Thursday, September 17, 2020

Ein Hauch von Orient - Veggie-Fusion inklusive

 Zugegeben, wenn Promis Bücher schreiben, bin ich immer erst mal verhalten - egal, ob es nun um Fitness, Ernährung oder whatever geht. Ein bekannter Name mag ein Zugpferd sein, und der Inhalt ist dann nicht in allen Fälle so berauschend. Allerdings liebe ich die Küche des Nahen Ostens, und mit türkischen Rezepten bin ich noch nicht so gut bestückt.

Sympathisch ist auf jeden Fall, wie die Autorin von ihrem eigenen deutsch-türkischen (kulinarischen) Aufwachsen erzählt. Auch die Tatsache, dass die Rezepte so zusammengestellt sind, dass Frauen mit wenig Zeit nicht stundenlang in der Küche stehen müssen, fand ich gut. Angenehm überrascht haben mich auch die Gemüse-Variationen einiger nun doch sehr fleischreicher türkischer Gerichte wie Gemüse Köfte und Veggie Döner. 

Auch sonst fand ich einige Fusionsrezepte, die ich nicht unbedingt in einem türkischen Rezeptbuch erwartet hätte und teilweise schon ausprobiert habe, etwa die scharfe Möhren-Orangensuppe  und den Ofenkürbis mit Schafskäsecreme. Variationen wie Baklava Style pancakes (die klassische Baklava ist mir persönlich einfach viel zu süß) klingen auch total lecker. Mit Möhren-Cacic und dem Bauernsalat mit Avocado gibt es ebenfalls ein paar lecker klingende leichte Gerichte, die jetzt bei mir auf Umsetzung warten.   Dass es auch noch ein "love dinner" mit eigenem Rezeptteil gibt,  ist ein nettes Extra nicht nur zum Valentinstag.  Die meisten Rezepte klingen leicht umsetzbar, die Zutatenliste dürfte ebenfalls kein Problem sein - eine gelungene Sammlung jenseits des klassischen Döner und Lahmacun.

Sila Sahin, Silas Orientküche

G+U, 2020

160 Seiten, 19,99 Euro

978-3-8338-7584-7


Friday, September 11, 2020

Fusion rules! Veggie kann auch anders

Mit "Veggie kann auch anders" hat sich Kochbuchautorin Anne-Katrin Weber vorgenommen, nicht das x-te Rezept für Linsenbolognese zu präsentieren, sondern bekannte Gerichte in ungewöhnlichen Kombinationen aufzupeppen. Bei der Durchsicht der Rezepte finde ich: das ist ihr gut gelungen! In dieser Rezeptsammlung haben Fusion und crossover kochen klar die Nase vorn. Das gilt sowohl für die Verbindung von mediterranen und südostasiatischen Geschmacksrichtungen wie auch für ungewöhnliche Zutatenkombinationen.

Eine Art "Mauerfall im Kochtopf" strebte die Autorin an: "Traditionelle Rezepte aus den unterschiedlichsten Kulturen werden zerlegt, neu gemischt oder anders kombiniert. Die Zutaten und Aromen der Welt verschmelzen zu ganz neuen Gerichten. Und: Experimente sind nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht."

Und gerade mit frischen Kräutern wird aufgetrumpft. Zum Beispiel beim Puy-Linsensalat mit Pimentos de Padrón, in dem außer den spanischen Pimentos Koriander und Sesam Akzente setzen. Oder: Zitrusfrischer Rosenkohlsalat mit Nussdressing - das verspricht ein ganz neues Geschmackserlebnis. Das gilt auch für den Quinoa-Röstgemüsesalat, in dem Zitronengras und Kakonibs eine unerwartete Verbindung eingehen. Die scharfe Ofentomatensuppe mit Harissa ist ganz klar eine Kandidatin für kalte Herbst- und Winterabende, auch das Zitronenrisotto mit Kardamon-Möhren oder die Backofen-Kürbisfritten mit Chermoula-Mayo sind meine heißen Kandidaten aus dieser Rezeptsammlung für kühlere Tage. Der Herbst kann kommen!

Die 75 Gerichte in diesem Buch machen nicht nur neugierig, sie regen auch die eigene Experimentierbereitschaft an. Langweilig kocht anders.

Anne-Katrin Weber,  Veggie kann auch anders
G + U, 2020
192 Seiten,  19,99
 978-3-8338-7571-7

Wednesday, September 2, 2020

Vegetarisch in den Feierabend

Wer geschafft von einem langen Arbeitstag nach Hause kommt (oder in Corona-Zeiten irgendwann im Homeoffice den Rechner runterfährt), will meist nicht mehr viel Zeit mit Essensvorbereitungen verbringen. Der Feierabend wartet, der Magen knurrt, und es gibt schöneren Zeitvertreib als aufwändiges Kochen - sei es ein gemütlicher Fernsehabend oder eine Lesestunde. Und wer vorher noch eine Sporteinheit eingelegt haben sollte, will erst recht was essen.

Für diejenigen, die dabei nicht an ein Wurst- oder Schinkenbrot denken, hat Susanne Bodensteiner das Buch "Feierabendfood vegetarisch" geschrieben. Verglichen mit anderen der G+U-Reihe ist es mit 70 Rezepten eher überschaubar (vielleicht erscheint mir das auch doppelt, da derzeit "Vegan" aus der Goldenen Reihe des Verlags einen gewichtigen Teil meiner Food-Lektüre stellt). 

Dennoch ist es nicht so, dass man hier nicht fündig wird. Ob Salate, Suppen oder (mein persönliches Lieblinskapitel) Soulfood für  den Feierabend - die Rezepte versprechen Abwechslung, leichte Kost und schnelle Zubereitung mit Zutaten, die nicht aufwändig zu besorgen sind. Pilzgulasch mit Schupfnudeln ist zum Beispiel ein Gericht aus dem Souldfood-Kapitel, das mich mit Gedanken an einen nasskalten Herbstabend anlacht. Oder Kürbis-Paprika-Curry, mit den der saisonale Herbstklassiker mal etwas anders aufgepeppt wird. Deftig, aber fleischlos ist der Linsensalat  mit Paprika sicher ein Gericht, der sicher auch als Mitnahme-Lunch gut geeignet ist, wenn Reste übrig bleiben. Überhaupt sind die Gerichte variabel  - der Frühstücksklassiker Shakshuka etwa wird auch als Abendessen vorgeschlagen. und die Kichererbsensuppe mit Harissa-Öl dürfte zu jeder Tages- und Nachtzeit wärmen!

Wie üblich, gibt es in den Zwischenkapiteln nützliche Tipps, manche schon aus anderen Büchern bekannt, aber es gibt ja stets Erstleser. Etwa wenn es darum geht, was an Vorräten vorhanden sein sollte, um schnell was auf den Tisch zu zaubern, wie sich leicht variieren lässt - in diesem Fall auch, wie sich aus einem vegetarischen ein verganes Gericht machen lässt.

Da es am Feierabend nicht nur um Essen und Relaxen gehen soll, gibt es auch gesunde Snack-Vorschläge und Ideen, auch ohne Fitness-Studio während des Feierabends beweglichzu bleiben und in Bewegung.

Susanne Bodensteiner, Feierabendfood vegetarisch. 70 Rezepte zum Runterkommen
G+U, 2020
160 Seiten. 19,99
 978-3-8338-7556-4

Tuesday, August 11, 2020

Arnika, Kamille oder Ingwer statt chemischer Keule

Was tun bei Schmerzen? Man kann schnell zu einer Tablette greifen - oder man kann erst mal versuchen, auf "natürliche" Weise mit dem Problem fertig zu werden. Ich gebe zu, ich gehöre zu der zweiten Gruppe, und deshalb habe ich mich über das Erscheinen von Aruna Siewerts Buch "Natürliche Schmerzkiller" gefreut.  Wie beim G+U Verlag üblich, ist es ein eher schmales Bändchen, dabei aber informativ, übersichtlich gestaltet und illustriert.

So manches kannte ich schon - Ingwer gegen Reisekrankheit,  Arnika gegen Entzündungsschmerzen, Capsicin als wärmende Hilfe bei verspannten Wirbeln und natürlich Kamille oder Pfefferminze als bewährte Hausmittel. Siewert erläutert aber detailiert die Anwendung und Wirkung und erweitert so auch das Wissen, warum die Kräuter, Tees und Wickel, die meine Omas von ihren Müttern und Großmüttern kannten, funktionieren.

Ein bißchen "Überbau" gibt es auch über Schmerzen, warum sie auch ein wichtiges Signal des Körpers sein können, über Schmerzgedächtnis und letztlich ja auch Achtsamkeit im Umgang mit dem eigenen Körper. Schulmedizin wird nicht per se verteufelt, sondern ebenfalls in ihrem Ansatz mit Schmerzproblemen beschrieben.

Dabei macht Siewert auch die Grenzen der natürlichen Schmerzkiller und Heilmittel deutlich. Denn die mögen im einen Fall ganz alleine ausreichen, in einem anderen womöglich in begleitender Kombination, etwa um die Dosierung pharmazeutischer Schmerzmittel zu senken, die chemische Keule gewissermaßen etwas leichter zu gestalten. Es gebe aber auch Fälle, könnten die pflanzlichen Heilmittel einfach nicht genug ausrichten und daher auch nicht empfohlen werden.

Aruna M. Siewert, Natürliche Schmerzkiller
G+U, 2020
128 Seiten, 14,99
978-3-8338-7312-6 

Saturday, July 11, 2020

Vegan muss nicht eintönig sein!

Es ist ziemlich schwer, in der GU-Reihe ein Kochbuch zu finden, mit dem ich so gar nichts anfangen kann. Höchstens, wenn es sich um ein Geschenk handelt mit einer Küchenrichtung, die so gar nicht meine ist. Der einzige Kritikpunkt ist meist, dass es sich um eher schmale, übersichtliche Bändchen handelt. Appetithappen von einem Kochbuch gewissermaßen, während sich der hungrige Leser/Hobbykoch einen Nachschlag gewünscht hätte.

Bei "Vegan! Das Goldene" ist das ganz und gar nicht so. Mit einem Umfang von 400 Seiten bleibt hier keiner hungrig und ohne Anregungen. Auch wenn die Zielgruppe offensichtlich vegan lebt, kocht und isst, finden auch Vegetarier und Flexitarier viele leckere Gerichte - und die leidenschaftlichen Carnivoren könnten zumindest mal ins Nachdenken geraten, ob sie sich nicht für das eine oder andere Gericht erwärmen könnten. Zumal es sehr viel gibt, was schon mal lecker in den Tag hilft - ob Müsli oder selbstgemachte Energieriegel, Smoothies oder Brot, Dips und Aufstriche, die schon beim Lesen das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Golden Mango Milk (mit Kurkuma) oder Schoko-Pflaumen-Smoothie etwa haben mich sofort überzeugt.

Sehr viele Rezepte dürften der Tatsache geschuldet sein, dass Veganer in Kantinen meist nur ein sehr sparsames Angebot finden, denn es gibt viele Snacks und "to go"-Rezepte, die als Lunch im Glas oder aus der Box für den kleinen Hunger zwischendurch gedacht sind und neue Energie liefern. Der Bulgursalat mit scharfen Möhren etwa hatte es mir sofort angetan. Zudem sind so viele Geschmacksrichtungen vertreten, dass wirklich für jeden etwas dabei ist, zu meiner Freude auch vieles, was orientalisch, mediterran oder asiatisch ist. Dass auch viele Currys enthalten sind, dürfte niemanden wundern, der die indische Küche kennt - so ein leckeres Dhal etwa ist schließlich in vielen Variationen möglich.

Aus meiner ganz persönlichen Sicht überflüssig sind die Gerichte, die nach Fleisch aussehen, angeblich auch so schmecken, aber trotzdem vegane Schnitzel, Burger oder "Currywürste" sind. Aber das ist vermutlich meine flexitarische Ignoranz, die nicht einsieht, warum jemand, der vegan lebt, dennoch etwas essen will, was nach Fleisch aussieht. Auf den wie immer in der Buchreihe liebevoll fotografierten und anregend angerichteten Beispielbildern wirkt der vegane Fleischlook jedenfalls überzeugend.

Zugegeben: Ich werde nie eine echte Veganerin - dazu esse ich viel zu gerne Käse. Und vermutlich werde ich bei so manchem Gericht auch mal schummeln und Milch oder Joghurt statt die pflanzlichen Alternativen benutzen, schon allein deswegen, weil ich sie nicht vorrätig habe. Aber auf diesen 400 Seiten habe ich vieles entdeckt, was in den nächsten Wochen und Monaten bei mir auf den Teller kommen dürfte.   Und auf die "goldene Reihe" bin ich jetzt auch aufmerksam geworden.

Adriane Andreas, Vegan! Das Goldene
Gräfe und Unzer, 2020
400 Seiten, 20 Euro
 978-3-8338-7570-0

Friday, June 26, 2020

Pest und Corona - von Pandemien der Vergangenheit lernen

Kein Zweifel: Die Covid-19 Pandemie hat unser Leben verändert. Ob Reise- und Bewegungsfreiheit, Warenflüsse und Handelswege, die Organisation des Arbeitsalltags oder das soziale Miteinander - all dies erlebt derzeit eine Zäsur. Es gibt die Zeit vor Corona und diese neue, seltsame Realität mit Maskenzwang, sozialer Distanz, Abstandsregeln und einer ganz neuen Wertschätzung von Hygiene. 

"Die Pest" von Camus erlebt eine literarische Neuentdeckung durch eine neue Lesergeneration, Mund-Nase-Masken gehören zum Styling des Frühjahrs/Sommer 2020 - und wer weiß, wie lange sie uns noch begleiten. Lässt sich aus Pandemien der Vergangenheit etwas für unsere Corona-Wirklichkeit und möglicherweise für die Zukunft lernen? Die beiden Medizinhistoriker Heiner Fangerau und Alfons Labisch ziehen in ihrem Buch "Pest und Corona" Vergleuche, auch zum Umgang mit Krankheiten.

In den Wirtschaftswunderjahren etwa seien Gripppetote noch eher hingenommen worden,  mittlerweile würden vorzeitige Tode nicht mehr hingenommen. An die Stelle eines gewissen Fatalismus sei die Forderung getreten, dass jedes Leben gerettet werden solle.

Die Methoden im Umgang mit Pandemien ähneln sich, auch wenn sich die Einstellung zu Kranken geändert hat, seit Pestkranke vom Rest der Gesellschaft regelrecht geächtet und ihrem Schicksal überlassen  wurden. Kontaktbeschränkungen etwa seien schon während der Spanischen Grippe angewandt worden.

Die Mobilität der Menschen im 21. Jahrhundert, das weltweite Reisen, Massenveranstaltungen und Eventkultur bilden allerdings eine besondere Herausforderung in Zeiten von Pandemien. Um so wichtiger, so die Schlussfolgerung der Autoren, Erreger  neuer Pandemien schnell und frühzeitig einzugrenzen - am besten schon dort, wo sie entstehen. Eine Schlüsselrolle spielten dabei die Flughäfen - angesichts der modernen internationalen Drehkreuze, wo in der Zeit vor Corona Menschen aus aller Welt und mit allen möglichen Zielen im Transitbereich, am Gepäckband oder an der Sicherheitskontrolle ihre Wege kreuzten (und womöglich Viren weiter reichten) - eine naheliegende Schlussfolgerung,

Allerdings zeige die Vergangenheit, dass nach einer Epidemie zwar fleißig analysiert und geplant werde. Dann aber geschehe wenig, um die nächste Pandemie zu stoppen oder gar zu verhindern, so die eher desillusionierte Erkenntnis der Analyse.

Heiner Fangerau Alfons Labisch, Pest und Corona. Pandemien in Geschichte, Gegenwart und Zukunft
Herder 2020, 18 Euro, 
ISBN 978-3451388798

Sunday, June 7, 2020

Nicht nur Sushi und Teriyaki - Kochen wie in Japan

Zugegeben: Ich habe eine Schwäche für Sushi. Selbst habe ich mich allerdings noch nie an die kleinen Röllchen gemacht - und in die Tiefe der japanischen Küche bin ich bislang auch nicht eingetaucht. Das könnte sich jetzt allerdings ändern, denn mit ihrem Buch "Kochen wie in Japan" beschreibt Kaoru Iriyama nicht nur rund 60 Rezepte, die mit apettitanregenden Fotos ergänzt sind, sondern erklärt auch ein Stück weit die japanische Esskultur und Tradition. Neben typischen und traditionellen Gerichten gibt es auch neue Kreationen und solche, die angepasst sind an das, was auch hierzulande problemlos an Zutaten beschafft werden kann.

Klar, Sushi oder Misosuppe dürfen nicht fehlen. Ramen-Nudeln gibt es hier nicht in der Instant-Variante, sondern mit frischen Zutaten. Wer es süß liebt, kann auch japanische Süßigkeiten und Desserts ausprobieren. Demnächst einmal Matcha-Torte mit dem dazupassenden Tee? Als bekennende Kaffeinsüchtige sehe ich das für mich selbst erst einmal nicht, aber dank der Schritt- für-Schritt-Anleitungen wird der Leser/Koch quasi bei der Hand genommen - was ja gerade bei einer Esskultur, die sich deutlich von der eigenen unterscheidet, schon eine große Hilfe ist.

Mindestens ebenso nützlich und interessant ist, dass die Autorin das Konzept - gewissermaßen die Philosophie - der japanischen Küche beschreibt. Das endet nicht mit der Zubereitung eines Gerichts, sondern auch Anrichten und Präsentation spielen eine Rolle.

Kaoru Iriyama, Kochen wie in Japan
GU 2020
144 Seiten , 17,99

978-3-8338-7304-1