Wednesday, October 7, 2020

Zeit für Kurkuma und Masala - "Kochen wie in Indien"

 Meine erste Begegnung mit der indischen Küche fand nicht an den Stränden von Goa, im Gewusel von Mumbai oder im Schatten des Taj Mahal statt. Im "Balti triangle"des englischen Birmingham dürfte sie aber ebenso authentisch gewesen sein, mit unspektakulären aber leckeren Restaurants zwischen Läden, die Saris und Stoffe, Ghee und damals noch sehr exotische Früchte verkauften und die meisten Menschen in den Restaurants hatten indische oder pakistanische Wurzeln. 

Es war kulinarische Liebe auf den ersten Biss, und deshalb freue ich mich immer, ein neues Kochbuch kennen zu lernen, dass mir neue Variationen der vielfältigen indischen Küche näher bringt. "Kochen wie in  Indien" von Robi Banerjee und Indrani Roychoudhury ist so ein Buch. Wie bei ähnlichen Büchern der von G+U publizierten Reihe darf ein bißchen Landeskunde nicht fehlen - die Top-five-Zutaten ebensowenig wie das, was man in Indien unbedingt sehen und erleben sollte. Klar, dass Kurkuma und Masala nicht fehlen dürfen.

Einige basics wie Chutney, Raita oder Naan zum Selbermachen werden vorgestellt, und auch sonst sind die Rezepte so zusammengestellt, dass die Zutatensuche zur zeitraubenden Recherche wird. Nicht nur in Großstädten mit internationaler Zusammensetzung sind Supermärkte hier ja mittlerweile gut aufgestellt, auch bei Gewürzen, die in der deutschen Küche eher nicht eingesetzt werden. 

In der kalten Jahreszeit tut scharfes Essen ja besonders gut, wärmt es doch nicht nur den Magen auf. Das Garnelen-Masala klingt da sehr vielversprechend für Gäste oder einen Verwöhn-Abend. Das im Backofen vor sich hin garende Auberginencurry dürfte ein gutes Gericht sein, wenn vor dem Essen noch einiges andere zu erledigen ist und auch das würzige Auberginenpüree als südasiatische Antwort auf mein geliebtes Baba ganoush wird demnächst sicher ausprobiert. Ein bißchen Crossover ist auch vertreten - etwa Kürbiscurry und Kidneybohnencurry, die ich beide nicht in einem indischen Kochbuch erwartet hätte. Oder, es muss schließlich nicht immer Reis sein, ein Hirse-Pilao, das ein etwas anderes Geschmachserlebnis verspricht.

Ergänzt ist auch dieses Buch mit farbenfrohen indischen Straßenszenen. Die dazugehörige Garküche muss man sich am heimischen Herd einfach dazu denken. Namaste!


 Robi Banerjee , Indrani Roychoudhury, Kochen wie in Indien

G+U, 2020

144 s. 14,99 Euro

 9783833876042


 

Monday, October 5, 2020

Runde Sache für den Herbst: Kürbis

"Kürbis" von Tanja Dusy ist mit 127 Seiten ein vergleichsweise schmaler Kochbuchband aus der G+U-Reihe, aber  es geht ja auch überwiegend um Variationen eines Gemüsethemas. Das Buch ist keine Neuerscheinung, aber mir neulich beim Stöbern in der Online-Bibliothek vor die Augen gekommen, also gerade passend zur Jahreszeit. Wer denkt da nicht an Halloween, an Linus aus den "Peanuts" und sein sehnsüchtiges Warten auf den großen Kürbis?

Auch ich warte, wenn es kühler wird und die Tage kürzer, auf die Ankunft von Butternut, Hokkaido und Co, die ein bißchen warme Farbe in den Herbst bringen. Wie der Zufall es wollte, köchelte gerade eine Kürbissuppe mit Ingwer, Baharat und Curry auf meinem Herd, als ich mich an die Lektüre machte. Klar habe ich wie wohl jede´r mein Kürbissuppen Stammrezept, oder setze gerne auf mediterran marinierte Kürbisspalten mit Röstaromen aus dem Ofen - aber das heißt natürlich nicht, nich offen für neues zu sein.

Gleich bei Aufschlagen der Rezeptsammlung etwa gibt es eine Anregung, die ich bisher nur bei Auberginen kannte: Butternut-Kürbis halbieren, rautenförmig einritzen, mit Konblauchstiften spicken, Rosmarin-Zweig auf und ab in den Ofen - später kann er dann aus der Schale gelöffelt werden. Das wird balmöglichst ausprobiert!

Überhaupt haben es mir in dieser Sammlung vor allem die vegetarischen Vorschläge angetan - ob nun Kürbis-Hummus oder Kürbismus mit Ingwer, ob Kürbis-Gorgonzola-Risotto oder das herbstlich-deftige Kürbis-Rosenkohl-Gratin. Flammkuchen, Pizza und natürlich Suppen und Chutney gehören zur Kürbis-Vielfalt. Wer es süß mag, kann mit Kürbis-Zitrus Mousse oder Kürbis-Pfannkuchen auch Dessert- und Frühstücksideen umsetzen.


Tanja Dusy, Kürbis,

G+U, 2018

127 Seiten, 9,99

978-3-8338-6727-9



Friday, October 2, 2020

Atlantik auf dem Tisch - kochen mit saudade

 Eigentlich müsste man beim Lesen eine Fado-CD einlegen. Zum einen natürlich, weil "Kochen wie in Portugal" Erinnerungen an Saudade, gekachelte Häuser, Korkeichen und Atlantikstrände weckt. Zum anderen, weil es außer den Fotos der Gerichte auch eine ganze Reihe von Bildern gibt, die Erinnerungen und Fernweh wecken. Also in Corona-Zeiten eigentlich genau die melancholische Stimmung,  die auch Fado ausdrückt. Kochen mit "Saudade" - wobei es schwer fällt, bei diesen Rezepten traurig aufzuseufzen.

Autor Antonio Bras ist eigentlich Medienkünstler - aber mit Essen und Trinken kann er sich offenbar begeistern. Das darf auch gerne scharf sein - Piri-Piri-Sauce ist nicht nur in einer Reihe von Rezepten vertreten, es gibt auch ein eigenes Rezept dafür. Und klar, dass in einem Portugal-Kochbuch Kabeljau - natürlich auch als Stockfisch - nicht fehlen darf.

Auch sonst spielen Zutaten aus dem Meer eine wichtige Rolle. Garnelen im pikanten Weißweinsud etwa - damit lassen sich sowohl Gäste bewirten als auch ein romantischer Abend einleiten. Auch der Oktopussalat klingt ausgesprochen lecker. Ehrensache, das Sardinen nicht fehlen dürfen - hier gebraten  mit einer Kräuter-Öl-Sauce. Und Fisch satt verspricht der Lissabonner Fischtopf.

Eher an eine Salsa als an eine Suppe erinnert das portugiesische Gazpacho "Arjamolho" - da kann der nächste Sommer gar nicht schnell genug kommen.  Vegetarier/Veganer dürften auch bei Bohnenklößchen in Tomaten-Kokos-Süppchen auf ihre Kosten kommen, bei der ganz offensichtlich das portugiesische Kolonialerbe kulinarisch eine Rolle spielt - doch ob die Einflüsse aus Brasilien oder beispielsweise Mocambique kommen, wird nicht verraten. 

Wer sich schon einmal durch portugiesische Bäckereien gefuttert hat, weiß: Süße Teigteilchen werden in Portugal sehr ernst genommen, und jede Region hat ihre Spezialitäten. Für süße Nachtische gibt es daher ein Extra-Kapitel, bei dem auch die berühmten pasteis de nata nicht fehlen dürfen. Ob der Selbstversuch wohl jemals an die Blätterteigtörtchen heranreicht, für die die Menschen vor der berühmten Konditorei in Belem so unermüdlich Schlange stehen?


Antonio Bras, Kochen wie in Portugal

G + U, 2020

144 seiten, 17,99

978-3-8338-7597-7

Thursday, September 17, 2020

Ein Hauch von Orient - Veggie-Fusion inklusive

 Zugegeben, wenn Promis Bücher schreiben, bin ich immer erst mal verhalten - egal, ob es nun um Fitness, Ernährung oder whatever geht. Ein bekannter Name mag ein Zugpferd sein, und der Inhalt ist dann nicht in allen Fälle so berauschend. Allerdings liebe ich die Küche des Nahen Ostens, und mit türkischen Rezepten bin ich noch nicht so gut bestückt.

Sympathisch ist auf jeden Fall, wie die Autorin von ihrem eigenen deutsch-türkischen (kulinarischen) Aufwachsen erzählt. Auch die Tatsache, dass die Rezepte so zusammengestellt sind, dass Frauen mit wenig Zeit nicht stundenlang in der Küche stehen müssen, fand ich gut. Angenehm überrascht haben mich auch die Gemüse-Variationen einiger nun doch sehr fleischreicher türkischer Gerichte wie Gemüse Köfte und Veggie Döner. 

Auch sonst fand ich einige Fusionsrezepte, die ich nicht unbedingt in einem türkischen Rezeptbuch erwartet hätte und teilweise schon ausprobiert habe, etwa die scharfe Möhren-Orangensuppe  und den Ofenkürbis mit Schafskäsecreme. Variationen wie Baklava Style pancakes (die klassische Baklava ist mir persönlich einfach viel zu süß) klingen auch total lecker. Mit Möhren-Cacic und dem Bauernsalat mit Avocado gibt es ebenfalls ein paar lecker klingende leichte Gerichte, die jetzt bei mir auf Umsetzung warten.   Dass es auch noch ein "love dinner" mit eigenem Rezeptteil gibt,  ist ein nettes Extra nicht nur zum Valentinstag.  Die meisten Rezepte klingen leicht umsetzbar, die Zutatenliste dürfte ebenfalls kein Problem sein - eine gelungene Sammlung jenseits des klassischen Döner und Lahmacun.

Sila Sahin, Silas Orientküche

G+U, 2020

160 Seiten, 19,99 Euro

978-3-8338-7584-7


Friday, September 11, 2020

Fusion rules! Veggie kann auch anders

Mit "Veggie kann auch anders" hat sich Kochbuchautorin Anne-Katrin Weber vorgenommen, nicht das x-te Rezept für Linsenbolognese zu präsentieren, sondern bekannte Gerichte in ungewöhnlichen Kombinationen aufzupeppen. Bei der Durchsicht der Rezepte finde ich: das ist ihr gut gelungen! In dieser Rezeptsammlung haben Fusion und crossover kochen klar die Nase vorn. Das gilt sowohl für die Verbindung von mediterranen und südostasiatischen Geschmacksrichtungen wie auch für ungewöhnliche Zutatenkombinationen.

Eine Art "Mauerfall im Kochtopf" strebte die Autorin an: "Traditionelle Rezepte aus den unterschiedlichsten Kulturen werden zerlegt, neu gemischt oder anders kombiniert. Die Zutaten und Aromen der Welt verschmelzen zu ganz neuen Gerichten. Und: Experimente sind nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht."

Und gerade mit frischen Kräutern wird aufgetrumpft. Zum Beispiel beim Puy-Linsensalat mit Pimentos de Padrón, in dem außer den spanischen Pimentos Koriander und Sesam Akzente setzen. Oder: Zitrusfrischer Rosenkohlsalat mit Nussdressing - das verspricht ein ganz neues Geschmackserlebnis. Das gilt auch für den Quinoa-Röstgemüsesalat, in dem Zitronengras und Kakonibs eine unerwartete Verbindung eingehen. Die scharfe Ofentomatensuppe mit Harissa ist ganz klar eine Kandidatin für kalte Herbst- und Winterabende, auch das Zitronenrisotto mit Kardamon-Möhren oder die Backofen-Kürbisfritten mit Chermoula-Mayo sind meine heißen Kandidaten aus dieser Rezeptsammlung für kühlere Tage. Der Herbst kann kommen!

Die 75 Gerichte in diesem Buch machen nicht nur neugierig, sie regen auch die eigene Experimentierbereitschaft an. Langweilig kocht anders.

Anne-Katrin Weber,  Veggie kann auch anders
G + U, 2020
192 Seiten,  19,99
 978-3-8338-7571-7

Wednesday, September 2, 2020

Vegetarisch in den Feierabend

Wer geschafft von einem langen Arbeitstag nach Hause kommt (oder in Corona-Zeiten irgendwann im Homeoffice den Rechner runterfährt), will meist nicht mehr viel Zeit mit Essensvorbereitungen verbringen. Der Feierabend wartet, der Magen knurrt, und es gibt schöneren Zeitvertreib als aufwändiges Kochen - sei es ein gemütlicher Fernsehabend oder eine Lesestunde. Und wer vorher noch eine Sporteinheit eingelegt haben sollte, will erst recht was essen.

Für diejenigen, die dabei nicht an ein Wurst- oder Schinkenbrot denken, hat Susanne Bodensteiner das Buch "Feierabendfood vegetarisch" geschrieben. Verglichen mit anderen der G+U-Reihe ist es mit 70 Rezepten eher überschaubar (vielleicht erscheint mir das auch doppelt, da derzeit "Vegan" aus der Goldenen Reihe des Verlags einen gewichtigen Teil meiner Food-Lektüre stellt). 

Dennoch ist es nicht so, dass man hier nicht fündig wird. Ob Salate, Suppen oder (mein persönliches Lieblinskapitel) Soulfood für  den Feierabend - die Rezepte versprechen Abwechslung, leichte Kost und schnelle Zubereitung mit Zutaten, die nicht aufwändig zu besorgen sind. Pilzgulasch mit Schupfnudeln ist zum Beispiel ein Gericht aus dem Souldfood-Kapitel, das mich mit Gedanken an einen nasskalten Herbstabend anlacht. Oder Kürbis-Paprika-Curry, mit den der saisonale Herbstklassiker mal etwas anders aufgepeppt wird. Deftig, aber fleischlos ist der Linsensalat  mit Paprika sicher ein Gericht, der sicher auch als Mitnahme-Lunch gut geeignet ist, wenn Reste übrig bleiben. Überhaupt sind die Gerichte variabel  - der Frühstücksklassiker Shakshuka etwa wird auch als Abendessen vorgeschlagen. und die Kichererbsensuppe mit Harissa-Öl dürfte zu jeder Tages- und Nachtzeit wärmen!

Wie üblich, gibt es in den Zwischenkapiteln nützliche Tipps, manche schon aus anderen Büchern bekannt, aber es gibt ja stets Erstleser. Etwa wenn es darum geht, was an Vorräten vorhanden sein sollte, um schnell was auf den Tisch zu zaubern, wie sich leicht variieren lässt - in diesem Fall auch, wie sich aus einem vegetarischen ein verganes Gericht machen lässt.

Da es am Feierabend nicht nur um Essen und Relaxen gehen soll, gibt es auch gesunde Snack-Vorschläge und Ideen, auch ohne Fitness-Studio während des Feierabends beweglichzu bleiben und in Bewegung.

Susanne Bodensteiner, Feierabendfood vegetarisch. 70 Rezepte zum Runterkommen
G+U, 2020
160 Seiten. 19,99
 978-3-8338-7556-4

Tuesday, August 11, 2020

Arnika, Kamille oder Ingwer statt chemischer Keule

Was tun bei Schmerzen? Man kann schnell zu einer Tablette greifen - oder man kann erst mal versuchen, auf "natürliche" Weise mit dem Problem fertig zu werden. Ich gebe zu, ich gehöre zu der zweiten Gruppe, und deshalb habe ich mich über das Erscheinen von Aruna Siewerts Buch "Natürliche Schmerzkiller" gefreut.  Wie beim G+U Verlag üblich, ist es ein eher schmales Bändchen, dabei aber informativ, übersichtlich gestaltet und illustriert.

So manches kannte ich schon - Ingwer gegen Reisekrankheit,  Arnika gegen Entzündungsschmerzen, Capsicin als wärmende Hilfe bei verspannten Wirbeln und natürlich Kamille oder Pfefferminze als bewährte Hausmittel. Siewert erläutert aber detailiert die Anwendung und Wirkung und erweitert so auch das Wissen, warum die Kräuter, Tees und Wickel, die meine Omas von ihren Müttern und Großmüttern kannten, funktionieren.

Ein bißchen "Überbau" gibt es auch über Schmerzen, warum sie auch ein wichtiges Signal des Körpers sein können, über Schmerzgedächtnis und letztlich ja auch Achtsamkeit im Umgang mit dem eigenen Körper. Schulmedizin wird nicht per se verteufelt, sondern ebenfalls in ihrem Ansatz mit Schmerzproblemen beschrieben.

Dabei macht Siewert auch die Grenzen der natürlichen Schmerzkiller und Heilmittel deutlich. Denn die mögen im einen Fall ganz alleine ausreichen, in einem anderen womöglich in begleitender Kombination, etwa um die Dosierung pharmazeutischer Schmerzmittel zu senken, die chemische Keule gewissermaßen etwas leichter zu gestalten. Es gebe aber auch Fälle, könnten die pflanzlichen Heilmittel einfach nicht genug ausrichten und daher auch nicht empfohlen werden.

Aruna M. Siewert, Natürliche Schmerzkiller
G+U, 2020
128 Seiten, 14,99
978-3-8338-7312-6