Sunday, June 21, 2026

Kopenhagener Osteria 16 verrät Rezepte ihrer Küche

 Zugegeben, die Kopenhagener "Osteria 16" war mir bisher kein Begriff, weder als Kultrestaurant noch überhaupt. In "A Tavola!" öffnen Emil Alsbo und Morten Kaltoft gewissermaßen die Tür zur Restaurantküche und verraten Rezepte des Restaurants.

Das Buch verspricht "unkomplizierte italienische Rezepte" zum gemeinsamen Genießen - von Antipasti über selbstgemachte Pasta bis hin zu Dolci. Liegt es an mir? Als so ganz unkomplizierte Küche fürs gesellige Zusammensein erscheinen mir die - zugegeben lecker klingenden -Gerichte nun doch nicht. Das fängt schon mit den Zutaten an, selbst für so etwas Grundlegenden wie Pizzateig: Wo kriege ich eigentlich Manitobamehl her? Und auch die Zutatenliste insbesondere bei Fisch und Meeresfrüchten klingt durchaus herausfordernd und eher kostspielig - gerade auch dann, wenn es eine größere Runde werden soll.

Klar, ein gutes Restaurant hat seine Lieferquellen und verdient sich seinen Ruf mit 1A-Zutaten, für die Küche zu Hause fällt alles meist ein paar Nummern kleiner aus. So gerne ich in "A Tavola" geblättert habe, ich fürchte, vieles bleibt eher "Augenküche". Aber, und das gilt eigentlich für jedes gute Kochbuch - es liefert Anregungen und Anreize. Da lässt sich sicher auch so einiges je nach Bezugsquellen und Geldbeutel abwandeln und mag dann nicht mehr ganz wie in der Kopenhagener Osteria sein, aber von ihr und ihren Machern inspiriert. Ich habe mich jedenfalls gerne inspirieren lassen.


Emil Alsbo, Morten Kaltoft, A Tavola!

GU 2025

38 Euro

  9783758900457

Wednesday, March 18, 2026

Mehr Rezepte für den Airfryer

 Vielseitiges aus der Heißluftfritteuse - das finde ich immer spannend, auch wenn ich weniger davon überzeugt bin, dass der Airfryer eine hundertprozentige Alternative zum Herd für eine komplette Mahlzeit ist. Da bräuchte es, wenn nicht gerade one pot, vermutlich noch ein Zweitgerät.

Aber von diesen Zweifeln abgesehen, bin ich immer interessiert am Entdecken neuer Airfryer-Rezepte und war entsprechend neugierig auf Inga Pfannebeckers "Lieblingsrezepte aus deinem Airfryer - High Protein". Einiges sah recht vertraut aus und erinnerte an die Vorgängerbände der Reihe, für manches würde ich nicht unbedingt den Airfryer auf die Küchenplatte hieven, etwa für ein Sandwich oder Pannini. Trotzdem gab es auch hier wieder nette Anregungen, unterteilt in die Kategorien kleine Gerichte, Fleischiges, Fisch und Meeresfrüchte, Vegetarisches und Süßes.

Eine ganze Reihe der vorgestellten Gerichte lassen sich ebensogut in der Pfanne oder im Ofen zubereiten, etwa die Frittata mit Chorizo oder Summer Rolls mit Kokoshähnchen. Aber am Airfryer schätze ich dann doch sehr, dass Fettspritzer und Geruch deutlich geringer bleiben.

Unter den Hauptmahlzeiten des Buchs lockten mich unter anderem Tandoori-Chicken mit Blumenkohl und Spinat-Lachs-Pfannkuchen, bei den vegetarischen Gerichten die Ratatouille-Shakshuka und Spitzkohl mit Halloumistreuseln. Unter den Nachtisch-Vorschlägen werde ich mir gerne Skyr mit Gewürzpflaumen oder Beeren Crumble schmecken lassen. Insgesamt eine solide, wenn auch nicht sonderlich raffinierte Sammlung.


Inga Pfannebecker, Lieblingsrezepte aus deinem Airfryer

GU 2026

25 Euro

9783833899836

Saturday, February 21, 2026

Schnelle Küche - aber gesund

 "Keine Zeit" ist das Motto, dass sich sicher bei vielen von uns durch den Alltag zieht: Vollzeitjob, die eine oder andere Freizeitaktivität, Hausarbeit und womöglich Familie. Da liegt die Versuchung nah, Convenience Food zu kaufen oder zu Fast Food zu greifen, statt sich an den Herd zu stellen  - vom Einkaufen frscher Zutaten mal ganz abgesehen. Mit "Keine Zeit? Kein Problem!" zeigt Ernährungsmediziner Matthais Riedl Möglichkeiten auf, wie es trotzdem mit schneller, gesunder Küche ohne Fertigmahlzeit mit irgendwelchen Zusatzmitteln klappt.

Wer bereits andere Bücher des Autoren kennt, zum Beispiel aus der Reihe "Medical Cuisine", findet in der Einleitung zu "artgerechter Ernährung" sicherlich Vertrautes, für alle andere gibt es eine kompakte Einführung in Nährstoffe und den Fokus auf Gemüse, pflanzliche Proteine und gesunde Fette.

Unter den etwa 80 vorgestellten Gerichten sind zunächst solche mit maximal sechs frischen Zutaten, die also keine lange Einkaufsliste erfordern, vor allem Suppen und Salate, aber auch Eierspeisen. Eine Neuentdeckung für mich ist in diesem Kapitel der pikante Kaiserschmarrn, der mit Hackfleisch oder Räuchertofu zubereitet werden kann.Auch die Pilz Shakshuka mit Pak Choi ist eine willkommene Abwandlung eines meiner go to-Rezepte.

Da es ja auch schnell gehen soll, stellt das nächste Kapitel Rezepte unter 20 Minuten vor, etwa eine Süßkartoffesuppe mit Feta, Thunfisch-Spinat-Pasta mit roten Zwiebeln oder Linsen-Dhal mit Kokosmilch und Tomaten. Die "schnellen Rezepte ais dem Ofen" können nach Angaben des Autors nach spätestens 35 Minuten serviert werden - sie brauchen also zwar ein bißchen länger, aber die Ofen-Zeit lässt sich schließlich auch anderweitig nutzen. Verschiedene Gratins und Ofengemüse wie Kürbis mit Feta und Erdnuss-Ingwer-Sauce oder Ofenmöhren mit Himmus und Feta versprechen jedenfalls leckere Röstaromen.

Die vorgestellten Rezepte sind auch anfängergeeignet und verzichten überwiegend auf (rotes) Fleisch. Dort, wo doch Fleisch verwendet wird, gibt es auch Angaben für vegetarische Alternativen. Anders als in seinen vorangegangenen Büchern geht Riedl hier weniger auf die Themen Bewegung und gesundheitsbewusstes Verhalten ein. Doch mit frischen Zutaten und Verzicht auch Fertigmahlzeiten ist ein erster Schritt gemacht.


Matthias Riedl, Keine Zeit? Kein Problem!

GU 2026

25 Euro

 9783833899539

Sunday, January 25, 2026

Manche mögen´s scharf

 Some like it hot - und das gilt allemal für Freunde der indischen und asiatischen Küchen. Während Chilis vor allem Schärfe in die Gerichte bringen, sorgt Curry in ganz verschiedenen Mischungen und Zusammenstellungen für eine Aromenexplosion. Die "Curry-Werkstatt" von Bettina Matthei ist nicht nur eine Rezeptsammlung, sondern zeigt erst einmal die Vielfalt der Zusammensetzungen von Curry auf, weit über die Mischungen aus dem Supermarkt oder selbst dem Asien-Laden hinaus.

Es gibt Rezepte für eigene Currymischungen, aber auch für Chutneys und verschiedene Raitas und Lassis, gewissermaßen zum "Ablöschen" der Schärfe. Dabei sind auch eher unübliche Mischungen wie Granatapfel Raita oder Avocado-Lassi. Auch Rezepte für Naan oder Paneer gibt es.

Die Autorin wandelt vertrautes ab in Curry-Gerichte, etwa Stampfkartoffeln mit grüner Currypaste oder Massaman-Möhrenstampf, Indisch inspirierten Caprese-Salat oder Spitzkohl-Möhren-slaw mit Tom-Kha-Dressing. Nach allerlei Snacks, die als Vorspeise wie bei einem Sommerpicknick gleichermaßen geeignet sind, darunter auch die oben vorgestellten Salate, gibt es Alltagsgerichte, die überwiegend unkompliziert und mit wenigen Zutaten zubereitet werden können, zum Beispiel Paneer in Curry-Tomatensauce oder ein Kürbis-Linsen-Curry mit Chili und Frühlingszwiebeln.

 Für Gäste und Feste, so das nächste Kapitel, ist dann etwas exklusiver - etwa Jakobsmuscheln auf Erbsenpüree mit Curryöl-Tadka oder Entenbrust mit Curry-Cashew Reis. In diesem Kapitel finden sich aber auch indische Klassiker wie Rogan Josh oder Chicken Tikka Masala, nachdem in den vorangegangenen Kapiteln vegetarische Gerichte dominierten.

Kein klassisches indisches Kochbuch, andere Curry-Variationen des Kontinents  werden nur gestreift, dafür wird in diesem Kochbuch immer wieder mit Zutaten gearbeitet, die in der (deutschen) regionalen Küche vor Ort leicht beschaffbar sind. Hier findet man durchaus spannende Variationen , die auch Freunde der saisonalen und regionalen Lebensmittelverwendung begeistern dürfte.


Bettina Matthei, Die Curry-Werkstatt

GU 2025

32 Euro

9783833897047




 

Saturday, January 17, 2026

Ernährung für ein langes Leben

 Den Ansatz der "Medical Cuisine" Bücher von Matthias Riedl und Johann Lafer finde ich großartig: Einerseits der Blick des Mediziners und Ernähungswissenschaftlers, andererseits der Koch, der ja schon von Berufs wegen Essen als etwas geradezu Sinnliches erlebt. In der Vergangenheit hat sich das Autorenteam unter anderem mit Arthrose, Leber- und Darmgesundheit auseinandergesetzt und ich habe die Bücher auch ohne Beschwerden in der einen oder anderen Richtung gerne und mit Interesse gelesen. Man kann die Rezepte schließlich auch als Prävention ausprobieren, und Alterserscheinungen kommen früher oder später sowieso.

Das neueste Buch von Riedl und Lafer befasst sich mit Longevity, also wie die richtige Ernährung zu einem langen - und dabei auch möglichst wenig eingeschränktem - Leben führen kann. 

Der Aufbau ist in bewährter Weise aufgeteilt in einen theoretischen Teil und einen Rezeptteil. Im theoretischen Teil geht es erst einmal darum, wie der Alterungsprozess etwa auf Zellebene des Organismus überhaupt verläuft, welche Erkrankungsrisiken mit fortschreitendem Alter drohen sowie das Potential einer "artgerechten" Ernährung. Wer bereits Bücher der Medical Cuisine-Reihe gelesen hat, wird schon ahnen: Es wird Wert auf Eiweiss vor allem auf pflanzlicher Basis, auf Ballaststoffe und die Förderung der gesunden Darmbakterien gelegt. Zucker und Kohlenhydrate sollen zurückgefahren werden und auch Fleisch - vor allem rotes Fleisch - von Speiseplan deutlich zurückgedrängt werden.

Als Superfoods, die zu einem langen vitalen Leben beitragen können, werden unter anderem Pilze, Olivenöl, dunkle Beeren, Blattgemüse, Hafer, Sauermilchprodukte und Nüsse empfohlen. Eine Tabelle zeigt außerdem, welche Lebensmittel besonders als Prävention gegen Demenz, Schlaganfall, Diabetes und Krebs empfohlen werden.

Eigentlich wenig überraschend: Die Autoren empfehlen, öfter selbst, mit frischen und wenig verarbeiteten Zutaten zu kochen. Und natürlich werden auch Bewegung und sportliche Aktivität empfohlen.

Der Rezeptteil gliedert sich in süße und herzhafte Frühstücksgerichte, etwa Smoothies, Porridges, overnight bowls und selbstgemachtes Granola. Die Salate und Bowls kombinieren verschiedene Gemüse und Sprossen, zum Teil mit Couscous oder Buchweizen  auch noch etwas sättigender als ein reiner Salat. Unter den Suppen reizt mich besonders ein grüner Gazpacho und die türkische Linsensuppe. Ein eigenes Kapitel ist vegetarischen Mahlzeiten gewidmet, etwa gebratene Auberginen mit Linsen-Tomaten-sugo, gefüllter Ofenkürbis mit Gewürzcouscous und Feta oder Möhren Falafel.

Bei den Hauptmahlzeiten mit Fleisch und Fisch dominiert wenig überraschend Geflügel sowie Fisch und Meeresfrüchte. Süßes wird nicht völlig verbannt: Es gibt eines Dessertteil mit teilweise veganen Rezepten wie veganes Walnuss-Schoko-Eis oder vegane Blaubeertarte mit Kokoscrumble. Die Autoren empfehlen, zwei bis dreimal in der Woche ein Rezept aus dem Buch auszuprobieren, um die angestrebte Wirkung zu erzielen. Anregungen gibt es jedenfalls reichlich, und die Bilder zu den vorgestellten Rezepten sind appetitanregend.. Gesundes muss nun wirklich nicht langweilig sein - klare Probier-Empfehlung.


Matthias Riedl, Johann Lafer

Das große Longevity Buch

GU 2025, 32 Euro

9783833899515


Wednesday, November 19, 2025

Weihnachtliche Backstube und süßes Backwerk nicht nur für die Weihnachtszeit

 Da kommt Vorfreude auf: Mit "Sallys Weihnachtsbäckerei" bringt Saliha Özcan schon im grauen November Weihnachtsstimmung in Buchform. Ihr Buch enthält mehr als 50 Rezepte für klassische Plätzchen und Weihnachtsbäckerei, sowohl zum Selbernaschen als auch als Mitbringsel und Geschenke in der Weihnachtszeit.

Vor dem eigentlichen Rezeptteil gibt es Gelingtipps zum Ausstechen und Verzieren von Plätzchen, Pannenhilfe beim Teig.

Die Autorin beginnt mit Grundrezepten für Baisers und ihre 1-2-3-Plätzchen, die die Grundlage für Variationen bilden, etwa die "Frankfurter Kränzchen", die vielleicht kein klassisches Weihnachtsgebäck sind, aber auch gut auf die Kaffeetafel passen.  Auch die Linzertorte-Plätzchen oder Nuss-Nougat-Herzen finden sicher nicht nur zur Weihnachtszeit dankbare Abnehmer.

Unter den Weihnachtsrezepten dürfen natürlich Zimtsterne, Vanillekipferl, Berliner Brot.  und Elisenlebkuchen nicht fehlen. Anderes Backwerk wird weihnachtlich variiert - etwa die Tannenbaum,-Brownies oder Spekutlatius-Cookies. Auffällig ist, dass bei vielen der vorgestellten Rezepte Tonkabohne zum Einsatz kommt. Manches Rezept ist auch gut als Dessert vorstellbar, etwa Pistazien-Tiramisu  oder Schokoladen-Crumble mit Pflaumen.

Ein Rezeptbuch für alle, die nicht nur nach Ideen für klassische Weihnachtsbäckerei suchen, sondern gerne auch mit Kleingebäck für den Rest des Jahres experimentieren wollen. Die zahlreichen Fotos machen jedenfalls Lust aufs Nachbacken.

Saliha Özcan, Sallys Weihnachtsbäckerei

GU 2025

23 Euro

9783758900174

Thursday, November 13, 2025

Mehr vom Brotsommelier

 Vor ein paar Jahren hat sich Bäckermeister und Brotsommelier Axel Schmitt mit seinem Buch "Einfach backen" versucht, Einstiegsängste beim Brot backen zu nehmen. Mit "Einfach geil backen" hat er nun noch mal nachgelegt. Auch hier gibt es erst einmal ein Stück Theorie über Mehlsorten und Zutaten, über die Herstellung von Sauerteig (auch so eine Sache, an die ich mich bisher nicht rangetraut habe) und die verschiedenen Techniken beim Umgang mit dem Teig - ob Kneten, Streicheln oder Falten.

Im eigentlichen Rezeptteil gibt es zunächst mal Internationales vom türkischen Simit über Tiroler Schüttelbrot zu Pfannenpizza und Chiabatta. Ein weiteres Kapitel ist süßem Backwerk gewidmet, etwa Apfel-Zimt-Brötchen, Zimtschnecken und süßen Brezeln mit einer Pistazien-Füllumg. Auch um Nachhaltigkeit geht es in "Einfach geil Backen", denn im Kapitel "Wiederverwenden" zeigt Schmitt, was man mit Brot- und Gebäckresten machen kann, statt altbackende Überreste einfach zu entsorgen. Dabei geht es nicht nur etwa um Recycling als Croutons, sondern er stellt "Saté-Spieße von gerettetem Brot vor, die eine regelrechte Aromenexplosion versprechen.

Schmitt ist auch als Bäcker auf dem Wacken-Festival bekannt, und so stellt er auch diesmal einige abgefahrene Back-Ideen vor wie das farbenfrohe Melonen-Toasbrot, aber auch Snacks wie Knuspertaschen Chili-Style oder eine Brottorte, die sich  dann schon recht aufwändig lesen.

Brot-Traditionalisten können sich auf Klassiker in neuer Interpretation freuen, wie zum Beispiel ein Obazda-Bierbrot, Gewürzbrot oder klassisches Bauern- (hier: Bäuerinnen)-Brot. Und auch die Snacks wie Döner aus dem Waffeleisen, Kräuter-Bacon-Rollen und Cordon-Bleu-Brote zeigen einmal mehr kreative Vorschläge für die heimische Backstube. Bei dieser Vielfalt dürfte für jeden etwas dabei sein, und dank des ausführlichen Erklärteils können sich Hobbny-Bäcker*innen auch nach und nach an die etwas komplizierteren Backwerke vortasten. Ich finde in diesem Buch jedenfalls viele Anregungen, auch für die Single-Küche.

Axel Schmitt, Einfach geil backen

GU 2025

29 Euro

9783833899256