Tuesday, August 11, 2020

Arnika, Kamille oder Ingwer statt chemischer Keule

Was tun bei Schmerzen? Man kann schnell zu einer Tablette greifen - oder man kann erst mal versuchen, auf "natürliche" Weise mit dem Problem fertig zu werden. Ich gebe zu, ich gehöre zu der zweiten Gruppe, und deshalb habe ich mich über das Erscheinen von Aruna Siewerts Buch "Natürliche Schmerzkiller" gefreut.  Wie beim G+U Verlag üblich, ist es ein eher schmales Bändchen, dabei aber informativ, übersichtlich gestaltet und illustriert.

So manches kannte ich schon - Ingwer gegen Reisekrankheit,  Arnika gegen Entzündungsschmerzen, Capsicin als wärmende Hilfe bei verspannten Wirbeln und natürlich Kamille oder Pfefferminze als bewährte Hausmittel. Siewert erläutert aber detailiert die Anwendung und Wirkung und erweitert so auch das Wissen, warum die Kräuter, Tees und Wickel, die meine Omas von ihren Müttern und Großmüttern kannten, funktionieren.

Ein bißchen "Überbau" gibt es auch über Schmerzen, warum sie auch ein wichtiges Signal des Körpers sein können, über Schmerzgedächtnis und letztlich ja auch Achtsamkeit im Umgang mit dem eigenen Körper. Schulmedizin wird nicht per se verteufelt, sondern ebenfalls in ihrem Ansatz mit Schmerzproblemen beschrieben.

Dabei macht Siewert auch die Grenzen der natürlichen Schmerzkiller und Heilmittel deutlich. Denn die mögen im einen Fall ganz alleine ausreichen, in einem anderen womöglich in begleitender Kombination, etwa um die Dosierung pharmazeutischer Schmerzmittel zu senken, die chemische Keule gewissermaßen etwas leichter zu gestalten. Es gebe aber auch Fälle, könnten die pflanzlichen Heilmittel einfach nicht genug ausrichten und daher auch nicht empfohlen werden.

Aruna M. Siewert, Natürliche Schmerzkiller
G+U, 2020
128 Seiten, 14,99
978-3-8338-7312-6 

Saturday, July 11, 2020

Vegan muss nicht eintönig sein!

Es ist ziemlich schwer, in der GU-Reihe ein Kochbuch zu finden, mit dem ich so gar nichts anfangen kann. Höchstens, wenn es sich um ein Geschenk handelt mit einer Küchenrichtung, die so gar nicht meine ist. Der einzige Kritikpunkt ist meist, dass es sich um eher schmale, übersichtliche Bändchen handelt. Appetithappen von einem Kochbuch gewissermaßen, während sich der hungrige Leser/Hobbykoch einen Nachschlag gewünscht hätte.

Bei "Vegan! Das Goldene" ist das ganz und gar nicht so. Mit einem Umfang von 400 Seiten bleibt hier keiner hungrig und ohne Anregungen. Auch wenn die Zielgruppe offensichtlich vegan lebt, kocht und isst, finden auch Vegetarier und Flexitarier viele leckere Gerichte - und die leidenschaftlichen Carnivoren könnten zumindest mal ins Nachdenken geraten, ob sie sich nicht für das eine oder andere Gericht erwärmen könnten. Zumal es sehr viel gibt, was schon mal lecker in den Tag hilft - ob Müsli oder selbstgemachte Energieriegel, Smoothies oder Brot, Dips und Aufstriche, die schon beim Lesen das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Golden Mango Milk (mit Kurkuma) oder Schoko-Pflaumen-Smoothie etwa haben mich sofort überzeugt.

Sehr viele Rezepte dürften der Tatsache geschuldet sein, dass Veganer in Kantinen meist nur ein sehr sparsames Angebot finden, denn es gibt viele Snacks und "to go"-Rezepte, die als Lunch im Glas oder aus der Box für den kleinen Hunger zwischendurch gedacht sind und neue Energie liefern. Der Bulgursalat mit scharfen Möhren etwa hatte es mir sofort angetan. Zudem sind so viele Geschmacksrichtungen vertreten, dass wirklich für jeden etwas dabei ist, zu meiner Freude auch vieles, was orientalisch, mediterran oder asiatisch ist. Dass auch viele Currys enthalten sind, dürfte niemanden wundern, der die indische Küche kennt - so ein leckeres Dhal etwa ist schließlich in vielen Variationen möglich.

Aus meiner ganz persönlichen Sicht überflüssig sind die Gerichte, die nach Fleisch aussehen, angeblich auch so schmecken, aber trotzdem vegane Schnitzel, Burger oder "Currywürste" sind. Aber das ist vermutlich meine flexitarische Ignoranz, die nicht einsieht, warum jemand, der vegan lebt, dennoch etwas essen will, was nach Fleisch aussieht. Auf den wie immer in der Buchreihe liebevoll fotografierten und anregend angerichteten Beispielbildern wirkt der vegane Fleischlook jedenfalls überzeugend.

Zugegeben: Ich werde nie eine echte Veganerin - dazu esse ich viel zu gerne Käse. Und vermutlich werde ich bei so manchem Gericht auch mal schummeln und Milch oder Joghurt statt die pflanzlichen Alternativen benutzen, schon allein deswegen, weil ich sie nicht vorrätig habe. Aber auf diesen 400 Seiten habe ich vieles entdeckt, was in den nächsten Wochen und Monaten bei mir auf den Teller kommen dürfte.   Und auf die "goldene Reihe" bin ich jetzt auch aufmerksam geworden.

Adriane Andreas, Vegan! Das Goldene
Gräfe und Unzer, 2020
400 Seiten, 20 Euro
 978-3-8338-7570-0

Friday, June 26, 2020

Pest und Corona - von Pandemien der Vergangenheit lernen

Kein Zweifel: Die Covid-19 Pandemie hat unser Leben verändert. Ob Reise- und Bewegungsfreiheit, Warenflüsse und Handelswege, die Organisation des Arbeitsalltags oder das soziale Miteinander - all dies erlebt derzeit eine Zäsur. Es gibt die Zeit vor Corona und diese neue, seltsame Realität mit Maskenzwang, sozialer Distanz, Abstandsregeln und einer ganz neuen Wertschätzung von Hygiene. 

"Die Pest" von Camus erlebt eine literarische Neuentdeckung durch eine neue Lesergeneration, Mund-Nase-Masken gehören zum Styling des Frühjahrs/Sommer 2020 - und wer weiß, wie lange sie uns noch begleiten. Lässt sich aus Pandemien der Vergangenheit etwas für unsere Corona-Wirklichkeit und möglicherweise für die Zukunft lernen? Die beiden Medizinhistoriker Heiner Fangerau und Alfons Labisch ziehen in ihrem Buch "Pest und Corona" Vergleuche, auch zum Umgang mit Krankheiten.

In den Wirtschaftswunderjahren etwa seien Gripppetote noch eher hingenommen worden,  mittlerweile würden vorzeitige Tode nicht mehr hingenommen. An die Stelle eines gewissen Fatalismus sei die Forderung getreten, dass jedes Leben gerettet werden solle.

Die Methoden im Umgang mit Pandemien ähneln sich, auch wenn sich die Einstellung zu Kranken geändert hat, seit Pestkranke vom Rest der Gesellschaft regelrecht geächtet und ihrem Schicksal überlassen  wurden. Kontaktbeschränkungen etwa seien schon während der Spanischen Grippe angewandt worden.

Die Mobilität der Menschen im 21. Jahrhundert, das weltweite Reisen, Massenveranstaltungen und Eventkultur bilden allerdings eine besondere Herausforderung in Zeiten von Pandemien. Um so wichtiger, so die Schlussfolgerung der Autoren, Erreger  neuer Pandemien schnell und frühzeitig einzugrenzen - am besten schon dort, wo sie entstehen. Eine Schlüsselrolle spielten dabei die Flughäfen - angesichts der modernen internationalen Drehkreuze, wo in der Zeit vor Corona Menschen aus aller Welt und mit allen möglichen Zielen im Transitbereich, am Gepäckband oder an der Sicherheitskontrolle ihre Wege kreuzten (und womöglich Viren weiter reichten) - eine naheliegende Schlussfolgerung,

Allerdings zeige die Vergangenheit, dass nach einer Epidemie zwar fleißig analysiert und geplant werde. Dann aber geschehe wenig, um die nächste Pandemie zu stoppen oder gar zu verhindern, so die eher desillusionierte Erkenntnis der Analyse.

Heiner Fangerau Alfons Labisch, Pest und Corona. Pandemien in Geschichte, Gegenwart und Zukunft
Herder 2020, 18 Euro, 
ISBN 978-3451388798

Sunday, June 7, 2020

Nicht nur Sushi und Teriyaki - Kochen wie in Japan

Zugegeben: Ich habe eine Schwäche für Sushi. Selbst habe ich mich allerdings noch nie an die kleinen Röllchen gemacht - und in die Tiefe der japanischen Küche bin ich bislang auch nicht eingetaucht. Das könnte sich jetzt allerdings ändern, denn mit ihrem Buch "Kochen wie in Japan" beschreibt Kaoru Iriyama nicht nur rund 60 Rezepte, die mit apettitanregenden Fotos ergänzt sind, sondern erklärt auch ein Stück weit die japanische Esskultur und Tradition. Neben typischen und traditionellen Gerichten gibt es auch neue Kreationen und solche, die angepasst sind an das, was auch hierzulande problemlos an Zutaten beschafft werden kann.

Klar, Sushi oder Misosuppe dürfen nicht fehlen. Ramen-Nudeln gibt es hier nicht in der Instant-Variante, sondern mit frischen Zutaten. Wer es süß liebt, kann auch japanische Süßigkeiten und Desserts ausprobieren. Demnächst einmal Matcha-Torte mit dem dazupassenden Tee? Als bekennende Kaffeinsüchtige sehe ich das für mich selbst erst einmal nicht, aber dank der Schritt- für-Schritt-Anleitungen wird der Leser/Koch quasi bei der Hand genommen - was ja gerade bei einer Esskultur, die sich deutlich von der eigenen unterscheidet, schon eine große Hilfe ist.

Mindestens ebenso nützlich und interessant ist, dass die Autorin das Konzept - gewissermaßen die Philosophie - der japanischen Küche beschreibt. Das endet nicht mit der Zubereitung eines Gerichts, sondern auch Anrichten und Präsentation spielen eine Rolle.

Kaoru Iriyama, Kochen wie in Japan
GU 2020
144 Seiten , 17,99

978-3-8338-7304-1

Friday, March 13, 2020

Plädoyer für Achtsamkeit - die Barbara Becker-Formel

Man sieht es ihr auf den Bildern zwar nicht an, aber auch Barbara Becker wird älter und ist schließlich mittlerweile die Mutter zweier erwachsener Söhne. Ob die Tatsache, dass der Alterungsprozess an ihr, mal rein optisch gesprochen, sehr viel günstiger vorangeschritten ist als bei ihrem Ex nun eine Sache des genetischen Glücks oder des Lebensstils ist - das ist natürlich nicht bekannt. In ihrem Buch "Die Barbara Becker Formel" versucht sie jedenfalls, anderen Frauen in gewissem Alter Mut zu machen, zu sich selbst zu stehen und auf Selbst-Achtsamkeit zu achten.

Schon in den vergangenen Jahren hat Barbara Becker Videos etwa zu Pilates-Workouts veröffentlicht und auch in ihrem Buch für die reifere Frau spielt sanfte Fitness eine Rolle, zusammen mit gesunde, regionaler, saisonaler Ernährung. Gleichtzeitig sagt sie Diätwahn den Kampf an und plädiert für Selbstakzeptanz. Falten und Pfunde machen nicht die Definition von Schönheit aus, so Becker.

Das ist vermutlich kein Problem für eine Frau, die den Bildern nach zu urteilen wenig mit dem verlangsamten Stiffwechsel während oder nach den Wechseljahren zu kämpfen hat. Und die vermutlich auch in einer etwas anderen Situation ist als Frauen, die nicht über die gleichen materiellen oder zeitlichen Ressourcen verfügen. Aber hier geht es schließlich ums Prinzip, ud da spricht Becker ein paar ganz wchtige Punkte an: Etwa, dass Frauen sich nicht verunsichern lassen sollten durch gesellschaftliche Erwartungen, Schönheitsideale usw, sondern lieber  sich und ihr Leben genießen sollten,

Die (wenigen) Faszienübungen, die dabei vorgestellt werden, sind sicherlich weniger das Rezept zur Traumfigur, aber gleichzeitig sollten sie in der Lage sein, den Einstieg für Flexibilität und sanftes Training auch für solche Frauen vorzustellen, die etliche Kleidergrößen von Frau Becker entfernt sind. Anders als in der GU-Reihe üblich, gibt es nur wenige Rezeptvorschläge. Zu den Einsichten den Buches führt letztlich auch der gesunde Menschenverstand, insofern ist der Lerbwert eher begrenzt. Aber wenn einige der Plädoyers von Barbara Becker zu Verhaltensänderungen von Konsumentinnen führen, ist es das sicherlich wert. Etwa die Einsicht: Wenn man ein Fertiggericht aus den angegebenen Zutaten ebensogut selbst zubereiten könnte, dann sollte man das doch wirklich tun.

Barbara Becker, Die Barbara Becker Formel
GU 2020
176 Seiten, 19.99 Euro
3833873752

Sunday, December 1, 2019

Blick in die Kochtöpfe von Athen

Kalt ist es zur Zeit, die Sonne hat sich gefühlt seit Wochen nicht blicken lassen, der Himmel ist bleigrau - wer sehnt sich da nicht nach Sonne und blauem Himmel? Mit Elissavet Patrikious  Buch "Athen" kann man jetzt auch vom heimischen Sofa aus auf Reisen gehen und durch die griechische Hauptstadt bummeln.

Patrikiou ist eine Hamburger Fotografin mit einem Schwerpunkt im Food-Bereich. "Athen" ist daher nicht nur bildlastig, sondern auch Essen und Trinken spielt eine wichtige Rolle. Sozusagen ein Bilderbuch für (hungrige) Couch-Reisende. Im Untertitel heißt es zwar "Ein Kochbuch", doch trotz der etwa 60 Rezepte ist "Athen" weit mehr, denn die Autorin stellt Athener Stadtteile und die Menschen vor, die darin leben, ihr einen Blick in ihre Nachbarschaftsrestaurants gewähren, Lieblingsrezepte verraten und "ihr" ganz persönliches Athen vorstellen.

Auch wenn es immer wieder um die Akropolis geht, steht nicht das touristische Hochglanz-Athen im Mittelpunkt, sondern Menschen und ihre Geschichten. Ob die nun alle so "typisch" sind und für einen Quesrschnitt der Athener stehen, sei mal dahingestellt - es herrscht eine ziemliche Hipster- und Szene-Dichte. Vielleicht ist das ja auch die angepeilte Zielgruppe.

Sei´s drum, die Bilder von engen Gassen, von Märkten und Hinterhöfen von Straßenkunst und lauschigen Terassen schüren das Fernweh - und der Blick in Athener Kochtöpfe und gedeckte Tische macht Apettit. Da kommen die Rezepte sehr gelegen, vor allem, da sie ganz überwiegend unprätentiös (mal abgesehen von Wagyu Striploin Tataki...) und eher unkompliziert sind. Da gibt es gleich ein paar neue Anregungen, um Winterdepressionen zu vertreiben, Tomatenfrikadellen etwa, griechische Reisnudeln mit Pilzen oder  Saganaki mit Souzoukakia und Feta.

Fischliebhaber werden im Kapitel über Piräus auf ihre Kosten kommen, und außer Hinweisen auf versteckte kleine Restaurants gibt es auch Ausflugstipps.  Da legt nicht nur optisch der Winter eine Pause ein, da wird auch Lust auf eine neue Städtereise geweckt. Eine Reiseführer für Menschen, die Lust am Essen und neuen kulinarischen Eindrücken haben, mit Liebe zu Athen geschrieben und fotografiert.

 Elissavet Patrikiou, Athen, Das Kochbuch
Südwest Verlag, 2019
240 Seiten, 32 Euro
ISBN 978-3-517-09797-8

Monday, November 18, 2019

Süß oder deftig für "Frühstück und Brunch"

Auch wenn der Titel "Frühstück & Brunch" lautet - in Anne-Katrin Webers Kochbuch lassen sich süße wie deftige Rezepte zum Genuss von früh bis spät finden. Angefangen von Trendgericht Schakschuka (das zumindest ich morgens, mittags oder abends essen könnte, wobei ich mich als Morgenmuffel doch eher für ein leichtes Mittags- oder Abendessen entscheide), über Spreads, die nicht nur morgens lecker schmecken. Heidelbeerpfannkuchen allerdings sind sicherlich ein Frühstückklassiker...

Wie bei den GU-Kochbüchern üblich, ist die reiche Bebilderung sowohl rezept-erklärend als auch apettitanregend. Angefangen mit Smmothies und Müsli-Variationen, geht es im Kapitel "Brot und Belag"um so verlockende Rezeptvorschläge wie Haselnuss-Feigen-Brot oder Kräuter-Zupfbrot. Zu den deftigeren Brotbeläge gehört etwa eine Camembert-Schinken-Creme oder der Erbsen-Avocado-Aufstrich.

Wer am Morgen dann auch noch Energie hat für das Werkeln mit "Ofen und Pfanne", kann sich etwa für einen versunkenen Apfelkuchen oder Tomaten-Toast muffins entscheiden. Und für mich steht schon fest: Im nächsten Sommer werde ich den Rhabarber Crumble ausprobieren - schmeckt bestimmt auch als Nachtisch oder Kuchenersatz!

 Auch für den Lunch am Arbeitsplatz dürfte der Coscous-Salat im Glas geeignet sein und auch die präsentierten Suppen schmücken nicht nur ein Brunchbüffet. Möhren-Ingwer-Suppe etwa ist in diesen düsteren Herbsttagen auch abends nach der Arbeit ein optischer und wärmender Stimmungs-Aufheller.

Für diejenigen, die vielleicht noch Einsteiger an Ofen und Herd sind, gibt es Tipps zum Kombinieren von Breakfast-Bowls oder Brüh- und Zubereitungsvariationen von Kaffee und Tee. So ist in der übersichtlichen Sammlung bestimmt für jeden etwas dabei.

Anne Katrin Weber, Frühstück & Brunch
GU, 2019
978-3-8338-6926-6