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Saturday, January 14, 2023

Ayurveda-Kur für Zuhause

Ich will ehrlich sein: Der Begriff Panchakarma-Kur hat mir bisher nichts gesagt. Vor ein paar Jahren hat mich das Buch "Heilsam kochen mitAyurveda" allerdings voll überzeugt, ja begeistert. Also war ich sofort neugierig, "Ayurveda" von Andrea Kathrin Loewig näher kennenzulernen. 

Der Anspruch - es ist ja ein Buch über eine Kur und kein reines Rezeptbuch - ist ganzheitlich: Meditation, Yoga und eben Ernährung. Wobei der Gedanke, mit meinem Dickdarm oder meiner Leber zu sprechen, für mich dann doch arg gewöhnungsbedürftig ist. Der Detox-Gedanke hat mir schon gut gefallen, gerade in dieser Zeit des Jahresbeginngs und der damit verbundenen guten Vorsätze. Ganz zu schweigen davon, dass es um Weihnachten herum mit der Ernährung nicht immer so gesund zugeht, wie ich das eigentlich will...

Die Autorin hat die Kur in einem Retreat kennengelernt, dessen Betreiberin und Arzt viel Gelegenheit zur (Selbst-)Darstellung bekamen, insofern hat mich die indirekte Werbung eher negativ berührt. 

Die Sieben Tage-Kur, die in diesem Buch vorgestellt wird, ist für mich in meinem Alltag nicht umsetzbar. Und offen gestanden ist mir meine Urlaubszeit zu kostbar für Abführtage und Gespräche mit meinem Darm. Dann lieber raus in die Natur und Glückshormone bei einer schönen, gerne auch anstrengenden Wanderung ausschütten. Tut dem Organisms auch gut. Und für Yoga bin ich ohnehin immer zu haben - da waren mir die Übungen in diesem Buch zu knapp und übersichtlich, um den angestrebten Energie- oder Entspannungsschub  zu erreichen.

Gut fand ich im Rezeptteil, dass immer auch die Wirkungen angegeben wurden, beispielsweise blutdrzucksenkend, kreislaufstärkend usw. Auch den Ayurveda-Energiedrink mochte ich, der passt auch ohne Kur immer mal zwischendurch. 

Insgesamt glaube ich aber, ich war einfach die falsche Leserin für dieses Buch. Es hat mir deshalb auch nicht sonderlich viel gegeben, auch wenn  ich sicherlich das eine oder andere ayurvedische Süppchen zur sanften Entgiftung zwischendurch kochen werde. Trotzdem keine enttäuschende Erfahrung.

Andrea Kathrin Loewig, Ayurveda
GU 2023
204 Seiten, 20,99
:978-3-8338-8244-9

Thursday, May 6, 2021

Alles dosha? Heilsame Ernährung mit Ayurveda

 Beim Kochen und Essen gehe ich zwar oft und gerne Experimente ein aber ganz ehrlich, bei den Begriffen ayurvedisch und heilsam bin ich dann doch erst mal zurückgezuckt. Da dachte ich erst mal an Berichte von Kolleginnen über Detox-Kuren, bei denen der Tag mit Zungenschaben und Darmspülung begann. Klang irgendwie nicht so wie Urlaub, den ich meine.

Andererseits: ich liebe asiatische Küche und bin überzeugt, dass der ganzheitliche Ansatz traditioneller chinesischer Medizin, von Yoga  und ähnlichen Traditionen auf lange und erfolgreiche Erfahrung zurückblicken können. Und Gesundheit spielt für mich bei der Ernährung eine ganz wesentliche Rolle.

In "Heilsam kochen mit Ayurveda" haben sich mit dem Mediziner Dietrich Grönemeyer und dem Ernährungsberater Volker Mehl zwei Autoren zusammengetan, die auf Ganzheitlichkeit setzen. Zunächst einmal gibt es ordentlich Theorie: Die Doshas im Lauf der Jaheszeiten, die Bioprinzipien des Ayurveda, wo der Tag in sechs Zeitabschnitte eingeteilt wird, das Gleichgewicht von Vata, Pitta und Kapha im menschlichen Körper. Klingt erst mal kompliziert, ist aber durchaus nachvollziehbar. Dass je nach Tages- und Jahreszeit Allgemeinbefinden und Stoffwechsel ganz unterschiedlich sein können, hat schließlich jeder von uns schon gemerkt.

Die Auflistung verschiedener Lebensmittel nach ihren jeweiligen Vitalstoffen und ihrer Bedeutung für den Körper ist sicherlich allen vertraut, die sich schon mal mit "Superfoods" auseinandergesetzt haben oder der Frage, welche Lebensmittel etwa bei einer Ernährungsumstellung besonders gut für den Organismus sind. Überraschung: Auch unter ayurvedischen Gesichtspunkten kommt man bei Fenchel oder Heidelbeere, Hirse oder Spinat zu ähnlichen Ergebnissen.

Kohlenhydrate sind in diesem Buch kein no-go wie in manch anderem Ernährungsratgeber, Hirse, Dinkel, oder Gerste sind im Rezeptteil sowohl in süßer wie herzhafter Form vertreten. Einen Satz wie: Wir möchten Sie animieren, mit vielen Gewürzen zu experimentieren muss man mir auch nicht zweimal sagen. Geschmacksnerven zum Leuchten bringen? Aber hallo, da bin ich doch gerne dabei. Ungewohnt ist dagegen die Vorstellung, dass die erste Mahlzeit des Tages warm und leicht verdaulich sein soll. der Becher schwarzen Kaffees, an dem ich morgens nippe, ist damit offenbar nicht gemeint. Wobei die Aprikosen Kokos-Graupen mit gerösteten Graupen, das herzhafte Hirse-Kichererbsen Frühstück oder die Dattelpfannkuchen mit Birnen-Kokos-Kompott zwar deutlich aufwändiger klingen als alles, was ich mir so zum Frühstück mache, aber auch ausgesprochen lecker . Schon allein die Bilder der Gerichte machen Lust aufs Kochen und Schmecken.

Werde ich künftig ayurvedisch in den Tag starten? Der Morgenmuffel in mir ist da ein bißchen skeptisch. Aber die Gerichte, die ich schon ausprobiert habe, haben mich wirklich überzeugt. Die leichten Mittagessen sind auf jeden Fall etwas für mich, wie etwa der kross gebratene Blumenkohl mit karamelisierten Zwiebeln und Kräuterquark  - seeehr lecker! und auch das Curry-Zuckerschoten-Risotto trifft ganz meine Geschmackslinie. Oder, um ein Beispiel des leichten ayurvedischen Abendessens zu nehmen: Süßkartoffelstampf mit Spinat, Ziegenfeta, Radieschen und Pinienkernen.

Ich kann wirklich sagen, dass es kaum ein Rezept in diesem Buch gibt, bei dem ich keine Lust zum ausprobieren habe, mal abgesehen vom rote Bete-Süppchen usw. Sonst aber bin ich von den Möglichkeiten begeistert, für die auch nicht erst ein shopping-trip in ein Spezialitäten-Lebensmittelgeschäft nötig ist. Für mich steht fest, dass so manches davon auch bei mir auf den Tisch kommt. Möglicherweise nicht immer zu den Zeiten, die das Ayurvedaprinzip dafür vorsieht.


Dietrich Grönemeyer, Volker Mehl, Heilsam kochen mit Ayurveda

G+U, 2021

240 Seiten, 29,99

978-3-8338-7315-7