Monday, September 26, 2022

Bäckermeister nimmt Einstiegsängste

 Motivierend und Mut machend: So kommt Bäckermeister und Autor Axel Schmitt schon im Vorwort von "Das einfachste Brot der Welt" rüber: "Keine Vorkenntnisse, keine Ahnung, kein Equipment? Wunderbar!" Er habe die Rezepte so kreiert, dass sie immer funktionieren, verspricht Schmitt. Und mit Broten kennt er sich aus, schließlich kommt er aus einer Familie, in der er für die vierte Generation von Bäckern steht. Hier schreibt einer, der gewissermaßen in der Backstube aufgewachsen ist!

Dass Schmitt, langjähriger Hobby-Schlagzeuger, mit Heavy Metal noch eine zweite Leidenschaft hat, kam es mit "sonic sourdough", einem beschallten Sauerteig, zu einem crossover Produkt.  Aber welche Art Musik beim Backen gehört wird oder ob man dem Teig lieber gut zureden will, kann ja jede*r selbst entscheiden.

Ohne ein bißchen Theorie kommt auch Schmitt nicht aus. Da geht es um die verschiedenen Mehl- und Getreidesorten, auch alte wie Emmer oder relative Neuheiten in der europäischen Backstube wie Amaranth oder Quinoa, um Hefe, Sauerteig, Saaten und Gewürze. Dann die erste Herausforderung: Natursauerteig selbst herstellen. Bilder von Tag 2 bis 5 zeigen, wie es aussehen sollte. Dann kann es ja losgehen - dafür gibt es auch gleich eine Einweisung in die Techniken, um Zutaten zu verkneten, Teig zu stretchen und zu falten (wie war das noch mal mit garantiert einfach?) und den Techniken für die perfekte Teigkugel.

Das titelgebende einfachste Brot der Welt, das auch am Anfang der Rezepte steht, hat übrigens nur fünf Zutaten und benötigt einen Tontopf. Pech gehabt! So was besitze ich nicht. Muß mir wohl doch eine nicht ganz so einfache Alternative suchen. Ein Hafer-Dinkel-Brot im Einmachglas klingt aber auch für Backidioten machbar. Der schnelle Apfelkuchen aus der Tasse lässt sich wiederum sogar in der Mikrowelle anfertigen. Schneller kann Backerei nun wirklich nicht gehen.

Tribut zollt Schmitt der fränkischen Heimat mit seinen "Obazda-Schiffchen" - für eine zünftige Brotzeit oder einen Bierabend klingt das ziemlich verlockend. Und nicht nur in der Mikrowelle, sondern auch mit eher unorthodoxen Ofen-Alternativen wird gebacken - als Beispiel sei das Lavatörtchen vom Bügeleisen genannt. Beim Stockbrot am Feuer werden wiederum Kindheitserinnerungen wach, Und auch die Blitzbrötchen aus der Pfanne (gut für Langschläfer und Back-Faulpelze geeignet, die keine lange Vorbereitungs und Teigruhezeit wollen) lassen mich beim Lesen beifällig nicken. Doch, basstscho, wie der Franke sagt. Auch wenn das Produkt bei mir vermutlich weniger profihaft-perfekt aussehen wird wie bei der stylishen Foodfotografie im Buch..

Eine Besonderheit und ganz besonders nachhaltig ist das "zero waste" Kapitel - angefangen vom Bierretter-Brot über den essbaren Baguetteteller bis hin zum Phönix-Brot, für das angetrocknetes Brot und alte Brotscheiben zum Einsatz kommen.

Fazit: Hier schreibt ganz offensichtlich einer, der mit Liebe und Leidenschaft backt. Ein paar eher exzentrische Brote sind dabei ein echter Hingucker. Auch sonst ist für Freunde von Süßem und Herzhaften eine Menge dabei.


Axel Schmitt, Das einfachste Brot der Welt,

GU 2022

192 Seiten, 27 Euro

 978-3-8338-8594-5

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