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Tuesday, July 21, 2026

Beim Kochen der Leber Gutes tun - kulinarisches Detox

 Nicht nur die Liebe geht durch den Magen, sondern auch die Gesundheit. Dass die Ernährung an sich großen Einfluss auf den allgemeinen Gesundheitszustand haben kann, ist ja nicht neu. In der Medical Cuisine-Reihe bei G+U stellt der Sportmediziner Matthias Riedl aber immer wieder diese Zusammenhänge ganz gezielt für bestimmte Körperbereiche her, sei es nun Darmgesundheit, Arthrose, Diabetes usw. Sein neues Buch, "Meine 80 besten Rezepte für eine gesunde Leber", schließt daran an und nimmt das größte Bauchorgan in den Mittelpunkt, das beim Stoffwechsel eine besonders wichtige Rolle spielt.

Fettleber ist heutzutage fast schon eine Zivilisationskrankheit und längst nicht nur auf Alkoholmissbrauch zurückzuführen. In einer Zeit, in der viele Menschen hochverarbeitete Lebensmittel mit vielen Zusatzstoffen zu sich nehmen oder auf Fertiggerichte, Restaurants usw setzen statt selbst mit frischen Zutaten zu kochen, vermutlich kein Wunder - man hat dabei nicht mehr die Kontrolle, was in Topf und Pfanne kommt und später in den eigenen Magen.

Wie auch in seinen früheren Büchern stellt Riedl einen "Theorieteil" voran, in dem es um die Bedeutung der Leber für den menschlichen Organismus geht, ihre Aufgabe bei der Steuerung des Stoffwechsels und das besondere Problem der "leise leidenden" Leber - Veränderungen und Erkrankung machen sich nicht gleich durch Schmerzen bemerkbar.

Dass Bitterstoffe gut für die Lebergesundheit sind, haben viele vermutlich schon einmal gelesen. Unter den "Top ten zur Stärkung unserer Leber" listet Riedl aber unter anderem auch Kichererbsen, Hüttenkäse, Pilze und Kurkuma auf.

Der anschließende Rezeptteil beginnt mit süßen und herzhaften Gerichten für einen Start in den Tag - Granola-Cups mit Himbeerjoghurt zum Beispiel oder deftiger Porridge mit pochiertem Ei. Die Möhren-Hafter-Ecken dürften dabei auch als Snack zwischendurch oder leichtes Mittagessen überzeugen. Hinzu kommen mehrere Smoothie- und Aufstrichrezepte. 

Mehrere kalte Hauptgerichte, insbesondere proteinreiche Salate mit ordentlich Gemüse dazu dürften gerade jetzt im Sommer gut passen. Unter den warmen Hauptgerichten sind mehrere Suppen und Eintöpfe, aber auch Auflauf, Gratins und Ofengerichte. Teils deftig, teils mit mediterranen oder asiatischen Anklängen, aber allesamt recht schnell und ohne größeren Aufwand machbar - die Ausrede "Ich habe aber gar keine Zeit zum Kochen" steht dem kulinarischen Detox also nicht im Weg. Unter den 80 Rezepten ist sogar noch Platz für Nachtisch - wobei "Schokomuffins mit roter Beete" zumindest für mich nicht unbedingt die größte Verlockung sind. Aber Protein-Brownies mit Hüttenkäse oder Zimtschneckenkuchen mit Apfel sind sicherlich einen Versuch wert. Und das beste: Die Erläuterungen und vorgestellten Rezepte laden zu eigenen Kombinationen ein, die der Leber auch jenseits der vorgestellten Rezepte gut tun dürften.


Matthias Riedl, Meine 80 besten Rezepte für eine gesunde Leber

GU 2026

30 Euro

9783833899423

Monday, July 21, 2025

Beim Kochen Proteine trumpfen lassen

 Nicht nur Sportler wissen: Proteine sind wichtig. Sie sind vielleicht nicht solche Sattmacher wie die von manchen verteufelten Kohlenhydrate - aber für den Aufbau von Muskeln sind sie wichtig. Der Ernährungsmediziner Matthias Riedl befasst sich denn in seinem neuen Buch ganz mit dem "Gamechanger Proteine" und räumt dabei mit einigen Fehlannahmen auf - nämlich dass Sportler Unmengen an Proteinen und extra angereicherte Pülverchen zu sich nehmen müssen. Wer nicht gerade im Olympuatraining ist - und wie viele der sportlich ambitionierten Menschen sind das schon? - kann also getrost darauf verzichten.

Und natürlich: Es braucht kein (rotes) Fleisch, um Proteinbedarf zu decken, sorry, ihr Carnivoren! Vegetarisch und vergan lebende Menschen wissen ja schon länger, dass Hülsenfrüchte, Nüsse und Saaten, Hüttenkäse, Haferflocken oder Hirse, Buchweizen und Co ordentlich Proteine liefern. Dass auch Kohl und Pilze unter den von Riedl empfohlenen Eiweißbomben sind, hat mich allerdings überrascht.

Im Rezeptteil wird denn auch besonders auf Kombinationen mit Gemüse gesetzt, etwa beim Linsenaufstrich mit Paprika, einer Quinoa-Gemüsebowl mit Avocado-Feta-Dip oder Fenchel-Artischocken-Schakschuka.

Bekanntes wird abgewandelt und aufgepeppt - etwa overnight oats auf orientalische Art (mit Tahin, Lardamon und Zimt, überhaupt gibt es eine Reihe von mediterran inspirierten Rezepten. Wenn Fleisch, dann wird meist Geflügel eingesetzt und auch dies insgesamt eher sparsam. Wer abnehmen will oder sich kalorienärmer ernähren möchte, ohne dass statt des Körperfetts die Muskeln schmelzen, dürfte hier ebenfalls gut bedient sein.

Die Kombination aus Gesundheit und Ernährung ist einmal mehr gelungen


Matthias Riedl, Gamechanger Protein

GU 2025

27 Euro

9783833897740

Thursday, February 6, 2025

Vier Wochen lang die Nährstoffspeicher füllen

 Statt in der Apotheke oder in der Drogerie Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel zu kaufen, kann man eben diese Nährstoffe üblicherweise in ausreichender Menge aus der Ernährung gewinnen - vorausgesetzt, man ernährt sich richtig. Wie das geht, das vermittelt der Ernährungsmedizinier Matthias Riedl in seinem "28 Tage-Power-Nährstoffkur" Danach sollte dann erst mal alles im Gleichgewicht sein. Dazu sollen gut 80 Rezepte beitragen, die Riedl und sein Team erstellt haben.

Zunächst aber gibt es den theoretischen Überbau, für mehr Wissen über Nährstoffe und wo sie enthalten sind. Dabei geht es zwar überwiegend pflanzenbasiert, aber nicht vegan zu. Einige Nährstoffe kommen schließlich ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vor, etwa das Vitamin B12. Neben Erörteurungen zu Sinn oder Unsinn von Nahrungsergänzungsmitteln gibt es unter anderem die Top ten der gesündesten Gemüse - spoiler alert: Brunnenkresse toppt alles!

Aufklärung über die eigene Nährstoffversorgung erhalten die Leser*innen in einem kleinen Test vor dem Rezeptteil. Eingestreut zwischen die Rezpte sind knappe theoretische Kapitel, etwa über Mikronährstoffe

Die Rezepte liefern einerseits Protein, Kohlenhydrate, Vitamine usw, andererseits auch durchaus Nährstoffe, die vielleicht in der Alltagsküche vernachlässigt werden. So pusht die Linsensuppe mit Nori-Algen etwa den Jodspiegel ein bißchen nach oben. Schupfnudeln aus Broccoliteig - eine Kombination, auf die man erst mal kommen muss, sind reich an Folsäure und Selen, ein Hirseporridge mit Beeren liefert eine Extraportion Eisen und Magnesium. Ein rustikaler Kartoffelauflauf mit Linsen wiederum ist besonders reich an Vitamin D.

Zuletzt gibt es noch ein paar allgemeine Tips zu "health habits", die nicht unbedingt überraschen - viel Gemüse, und das abwechslungsrecih, Vollkorn statt WEißmehl, ausreichend trinken (natürlich ungezuckert), möglichst wenig hochverarbeitete Lebensmittel und Alkohol meiden.


Matthias Ridl, die 28 Tage Power-Nährstoffkur

GU 2024

29,99

9783833895845


Tuesday, September 17, 2024

Besseres Essen - gesündere Psyche?

 Den Ansatz von Medical Cuisine - also Lebensmitteln, die begleitend bei Gesundheitsproblemen eingesetzt werden, finde ich grundsätzlich spannend. Sozusagen niederschwellige Gesundheitsvorsorge ohne Pillen, Pulver oder oder Supplemente. Ernährungsmediziner Matthias Riedl hat nun sein jüngstes Buch dieser Art veröffentlicht: Iss deine Psyche gesund. Das erste, was mir in dem Zusammenhang eingefallen ist, war Schokolade oder ein heißer Kakao als Stimmungsaufheller in der kalten,  dunklen Jahreszeit. Wobei eine schöne Suppe bei mir genauso funktioniert.

Tatsächlich gibt es Botenstoffe, die in manchen Lebensmitteln enthalten sind, die zur Bildung von Dopamin oder anderen Stoffen beitragen, die die Stimmung ins Gleichgewicht bringen, so die Erläuterung im theoretischen Teil des Buches. Wobei das Essen für gesunde Psyche vor allem bei Angstzuständen oder Depressionen einen Beitrag leisten könne. Zugleich steuern die vorgestellten Rezepte und Lebensmittel Entzündungsprozessen im Körper entgegen, was ja ohnehin eine gute Sache ist.

Was mich an diesem Buch  ein bißchen stört: Riedl schlägtz wiederholt einen Bogen von Depressionen und Übergewicht, beruft sich auf Studien, wonach übergewichtige Menschen öfter depressiv sind als normalgewichtige. Das kommt mir ein bißchen kurz gegriffen vor. Sind dicke Menscchen wegen ihres Gewichts depressiv, oder vielleicht wegen Bodyshaming, hämischer Blicke und Kommentare? Schließlich gibt es genügend Fälle gerade von jungen Menschen, die aufgrund unrealistischer, gefilterter Schönheitsideale in sozialen Medien psychisch krank werden. Die Gleichung dick gleich nicht nur undiszipliniert und unästhetisch - die ja gerne in mancher öffentlichen Diskussion aufgestellt wird - dann noch mit traurig und depressiv gleich psychisch krank zu ergänzen - da würde ich mir gerade von einem Arzt mehr Empathie und Reflektion wünschen.

Es ist klar, dass Übergewicht Gelenke, Kreislauf usw belastet und nicht unbedingt gesund ist. In einem Buch über Ernährung und psychische Gesundheit aber einseitig übergewichtige Menschen als Kandidaten auszugucken, denen dieses Buch vielleicht helfen kann, kommt mir allerdings einseitig und wenig konstruktiv vor. Psychische Erkrankungen sind meiner Meinung nach nicht von BMI und den Kilos auf der Waage abhängig. Dazu habe ich schon zu viele ausgeglichene und glückliche Dicke wie auch depressive Leistungssportler oder Normalgewichtige mit Angstzuständen kennengelernt.

Matthias Riedl, Iss deine Psyche gesund

GU 2024

192 Seiten, 29,99 Euro

9783833892509

 

Thursday, April 4, 2024

Ein Ende adipösen Leidens?

 Für "Nie wieder dick mit Abnehmspritze" bin ich nicht die wirklich richtige Zielgruppe - zum einen habe ich keinen BMI von 30 oder mehr, zum anderen habe ich eine starke Aversion gegen Medikamente, wenn sie nicht absolut behandlungsnotwendig sind. Eine Spritze als Zaubermittel gegen adipöses Leid  - da bin ich von vornherein skeptisch, wenn ich auch verstehe, dass Menschen, die mit allerlei Diäten nicht zum Ziel gekommen sind und unter ihrem Körpergewicht leiden (das bei einem so hohen BMI ja auch zu gesundheitlichen Risiken führt) Und der Autor des Buches, Matthias Riedl, ist mir in Büchern zu Medical Cuisine positiv aufgefallen. Gegen ernährungswissenschaftliche Tipps spricht sowie nie etwas. Ich mag nicht adipös sein, aber Hüftgold und Speckröllchen sind mir auch nicht völlig unbekannt.

Zunächst gibt es einige Theorie über die Spritze, über die seit einiger Zeit als Wundermittel und letzte Hoffnung vieler Menschen mit hohem Übergewicht geredet wurde. Wenig überraschende Stellungnahme von einem Ernährungsmediziner: Mit artgerechter Ernährung könne man genauso viel abnehmen wie mit der Spritze. 

Riedl setzt auf die Kombo, die Eigenverantwortung mit bewusster Ernährung, bei der die Spritze lediglich Motivationshilfe sein soll. Wie bereits in anderen Büchern zu Ernährungsumstellung, in denen es vor allem um Fettverbrennung und Ankurbelung des Stoffwechsels geht, wird erst mal erklrt, was es mit Proteinen, Fetten und Kohlehydraten auf sich hat, wie es um Ballaststoffe und Fruchtzucker steht. Mit Hilfe von Beispielen verschiedener Lebensmittel wird zudem aufgelistet, welche Stoffe in welchen Lebensmitteln besonders stark vertreten sind.

Die folgende Sammlung der Genussrezepte bietet dann so einiges, was ich mir auch ohne Abnehmspritze und BMI-Probleme in meinen Speiseplan integrieren will, denn sie klingen einfach lecker, auch ohne Diätambitionen. Aber dass sie obendrein leicht und gesund sind, ist natürlich ein zusätzlicher Anreiz - etwa für das Ricotta-Spinat-Omelett, das zwar unter den Frühstücksrezepten ist, aber (ich bin mehr der Typ für schwarzen Kaffee am Morgen) auch als leichtes Mittags- oder Abendessen schmecken dürfte. Gleiches gilt für die Linsen-Pancakes mit gebratenen Pilzen und Avocado, eine ugewöhnliche Kombination, die mich gleich geflasht hat. Auch der gegrillte Chicoree mit Bohnen-Feta-Salat macht nicht nur optisch was her und die Pistaziensuppe mit Orientwürze ist ein Gericht, das mich sofort aufmerksam macht. Richtig klasse für Leber und Stoffwechsel dürfte mit all den Bitterstoffen das Risotto mit Radicchio und Walnusskernen sein, während die GemüsePancakes mit Räucherlachs auch beim Brunch eine bella figura machen dürften. Ein echter Canelloni-Ersatz sind die Zucchini-Röllchen mit Tofu-Gemüse Ragout. Kurzum: Es gibt hier so einiges, was auch deutlich unterhalb eines BMI 30 für dieses Buch spricht.


Matthias Riedl, Nie wieder dick mit der Abnehmspritze

GU 2024

160 Seiten, 19,99

 9783833894206

Monday, January 8, 2024

Mehr Achtsamkeit für die Leber

 Bei der Diagnose Fettleber denkt man eigentlich als erstes an Alkoholmissbrauch. Es gibt aber auch die sogenannte nichtalkoholische Fettleber - und die entwickelt sich allmählich in westlichen Gesellschaften zu einer Volkskrankheit. Da die Leber das wichtigste Stoffwechselorgan des Körpers ist, ist klar, warum man ihr Aufmerksamkeit schenken sollte. Nur, auch das eine gängige Weisheit: Die Leber leidet leise. Beschwerden sind zunächst einmal eher unspezifisch.  In dem Buch "Die revolutionäre 9 Tage-Leberkur" von Kurt Mosetter und Rainer Mosetter sollen Wege aufgezeigt werden, dem größten Körperorgan nicht nur mehr Aufmerksamkeit zu schenken, sondern ihm auch Gutes zu tun. 

Am Anfang steht die Theorie, sprich Erläuterungen zur Funktion der Leber für den Stoffwechsel, die Interaktion mit anderen Organen, metabolisches Syndrom und Auswirkungen bestimmter Lebensmittel auf den Leberstoffwechsel, gepaart mit einem Rückblick auf menschliche Entwicklungs- und Ernährungsgeschichte. Klar: Im Unterschied zu unseren jagenden und sammelnden Steinzeitvorfahren sitzen wir zu viel, bewegen und zu wenig und haben ein Überangebot an Nahrungsmitteln zur Verfügung. Bequem, aber nicht unbedingt gesund.

Der Ansatz der Autoren ist ganzheitlich und legt Wert auf Achtsamkeit: Zwar geht es in der neun Tage-Kur darum, die Leber zu reinigen, ihre Selbstheilungskräfte zu aktivieren und zu stärken, die Stoffwechselfunktionen durch Nahrungsmittel wie Ingwer, Zimt, oder Kurkuma anzuregen. Zucker und Alkohol sind tabu, auch bei den Kohlehydraten gibt es klare Einschränkungen. Zugleich wird Wert auf Bewegung und Dehn- und Atemübungen gelegt, auf ausreichend Schlaf und ein zur Ruhe kommen, dass Stress vermeidet.

Eine lange Einkaufsliste vor Beginn der Leberkur erscheint erst mal etwas überzogen, zumal einige Bestandteile der Liste nur ein einziges Mal zur Anwendung kommen. Da würde ich eher mal variieren. Von der Zubereitung sind die Gerichte nicht zu aufwändig, ohne Standmixer oder Pürierstab wird es allerdings bei einer Reihe der Rezepte nicht gehen. Egal, ob man die neun Tage-Kur durchziehen will oder nach Anregungen sucht, der Leber immer wieder mal einen prophylaktischen Boost zu geben, das Buch ist informativ und anschaulich.


Kurt Mosetter, Rainer Mosetter, Die revolutionäre 9 Tage-Leberkur

G+U 2023

176 Seiten, 24 Euro

:978-3-8338-9092-5 


Wednesday, December 20, 2023

Wenn der Stoffwechsel schwächelt

 Die meisten von uns ab einem gewissen Alter kennen das Problem spätestens nach dem 40. oder 50. Geburtstag - auch wenn Ernährungs- und sonstige Gewohnheiten sich nicht sonderlich verändert haben, lassen sich nach und nach unerwünschte Pfunde an Bauch, Schenkeln und Hüften nieder. Und es fällt deutlich schwerer als in jüngeren Jahren, sie wieder loszuwerden. Der Stoffwechsel ist leider nicht mehr das, was er war, ja, es gibt sogar gesundheitliche Beeinträchtigungen wie etwa das metabolische System.

Handlungsoptionen für Betroffene zeigen Michael Despeghel und Karsten Krüger in ihrem Buch "Der Stoffwechsel-Trick. Warum uns der Bauch am Abnehmen hindert und was die Blockade löst".  Im  theoretischen Teil des Buches geht es zunächst einmal um Medizinisches, etwa die "stillen Entzündungsprozesse" im Körper und was sie bedeuten, auch Blutwerte und ihr Aussagewert für Stoffwechselstörungen werden erläutert, auch die Zusammenhänge von Bluthochdruck und Krankheitsrisiken. Für den nächsten ärztlichen Check-Up ist dieses Kapitel schon mal Gold wert, hilft es doch, die Laborwerte zu verstehen und einzuordnen, für die in der Sprechstunde nicht immer genug Zeit ist.

Ich vermute, dass die Autoren vor allem Menschen im Blick haben, bei denen der schwächelnde Stoffwechsel schon negative Auswirkungen wie Diabetes oder adipöse Gewichtszunahme hatte, denn im Bewegungsteil des acht-Wochen-Programms werden anfangs sehr bescheidene Anforderungen an das Bewegungsverhalten gelegt, etwa 2000 Schritte pro Tag, die dann auf 6000 und mehr zu steigern sind. Das Know-How des Buches ist aber auch für alle anderen nützlich, deren Stoffwechsel nicht mehr ist, was er in jüngeren Jahren mal war. Und je früher man sich den allmählichen Veränderungen zu widersetzen versucht, desto besser.

Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass die Autorenfotos auf Leser, die wirklich schon gravierende Gewichtsprobleme haben, eher frustrierende Wirkung haben, sehen die beiden doch enorm fit aus und als ob sie, wenn schon nicht Marathon-, dann zumindest Langstreckenläufer sind.

Dem schon erwähnten medizinisch-theoretischen Teil des Buches schließt sich ein acht Wochen-Programm an, um den Stoffwechsel wieder in den Griff zu kriegen - wobei die Autoren Wert darauf legen, dass es damit nicht getan ist. Es müsse schon eine dauerhafte Änderung der Ernährungs- und Bewegungsmuster erfolgen, um langfristig Veränderungen herbeizuführen. Das acht Wochen-Programm ist nur der Einstieg, um wieder in die Spur zu kommen und beispielsweise ein Kaloriendefizit zu erzeugen, um das Abnehmen zu erleichter. Und natürlich zu einem gesünderen Ernährungsverhalten zu kommen.

Bei den vorgestellten Rezepten sollte für jeden etwas dabei sei, nur wer sich sein Leben partout nicht ohne rotes Fleisch und hochverarbeitete Lebensmittel vorstellen kann, dürfte hier hadern, Generell wird vor allem auf deutlich kleine Fleischportionen - meist Geflügel - Wert gelegt, mancher muss sich hier womöglich an neue Portionierungen gewöhnen.


Michael Despeghel, Karsten Krüger, Der Stoffwechsel Trick. Warum uns der Bauch am Abnehmen hindert und was die Blockade löst

G+U 2023

192 Seiten, 24 Euro

9783833890420

Thursday, May 6, 2021

Alles dosha? Heilsame Ernährung mit Ayurveda

 Beim Kochen und Essen gehe ich zwar oft und gerne Experimente ein aber ganz ehrlich, bei den Begriffen ayurvedisch und heilsam bin ich dann doch erst mal zurückgezuckt. Da dachte ich erst mal an Berichte von Kolleginnen über Detox-Kuren, bei denen der Tag mit Zungenschaben und Darmspülung begann. Klang irgendwie nicht so wie Urlaub, den ich meine.

Andererseits: ich liebe asiatische Küche und bin überzeugt, dass der ganzheitliche Ansatz traditioneller chinesischer Medizin, von Yoga  und ähnlichen Traditionen auf lange und erfolgreiche Erfahrung zurückblicken können. Und Gesundheit spielt für mich bei der Ernährung eine ganz wesentliche Rolle.

In "Heilsam kochen mit Ayurveda" haben sich mit dem Mediziner Dietrich Grönemeyer und dem Ernährungsberater Volker Mehl zwei Autoren zusammengetan, die auf Ganzheitlichkeit setzen. Zunächst einmal gibt es ordentlich Theorie: Die Doshas im Lauf der Jaheszeiten, die Bioprinzipien des Ayurveda, wo der Tag in sechs Zeitabschnitte eingeteilt wird, das Gleichgewicht von Vata, Pitta und Kapha im menschlichen Körper. Klingt erst mal kompliziert, ist aber durchaus nachvollziehbar. Dass je nach Tages- und Jahreszeit Allgemeinbefinden und Stoffwechsel ganz unterschiedlich sein können, hat schließlich jeder von uns schon gemerkt.

Die Auflistung verschiedener Lebensmittel nach ihren jeweiligen Vitalstoffen und ihrer Bedeutung für den Körper ist sicherlich allen vertraut, die sich schon mal mit "Superfoods" auseinandergesetzt haben oder der Frage, welche Lebensmittel etwa bei einer Ernährungsumstellung besonders gut für den Organismus sind. Überraschung: Auch unter ayurvedischen Gesichtspunkten kommt man bei Fenchel oder Heidelbeere, Hirse oder Spinat zu ähnlichen Ergebnissen.

Kohlenhydrate sind in diesem Buch kein no-go wie in manch anderem Ernährungsratgeber, Hirse, Dinkel, oder Gerste sind im Rezeptteil sowohl in süßer wie herzhafter Form vertreten. Einen Satz wie: Wir möchten Sie animieren, mit vielen Gewürzen zu experimentieren muss man mir auch nicht zweimal sagen. Geschmacksnerven zum Leuchten bringen? Aber hallo, da bin ich doch gerne dabei. Ungewohnt ist dagegen die Vorstellung, dass die erste Mahlzeit des Tages warm und leicht verdaulich sein soll. der Becher schwarzen Kaffees, an dem ich morgens nippe, ist damit offenbar nicht gemeint. Wobei die Aprikosen Kokos-Graupen mit gerösteten Graupen, das herzhafte Hirse-Kichererbsen Frühstück oder die Dattelpfannkuchen mit Birnen-Kokos-Kompott zwar deutlich aufwändiger klingen als alles, was ich mir so zum Frühstück mache, aber auch ausgesprochen lecker . Schon allein die Bilder der Gerichte machen Lust aufs Kochen und Schmecken.

Werde ich künftig ayurvedisch in den Tag starten? Der Morgenmuffel in mir ist da ein bißchen skeptisch. Aber die Gerichte, die ich schon ausprobiert habe, haben mich wirklich überzeugt. Die leichten Mittagessen sind auf jeden Fall etwas für mich, wie etwa der kross gebratene Blumenkohl mit karamelisierten Zwiebeln und Kräuterquark  - seeehr lecker! und auch das Curry-Zuckerschoten-Risotto trifft ganz meine Geschmackslinie. Oder, um ein Beispiel des leichten ayurvedischen Abendessens zu nehmen: Süßkartoffelstampf mit Spinat, Ziegenfeta, Radieschen und Pinienkernen.

Ich kann wirklich sagen, dass es kaum ein Rezept in diesem Buch gibt, bei dem ich keine Lust zum ausprobieren habe, mal abgesehen vom rote Bete-Süppchen usw. Sonst aber bin ich von den Möglichkeiten begeistert, für die auch nicht erst ein shopping-trip in ein Spezialitäten-Lebensmittelgeschäft nötig ist. Für mich steht fest, dass so manches davon auch bei mir auf den Tisch kommt. Möglicherweise nicht immer zu den Zeiten, die das Ayurvedaprinzip dafür vorsieht.


Dietrich Grönemeyer, Volker Mehl, Heilsam kochen mit Ayurveda

G+U, 2021

240 Seiten, 29,99

978-3-8338-7315-7

Friday, March 13, 2020

Plädoyer für Achtsamkeit - die Barbara Becker-Formel

Man sieht es ihr auf den Bildern zwar nicht an, aber auch Barbara Becker wird älter und ist schließlich mittlerweile die Mutter zweier erwachsener Söhne. Ob die Tatsache, dass der Alterungsprozess an ihr, mal rein optisch gesprochen, sehr viel günstiger vorangeschritten ist als bei ihrem Ex nun eine Sache des genetischen Glücks oder des Lebensstils ist - das ist natürlich nicht bekannt. In ihrem Buch "Die Barbara Becker Formel" versucht sie jedenfalls, anderen Frauen in gewissem Alter Mut zu machen, zu sich selbst zu stehen und auf Selbst-Achtsamkeit zu achten.

Schon in den vergangenen Jahren hat Barbara Becker Videos etwa zu Pilates-Workouts veröffentlicht und auch in ihrem Buch für die reifere Frau spielt sanfte Fitness eine Rolle, zusammen mit gesunde, regionaler, saisonaler Ernährung. Gleichtzeitig sagt sie Diätwahn den Kampf an und plädiert für Selbstakzeptanz. Falten und Pfunde machen nicht die Definition von Schönheit aus, so Becker.

Das ist vermutlich kein Problem für eine Frau, die den Bildern nach zu urteilen wenig mit dem verlangsamten Stiffwechsel während oder nach den Wechseljahren zu kämpfen hat. Und die vermutlich auch in einer etwas anderen Situation ist als Frauen, die nicht über die gleichen materiellen oder zeitlichen Ressourcen verfügen. Aber hier geht es schließlich ums Prinzip, ud da spricht Becker ein paar ganz wchtige Punkte an: Etwa, dass Frauen sich nicht verunsichern lassen sollten durch gesellschaftliche Erwartungen, Schönheitsideale usw, sondern lieber  sich und ihr Leben genießen sollten,

Die (wenigen) Faszienübungen, die dabei vorgestellt werden, sind sicherlich weniger das Rezept zur Traumfigur, aber gleichzeitig sollten sie in der Lage sein, den Einstieg für Flexibilität und sanftes Training auch für solche Frauen vorzustellen, die etliche Kleidergrößen von Frau Becker entfernt sind. Anders als in der GU-Reihe üblich, gibt es nur wenige Rezeptvorschläge. Zu den Einsichten den Buches führt letztlich auch der gesunde Menschenverstand, insofern ist der Lerbwert eher begrenzt. Aber wenn einige der Plädoyers von Barbara Becker zu Verhaltensänderungen von Konsumentinnen führen, ist es das sicherlich wert. Etwa die Einsicht: Wenn man ein Fertiggericht aus den angegebenen Zutaten ebensogut selbst zubereiten könnte, dann sollte man das doch wirklich tun.

Barbara Becker, Die Barbara Becker Formel
GU 2020
176 Seiten, 19.99 Euro
3833873752

Tuesday, July 2, 2019

Intervallfasten - Ernährungsumstellung statt Diät

Dass sich nach vielen Diäten ein Jojo-Effekt einstellt, ist ja nicht neu und eigentlich ganz logisch: Wer nach Gewichtsabnahme wieder zu den alten (schlechten) Gewohnheiten zurückkehrt, findet sich früher oder später mit dem verloren geglaubten Hüftgold wiedervereint. Damit es dauerhaft klappt, muss es schon eine Ernährungsumstellung sein, die den jeweiligen Grundumsatz, Stoffwechsel usw berücksichtigt. Denn da ändert sich im Laufe des Lebens bekanntlich einiges im Körper.

Von Fasten und Intervallfasten ist seit einiger Zeit häufiger die Rede, und deshalb habe ich mit viel Interesse "Intervallfasten" von Petra Bracht und Mira Flatt gelesen. Der G+U-Verlag ist mir auch von Kochbüchern bekannt - gut so, ich will mich gesund ernähren, gerne auch kalorienbewusster, aber nicht auf Geschmack und Genuss verzichten.

Das Thema "Wie kurbele ich den schlaffer gewordenen Stoffwechsel wieder an" beschäftigt mich schon eine Weile und viele Tips und Ratschläge treffen bei mir nicht zu: Weder trinke ich gesüßte Getränke noch esse ich fettes Fleisch oder Wurst. Also Intervallfasten, um den inneren Verbrennungsmotor anzuschmeißen?

Die vorgestellten Rezepte klingen auf jeden Fall ansprechend, passen gut zu meinen eigenen Flexitarier-Gewohnheiten. Interessant und einleuchtend finde ich auch die Erläuterungen, zu welcher Tageszeit Proteine und wann Kohlenhydrate für den Stoffwechsel optimal sind.

Schade finde ich allerdings, dass sich die Autorinnen ausschließlich auf die 16:8-Methode beschränkt haben - also Mahlzeiten verteilt über acht Stunden, gefolgt von einer 16-stündigen Fastenpause und überhaupt nicht auf die 5:2 Methode mit zwei stark kalotrienreduzierten Fastentagen unter fünf "normalen" Tagen eingegangen sind. Sicherlich bin ich nicht die einzige mit oft langen und unregelmäßigen Tageszeiten, die es absolut nicht schafft, nach 17 oder 18 Uhr nicht mehr zu essen oder Zeit für eine Mittagspause zu haben. Da ist es schon deutlich machbarer, an zwei Tagen in der Woche nur 500 Kalorien zu mir zu nehmen.

Klar, auch die gesund und lecker klingenden Rezepte lassen sich an den "normalen" Tagen verwenden - aber bei zwei Mahlzeiten die insgesamt 500 zugelassenen Kalorien nicht doch zu überschreiten, ist für Nicht-Ernährungswissenschaftler nicht ganz einfach. Dazu hätte ich auch gerne etwas in diesem Buch gelesen. Aber wer weiß - vielleicht kommt ja auch dazu noch eine Veröffentlichung.

Als Anregung für gesundheitsbewusste Ernährung mit Erläuterungen zu den positiven Eigenschaften der jeweiligen Lebensmittel jedenfalls sehr informativ, und ich freue mich schon auf besondere Geschmackserlebnisse wie  "Linsen-Chili mit Kakao" oder mediterrane Bohnen-Tomaten-Pfanne.

Petra Bracht, Mira Flatt, Intervallfasten
GU 2019
ca 200 Seiten, 19,99 Euro
ISBN 9783833870989

Friday, January 11, 2019

Schnell, gesund und kaloriensparend auch ohne Zeit am Herd - No time to eat

Das Jahr hat gerade angefangen, und die üblichen Vorsätze warten darauf, in die Tat umgesetzt zu werden: Mehr Sport treiben. Gesünder ernähren. Und im Zuge  des Ganzen hoffentlich auch das eine oder andere Kilo verlieren - gerne auf Nimmerwiedersehen. Kann "No time to eat" der Podcasterin Sarah Tschernigow dabei helfen?

Vorneweg: Wer auf gesunde, kaloriensparende Rezepte hofft, womöglich mit apettitanregenden und motivierenden Fotos, dürfte enttäuscht sein. Mit ihrem Plädoyer für clean eating reiht sich die Autorin auch nicht in die Reihe der Mama-Bloggerinnen ein, die in ihrem nachhaltig-schönen Heim zwischen Kindern, Haus und Garten noch viel Zeit für hübsch fotografierte vegane Gerichte aus eigenem Anbau oder zumindest vom Biobauernhof haben.

Nee, der Titel ist Programm. Es gibt schließlich viele Menschen, denen fehlt nach einem langen Arbeitstag mit Pendelzeiten und Ortswechseln, mit einem unregelmäßigen Arbeitsrhythmus  schlicht die Zeit, gründlich nach den gesunden, saisonalen und regionalen Lebensmitteln auf dem Bauernmarkt oder  gar aus dem eigenen Gartenanbau zurück zu greifen. Es bleibt dann doch beim schnellen Gang in den nächsten Supermarkt oder Discounter, dem Bäcker im Bahnhof und ähnlichen schnellen Zugängen zum Essen. Keine Zeit zum Essen, und häufig auch keine Zeit (oder Lust?) zum Kochen.

Eine kulinarische Offenbarung bleibt denn auch eher aus. Die Podcasterin ist wohl auch eher ein Ernährungscoach für jene Millenials, die mit Herd und Ofen nicht mehr viel anzufangen wissen oder das nicht für ausreichend hip halten. In den Ausführungen zum clean eating auf die Schnelle steckt denn auch nichts revolutionär Neues: Dass Kantinenessen häufig schwer ist, bei Restaurantbesuchen leicht die Kontrolle über die zu sich genommenen Kalorien auf der Strecke bleibt und zuckerhaltige Getränke eigentlich der garantierte Weg zu Hüftgold und unerwünschten Speckrollen sind, das dürfte mittlerweile auch der unbedarfteste Leser wissen.

Der Aufruf zum Nachdenken und Umschwenken auf einen gesünderen Ernährungsstil mit mehr Gemüse, mit viel Wasser und Tee, gesunden Proteinen usw ist verbunden mit Geschichten aus dem Leben der Autorin und der eigenen Efolgsgeschichte, aber auch dem Rückblick auf Essstörungen und mangelnde Selbstakzeptanz. Wenn da von Paprikasnacks, gekochten Eiern und Nussmischungen im zeitarmen  Alltag die Rede ist, sind das durchaus nützliche Tipps, um den schweren Saucen der Kantine zu entgehen und sich sowohl kalorienarm als auch gesünder zu ernähren, aber mit Blick auf Nachhaltigkeit und Abfallvermeidung sind viele Tipps in meinen Augen denn doch eine zweischneidige Sache.

Empfehlen würde ich das Buch nur Kochmuffeln, die auch im Terminstress ein bißchen mehr auf ihre Ernährung achten wollen. Wer durchaus mit Lust kocht und isst - ja, das ist auch in relativ kurzer Zeit und gesund möglich! -  dürfte sich mit "no time to eat" nicht wirklich angesprochen fühlen.


Sarah Tschernigow, No time to eat,
Ullstein Verlag 2018
256 Seiten, 12 Euro
ISBN-13 9783548377797