noch sehr exotische Früchte verkauften und die meisten Menschen in den Restaurants hatten indische oder pakistanische Wurzeln. 

Es war kulinarische Liebe auf den ersten Biss, und deshalb freue ich mich immer, ein neues Kochbuch kennen zu lernen, dass mir neue Variationen der vielfältigen indischen Küche näher bringt. "Kochen wie in  Indien" von Robi Banerjee und Indrani Roychoudhury ist so ein Buch. Wie bei ähnlichen Büchern der von G+U publizierten Reihe darf ein bißchen Landeskunde nicht fehlen - die Top-five-Zutaten ebensowenig wie das, was man in Indien unbedingt sehen und erleben sollte. Klar, dass Kurkuma und Masala nicht fehlen dürfen.

Einige basics wie Chutney, Raita oder Naan zum Selbermachen werden vorgestellt, und auch sonst sind die Rezepte so zusammengestellt, dass die Zutatensuche zur zeitraubenden Recherche wird. Nicht nur in Großstädten mit internationaler Zusammensetzung sind Supermärkte hier ja mittlerweile gut aufgestellt, auch bei Gewürzen, die in der deutschen Küche eher nicht eingesetzt werden. 

In der kalten Jahreszeit tut scharfes Essen ja besonders gut, wärmt es doch nicht nur den Magen auf. Das Garnelen-Masala klingt da sehr vielversprechend für Gäste oder einen Verwöhn-Abend. Das im Backofen vor sich hin garende Auberginencurry dürfte ein gutes Gericht sein, wenn vor dem Essen noch einiges andere zu erledigen ist und auch das würzige Auberginenpüree als südasiatische Antwort auf mein geliebtes Baba ganoush wird demnächst sicher ausprobiert. Ein bißchen Crossover ist auch vertreten - etwa Kürbiscurry und Kidneybohnencurry, die ich beide nicht in einem indischen Kochbuch erwartet hätte. Oder, es muss schließlich nicht immer Reis sein, ein Hirse-Pilao, das ein etwas anderes Geschmachserlebnis verspricht.

Ergänzt ist auch dieses Buch mit farbenfrohen indischen Straßenszenen. Die dazugehörige Garküche muss man sich am heimischen Herd einfach dazu denken. Namaste!


 Robi Banerjee , Indrani Roychoudhury, Kochen wie in Indien

G+U, 2020

144 s. 14,99 Euro

 9783833876042


 

Friday, October 2, 2020

Atlantik auf dem Tisch - kochen mit saudade

 Eigentlich müsste man beim Lesen eine Fado-CD einlegen. Zum einen natürlich, weil "Kochen wie in Portugal" Erinnerungen an Saudade, gekachelte Häuser, Korkeichen und Atlantikstrände weckt. Zum anderen, weil es außer den Fotos der Gerichte auch eine ganze Reihe von Bildern gibt, die Erinnerungen und Fernweh wecken. Also in Corona-Zeiten eigentlich genau die melancholische Stimmung,  die auch Fado ausdrückt. Kochen mit "Saudade" - wobei es schwer fällt, bei diesen Rezepten traurig aufzuseufzen.

Autor Antonio Bras ist eigentlich Medienkünstler - aber mit Essen und Trinken kann er sich offenbar begeistern. Das darf auch gerne scharf sein - Piri-Piri-Sauce ist nicht nur in einer Reihe von Rezepten vertreten, es gibt auch ein eigenes Rezept dafür. Und klar, dass in einem Portugal-Kochbuch Kabeljau - natürlich auch als Stockfisch - nicht fehlen darf.

Auch sonst spielen Zutaten aus dem Meer eine wichtige Rolle. Garnelen im pikanten Weißweinsud etwa - damit lassen sich sowohl Gäste bewirten als auch ein romantischer Abend einleiten. Auch der Oktopussalat klingt ausgesprochen lecker. Ehrensache, das Sardinen nicht fehlen dürfen - hier gebraten  mit einer Kräuter-Öl-Sauce. Und Fisch satt verspricht der Lissabonner Fischtopf.

Eher an eine Salsa als an eine Suppe erinnert das portugiesische Gazpacho "Arjamolho" - da kann der nächste Sommer gar nicht schnell genug kommen.  Vegetarier/Veganer dürften auch bei Bohnenklößchen in Tomaten-Kokos-Süppchen auf ihre Kosten kommen, bei der ganz offensichtlich das portugiesische Kolonialerbe kulinarisch eine Rolle spielt - doch ob die Einflüsse aus Brasilien oder beispielsweise Mocambique kommen, wird nicht verraten. 

Wer sich schon einmal durch portugiesische Bäckereien gefuttert hat, weiß: Süße Teigteilchen werden in Portugal sehr ernst genommen, und jede Region hat ihre Spezialitäten. Für süße Nachtische gibt es daher ein Extra-Kapitel, bei dem auch die berühmten pasteis de nata nicht fehlen dürfen. Ob der Selbstversuch wohl jemals an die Blätterteigtörtchen heranreicht, für die die Menschen vor der berühmten Konditorei in Belem so unermüdlich Schlange stehen?


Antonio Bras, Kochen wie in Portugal

G + U, 2020

144 seiten, 17,99

978-3-8338-7597-7

Friday, September 11, 2020

Fusion rules! Veggie kann auch anders

Mit "Veggie kann auch anders" hat sich Kochbuchautorin Anne-Katrin Weber vorgenommen, nicht das x-te Rezept für Linsenbolognese zu präsentieren, sondern bekannte Gerichte in ungewöhnlichen Kombinationen aufzupeppen. Bei der Durchsicht der Rezepte finde ich: das ist ihr gut gelungen! In dieser Rezeptsammlung haben Fusion und crossover kochen klar die Nase vorn. Das gilt sowohl für die Verbindung von mediterranen und südostasiatischen Geschmacksrichtungen wie auch für ungewöhnliche Zutatenkombinationen.

Eine Art "Mauerfall im Kochtopf" strebte die Autorin an: "Traditionelle Rezepte aus den unterschiedlichsten Kulturen werden zerlegt, neu gemischt oder anders kombiniert. Die Zutaten und Aromen der Welt verschmelzen zu ganz neuen Gerichten. Und: Experimente sind nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht."

Und gerade mit frischen Kräutern wird aufgetrumpft. Zum Beispiel beim Puy-Linsensalat mit Pimentos de Padrón, in dem außer den spanischen Pimentos Koriander und Sesam Akzente setzen. Oder: Zitrusfrischer Rosenkohlsalat mit Nussdressing - das verspricht ein ganz neues Geschmackserlebnis. Das gilt auch für den Quinoa-Röstgemüsesalat, in dem Zitronengras und Kakonibs eine unerwartete Verbindung eingehen. Die scharfe Ofentomatensuppe mit Harissa ist ganz klar eine Kandidatin für kalte Herbst- und Winterabende, auch das Zitronenrisotto mit Kardamon-Möhren oder die Backofen-Kürbisfritten mit Chermoula-Mayo sind meine heißen Kandidaten aus dieser Rezeptsammlung für kühlere Tage. Der Herbst kann kommen!

Die 75 Gerichte in diesem Buch machen nicht nur neugierig, sie regen auch die eigene Experimentierbereitschaft an. Langweilig kocht anders.

Anne-Katrin Weber,  Veggie kann auch anders
G + U, 2020
192 Seiten,  19,99
 978-3-8338-7571-7

Wednesday, September 2, 2020

Vegetarisch in den Feierabend

Wer geschafft von einem langen Arbeitstag nach Hause kommt (oder in Corona-Zeiten irgendwann im Homeoffice den Rechner runterfährt), will meist nicht mehr viel Zeit mit Essensvorbereitungen verbringen. Der Feierabend wartet, der Magen knurrt, und es gibt schöneren Zeitvertreib als aufwändiges Kochen - sei es ein gemütlicher Fernsehabend oder eine Lesestunde. Und wer vorher noch eine Sporteinheit eingelegt haben sollte, will erst recht was essen.

Für diejenigen, die dabei nicht an ein Wurst- oder Schinkenbrot denken, hat Susanne Bodensteiner das Buch "Feierabendfood vegetarisch" geschrieben. Verglichen mit anderen der G+U-Reihe ist es mit 70 Rezepten eher überschaubar (vielleicht erscheint mir das auch doppelt, da derzeit "Vegan" aus der Goldenen Reihe des Verlags einen gewichtigen Teil meiner Food-Lektüre stellt). 

Dennoch ist es nicht so, dass man hier nicht fündig wird. Ob Salate, Suppen oder (mein persönliches Lieblinskapitel) Soulfood für  den Feierabend - die Rezepte versprechen Abwechslung, leichte Kost und schnelle Zubereitung mit Zutaten, die nicht aufwändig zu besorgen sind. Pilzgulasch mit Schupfnudeln ist zum Beispiel ein Gericht aus dem Souldfood-Kapitel, das mich mit Gedanken an einen nasskalten Herbstabend anlacht. Oder Kürbis-Paprika-Curry, mit den der saisonale Herbstklassiker mal etwas anders aufgepeppt wird. Deftig, aber fleischlos ist der Linsensalat  mit Paprika sicher ein Gericht, der sicher auch als Mitnahme-Lunch gut geeignet ist, wenn Reste übrig bleiben. Überhaupt sind die Gerichte variabel  - der Frühstücksklassiker Shakshuka etwa wird auch als Abendessen vorgeschlagen. und die Kichererbsensuppe mit Harissa-Öl dürfte zu jeder Tages- und Nachtzeit wärmen!

Wie üblich, gibt es in den Zwischenkapiteln nützliche Tipps, manche schon aus anderen Büchern bekannt, aber es gibt ja stets Erstleser. Etwa wenn es darum geht, was an Vorräten vorhanden sein sollte, um schnell was auf den Tisch zu zaubern, wie sich leicht variieren lässt - in diesem Fall auch, wie sich aus einem vegetarischen ein verganes Gericht machen lässt.

Da es am Feierabend nicht nur um Essen und Relaxen gehen soll, gibt es auch gesunde Snack-Vorschläge und Ideen, auch ohne Fitness-Studio während des Feierabends beweglichzu bleiben und in Bewegung.

Susanne Bodensteiner, Feierabendfood vegetarisch. 70 Rezepte zum Runterkommen
G+U, 2020
160 Seiten. 19,99
 978-3-8338-7556-4