Thursday, November 30, 2023

Say cheese!

 Bei aller Offenheit und allem Interesse: Ich werde mit Sicherheit nie hundertprozentig zur veganen Ernährung umschwenken, aus einem ganz klaren Grund: Käse! Den möchte ich nämlich ebenso wenig missen wie Joghurt, Quark oder Skyr. Klar, es gibt Alternativprodukte - aber die haben mich geschmacklich nicht überzeugt. Sorry, vegan friends!

In der Vergangenheit habe ich schon selbst Joghurt zubereitet und war von den Ergebnissen ganz angetan. Alles weitere, so bislang meine Überzeugung, ist zu kompliziert, für die Single-Küche eh zu aufwändig, und kriegt man überhaupt die Zutaten? Sennerin Marlene Kelnreiter hat mich mit ihrem Buch "Käseglück" allerdings ins Nachdenken gebracht. Nicht nur auf der Almhütte sollen sie funktionieren, ihre rund 40 Käserezepte, für Mozarella und Blauschimmelkäse, für Tilsiter und Feta. Und dann auch noch je nach Zeitaufwand schnelle oder langsame Rezepte etwa für Hüttenkäse!

Eine Anleitung mit vielen Bildern, die durch die einzelnen Arbeitsschritte führen, eine halbwegs überschaubare Anzahl an Gerätschaften, nicht zuletzt ein Troubleshooting für alle möglichen Käsekrisen - ich bin neugierig geworden, keine Frage. Noch habe ich mir nicht Lab, Käseformen und -Tücher besorgt, aber die Gedanken gehen schon stark in Richtung Käseprojekte an langen Winterabenden. 

Ergänzt wird das Buch von Eindrücken von der Alm, wobei das Leben mit Kühen, Ziegen und frühem Aufstehen gewiss sehr viel anstrengender ist, als ein Großstadtmensch beim Gedanken an Bergromantik und Kuhglocken sich vorstellen kann. Die Faszination dieser dennoch entschleunigten Lebensweise kommt in dem Buch allerdings gut rüber.

Kurz, für alle, die Käse mögen, gibt es wissenswertes zur Entstehung, und für alle, die die Käserei auch selbst ausprobieren wollen, gibt es nach der anschaulichen Einführung genug Rezepte, um ganz bestimmt den eigenen Geschmack zu treffen - vegane Varianten eingeschlossen.

Marlene Kelnreitrer, Käseglück

Löwenzahn Verlag 2023

168 Seiten, 29,90 Euro

9783706629782


Friday, November 24, 2023

Liebeserklärung an das tägliche Brot

 Mit "Unsere Brotbibel" haben Johann Lafer und Bernd Kütscher nicht nur eine Liebeserklärung an das tägliche Brot geschrieben, sondern auch  die Lieblingsrezepte erfolgreicher und preisgekrönter Bäcker aus dem deutschsprachigen Raum ergattert.  Brot ist ein Kulturgut, betont Lafer schon im Vorwort, und dass der Duft frischbebackenen Brotes unwiderstehlich sein kann, haben sicher viele schon erfahren.

Neben einigem historischen zur Kulturgeschichte des Brotes gibt es allerlei Fakten, etwa zur Klimabilanz des Brotes, zu Getreidearten, Mehltypen und dem eigentlichen Prozess des Brotbackens. Das ist anschaulich geschrieben und so illustriert, dass auch Anfänger in der heimischen Backstube die einzelnen Arbeitsschritte gut nachvollziehen können. Für die etwas Ambitionierteren werden mehrere Sauerteigs vorgestellt (angeblich nicht so schwer), bis es dann zum eigentlichen highlight kommt, nämlich zahlreichen Bäckern (und Brotsommeliers), die das Rezept ihres Lieblingsbrotes verraten.

Hier wird dann wieder deutlich: Brot hat auch etwas mit Regionalität zu tun,  ob hannoversches Gersterbrot, westfälische Pumpernickel, Bamberger Rauchbierbrot oder rheinisches Schwarzbrot. Es kann fein sein oder rustikal, schlicht oder raffiniert. Ein Sepia Cranberry Baguette  gehört zu den eher ungewöhnlichen Beispielen, andere Brote sind  mediterran inspiriert. Dieses Buch gibt nicht nur zahlreiche Backanregungen, es zeigt auch wie vielfältig das tägliche Brot sein kann. Für Hobbybäcker wie auch für Brotliebhaber wärmstens zu empfehlen.

Johann Lafer, Bernd Kütscher, Unsere Brotbibel

Gräfe und Unzer, 2023

240 Seiten, 29,90 Euro

9783833891441


Sunday, October 29, 2023

Wenn der Rücken zwickt

 Das "Bandscheiben Akut-Training" von Ingo Froböse  ließ mich sofort aufhorchen: Dass der Rücken mal zwackt, ist schließlich eine Zivilisationskrankheit.  Und wer viel am Schreibtisch arbeitet, weiß, dass es da schnell mal zu Verspannungen und Fehlhaltungen kommen kann. Im HomeOffice, wo die meisten von uns wohl eher keinen ergonomisch korrekten Arbeitsplatz haben dürften, gilt das erst recht. Und jünger wird ja keiner von uns. Also eine gehäufte Wahrscheinlichkeit, dass man stöhnt: "Ich hab Rücken"!

In seinem Buch mit zahlreichen Übungen setzt Froböse sowohl auf Linderung akuter Beschwerden wie auch auf Prävention, damit es gar nicht erst zu schmerzhaften Rückenproblemen kommt. Beim Lesen klopfte ich mir selbst auf die Schulter - Die Ausgleichsübungen, die ich bei Rückenbeschwerden mache, um die Muskulatur zu dehnen und zu lockern, stellten sich als genau die Methoden aus, die auch der Autor empfahl. Also instinktiv vieles richtig gemach. Das beruhigt.

So manche Übung dürfte vielen aus Yoga und Pilates bekannt vorkommen, mitunter leicht abgewandelt, aber allesamt alltagstauglich und vor allem auch für Menschen machbar, die vielleicht nicht super beweglich sind, auch weil sie wegen ihrer Rückenbeschwerden viele Bewegungen vermeiden oder sich nicht zutrauen. Froböse macht gewissermaßen ein niederschwelliges Angebot.  Dabei gefällt mir besonders gut, dass am Ende Übungseinheiten zusammengestellt sind, etwa speziell für "Schreibtischtäter*innen" oder für bestimmte Rückenbereiche. 

Alle Übungen sind in ihrem Ablauf und in ihrer Wirkung gut erklärt und durch Abbildungen vorgestellt. Daneben gibt es Alltagstipps, die zwar eigentlich selbstverständlich sein sollten - etwa öfter Bewegungsabläufe in den Tag zu bringen, beim Telefonieren zu stehen oder zu gehen - aber es vielleicht nicht für alle sind.

Ingo Froböse, Bandscheiben Akut Training

Gräfe und Unzer 2023

128 Seiten, 15,99

9783833889103

Auf die Schnelle - aber lecker und gesund

 Als "kleines Kochbuch unter Freundinnen" bezeichnet Prof-Köchin Sarah Wiener ihr neues Buch "Sarahs kleine Küche" und hat dabei Frauen im Blick, die nach einem oft langen Arbeitstag nun auch noch fix was auf den Tisch zaubern müssen. Convenience Food muss es nicht sein,  vermitteln diese Rezepten - es kann auch schnell, lecker und gesund sein. Reste können die Vorbereitungszeit gering halten. Und mit ein paar Improvisationen lässt sich das Ergebnis zudem ordentlich aufpeppen.

Improvisation - das gefällt mir ganz besonders an diesem Buch. Denn Wiener schlägt Alternativen vor, gibt Würztipps "für Mutige", rät dazu, nach eigenem Geschmack und nach Lust und Laune abzuwandeln. Fast alles kann, muss aber nicht. Küche ohne Ketten gewissermaßen. "Keine fancy Küche, sondern etwas Gutes, Ehrliches, mit wenig Aufwand", beschreibt Wiener die Philosophie hinter ihrem Buch - und ich finde, das ist ihr gut gelungen.

In der Auflistung des Basis-Vorratsschrankes dürfte so ziemlich alles enthalten sein, was auch in jedem Amateurhaushalt steht. Und auch der "kleine, feine Vorratsschrank" zum Verfeinern und Würzen überfordert weder die Haushaltskasse noch handelt es sich um so exotische Zutaten, dass dem Kauf eine langwierige Recherche vorangestellt werden muss.

Von schneller Küche mit Dips und Eoerspeisen - mich begeistert vor allem das persische Omelett mit Zucchini - gibt es nahrhafte, wärmende, tröstende Suppen und Eintopfgerichte, die obendrein den Abwasch überschaubar halten. Hülsenfrüchte und Nudeln dominieren hier, während es im Folgekapitel auch durchaus fleischreich zugehen darf, etwa mit mediterranen Hackbällchen oder Lammfilets auf Karottenzaziki.

Vegetarier werden sich über Fenchel- oder Kohlrabicarpaccio freuen, für den Sommer werden kalte Suppen vorgestellt, während der Rosmarinkürbis aus dem Ofen gleich jetzt im Herbst zur Anwendung kommt.

Wenn es dann mal doch etwas aufwändiger oder ein sonntägliches Familienessen sein soll, kann es durchaus deftig sein - ein Schweinbratenrezept ist ebenso in diesem Teil des Buches enthaöten woe Tafelspitz oder Gulasch, aber auch eine sehr lecker klingende Kräutertarte. Auch Süßes darf nicht fehlen, Wiener ist schließlich Österreicherin und da müssen Topfen und Palatschinken auf den Tisch. Wer da auf sprachliche Herausforderungen stößt findet am Ende noch eine Vokabelliste mit Übersetzung der wichtigsten Begriffe ins Hochdeutsche.

Mein Fazit: ein alltagsorientiertes Kochbuch ohne viel Chichi, das zeigt, dass auch mit geringem Aufwand und unter Zeitdruck Leckeres auf den Tisch kommen kann. 


Sarah Wiener,  Sarahs kleine Küche

Gräfe und Unzer 2023

192  Seiten, 26 Euro

9783833888373

Thursday, October 5, 2023

Für Feste, Freunde und Familie

 Ob es einen festlichen Anlass gibt oder ob alle in der WG-Küche essend und redend zusammen sitzen wollen - In der Rezeptesammlung "Gemeinsam essen" ist Gemeinschaft Trumpf. Das Buch des Herausgebers "Meine Familie und ich" bietet dabei ein breites Angebot von Tradition wie damals aus Omas Küche bis vegan/vegetarisch. Selbstgemachtes Müsli ist ebenso im (Frühstücks)-Angebot wie selbstgemachte Konfitüre.

Rouladen und Gulasch sind ebensowenig verpönt wie fleischlos-Leichtes. Bekanntes bekommt einen neuen Touch, etwa bei der Levante-Lasagne. Oder Corn pancakes mit Avocado Und auch Ratschläge und Tipps für ein bißchen mehr Nachhaltigkeit kommen nicht zum Kurz. Das gilt etwa für Abschnitte wie "gesundes Kochen" oder "Saisonkalender". Selbst Energie (und Kochzeit) sparen lässt sich mit Hinweisen, doch gleich die doppelte Portion Reis, Nudeln oder Kartoffeln zu kochen und am nächsten Tag zu Auflauf, Salat oder Pfannengericht zu verarbeiten.

Apropos Pfanne: Auch mit den One Pot Gerichten aus Pfanne, Topf oder vom Backblech lässt sich Energie sparen - und es gibt nicht so viel abzuwaschen. 

Auch an die Kaffeetafel wird gedacht. Kuchen im Glas und kleine Törtchen fürs Büffet sind ebenso vertreten wie der Klassiker Käsekuchen. Dich auch Deftiges ist im Angebot, etwa Katoffel-Zupfbrot oder Spinat-Tarte, die sich für ein Abendessen mit Salat ebenso eignen dürften wie für ein sommerliches Picknick. 

Ein eigener Abschnitt ist Ostern und Weihnachten gewidmet. Da isst das Auge auf jeden Fall mit, etwa wenn es um die dekorativen Eier-Küken oder Kokos-Küken geht.

Die meisten Gerichte sind für vier Portionen, gelegentlich mal mehr berechnet. Angesichts der bunten Auswahl dürfte für jeden Geschmack etwas dabei sein. Nicht zuletzt vor Festen dürften auch die Tipps zu entspanntem Werkeln in der Küche und optimaler Vorbereitung gelegen kommen.

Diverse, Zusammen essen. Rezepte, die alle Generationen glücklich machen

G+U 2023

240 Seiten, 28 Euro

9783833890604

Sunday, September 24, 2023

Sternekoch mit Rezepten "hart am Alltag"

 Wenn ein Michelin-Sternekoch ein Kochbuch schreibt, denkt man gewöhnlich nicht als erstes an Begriffe wie "einfach" und "schnell", sondern: Ist das überhaupt für mich als Amateur ohne Profuküche machbar? Ein Blick un Mario Kotaskas "Kochen hart am Alltag" lässt mich allerdings schnell erleichtert aufseufzen. Denn Kotaska hat zumindest für das wochentagstaugliche Kochprogramm versprochen, dass die Kocherei in 20 Minuten machbar ist. Da hat sich der TV-Koch doch wirklich amateurfreundlich gezeigt!

Ob Nudel-Frittata oder Rote Beete Carpacchio, Rouladen a la Oma oder selbstgemachtes Granola - vom Start in den Tag is zum Sonntagsessen, vom schnellen Gericht nach Feierabend bis zum Weihnachtsdessert sind Rezepte vertretet - auch für Veganer und Vegetarier.

In den Ratgeberabschnitten seiner Kapitel tritt der Autor gewissermaßen als Coach auf, um den Kochalltag zeitsparender und stressfreier zu gestalten. Etwa mit Tipps, wie sich der Lebensmitteleinkauf optimieren lässt. Oder wie statt eines Fertiggerichts mit Resten oder Lebensmitteln, die man eigentlich ständig auf Vorrat hat, kreativ gezaubert werden kann. Das ist überzeugend und zeigt Alternativen zu "Mac´n ´cheese" auf, die nur noch in einen Topf mit heißem Wasser geschüttet werden müssen. Kindertauglich dürfte das Rezept auf jeden Fall sein. Und auch die Gerichte zum Mitnehmen, ob Wraps , Hummus  oder "Stulle de Luxe" können eine Alternative zu Mikrowellenessen oder Schnellimbiss sein.

Zugegeben: Die Rezepte für Wochenende und Feiertage sind dann schon ein bißchen zeitaudwändiger. Machbar sind aber auch sie. Und ohne den Stress der Arbeitswoche verbringt man ja auch gerne ein bißchen mehr Zeit in der Küche für was Besonderes.  Überwiegend finden sich hier klassische deutsche Gerichte, etwa Rouladen oder Gulasch. Aber auch Fischgerichte und mediterrrane Anklänge kommen nicht zu kurz. Der geröstete Blumenkohl mit Minz-Koriander-Raita hat sich bei mir schon bewährt.  Und auch Resteverwertung wie der Brotauflauf mit Pilzen oder der easy fried rice überzeugen durch ihre Alltagstauglichkeit. Die Fotos, die  nicht nur appetitliches auf dem Teller, sondern auch einen sichtlich gechillten Koch zeigen, tragen dazu bei, zu überzeugen: Alles keine Hexerei, sondern sehr machbar. 


Mario Kotaska, Kochen hart am Alltag

G+U 2023

160 Seiten, 24 Euro

978-3-8338-8823-6

Friday, August 18, 2023

Yoga mit Body Positivity

 Schon beim Blick auf das Titel von Every Body Yoga von Jessamyn Stanley wird klar, dass es nicht nbedingt um anfängertaugliche Asanas für jedermann geht. Denn die Frau, die sich da in Dreiecksposition durchstreckt entspricht so gar nicht den Frauen, die die Titelbilder von yogazeitschriften schmücken oder als Fitness-Influencerinnen auf ihren Youtube Kanälen den Sonnengruß üben. Sprich: Hier steht keine ätherische Blondine in Pastell, sondern eine schwarze Frau, die politisch korrekt als plus size curvy beschrieben wird, selbst aber kein Blatt vor den Mund nimmt und sagt: ich bin fett.

Schon mit ihrem schnoddrigen Stil, ihrer gnadenlosen Ehrlichkeit und klaren Ansprache ist die Autorin sympathisch. Und es ist großartig, dass sie den elephant in the room, oder eher im Yogastudio anspricht: Es ist nun mal nicht jede*r eine ätherische Blondine. Oder hat einen präpubertären Körper mit kaum vorhandenen Hüften. Nichte jede, die sich zum herabschauenden Hund beugt, blickt auf einen brettflachen Bauch. Und auch das Yogatraining verwandelt nicht unbedingt in eine Frau mit Tänzerinnenfigur, siehe Jessamyn. Tut trotzdem gut und sollte Spaß machen - aber bitte ohne kritische Seitenblicke und hämische Bemerkungen über die Dicken im Fitnessstudio!

Jessamyn Stanley hat ihr Buch für diejenigen geschrieben, die nicht weiß oder jung oder mit perfekter Figur gesegnet sind. Ihr Appell für mehr Body-Positivity ist auch eine Beschreibung des eigenen Lernwegs vom dicken kleinen Mädchen, das so gerne eine Cheerleaderin mit Ballerina-Figur gewesen wäre. Der Weg zur selbstbewussten Power-Frau war harte Arbeit, das wird beim Lesen deutlich.

Um Yoga geht es natürlich auch, wobei die Autorin sowohl verschiedene Yogaarten vorstellt als auch mit Abbildungen der Abläufe verschiedene Yoga-Flows etwa für Gelassenheit, für innere Stärke oder fürs Gleichgewicht vorstellt. Wer noch nie Yoga gemacht hat, dürfte auch angesichts der wenig elfenhaften Modelle Mut fassen, es einmal auszuprobieren. Und wer Yoga bereits kennt und selbst auch keine Size Zero Typ ist, kann nur sagen: danke, Jessamyn! 


Jessamyn Stanley, Every Body Yoga

Löwenzahn Verlag 2023

216 Seiten, 29,90 Euro

9783706629805