Friday, June 26, 2020

Pest und Corona - von Pandemien der Vergangenheit lernen

Kein Zweifel: Die Covid-19 Pandemie hat unser Leben verändert. Ob Reise- und Bewegungsfreiheit, Warenflüsse und Handelswege, die Organisation des Arbeitsalltags oder das soziale Miteinander - all dies erlebt derzeit eine Zäsur. Es gibt die Zeit vor Corona und diese neue, seltsame Realität mit Maskenzwang, sozialer Distanz, Abstandsregeln und einer ganz neuen Wertschätzung von Hygiene. 

"Die Pest" von Camus erlebt eine literarische Neuentdeckung durch eine neue Lesergeneration, Mund-Nase-Masken gehören zum Styling des Frühjahrs/Sommer 2020 - und wer weiß, wie lange sie uns noch begleiten. Lässt sich aus Pandemien der Vergangenheit etwas für unsere Corona-Wirklichkeit und möglicherweise für die Zukunft lernen? Die beiden Medizinhistoriker Heiner Fangerau und Alfons Labisch ziehen in ihrem Buch "Pest und Corona" Vergleuche, auch zum Umgang mit Krankheiten.

In den Wirtschaftswunderjahren etwa seien Gripppetote noch eher hingenommen worden,  mittlerweile würden vorzeitige Tode nicht mehr hingenommen. An die Stelle eines gewissen Fatalismus sei die Forderung getreten, dass jedes Leben gerettet werden solle.

Die Methoden im Umgang mit Pandemien ähneln sich, auch wenn sich die Einstellung zu Kranken geändert hat, seit Pestkranke vom Rest der Gesellschaft regelrecht geächtet und ihrem Schicksal überlassen  wurden. Kontaktbeschränkungen etwa seien schon während der Spanischen Grippe angewandt worden.

Die Mobilität der Menschen im 21. Jahrhundert, das weltweite Reisen, Massenveranstaltungen und Eventkultur bilden allerdings eine besondere Herausforderung in Zeiten von Pandemien. Um so wichtiger, so die Schlussfolgerung der Autoren, Erreger  neuer Pandemien schnell und frühzeitig einzugrenzen - am besten schon dort, wo sie entstehen. Eine Schlüsselrolle spielten dabei die Flughäfen - angesichts der modernen internationalen Drehkreuze, wo in der Zeit vor Corona Menschen aus aller Welt und mit allen möglichen Zielen im Transitbereich, am Gepäckband oder an der Sicherheitskontrolle ihre Wege kreuzten (und womöglich Viren weiter reichten) - eine naheliegende Schlussfolgerung,

Allerdings zeige die Vergangenheit, dass nach einer Epidemie zwar fleißig analysiert und geplant werde. Dann aber geschehe wenig, um die nächste Pandemie zu stoppen oder gar zu verhindern, so die eher desillusionierte Erkenntnis der Analyse.

Heiner Fangerau Alfons Labisch, Pest und Corona. Pandemien in Geschichte, Gegenwart und Zukunft
Herder 2020, 18 Euro, 
ISBN 978-3451388798

Sunday, June 7, 2020

Nicht nur Sushi und Teriyaki - Kochen wie in Japan

Zugegeben: Ich habe eine Schwäche für Sushi. Selbst habe ich mich allerdings noch nie an die kleinen Röllchen gemacht - und in die Tiefe der japanischen Küche bin ich bislang auch nicht eingetaucht. Das könnte sich jetzt allerdings ändern, denn mit ihrem Buch "Kochen wie in Japan" beschreibt Kaoru Iriyama nicht nur rund 60 Rezepte, die mit apettitanregenden Fotos ergänzt sind, sondern erklärt auch ein Stück weit die japanische Esskultur und Tradition. Neben typischen und traditionellen Gerichten gibt es auch neue Kreationen und solche, die angepasst sind an das, was auch hierzulande problemlos an Zutaten beschafft werden kann.

Klar, Sushi oder Misosuppe dürfen nicht fehlen. Ramen-Nudeln gibt es hier nicht in der Instant-Variante, sondern mit frischen Zutaten. Wer es süß liebt, kann auch japanische Süßigkeiten und Desserts ausprobieren. Demnächst einmal Matcha-Torte mit dem dazupassenden Tee? Als bekennende Kaffeinsüchtige sehe ich das für mich selbst erst einmal nicht, aber dank der Schritt- für-Schritt-Anleitungen wird der Leser/Koch quasi bei der Hand genommen - was ja gerade bei einer Esskultur, die sich deutlich von der eigenen unterscheidet, schon eine große Hilfe ist.

Mindestens ebenso nützlich und interessant ist, dass die Autorin das Konzept - gewissermaßen die Philosophie - der japanischen Küche beschreibt. Das endet nicht mit der Zubereitung eines Gerichts, sondern auch Anrichten und Präsentation spielen eine Rolle.

Kaoru Iriyama, Kochen wie in Japan
GU 2020
144 Seiten , 17,99

978-3-8338-7304-1